mini|Wayang-Kulit-Figur (vor 1900)
Als Wayang wird in Indonesien jedes darstellende Spiel bezeichnet, darunter das Schattenspiel Wayang Kulit, das Stabpuppenspiel Wayang Golek, das Maskenspiel Wayang Topeng, die Bühnendarstellungen von unmaskierten Schauspielern Wayang Wong und die Bildrollenerzählung Wayang Beber. Die Figuren selbst werden auf Java ebenfalls als Wayang bezeichnet, auf Bali heißen sie Ringgit.
Die Form der Figuren und die dargestellten mythischen Geschichten haben sich seit dem Vordringen des Islam ab dem 15. Jahrhundert in die zuvor hinduistischen Zentren des Wayang in der indonesischen Inselwelt stark gewandelt. Das Wayang-Puppentheater wurde 2003 von der UNESCO als eines der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit klassifiziert.
Wayang in der traditionellen Religion und im Hinduismus Tanzformen werden auf Java eingeteilt in Ritualtänze, Kampftänze (Pencak Silat), Unterhaltungstänze (Ronggeng), Tanztheater (Wayang) und seit 1950 neu hinzugekommene Tanzchoreografien (tari kreasi baru).
Auf Javanisch bedeutete wayang, „Schatten“. Die zweite Silbe -yang entspricht hyang, „Geist“, in der Bedeutung „göttlicher Geist“ oder „Ahnengeist“. „Schatten“ bezieht sich auf etwas, das schwach beleuchtet ist und sich hin und her bewegt. Gemeint ist ein sich umherbewegendes Geistwesen oder „Imagination“.Setyo Budi, Joko Susilo: Symbolism of the Ideology of Javanese Knights Based on the Iconography of the Visual Form of Punakawan in Javanese Wayang Purwa. In: Harmonia: Journal of Arts Research and Education, Band 25, Nr. 1, 2025, S. 116–130, hier S. 116 Die Kultur Indonesiens ist mit dem Glauben an die Geister der Vorfahren eng verbunden.
Der Ursprung des javanischen Schattenspiels liegt vermutlich in Indien. Die älteste Form des Wayang Kulit aus dem 1. Jahrtausend, Wayang Purwa, dürfte auf das Puppentheater Ravana Chhaya aus Odisha zurückgehen, dessen Themen aus den indischen Epen Mahabharata und Ramayana stammen und das mit dem Chhau-Maskentanz dieser Region in einer thematischen und formalen Verbindung steht.Manohar Laxman Varadpande: History of Indian Theatre. Abhinav Publications, Neu-Delhi 1987, S. 75.
Nach dem animistischen Glauben können die Geister der Ahnen als schützend oder Unheil anrichtend in das Leben der Lebenden eingreifen. Daher versuchen die Anhänger dieses Glaubens Wege zu finden, wie sie die Geister mit Ritualen und Zeremonien, in Form von Schattenspielen um Hilfe bitten können. Die Figuren dieser Schattenspiele waren Wayang Golek (normale Kopfgestalt durch einen damit verbundenen Stab auf dem Rumpf drehbar. Arme durch je ein Stab, der an der Hand befestigt ist beweglich), geschnitzte, bemalte und bekleidete Figuren, die an Fäden gezogen wurden, Malereien auf Schautafeln oder geweihte und verkleidete Menschen.
Vor Christi Geburt war der Hinduismus, aus Indien kommend, nach Indonesien vorgedrungen. Allmählich nahmen die Einwohner diese neue Religion an. Sanskrit wurde die gehobene Sprache in Java und später auch auf Bali. Die Hindus verwendeten das Wayang (wie auch später der Islam), um ihren Glauben zu verbreiten – vor allem durch die Geschichten von Mahabharata und Ramayana. Später wurde diese Mischung aus Religion und Wayang-Spiel als Harmonie zwischen dem Hinduismus und dem Original Indonesischen gefeiert. Auf Java, im Westteil von Sumatra und auf den kleinen Inseln in ihrer Umgebung gab es lange noch Traditionalisten, Förderer und Künstler, die die originalen indonesischen Geschichten aufführten. Doch der Einfluss des Hinduismus überwog, und die ehemaligen Geschichten aus der Zeit des Animismus gerieten in Vergessenheit oder wurden in die hinduistischen Stücke integriert.
Die Figuren des Wayang tauchen in ihrer Gestalt auch in fast allen Malereien dieser Zeit auf. Als Beispiel sei hier die Deckenmalereien im ehemaligen Gerichtssaal in Klunkung auf Bali erwähnt. In der traditionellen balinesischen Malerei ist diese Art der Darstellung noch heute gebräuchlich.
Wayang und der Einfluss des Islam Als sich der Islam in Indonesien immer weiter ausbreitete, wurde unter seinem Einfluss die menschliche Darstellung von Göttern verboten und damit diese Art von Malerei und Schattenspiel unterdrückt. Als Raden Patah, Herrscher im Königreich von Demak (Java) die Wayang in ursprünglicher Gestalt sehen wollte, bekam er von den Walis (Religionsführer) keine Erlaubnis dazu. Doch fand man dennoch einen praktischen Weg, um dies zu ermöglichen: die Walis ließen die Wayang-Figuren aus Leder in Form von Wayang Purwa herstellen. An Stelle der Figuren wurden deren Schatten gezeigt und damit nicht die Nachahmung von Menschen oder Göttern, sondern ein Abbild deren Charakteren. Dies war die Geburt des Schattenspiels (Wayang kulit), wie wir es heute kennen. Kulit ist das indonesische Wort für „Haut“.
Im nicht-islamischen Teil Indonesiens findet man noch immer Wayang-Golek-Aufführungen, das Wayang Klitik stellt eine Übergangsform zwischen Wayang Golek und Wayang Kulit dar. Die Figuren des Wayang Klitik sind bemalte Schnitzereien aus flachem Holz (max. 5–15 mm dick) mit beweglichen Armen. Der Kopf ist mit dem Rumpf fest verbunden. Mit ihnen kann sowohl am Tag, wie auch bei Nacht gespielt werden. Diese Arten der Figuren sind wahrscheinlich die ältesten Wayang-Figuren in Indonesien. Sie konnte sich jedoch nicht durchsetzen und sind sehr selten geworden. Das Wayang Kulit, dessen Figuren heute aus ungegerbter Wasserbüffelhaut oder wie auf Lombok aus Rinderhaut hergestellt werden, hat sich als die bekannteste Wayang-Aufführungsweise durchgesetzt. Seine Beliebtheit wird in Indonesien nur noch durch Fußball-Übertragungen im Fernsehen übertroffen.
Das Wayang mit lebenden Personen (Sendratari) findet man noch heute auf Bali (Wayang Topeng).
Arten des Wayang Wayang Topeng oder Wayang Gedog mini|hochkant|Wayang Gedog, Surabaya, um 1905 Das Wayang Topeng ist eine Theateraufführung mit Themen aus dem Königreich Jenggala, wobei die Schauspieler Holzmasken tragen (gedog von kedok, „Maske“, übertragen „Tarnung“; topeng, „(Theater-)Maske“). Als Thema dient häufig die Geschichte von Raden Panji und Candra. Dies ist eine Liebesgeschichte zwischen der Prinzessin Candra Kirana von Kediri und Raden Panji Asmarabangun, dem Kronprinzen von Jenggala. Candra Kirana stellt die Inkarnation von Dewi Ratih (der Liebesgöttin) und Panji eine Inkarnation von Kamajaya (des Gottes der Liebe) dar. Kirana wurde als Gedicht mit dem Titel „Smaradahana“ – das Feuer der Liebe – geschrieben. Am Schluss der verwirrenden Geschichte können sie endlich heiraten und bekommen als Nachwuchs einen Sohn, den sie Raja Putra nennen. Panji Asmarabangun regierte Jenggala unter dem offiziellen Namen Sri Kameswara oder auch Prabu Suryowiseso oder Hino Kertapati. Früher wurde das Wayang Topeng nur in den vier Palästen von Yogyakarta und Surakarta als klassische höfische Tänze gespielt. Im Laufe der Zeit wurde es immer populärer und volkstümlicher. Wayang Topeng ist auf Java, Bali und nur noch selten auf Lombok verbreitet. Ein Zentrum ist die ostjavanische Stadt Malang. Eine bekannte Panji-Erzählung ist die als Maskentheather aufgeführte Episode Kuda Narawangsa.Clara Brakel-Papenhuyzen: Masked Panji plays in nineteenth-century Java: The story of Kuda Narawangsa. In: Wacana, Band 21 Nr. 1, 2020, S. 1–27
Für männliche Darsteller:
Alus: Sehr langsame, elegante und weiche Bewegungen. So zum Beispiel der Tanz von Arjuna, Puntadewa und alle anderen schlank gebauten Ksatrias. Zwei Arten von Bewegungen kommen vor: Lanyap und Luruh. Gagah: Kambeng: ein mehr sportlicher Tanz, durchgeführt mit Kraft von athletischen Tänzern, dargestellt werden damit Bima, Antareja und Gatotjaca. Bapang: Gagah und Kasar für die Krieger der Kaurawa. Kalang Kinantang: Liegt in etwa zwischen Alus und Gagah, wird getanzt von Tänzern, die Kresno oder Suteja darstellen. Für große und schlanke Tänzer. Kasar: Ein grober und rauer Stil, wird bei der Darstellung von Riesen und Dämonen verwendet. Gecul: Ponokawan & Cantrik Kambeng Dengklik: Für Affenkrieger wie Anoman. Kalang Kinantang Dengklik: Für Affenkrieger wie Sugriwa und Subali.
Für weibliche Darsteller: mini|Wayang Wong. Szene aus dem Mahabharata. Links die fünf Pandava-Brüder und ein Wächter, rechts Krishna Die Bewegungen werden „Nggruda“ oder „Ngenceng encot“ genannt und im klassischen höfischen Tanz gibt es 9 Grundbewegungen (Joged Pokok) und zwölf weitere Bewegungen (Joged Gubahan und Joged Wirogo) um die Bewegungen der Tänzerinnen des Bedoyo und Srimpi zu verschönern.
Heute wird das Wayang Wong, nach dem Gagrak-Stil von Surakarta, mit einer Tänzerin gespielt. Sie führt die Alus-Bewegungen des ksatria, ähnlich Arjuna aus. Nach dem Gagkra-Stil von Yogyakarta führt ein Tänzer dieselben Alus-Bewegungen eines edlen ksatrias aus. Die Kleidung und die ganze restliche Ausstattung sind unterschiedlich für Könige, ksatrias, Einsiedler, Prinzessinnen, Prinzen und Generälen. Insgesamt gibt es ca. 45 unterschiedliche Typen, die vorgeführt werden können.
Wayang Wong Das Wayang Wong, entstanden am Hof der Herrscher in Yogyakarta und wurde im 10. Jahrhundert erstmals erwähnt. Es vereint Elemente von Tanz, Musik, Drama, Sprache und Literatur, um Themen des Ramayama oder Mahabharata darzustellen. Es weist stark stilisierte Muster der Bewegung und der Kleidung auf und wird auf Java von unmaskierten, aber kostümierten Darstellern aufgeführt, die ihre Texte selbst vortragen. Auf Bali werden teilweise auch Masken verwendet. Neben den „Palastversionen“ gibt es auch einfachere dörfliche Aufführungstraditionen.
Wayang Golek oder Holzpuppen (Stabpuppen) Die gespielten Inhalte gleichen denen des Wayang Kulit, Die Aufführungen finden jedoch am Tage, oder nachts mit ausreichender Beleuchtung statt. Die Besucher sitzen auch nicht vor einer weißen Leinwand, wie im Kino, sondern vor einer erhöhten Bühne mit einer Wand oder Vorhang, die den Dalang (Spielführer) verbirgt. Vor dem Dalang liegt auch kein Bananenstrunk, der die Puppen aufnimmt, sondern ein Plangkan (eine Art Tisch mit Löchern in der Tischplatte), auf dem die benötigten Puppen bereitgestellt werden.
In Zentral- und Ostjava werden bevorzugt Stücke aus dem Menak gespielt, die Geschichten von Amir Hamzah, dem Onkel des Propheten Muhammad, das auch kurz als Wayang Menak bezeichnet wird. In Westjava werden im Wayang Golek dagegen mehr die Geschichten aus dem Mahabharata und Ramayana bevorzugt. Die Geschichten um Amir Hamzah wurden im 16. Jahrhundert zur Unterstützung der Verbreiterung des Islams geschaffen. Neben der Hauptfigur sind darin noch sein bester Freund und Berater, Umar Maya (Umarmaya), sein General Selandir (oder Alam Daur), seine Hauptfrau Putri Muniggarim, sein streitsüchtiger Schwiegervater Nursiwan, viele andere Könige, mit denen man Kriege führen muss oder gute Beziehungen pflegen, Prinzessinnen und auch Teufel (ehemalige Dämonen). Ein Teil der Geschichten finden in die Zeit vor der Geburt des Propheten Muhammad statt und beinhalten sowohl die alten animistischen Erzählungen als auch solche mit hinduistischem Hintergrund.
Wayang Karucil oder Wayang Klitik mini|hochkant|Damarwulan, Wayang Klitik aus Ostjava, Beginn des 20. Jahrhunderts