Die Zensurbehörde der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges war die Abteilung Presse und Funkspruch (APF). Sektionen der Abteilung unterstanden dem Armeekommando, andere dem Bundesrat.

Geschichte

Angesichts der sich abzeichnenden Kriegssituation in Europa wurden schon mehrere Monate vor Kriegsbeginn am 1. September 1939 Vorbereitungen getroffen, um die Zensur in der Schweiz zu organisieren. Bereits in der Zwischenkriegszeit hatte sich neben dem Bundesrat vor allem der Armeestab APF mit der Vorbereitung einer künftigen Zensurpolitik auseinandergesetzt. Durch das Fehlen eines ausgearbeiteten Pressenotrechts war es dem Schweizer Militär möglich, die Zensur ohne Kontrolle durch die politischen Behörden in die Wege zu leiten. Das Schweizer Militär drängte von Beginn an auf die Einführung einer generellen Zensur für die einheimischen Presseerzeugnisse. Die Generalstabsabteilung der Schweizer Armee benannte in der nicht veröffentlichten Organisation des Armeestabs am 4. Januar 1939 erstmals eine APF und wies dieser die Überwachung der Vorzensur der schweizerischen Presse zu. Mit dem Bundesratsbeschluss vom 8. September 1939 über den Schutz der Sicherheit des Landes im Gebiet des Nachrichtendienstes wurde General Guisan angewiesen, die Veröffentlichung und Übermittlung von Nachrichten und Äusserungen, insbesondere durch Post, Telefon und Telegraf, Presse- und Nachrichtenagenturen, Radio, Film und Bild zu überwachen. Der General übertrug diese ihm zugewiesenen Kompetenzen der APF, die sich damit fortan für die Zensur in der Schweiz verantwortlich zeigte. Nach Kriegsende wurde im Juni 1945 die Zensurtätigkeit der APF wieder eingestellt. Zwar existierte die militärisch organisierte Stabstelle Bundesrat APF noch bis ins Jahr 2004, doch war diese nur noch für das Informieren der Schweizer Bevölkerung in Krisenlagen zuständig. Trotz des ähnlichen Namens liess sich die Tätigkeit dieser Stabstelle nicht mehr mit der APF während des Zweiten Weltkriegs vergleichen.

Die APF stellte das Erscheinen der Neuen Zürcher Nachrichten (NZN) ab dem 22. Mai 1940 für zehn Tage ein.

Organisation Als Leiter der APF wurde der Bundesrichter Eugen Hasler ernannt. Dieser arbeitete bereits seit Januar 1938 am Organisationsplan mit. Hasler wurde im März 1940 durch Oberst Victor Perrier ersetzt. Perrier hatte das Amt bis Mitte 1942 inne, als sein Nachfolger amtete Oberst Michel Plancherel bis zum Kriegsende. Die APF war bis 31. Januar 1942 direkt dem Armeestab, ab 1. Februar 1942 dem Eidgenössischen Justizdepartement der Schweiz unterstellt. Das Inspektorat und dessen Leiter, in der Regel der Vorsteher der APF, besetzte die zentrale Stelle des Militärstabs. Von Anfang an waren Vertreter der Presse als freie Berater zur Behandlung von Fragen der inländischen Presse beigezogen worden, die unter der Bezeichnung „Presseberatungsstelle“ alle grundsätzlichen Probleme, aber auch einzelne wichtige Fälle auf dem Gebiet des inländischen Pressewesens mitberieten. Auch in anderen Bereichen, wie der Postkontrolle sowie der Telegramm- und Telefonzensur, kam es zur Zusammenarbeit mit zivilen Organen. Im Falle der Postkontrolle waren dies die Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe (PTT).

Die internen Weisungen der APF vom 12. September 1939, 31. Oktober 1939, 5. September 1940 und 1. Februar 1942 legten die Gliederung der Abteilung und die Verteilung der Befugnisse fest. Der APF selbst waren nach Tätigkeitsbereichen aufgebaute Sektionen unterstellt. Ursprünglich waren es deren sieben (Sektion Information, Sektion Presse, Sektion Post, Sektion Telephon und Telegraph, Sektion Film, Sektion Radio, Sektion Buch), doch wurde die Sektion Presse schon bald nach Kriegsbeginn in mehrere eigene Sektionen unterteilt.

Sektion Heimatpresse, später Sektion Information Die Sektion Heimatpresse wurde im Jahr 1940 in Sektion Information umbenannt und war das Bindeglied zwischen der APF, dem Bundesrat und den Armeestellen. Sie hatte aber auch die Aufgabe, politische, militärische und wirtschaftliche Informationen zu sammeln und auszuwerten. So informierte die Sektion Information den Abteilungschef, den Bundesrat und die Armeestellen über die Haltung der Schweizer Presse oder über einzelne Problembereiche. Andererseits informierte die Sektion Information auch die verschiedenen Zeitungsredaktionen in der Schweiz. Die Sektion Information fungierte als eigentliche Pressestelle der APF, wobei sie den Redaktionen häufig Informationen zukommen liess, die nicht für die Veröffentlichung bestimmt waren. Im Gegensatz zu den anderen Sektionen unterstand die Sektion Information direkt dem Armeekommando.

Sektion Presse Die Sektion bestand vom 12. September bis 31. Oktober 1939 sowie vom 5. Oktober 1940 bis Kriegsende. Ihr waren die Sektion Schweizerpresse, die Sektion Auslandpresse und die Sektion Buchhandel unterstellt. Der Chef der Sektion Presse war zugleich Stellvertreter der APF und ab dem 6. Juni 1942 sogar deren Chef. Die Sektion hatte keinen eigenen Stab, sondern bildete nur das gemeinsame Dach der Unterabteilungen.

Sektion Schweizerpresse Die Sektion war für die Überwachung der Schweizer Presse zuständig und wurde am 5. Oktober 1940 geschaffen. Sie war der Sektion Presse unterstellt. Ab 1942 war sie auch dafür zuständig, die Herausgabe neuer Zeitungen zu bewilligen. Ihr Aufgabenbereich überschnitt sich teilweise mit demjenigen der Sektion Information und den Aufgaben des Inspektorats. Wie das Inspektorat kontrollierte die Sektion Schweizerpresse inländische Zeitungen und Zeitschriften, und wie die Sektion Information erstellte sie Pressespiegel über die einheimischen Presseerzeugnisse. Die Kontrolle der Schweizer Presse wurde am 18. Juni aufgehoben.

Sektion Auslandpresse Ihre Aufgabe war die Kontrolle ausländischer Zeitungen und Zeitschriften, die in die Schweiz importiert wurden. Dabei war sie dezentral organisiert. In Bern wurden die deutschen Presseerzeugnisse kontrolliert, in Chiasso die italienischen und in Genf die französischen und englischen. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Postverwaltung übernahmen die PTT einen grösseren Teil der Zensurarbeit bei ausländischen Presseerzeugnissen. Die PTT richteten fünf Haupt- und mehrere Nebenkontrollstellen ein. Die Kontrolle der Auslandpresse wurde am 4. Juni 1945 aufgehoben.

Sektion Agenturen Die Sektion Agenturen kontrollierte die rund 50 Presseagenturen, die von der APF bewilligt wurden. Weiter war die Sektion mit der Überwachung der in der Schweiz akkreditierten Korrespondenten ausländischer Zeitungen beauftragt.

Sektion Kriegspresse Die Sektion Kriegspresse spielte für die Pressekontrolle keine Rolle. Sie übernahm ausschliesslich vorbereitende, teilweise technische Aufgaben im Zusammenhang mit einem potentiellen Angriff auf die Schweiz. So lag die Erstellung einer mobilen Druckereikolonne und andere kriegsspezifische Aufgaben in ihrem Aufgabenbereich.

Sektion Buchhandel Die Sektion Buchhandel war dezentral organisiert. Ihre Aufgabe war die Überwachung der Produkte der Schweizer Verleger sowie der Einfuhr ausländischer Bücher und deren Verkauf in der Schweiz. Die Sektion Buchhandel war beauftragt zu prüfen, ob Bücher oder politische Propaganda den Grundsätzen der Pressekontrolle widersprachen. Mit der Zeit bildete sich immer stärker eine freiwillige Vorzensur heraus, da Verlage ihre Manuskripte vermehrt vor der Drucklegung freiwillig zur Prüfung einsandten, um einer Nachzensur zu entgehen. Die Kontrolle der Propagandaschriften unterstand der Bundesanwaltschaft. Die Buchzensur wurde am 4. Juni 1945 aufgehoben.

Sektion Film Die Sektion Film war mit einer militärischen und politischen Vorzensur aller öffentlich vorgeführten Filme (Spielfilme, Dokumentarfilme und Wochenschauen) beauftragt. Die Sektion Film prüfte sowohl inländische als auch ausländische Filmerzeugnisse und erteilte Bewilligungen zur Einfuhr und Vorführung von Filmen. Zudem war sie für die Kontrolle von militärischen Bildern zuständig. Die Filmzensur wurde am 18. Juni 1945 aufgehoben.

Sektion Radio Die Sektion Radio hörte sich die Sendungen der schweizerischen Radios an. Bei Sendungen, die sich mit wirtschaftlichen oder militärischen Themen befassten, wurde eine Vorzensur vorgenommen. Ab 7. Februar 1940 war die Sektion Radio auch für die Schallplattenzensur und ab 12. Mai 1940 für das Abhören ausländischer Radiosender zuständig. Die Sektion stellte ihre Tätigkeit am 15. August 1945 ein.

Zensur der Schallplatten Am 7. Februar 1940 wurde für die Schweiz eine partielle Überwachung des Schallplattenhandels sowie der Schallplattenindustrie verfügt. Die Sektion Radio der APF sollte die Einfuhr, die Herstellung, den Vertrieb wie auch die öffentlichen Vorführungen verbotener Schallplatten verhindern. Schallplatten, die sich auf das Zeitgeschehen, Politiker (im In- und Ausland), auf ganze Nationen oder auf Armeen seit dem Jahre 1939 bezogen, wurden zensiert. Auch Märsche oder andere Musik mit „politisch-propagandistischen Tendenzen“Köniz, PTT-Archiv: T-00-B-0075-02 GD TT (09-164-05) Telefon- und Telegrammzensur 1940, Schreiben vom 3. März 1940. wurden verboten. Ein grosser Kontrollapparat sollte aus Kostengründen vermieden werden. Die Zensur sollte zudem „Handel, Industrie und Rundspruch keine unnötigen Fesseln“Köniz, PTT-Archiv: T-00-B-0075-02 GD TT (09-164-05) Telefon- und Telegrammzensur 1940, Schreiben vom März 1940. auferlegen. Die Sektion Radio veröffentlichte wöchentliche Bulletins (jeweils samstags) und informierte über zensierte Schallplatten (Marke, Nummer, Liedtext/Interpret). Diese Berichte wurden mehreren Stellen (Oberzolldirektion, Grammophongrosshändler, Radios etc.) zugestellt. Beispielsweise war der Telefon- und Telegrammbereich der PTT verantwortlich dafür, dass verbotene Musik nicht auf dem Telefonnetz (auch vom Ausland her in der Schweiz) abgespielt wurde. Poststellen und Oberzolldirektion überwachten den Import von Schallplatten. Private Radiosender wie beispielsweise Rediffusion oder Radibus sowie Grosshändler wurden grösstenteils aufgefordert die Schallplattenzensur selber durchzuführen.Köniz, PTT-Archiv: T-00-B-0075-02 GD TT (09-164-05) Telefon- und Telegrammzensur 1940, Schreiben vom 3. und 18. März 1940.

Datum der ZensurTitelMarkeNr.Interpret1940Köniz, PTT-Archiv: T-00-B-0075-02 GD TT (09-164-05) Telefon- und Telegrammzensur 1940.18. März 1940[We're Going to Hang out] the washing in the Siegfried LineColumbiaFB 2314HMV (His Masters Voice)HE 2145ParlophoneF 154712. Juni 1940Decca59.013 A Dr. 3.87618. März 1940On ira prendre notre linge sur la Ligne SiegfriedPathéPA 187312. Juni 1940I'm sending you the Siegfried LineDeccaB Dr. 3.87718. März 1940AdolfColumbiaFB 2307ParlophoneF 158318. März 1940Charlie Kunz Wartime Piano Medley (Piano)DeccaF 7277Charlie Kunz18. März 1940Prenez le temps d'aimerGramophoneF 841618. März 1940Wir fahren nach EngellandTelefunkenA 1004418. März 1940Das HeilmittelSolor Rekord60 d18. März 1940Warnung 1. und 2. TeilSolor Rekord33/3418. März 1940Alarm bi klarer SternennachtElite Record186118. März 1940Coldstream Guards Marsch-potpourriHMVB899118. März 1940BombenfliegermarschTelefunkenA294627. Juli 1940run rabbit runTelefunkenA 10085ColumbiaMZ 174ParlophoneF 1546HMVHE 21481941Köniz, PTT-Archiv: T-00-B-0094-02 GD TT (09-164-05) Telefon- und Telegrammzensur 1941.15. Februar 1941L'internationale / par les monts et les valléesPolydorB 524371Ensemble de chant de l'armée rouge de l'URSS3. Juli 1941Good bye SallyHMVBD 553014. November 1941Maréchal, nous voilàIn jeder Aufnahme und Marke1942Köniz, PTT-Archiv: T-00-B-0114-02 GD TT (09-164-05) Telefon- und Telegrammzensur 1942.29. Juni 1942Bombe sull'inghilterraLa voce del padroneHN 2015Schultze-Stoepler-FratiInno dell'AsseIviglia-Cremer-Carmeli16. Oktober 1942Das Lied des deutschen U-Boot-MannTelefunkenA 1042710. November 1942VincereOdeon9270Mendes-Mascheroni26. Dezember 1942Adesso viene il belloFonit74118Vittorio Emanuele Bravetta Giuseppe Blanc

Sektion Telegraf und Telefon