mini|Titelseite, Compte rendu au Roi, 1781 Der (voller Name: ; dt.: Rechenschaftsbericht/Finanzbericht an den König) ist ein Dokument, das am 19. Februar 1781 vom damaligen französischen Finanzminister Jacques Necker veröffentlicht wurde. Darin gibt Necker Rechenschaft über seine bisherige Reformpolitik und legt den aktuellen Zustand der königlich-staatlichen Finanzen dar.

Dieser ist berühmt geworden, weil durch ihn zum ersten Mal in der Geschichte des Königreichs Frankreich Zahlen über die Staatsfinanzen veröffentlicht wurden. Zudem gab er Anlass zu großen Diskussionen, weil er für das aktuelle Jahr 1781 einen ordentlichen Überschuss konstatierte. Dieser Überschuss erschien vielen Zeitgenossen und Historikern nicht glaubhaft, weil das Frankreich des Ancien Régime mit ständigen Finanzproblemen zu kämpfen hatte und 1781 überdies seit drei Jahren am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen das Königreich Großbritannien teilnahm.

Kontext: Neckers erstes Ministerium 1776–1781 mini|Jacques Necker, Verfasser des von 1781 Am 22. Oktober 1776 wurde Jacques Necker zum ersten Mal Finanzminister Frankreichs, zunächst mit dem Titel Generaldirektor der königlichen Schatzkammer (), ab dem 29. Juni 1777 als Generaldirektor der Finanzen (). Seine wichtigste Aufgabe war es, den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu finanzieren, in welchen Frankreich 1778 aktiv eingriff. Dazu musste er umfangreiche Kredite und Staatsanleihen aufnehmen. Um die damit verbundenen Zinsen tragen zu können, führte er zahlreiche Reformen und Einsparungen durch.

Um genügend Kredite auftreiben zu können, musste Necker aber nicht nur ausreichend finanzielle Mittel für die Zinskosten freistellen, sondern er musste die Investoren und Geldgeber auch davon überzeugen können, dass ihr Geld beim französischen Staat in sicheren Händen war. Über das 18. Jahrhundert hinweg war dieser nämlich einige Male bankrottgegangen (so etwa 1715, 1721, 1726, 1759 und 1770) und die Gläubiger des Staates hatten jedes Mal große Verluste hinnehmen müssen. Überdies waren die Finanzen der Monarchie Staatsgeheimnis und bis dahin nie veröffentlicht worden, was seine Kreditwürdigkeit ebenfalls untergrub. Nun wollte Necker bei den Kreditoren um Vertrauen werben und zeigen, dass die Finanzen des Staates gesund waren, obwohl dieser seit mehreren Jahren in einen teuren Krieg verwickelt war. Daher veröffentlichte er mit Zustimmung des Königs Ludwig XVI. am 19. Februar 1781 seinen . Es war das erste Mal in der Geschichte Frankreichs, dass die Öffentlichkeit Zahlen über die Staatsfinanzen zu Gesicht bekam.

Inhalt Der enthält einen Aufsatz, in welchem Necker Rechenschaft über seine bisherige Reformpolitik gibt, und den nachfolgenden eigentlichen Finanzbericht mit den Zahlen für das Jahr 1781.

Aufsatz Der Aufsatz seinerseits besteht aus einem kurzen Vorwort und drei nachfolgenden Teilen. Im Vorwort wird dargelegt, wieso die Veröffentlichung der Staatsfinanzen vorteilhaft sei. Die Minister und übrigen Entscheidungsträger in der Regierung müssten den Zustand der Finanzen kennen, damit sie ihre Politik danach ausrichten könnten.Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 2. Zudem zeige das Beispiel Englands, dass der Staat viel mehr Kredit bekomme, wenn er die Geheimnistuerei beende und mit offenen Karten spiele. In England werde der Finanzhaushalt jährlich dem Parlament vorgelegt und danach veröffentlicht und sei daher jederzeit bekannt.Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 2 f. Daher finde England viel mehr Kredit, obwohl es an Bevölkerung und Fläche kleiner sei als Frankreich.

Im ersten Teil werden der Zustand der Finanzen und des öffentlichen Kredits dargelegt. Hier steht die Schlüsselstelle des , in welcher Necker versichert, dass trotz eines strukturellen Defizits, welches noch 1776 bestand, und trotz der großen Kriegsausgaben die Staatsfinanzen gesund seien und nun ein ordentlicher Überschuss von 10,2 Mio. Livre bestehe:

Anders als im letzten Krieg (Siebenjähriger Krieg), bei welchem der französische Staat nach drei Jahren Kampf in die Insolvenz stürzte (Oktober 1759), sei diesmal auch der öffentliche Kredit stabil geblieben.Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 23 f. Die französische Regierung finde genügend Geld, um ihr militärisches Engagement im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu finanzieren. Sodann kommt Necker auf die Antizipationen (kurzfristige Vorschüsse) zu sprechen, welche seiner Meinung nach nicht zu hoch sein sollten, weil diese Form von Kredit nur wenige Monate lief und daher immer wieder erneuert werden musste, was bei temporärem Austrocknen des Kapitalmarktes schwierig werden konnte.Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 26–28. Danach werden kurz die staatliche Buchführung () und die Diskontbank () angesprochen.

Im zweiten Teil werden die verschiedenen Reformen innerhalb der Finanzverwaltung erläutert. Zunächst werden die Pensionen, Gratifikationen und weiteren pekuniären Zuwendungen angesprochen (),Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 35–39. ein Ausgabeposten, der im ein wichtiger Schuldenfaktor war. Sodann beschreibt Necker, wie er die Profite der Finanzleute begrenzt habe, was im Zusammenhang mit dem Aufbau des damaligen Staatsapparates gesehen werden muss. Dieser war geprägt durch ein großes Bürokratisierungsdefizit. Durch die Institution der Ämterkäuflichkeit waren wichtige Aufgaben und Ämter innerhalb der Finanzverwaltung (Steuereinziehung, Geldverwaltung, Rechnungsbegleichungen etc.) an privatwirtschaftliche Unternehmer verkauft (Ferme générale), welche für ihre Dienste jedoch große Summen einstrichen und die Führung des Staates schwerfällig und kompliziert machten. Necker trachtete danach, die Profite dieser privatwirtschaftlichen Finanzleute zu schmälern und sie besser zu kontrollieren. Zur Sprache kommen im ,Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 43–46. die Hauptsteuerpächter für die direkten Steuern (),Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 47–49. die Hauptsteuerpächter für die königlichen Ländereien und Wälder (),Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 49–51. die Auszahler der königlichen Renten ()Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 51 f. sowie die große Steuerreform von 1780, welche die Einziehung eines Großteils der indirekten Steuern auf drei große Kompanien verteilte ().Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 52–58. Als weitere Themen werden die Ausgaben des königlichen Haushaltes angesprochen (),Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 58–61. welche gemäß Necker stark gekürzt wurden, sodann die Verwaltung der Krondomänen ()Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 61–66. und königlichen Wälder ()Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 66–71. und die Prägung des Münzgeldes ().Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 71–74. Gemäß Necker haben all diese Reformen nicht nur zu großen Einsparungen, sondern auch zu mehr Ordnung und Übersicht in der Verwaltung geführt.Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 34.

Im dritten, umfangmäßig größten Teil des Aufsatzes kommen allgemeinere politische Themen und Reformen zur Sprache, welche zwar nicht direkt mit den staatlichen Finanzen zu tun hatten, aber für die allgemeine Prosperität des Landes dennoch als wichtig bezeichnet werden (Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 6.). Einen großen Raum nehmen dabei fiskalpolitische Diskussionen ein. Vor allem das System der indirekten Steuern war im damaligen Frankreich sehr kompliziert, wenig berechenbar und auch sehr ungleich verteilt, was einerseits eine ständige Ungewissheit für die Steuerzahler bedeutete, andererseits für das Wirtschaftsklima im Land schädlich war. Necker versuchte, hier Verbesserungen durchzuführen, musste aber zugeben, dass wegen des Krieges einige Projekte verschoben werden mussten, insbesondere jene, welche eine gewisse Ertragseinbusse befürchten ließen. Denn um den Schuldendienst sicherzustellen war er ängstlich darauf bedacht, die Einkünfte des Königs, Ludwig XVI. nicht zu schmälern, mochten die damit verbundenen Reformen auch noch so sinnvoll sein. So musste die Reform der } (eine Art Kopfsteuer) auf später verschoben werden,Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 92 f. ebenfalls die der Salzsteuer ().Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 109–118. Diese war ein besonders eindrückliches Beispiel dafür, wie kompliziert das damalige Steuersystem war. Frankreich war bezüglich der Salzsteuer in mehrere große Hauptsteuerklassen eingeteilt, in welchen der Salzpreis ganz unterschiedlich hoch war. Dieses Preisspektrum führte zu großem Salzschmuggel, welcher wiederum unter Einsatz großer Ressourcen bekämpft werden musste. Auch innerhalb dieser Hauptsteuerklassen gab es große Preisunterschiede, so dass praktisch im ganzen Land ein permanenter Schmuggelkrieg herrschte. Um dem entgegenzuwirken, schlägt Necker im zwei alternative Maßnahmen vor: Entweder man schaffe die Salzsteuer komplett ab, was aber angesichts ihres großen Ertrages von 54 Mio. Livre nicht möglich sei, oder man sorge wenigstens für einen einigermaßen einheitlichen Salzpreis, damit dem Schmuggel die Grundlage entzogen werde. Doch solche komplizierten Reformen könnten erst nach Beendigung des Krieges angegangen werden. Weitere von Necker angesprochene Steuerarten waren die Zwanzigsten auf das Einkommen (),Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 82–86. die Hauptertragssteuer (),Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 86–91. die Steuer auf offizielle Akten (),Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 107–109. Grenzzölle und Wegzölle (),Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 118–121. die lokale Warensteuern (),Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 121 f. Steuern auf den Ämterbesitz (, beim Abschnitt )Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 122 f. sowie die Fron ().Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 93–96.

Neben diesen fiskalpolitischen Diskussionen spricht er auch Themen institutioneller und sozialpolitischer Art an. Einen großen Raum nehmen insbesondere die Provinzialadministrationen ein.Necker: Compte rendu. In: Œuvres complètes. Band II, S. 96–107. Dieses Projekt, von Necker gestartet, sah die Errichtung von Regionalparlamenten vor, welche im begrenzten Gebiet einer Provinz Lösungen zu regionalpolitischen Problemen suchen sollten. Insbesondere die gerechte Aufteilung der Steuern, die Behandlung der Klagen der Steuerpflichtigen, der Straßenunterhalt und die Mehrung des allgemeinen Wohlstandes gehörten zu ihren zentralen Aufgaben. Obwohl jegliche Beschlüsse dieser Administrationen an die königliche Zustimmung gebunden blieben und dessen volle Autorität nicht beschränkt wurde, erkannte Necker, dass es nicht nötig und auch nicht sinnvoll war, wenn Lösungsansätze immer nur von Versailles ausgingen. Die in der Region selbst wohnenden Leute hatten oftmals viel größere Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten und konnten daher viel genauer und sensibler auf sie reagieren als die weit entfernte königliche Regierung in Versailles.