Die Friedrich-Schiller-Universität Jena (, gelegentlich auch Salana; 1921–1934 Thüringische Landesuniversität, davor Sächsische Gesamtuniversität) ist die größte Hochschule und die einzige Volluniversität im Freistaat Thüringen. Unter den rund 200 angebotenen Studienmöglichkeiten befinden sich auch viele sogenannte kleine Fächer wie Kaukasiologie, Rumänistik, Wissenschaftsgeschichte und Indogermanistik.
Sie gehört zu den 15 ältesten Universitäten Deutschlands und ist Mitglied der Coimbra-Gruppe.Die ältesten Hochschulen in Deutschland. In: studiengang-verzeichnis.de. Ralf Markert, abgerufen am 8. April 2019 (private Website). Persönlichkeiten wie Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe wirkten in Jena. Im Bereich der Optik machten Ernst Abbe, Carl Zeiß und Otto Schott die Universität weltweit bekannt.
Im Rahmen der Exzellenzinitiative 2007 ist die Graduiertenschule „Jena School for Microbiological Communication“ gefördert worden. Im Jahr 2018 konnte die Universität mit dem Forschungscluster „Balance of the Microverse“ erneut zusätzliche Förderungen im Rahmen der Exzellenzinitiative erwerben. Seit 2025 erhält die Universität mit dem Exzellenzcluster „Imaginamics“ weitere Förderung im Rahmen der Exzellenzinitiative.https://www.uni-jena.de/321112/jena-erhaelt-zwei-exzellenzcluster
Fakultäten mini|hochkant|Der Namensgeber Friedrich Schiller Der heutige wissenschaftliche Lehrbetrieb ist in folgenden Fakultäten organisiert (alphabetisch geordnet): Biowissenschaften Chemie und Geowissenschaften Mathematik und Informatik Medizin Philosophie Physik und Astronomie Rechtswissenschaften Sozial- und Verhaltenswissenschaften Theologie Wirtschaftswissenschaften
Geschichte Gründung Das Jahr 1558 gilt als Gründungsjahr der Universität, die damals Salana bzw. Collegium Jenense genannt wurde.Vgl. Schon 1547 hatte der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, der sich in der Haft von Kaiser Karl V. befand, den Plan entwickelt, eine Universität aufzubauen, nachdem ihm die Kurwürde genommen worden und damit auch die Universität Wittenberg an den bisherigen Herzog von Sachsen, Moritz von Sachsen, verloren gegangen war. Dieser Plan wurde von seinen drei Söhnen ausgeführt, die am 19. März 1548 in dem Weinbauernstädtchen Jena im ehemaligen Dominikanerkloster eine „Höhere Landesschule“ (Paedagogium provinciale) gründeten. In der Stiftungsurkunde des römisch-deutschen Königs und späteren Kaisers Ferdinand I. wurden ihr am 15. August 1557 die Rechte einer Universität verliehen, die mit ihrer feierlichen Eröffnung am 2. Februar 1558 in Anwesenheit des regierenden Herzogs Johann Friedrich auch ihren Lehrbetrieb aufnahm. Mit der Existenz einer eigenen Universität sollte die Ausbildung von Juristen, Lehrern und besonders Geistlichen Augsburgischen Bekenntnisses in eigener, ernestinischer Hand sichergestellt werden.Joachim Bauer, Andreas Klinger, Alexander Schmidt, Georg Schmidt (Hrsg.): Die Universität Jena in der Frühen Neuzeit. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8253-5525-8.
mini|Die Universität Jena, alias Salana um 1600
Im späten 16. Jahrhundert war die Universität während der theologischen Lehrstreitigkeiten unter den Reformatoren Mittelpunkt der lutherischen Orthodoxie mit dessen streitbarem Repräsentanten und Professor Matthias Flacius.
Eine Besonderheit Jenas waren in den Anfangsjahren der Universität die „Professoren-Tische“. Die Dozenten hatten das Recht, Studenten bei sich mit Speise und Trank zu verköstigen und zu diesem Zweck das Privileg der Braufreiheit. Mit diesem Recht wurde aber bei der kärglichen Besoldung der akademischen Lehrer ein großer Missbrauch getrieben, sodass die „Professoren-Tische“ zu regelrechten Kneipen ausarteten und wüste Zechgelage unter Beteiligung der Professoren stattfanden. Da die Dozenten so in wirtschaftliche Abhängigkeit von den Studenten gerieten, zeigten jene sich ihren Schützlingen auch vor dem Universitätsgericht überaus nachsichtig. Dies führte zur Herausbildung eines „wüsten“ Studententreibens.
18. Jahrhundert mini|Fuchsenankunft in Jena um 1770
Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges erlebte die Universität zwischen 1706 und 1720 eine Blütezeit und stand mit 1800 Studenten an der Spitze aller deutschen Universitäten.
Unter der Regierung (1758 bis 1828) des Herzogs Carl August und seines Rats und Ministers Johann Wolfgang Goethe gewann der neue Geist Weimars an Einfluss auch in Jena, was zu einer zweiten Blütezeit der Universität führte.Die wissenschaftliche Blütezeit der Alma Mater Jenensis zum Ende des 18. Jahrhunderts wird in der zusammenfassenden Darstellung der Wissenschaftler und Lehrkräfte der Universität Jena von David de la Croix und Robert Stelter quantifiziert. David de la Croix, Robert Stelter: Scholars and Literati at the University of Jena (1558–1800). In: Repertorium Eruditorum Totius Europae / RETE, 2021, 1, S. 25–32. Goethe widmete ihr sein amtliches und persönliches Interesse. Auf sein Betreiben etwa wurde Friedrich Schiller hier 1789 Professor, mit dem ihn ab 1794 – bis zu dessen Tod (1805) – eine enge Freundschaft verband. 1794 wurden Johann Gottlieb Fichte und 1798 Friedrich Wilhelm Joseph Schelling berufen, von 1801 bis 1807 lehrte Georg Wilhelm Friedrich Hegel hier, so dass Jena zum Zentrum der deutschen idealistischen Philosophie wurde.
Aber auch die literarischen Richtungen der frühen Romantik mit August Wilhelm Schlegel, seiner Frau Caroline Schlegel, Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck, Clemens Brentano und Friedrich von Hardenberg fanden hier eine hervorragende Pflegestätte. Die hier 1785 gegründete Allgemeine Literatur-Zeitung, die ab 1804 bis 1841 als Jenaische Allgemeine Literatur-Zeitung fortgeführt wurde, sowie die von Friedrich Schiller herausgegebenen Horen, mehrten durch ihre Autoren und Beiträger, zu denen die angesehensten Dichter, Philosophen und Publizisten der Zeit gehörten, die Bedeutung der Stadt Jena als literarisch-intellektuelles Zentrum. Ihre Universität, die im Ruf besonderer Liberalität stand, erreichte im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert einen ihrem Ansehen entsprechenden Höhepunkt auch ihrer Studentenzahlen, die freilich durch die allgemeine politische Entwicklung und durch den Weggang berühmter Lehrer (etwa 1799 die Entlassung Fichtes) nicht gehalten werden konnten.
19. Jahrhundert mini|Urburschenschaftsdenkmal
Aufgrund der durch Erbteilungen aus dem Herzogtum Sachsen hervorgegangenen Ernestinischen Herzogtümer fungierten deren einzelne Linien gemeinsam als Förderer („Nutritoren“ = Ernährer) der Hochschule, die als einzige Universität des Landes bestand. Entsprechend führte die Alma Mater die Bezeichnung einer Großherzoglich und Herzoglich Sächsischen Gesamtuniversität. Wie alle damaligen Gründungen war die Universität mit Einkünften aus Landgütern und Herrschaftsrechten ausgestattet bzw. „fundiert“. Im Falle Jenas war dies vor allem das Universitätsamt in Apolda.
Napoleon Bonapartes Sieg über die vereinten preußischen und sächsischen Armeen in der Schlacht bei Jena und Auerstedt (am 14. Oktober 1806) war mit schweren Schäden für die Stadt Jena und ihre Universität verbunden. In der Folge begann sich starker Widerstand gegen die napoleonische Administration zu regen, besonders in der Studentenschaft Jenas, die 1813 in Scharen unter anderem in das Lützowsche Freikorps eintraten.
Unter den deutschen Hochschulen entwickelte Jena sich zum Vorreiter der Republik. Im nationalstaatlichen Streben nach Freiheit entstand 1815 die Urburschenschaft in Jena. Die Pressefreiheit im weimarischen Staat ermöglichte den Kampf für die nationale Einheit. Das Wartburgfest 1817 ging im Wesentlichen von der Universität Jena aus und erregte das Misstrauen der konservativen Regierungen der Staaten des Deutschen Bundes. Die Ermordung August von Kotzebues durch Karl Ludwig Sand, einen Jenaer Theologiestudenten, bot 1819 den willkommenen Anlass zu verstärktem Druck. Die Universität Jena bekam ihn in Gestalt eines 1819 vom Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach ernannten Kurators, der als Regierungsbevollmächtigter alle wichtigen Angelegenheiten der Universität durch Einschränkung der Pressefreiheit und Auflösung der Burschenschaft überwachte und die betreffenden Ministerien der Trägerstaaten unterrichtete. Von erheblicher Bedeutung war aber auch das preußische Verbot des Besuchs der Universität Jena, verbunden mit der Androhung des Ausschlusses von Stellen im preußischen Staatsdienst für Jenaer Studenten. Neben den eigenen Einkünften standen die Zuwendungen aus den Staatshaushalten von Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Gotha und (seit 1826) Sachsen-Meiningen und später insbesondere beträchtliche Unterstützungen durch die Carl-Zeiss-Stiftung.
Nachdem Goethe 1807 offiziell die Zuständigkeit für die Universität Jena von seinem Herzog Carl August übertragen worden war, förderte er insbesondere den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultäten, beispielsweise durch die Gründung des ersten Chemielehrstuhles mit der Besetzung durch die Professoren Göttling und Döbereiner, durch die Errichtung einer Sternwarte, den Aufbau einer Mineraliensammlung und die Einrichtung eines botanischen Gartens. Jena bekam den Beinamen „Stapelstadt des Wissens“, Novalis, Hölderlin, Brentano, Arndt studierten in dieser Zeit, später Karl Marx, Ernst Abbe, Otto Schott und Carl Zeiß.
Um Einjährig-Freiwilligen unter den Studenten eine Dienstzeit am Hochschulort zu ermöglichen, wie es in anderen Universitätsstädten bereits üblich war, bemühte sich die Universität darum, Jena zur Garnisonstadt werden zu lassen. Im Oktober 1867 erreichte man bei der Weimarer Regierung schließlich die Verlegung eines Bataillons des 5. Infanterie-Regiments „Großherzog von Sachsen“ Nr. 94 nach Jena. Bei den Studenten erhielt dieser Umstand zuerst keinen Beifall und sorgte in der Folgezeit für regelmäßige Konflikte zwischen Soldaten und Studenten. Erst der Deutsch-Französische Krieg 1870/1871 beendete diese Rivalität. Nach 1871 kamen Jenaer Studenten daher immer häufiger ihrer Dienstpflicht bei den „94ern“ nach.
Kaiserreich 1884 wurde von Otto Schott ein „Glastechnisches Laboratorium“ gegründet und damit der Grundstein für die Vorreiterrolle für Gläser und Mikroskopie (Zeisswerke) gelegt. Unter dem Nationalökonomen Julius Pierstorff wurde die Universität auch auf diesem Gebiet hervorragend in Deutschland.
Seit 1862 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts lehrte in Jena der Biologe und bedeutende Evolutionstheoretiker Ernst Haeckel, der auch als Begründer des weltanschaulichen Monismus Einfluss auf die religionspolitischen Debatten am Ende des Kaiserreichs nahm. Auch der Mathematiker und Logiker Gottlob Frege, der Entdecker des Elektroenzephalogramms (EEG) Hans Berger, der Psychiater Otto Binswanger und der Philosoph und Literaturnobelpreisträger von 1908 – Rudolf Eucken – lebten und lehrten an der alma mater Jenensis. Jena war auch Lebensstation der späteren Physik-Nobelpreisträger Erwin Schrödinger und Herbert Kroemer.
Die US-Amerikanerin Rowena Morse reichte 1904 ihre wissenschaftliche Arbeit „Über den Widerspruch im Wahrheitsbegriff in Lockes Erkenntnislehre“ an der Philosophischen Fakultät der Universität Jena zur Promotion ein. Obwohl das Frauenstudium in Jena erst ab 1907 erlaubt war, gab sie dem Promotionsgesuch am 11. Juni 1904 statt. Die mündliche Promotionsprüfung legte Rowena Morse am 30. Juli 1904 ab und erhielt das Gesamtprädikat „magna cum laude“. Morse war die erste Wissenschaftlerin, die an der Universität Jena promoviert wurde.