Die Liste der preußischen und deutschen Militärattachés bietet eine Übersicht über die Träger des Amtes deutscher Militärattachés, oder auch Militärbevollmächtigte beziehungsweise Militärbeobachter wie sie zeitweilig auch bezeichnet wurden, in der Zeit des Preußischen Königreiches und ab 1871 des Deutschen Reiches ab 1816 und 1945. Erstmals jedoch erfolgte der Einsatz eines militärischen Attachés, hier noch als „Militäragent“ bezeichnet durch Preußen um 1816 in Sankt Petersburg. Schwerpunkt in den folgenden Jahren dabei bildeten vor allem bestimmte politische Bündnisse und Zeiten militärischer Auseinandersetzungen. Ab etwa 1860 wurden auch marinespezifische Fragen von den Attachés oder Militärbeauftragten mit bearbeitet. Doch es war kaum die Bereitschaft vorhanden, für die Belange der Marine, einen gesonderten Attaché einzusetzen. Erstmals war 1882 in London ein eigenständiger Militärbevollmächtigter für Marinefragen, Korvettenkapitän Iwan Friedrich Oldekop, neben dem Militärattaché tätig. Das erfolgte zeitlich begrenzt und es kann davon ausgegangen werden, dass diese Bereiche in der Mehrzahl der Länder vom dort eingesetzten Militärattaché/Militärbevollmächtigten weiterhin mit bearbeitet worden sind. Erst Ende der 1880er Jahre finden wir in deutlicher Form, die dann bis 1945 durchgehaltene Abgrenzung zwischen Militärattaché und den Marineattachés. Als Grund dafür spielten vor allem die besondere technische Entwicklung im Marinesektor deren zunehmende militärtaktische Rolle und die regionale Logistik im Überseebereich eine große Rolle. Später kam ab 1929 auch die Position der Luftattachés, vor allem aus Prestigegründen hinzu, die nur Anfangs in gleicher Funktion vom Militär- oder Marineattaché mit ausgeübt worden waren. Ab 1936 gab es Bemühungen durch Reinhard Heydrich auch Polizeiattachés und deren Gehilfen an den deutschen Gesandtschaften/Botschaften zu installieren. Ab 1939 erfolgte dann in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt deren Einsatz.
Die Liste ist nach den Staaten geordnet, bei denen die Attachés notifiziert waren und beinhaltet z. T. auch die Träger des Amtes des preußischen Militärattachés, aus dem der deutsche Militärattachéposten später auch hervorging.
Ägypten vom 7. Dezember 1896 bis Ende Februar 1897: Hauptmann Curt von Morgen als Militärbeobachter an der Gesandtschaft in Kairo eingesetzt.
Albanien von November 1937 bis April 1939: General Enno von Rintelen zuständig als Militärattaché, seinen Sitz hatte er in Rom.
Argentinien vom 1. Juli 1940 bis 26. Januar 1943: Generalmajor Günther Niedenführ als Militärattaché eingesetzt.
Baden-Württemberg vom 13. Januar 1868 bis 18. Juli 1870: Major Alwin von Loos als Militärattaché in Stuttgart.
Bayern von September 1900 bis März 1903: Hauptmann Arnold von Hammerstein-Equord als Militärattaché in München.
Belgien bis Juli 1839: Sekondeleutnant von Gagern, als Militärattaché in Brüssel eingesetzt. von Ende April 1872 bis September 1880: Major Gustav von Sommerfeld, als Militärattaché in Belgien tätig. vom 28. März 1892 bis 14. März 1892: Premier-Leutnant Karl Georg von Treutler als Militärattaché in Brüssel. von 1895 bis Juni 1896: Major Ernst von Schmettau von 1899 bis Sommer 1901: Rittmeister Erich von Leipzig vom 19. September 1901 bis Herbst 1905: Rittmeister Detlof von Winterfeldt als Militärattaché in Brüssel. vom 15. September 1905 bis 13. September 1906: Hauptmann Karl von Kageneck mit Sitz in Brüssel tätig. vom 29. Oktober 1906 bis 23. Juni 1913: Hauptmann Martin Renner besetzte das Büro des Militärattachés in Brüssel. Als Gehilfe an seiner Seite wirkte vom 12. September 1906 bis 2. September 1907 Leutnant Victor zu Erbach-Schönberg. vom 13. Juni 1913 bis August 1914: Major Robert von Klüber, seinen Geschäftssitz hatte er in Den Haag, war aber zum Teil auch als Militärattaché für Frankreich zuständig. Walter Riccius, Die Institution der Militärattachés I, Deutsche Militärattachés von Beginn bis 1918, Dr. Köster Verlag Berlin, ISBN 978-3-96831-081-7. S. 408f. 1933 bis 1937: Oberst/Generalmajor Leo Geyr von Schweppenburg, zugleich ab April 1933 Militärattaché in Großbritannien. Zusätzlich war er als Luftattaché von Juli bis Sept. 1935 tätig. Manfred Kehrig, Die Wiedereinrichtung desbdeutschen militärischen Attachédienstes nach dem Ersten Weltkrieg, Harald Boldt Verlag Frankfurt / Mai 1966, S. 223 1937 bis Mai 1940: Oberstleutnant/Oberst Friedrich-Carl Rabe von Pappenheim, zugleich Militärattaché in den Niederlanden
Bulgarien vom 16. Juli 1906 bis 15. Mai 1908: Hauptmann Hans von Hammerstein-Gesmold als Militärattaché in Sofia, zugleich für Jugoslawien und Rumänien zuständig. vom 15. Mai 1908 bis September 1911: Hauptmann Ewald von Massow, zugleich war er auf den deutschen Gesandtschaften in Belgrad und Bukarest als Militärattaché nominiert. von Anfang 1913 bis 1914: Karl August von Laffert, Militärattaché, zugleich Verbindungsoffizier zur bulgarischen Armee. von 1914 bis 1915: Major Friedrich von der Goltz als Militärattaché mit Sitz in Bulgarien. ab 1. April 1933 bis 30. September 1935: Generalmajor Wolfgang Muff, seine Nominierung als Militärattaché erfolgte gleichzeitig auch für die deutschen Botschaften in Bern und Wien ab 1. Oktober 1935 bis 1936: Generalmajor Erich Friderici, war als Militärattaché zugleich für Ungarn zuständig. Jörn Hasenclever, Wehrmacht und Besatzungspolitik in der Sowjetunion: Die Befehlshaber der rückwärtigen Heeresgebiete 1941–1943. Schöningh Verlag, Paderborn 2010, ISBN 978-3-506-76709-7. 1936 bis 31. Dezember 1942: Oberstleutnant/Oberst Hans Bruckmann ab 1. Januar 1943 bis 30. September 1944: Generalmajor Heinrich Gäde
China von 1891 bis 1896: Major, später Legationssekretär Hermann Speck von Sternburg, ab 1893 las Legationssekretär legitimiert. von 1895 bis 1996: Major Alexander von Claer als Militärattaché mit zeitlicher Unterbrechung in Peking. vom 25. Juni 1896 bis 1898: Hauptmann Erich von Falkenhayn mit zeitlicher Unterbrechung, zeitweilig im Pachtgebiet Kiautschou. von 1901 bis 1903: Major Maximilian von Montgelas in Peking eingesetzt. von 1904 bis 1905: Major Alexander von Claer nach Rückkehr von 1905 bis Mai 1908: Paul Walter Bartels vom 11. Oktober 1911 bis Januar/Februar 1915: Hauptmann Werner Rabe von Pappenheim als Militärattaché eingesetzt. ab 1918: Leutnant Rochus von Rheinbaben als Militärattaché in China.
Dänemark von 1888: Heinrich XIII. Prinz von Reuss (1830-1897) als Offiziersattaché an den dänischen Hof entsandt. von 1911 bis Mai 1914: Hauptmann Eberhard von Giese (1867–1945) als Militärattaché für die Nordischen Reiche eingesetzt, mit Geschäftssitz in Stockholm. von September 1916 bis November 1917: Major Eberhard von Giese (1867–1945) nach seinem Fronteinsatz erneut als Militärattaché für die Nordischen Reiche eingesetzt, mit Geschäftssitz in Stockholm.
Estland vom 1. Oktober 1935 bis 1940: Oberstleutnant Horst Rössing als Militärattaché zuständig, mit Sitz in Helsinki.
Finnland ab 1. Oktober 1935 bis 31. Juli 1941: Oberstleutnant/Oberst Horst Rössing ab 1. August 1941 bis 3. September 1944: Oberst Horst Kitschmann
Frankreich ab 13. Januar 1870 bis 23. August 1871: Major Alfred Graf von Waldersee 1882 bis 1886: Karl von Villaume, vorher bis 1882 Militärattaché in Italien 1886 bis 1891: Ernst von Hoiningen 16. Februar 1889 bis Juli 1894: Richard von Süßkind-Schwendi 10. Dezember 1891 bis 15. November 1897: Maximilian von Schwartzkoppen 2. November 1897 bis 1899: Richard von Süßkind-Schwendi ab Februar 1901 bis 1905: Major Georg von Hugo (* 1857) ab 19. Januar 1905 bis 1909: Maximilian von Mutius, ab 25. März 1909 bis August 1914: Detlof von Winterfeldt, Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde bis 1933 keine neue Attachéstelle geschaffen.„Deutsche Militärattachés werden ernannt“, in: Tägliche Rundschau vom 8. Januar 1933. vom 1. April 1933 bis 30. November 1938: Erich Kühlenthal vom 15. November 1938 bis 3. September 1939: Oberstleutnant Hans-Joachim von Horn
Iran ab 1. April 1936 bis Oktober 1939: Oberst/Generalmajor Hans Rohde, zugleich Militärattaché in der Türkei ab November 1939 bis September 1941: Joachim von Geldern-Crispendorf (* 1891)
Italien 1878 bis 1882: Karl von Villaume, danach Militärattaché in Frankreich vom 15. April 1882 bis Oktober 1895: Major Karl von Engelbrecht war als Militärattaché in Rom eingesetzt von 1890 bis 1891: Leutnant Gustav Adolf von Götzen wurde als Gehilfe des Militärattachés in Rom tätig ab 24. Oktober 1895 bis November 1899: Albano von Jacobi, später Militärattaché im Russischen Reich 1899 bis 1905: Oscar von Chelius 1905 bis 1911: Arnold von Hammerstein-Equort ab 25. April 1911 bis 25. Mai 1914: Alfred von Kleist ab 1914: Major von Zitzewitz (für den Einsatz geplant) von 1920 bis 1922: Victor Borosini von Hohenstern getarnt als Presseattaché eingesetzt
Ab 1928 unternahm Deutschland mehrere Versuche, in Abstimmung mit dem italienischen Außenministerium, wieder militärische Attachéstellen einzurichten.
31. März 1933 bis 30. September 1936: Herbert Fischer war zeitweilig auch als Militärattaché für Rumänien zuständig. Seinen Geschäftssitz hatte er in Rom. 1. Oktober 1936 bis 31. August 1943: Enno von Rintelen ab September 1940 bis 30. September 1942: Oberstleutnant Wilhelm Otzen, als II. Militärattaché (Stellvertreter) eingesetzt.
Japanisches Kaiserreich von 1895 bis 2. März 1897: Rittmeister Karl Georg von Treutler, als Legationssekretär und „getarnter“ Militärattaché in Tokyo eingesetzt. Vom 3. März 1897 bis 29. März 1898 übernahm er die Leitung der Gesandtschaft und übergab die Aufgaben des Militärattachés im gleichen Jahr. von 1897 bis 1899: Oberleutnant Hans Adolf von Königsmark, blieb vermutlich nach seiner Ablösung 1899 im ostasiatischen Raum. von 1899 bis 1900: Leutnant Wilhelm Eugen von Richthofen, Einsatz wurde unterbrochen wegen des Boxeraufstandes 1900 als er nach China beordert wurde. vom 29. Mai 1902 bis 17. Dezember 1908: Major Günther von Etzel, während dieser Einsatzzeit war er auch als Beobachter an den Frontlinien des russisch-japanischen Krieges in der Mandschurei unterwegs. Deshalb hatte er ab 1904 zur Unterstützung den Gehilfen Major von Förster im Attachébüro beschäftigt. 1904 bis 1905: Oberleutnant Max Hoffmann, war während der Zeit des russisch-japanischen Krieges als Militärbeobachter zur 1. Armee des japanischen Heeres kommandiert. von Juni 1908 bis Frühjahr 1909: Hauptmann Paul Walter Bartels, als 1909 der zusätzlich vom bayrischen Generalstab entsandte Major Karl Haushofer in Tokyo eintraf und dieser wegen seines höheren Dienstgrades den Platz als Militärattaché beanspruchte, gab es Auseinandersetzungen, die zugunsten Bartels beigelegt wurden. vom Frühjahr 1909 bis 1912: Hauptmann Carl Heinrich Bernewitz, in Tokyo als Militärattaché tätig. von November 1910 bis 31. Mai 1911: Hauptmann Paul Walter Bartels, mit dem Status eines Militärbeobachters, Er verstarb 1911 in Yokohama. vom 22. März 1912 bis 23. August 1914: Hauptmann Alexander von Falkenhausen Am 23. August 1914 wurde dem deutschen Botschafter in Tokyo Arthur Alexander Kaspar von Rex die japanische Kriegserklärung übergeben und damit die deutsche Botschaft geschlossen. vom 1. April 1934 bis 27. März 1938: Oberstleutnant Eugen Ott, er war bereits 1933 nach Japan kommandiert worden zur Beobachtung des japanischen Heeres, kehrte nur kurzzeitig nach Deutschland zurück und wurde dann unmittelbar als Militärattaché eingesetzt. von 1935 bis 6. Juni 1939: Major Friedrich Wilhelm Scholl war als sein Gehilfe in Tokyo eingesetzt. vom 14. September 1938 bis 30. November 1940: Oberst Gerhard Matzky, an seiner Seite blieb weiter Scholl als sein Gehilfe. Ergänzt wurde er von 1935 bis 31. Dezember 1942 durch Hauptmann Fritz Julius Petersdorf und von 1939 bis 7. Mai 1945 durch Hauptmann d. R. Karsch.