Alois Mannichl (* 15. April 1956) ist ein deutscher Polizeibeamter im Ruhestand. Der Leitende Polizeidirektor war zuletzt Leiter der Bayerischen Grenzpolizei. Als Polizeidirektor bei der Bayerischen Polizei leitete er von 2004 bis 31. Mai 2009 die inzwischen aufgelöste Polizeidirektion Passau.
Mannichl wurde bundesweit bekannt, als am 13. Dezember 2008 auf ihn ein Messerangriff verübt wurde. Die Polizei vermutete aufgrund der Aussagen des Opfers rechtsextremistische Motive. Der Kriminalfall ist bis heute ungeklärt, das Verfahren wurde im Mai 2011 eingestellt.Fall Mannichl wird vorläufig eingestellt, Süddeutsche Zeitung vom 21. Mai 2011. Infolge des Angriffs kam die Diskussion über ein erneutes NPD-Verbotsverfahren auf. Dieses wurde schließlich 2013 beantragt, siehe NPD-Verbotsverfahren (2013–2017).
Leben und Werdegang Mannichl begann seine berufliche Karriere als Polizeihauptmeister im mittleren Dienst der Bayerischen Grenzpolizei und wurde am deutsch-österreichischen Grenzübergang Achleiten bei Passau eingesetzt.Der Fall Mannichl, Die Zeit vom 15. Januar 2009. In den 1980er Jahren wechselte er in den gehobenen Dienst und übernahm die Leitung der Dienststelle der Grenzpolizei Lindau-Autobahn,Schwäbische Zeitung: bevor er 1997 Chef der Abteilung für organisierte Kriminalität beim Polizeipräsidium Niederbayern/Oberpfalz mit Dienstsitz in Regensburg wurde. Später wurde er stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Passau und im September 2004 zu deren Leiter ernannt.Portrait: Mannichl gilt als Feindbild der Neonazis, Kölnische Rundschau vom 14. Dezember 2008. 2009 wurden Pläne bekannt, nach denen Mannichl Leiter der Kriminalpolizei Niederbayerns werden solle.Mannichl soll Kripochef werden, sueddeutsche.de vom 20. Mai 2009. Seit dem 1. Juni 2009 leitete er die Verbrechensbekämpfung im durch die Polizeireform geschaffenen Polizeipräsidium Niederbayern.Ermittler geben im Fall Mannichl noch lange nicht auf, Augsburger Allgemeine vom 1. Juni 2009. Zum 1. Juli 2018 wurde er als Leitender Polizeidirektor Leiter der wieder neugegründeten Bayerischen Grenzpolizei.
Anfang 2008 wurde Mannichl über die Liste einer überparteilichen Wählergemeinschaft in den Gemeinderat von Fürstenzell gewählt. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder.
Messerangriff Am 13. Dezember 2008 wurde Mannichl vor seinem Haus in Fürstenzell niedergestochen und verletzt. Nach seinen Aussagen stach der Täter ihn mit einem Messer aus Mannichls eigenem Haushalt nieder, das vor seinem Haus vergessen worden war.Ermittlungen in Eishockey-Szene im Fall Mannichl, Die Welt vom 2. Januar 2009.
Annahme eines rechtsextremen Tathintergrundes Laut Aussage von Mannichl rief der Täter „Viele Grüße vom nationalen Widerstand, du linkes Bullenschwein, Du trampelst nimmer auf den Gräbern unserer Kameraden herum,“ bevor er auf ihn einstach.EXTREMISTEN – Dreistes Doppelspiel Als Hintergrund wird ein Vorfall am Volkstrauertag auf dem Innstadtfriedhof in Passau vermutet., Passauer Neue Presse vom 9. April 2009.Zeit Online: Polizei lässt Verdächtige wieder frei, taz.de vom 16. Dezember 2008.NPD-Funktionär wegen Beleidigung Mannichls verurteilt, DiePresse.com vom 10. April 2009. Bei einer Veranstaltung zum Gedenken an die Kriegstoten berührte Mannichl angeblich eine Grabplatte mit dem Fuß. Tags darauf veröffentlichte der NPD-Kreisverband auf seiner Internetseite einen verbalen Angriff auf den Polizeidirektor. Dort hieß es: „Verärgert stellte sich Mannichl auf eine Grabplatte gefallener Soldaten und trampelt mit seinen Schuhen auf einem Gedenkgesteck herum.“ Noch am selben Tag, am 17. November, beantragte Mannichl per Einstweiliger Verfügung beim Amtsgericht die Entfernung der Textpassage und bekam Recht, worauf die NPD den Satz löschte. Aufgrund dieses Internet-Beitrags wurde am 8. April 2009 ein führender NPD-Funktionär aus Bayern wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe verurteilt. Mannichl selbst sieht in dieser Veröffentlichung im Internet einen Auslöser für die Tat. Bereits zuvor wurde Mannichl wegen seines harten Kurses gegen Rechtsextremisten zur Hassfigur der rechtsextremen Szene in und um Passau.Angriff auf Passauer Polizeichef Mannichl, Spiegel Online vom 15. Dezember 2009. So verhinderte Mannichl persönlich Anfang 2007 einen Auftritt des Rechtsextremen Friedhelm Busse in einem Passauer Café., Focus Nr. 52/2008. Zudem war die Passauer Polizei unter seiner Leitung gegen Aufmärsche von Rechtsextremen vorgegangen, löste ein Zeltlager der rechtsextremen Gruppe „Blood Brothers Niederbayern“ auf und hatte im Auftrag der Staatsanwaltschaft Passau das Grab von Friedhelm Busse öffnen lassen, um eine Reichskriegsflagge mit Hakenkreuz sicherstellen zu lassen, die der NPD-Aktivist Thomas Wulff während der Beerdigung auf dem Friedhof im Passauer Ortsteil Patriching auf dem Sarg niedergelegt hatte.Vgl. NPD bringt Neonazis gegen sich auf, Spiegel Online vom 5. August 2008, und Justiz lässt Hakenkreuzfahne aus frischem Grab holen, Spiegel Online vom 30. Juli 2008.
Ermittlungen Zunächst übernahm eine 50-köpfige Sonderkommission die Ermittlungen. Zum Jahreswechsel 2008/2009 wurde die Sonderkommission „Fürstenzell“ aufgelöst und die Zahl der Verlautbarungen der Ermittler und des Opfers drastisch reduziert. Das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) übernahm den Fall und erhöhte die Belohnung für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, am 23. Januar 2009 auf 20.000 Euro. Im März 2009 wurde die Sonderkommission von 50 auf 30 Beamte verkleinert und die Kommission nach München verlegt. Es schieden Beamte aus, aus deren Bereichen die Spuren abgearbeitet waren.Ermittlungsteam im Fall Mannichl wird verkleinert, Welt Online vom 12. März 2009.
Die Fahndung nach zwei Tatverdächtigen, deren auffällige Tätowierungen einer Zeugin aufgefallen waren, war nicht erfolgreich.dpa vom 23. Januar 2009, unter anderem in der Saarbrücker Zeitung Der Verfassungsschutz konnte auch keinen Hinweis auf den Täter erlangen,Zeit Online: weshalb die Ermittlungen auch andere mögliche Täterkreise in Erwägung zogen. Die Staatsanwaltschaft erwähnte „merkwürdige“ Tatumstände, hatte aber keine Hinweise auf eine Beziehungstat.Mannichl weist Spekulationen über Attacke zurück, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Januar 2009. Die Alibis der Familienangehörigen und Bekannten Mannichls konnten durch die Erstellung von Bewegungsprofilen auf Grund von Handypeilungsdaten bestätigt werden.Mannichl: Noch keine Spur zu Attentätern, ORF vom 4. Februar 2009. Bereits Anfang Januar 2009 berichteten die Medien über Ungereimtheiten in Mannichls Angaben und den Aussagen einer Nachbarin.Ein Stich und die Folgen, Süddeutsche Zeitung vom 8. Januar 2009.Die Ungereimtheiten im Fall Alois Mannichl, Welt Online vom 9. Januar 2009. Weiterhin gelangten wiederholt interne Informationen durch undichte Stellen an die Medien, die verschiedensten Mutmaßungen und Spekulationen Auftrieb gaben. Der Leitende Oberstaatsanwalt in Passau, Helmut Walch, schloss im Februar 2009 einen familiären Hintergrund aus, da es dafür „nicht den geringsten Anhaltspunkt“ gebe.Ermittler schließen familiären Hintergrund der Tat aus, Spiegel Online vom 11. Februar 2009. Trotz Ermittlungen von zu dem Zeitpunkt noch 30 Beamten kam es bis Mitte Juni 2009 zu keinen konkreten Ermittlungsergebnissen.
Im November 2009 wurden Fehler bei den Ermittlungen eingeräumt. Unter anderem waren nicht frühzeitig die Spuren am Tatort gesichert und unter den Fingernägeln des Opfers nicht nach DNS-Spuren gesucht worden, obwohl dies ein Standardverfahren gewesen wäre.Weitere Pannen im Fall Mannichl, Süddeutsche Zeitung vom 25. November 2009. Eine rechtzeitige Zusammenarbeit mit der Polizei des nur fünfzehn Autominuten entfernten Österreichs unterblieb. Auch wurden fehlerhafte Pressemitteilungen herausgegeben, etwa die, dass es sich bei der Tatwaffe um ein Lebkuchenmesser gehandelt habe.Von den Kollegen verlassen, Zeit Online vom 30. November 2009.
Im Dezember 2009 betonte Walch, dass sich Mannichl „...bei seinen Vernehmungen nicht widerspruchsfrei verhalten hat...“Helmut Walch, Stern Online und dass es sich bei dieser Tat „...wohl kaum um einen gezielten Anschlag aus der rechtsradikalen Szene...“ handele.Helmut Walch, Stern Online
Nachdem das Bayerische Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen hatte, wurde der Täter auch im Rotlichtmilieu, in der linksradikalen Szene und im Bereich der organisierten Kriminalität vermutet. Ende Mai 2011 teilte das Bayerische Landeskriminalamt mit, dass die Ermittlungsakte vorläufig ohne Klärung des Falls geschlossen wird.Fall Mannichl wird vorläufig eingestellt, sueddeutsche.de vom 21. Mai 2011.
Nach dem Bekanntwerden von Attentaten der rechtsterroristischen Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) im November 2011 prüfte das bayerische LKA eine mögliche Verwicklung des NSU. Nach dem Vergleich mehrerer DNS-Proben ergaben sich keine Hinweise auf eine Beteiligung des NSU.
2013 wurde gemeldet, dass es Hinweise gäbe, die zu einer rechtsradikalen, dem Rockermilieu zugerechneten Gruppierung mit Namen „Objekt 21“ führen würden. Diese oberösterreichische Gruppe sei Mitte Januar 2013 aufgeflogen und habe wohl keine Kontakte zum NSU.Kurt-Martin Mayer, Angriff auf Passauer Polizeichef: Neue Spur im Fall Mannichl führt ins Rockermilieu, Focus Online vom 10. März 2013. Die Staatsanwaltschaft Passau dementierte aber eine konkrete Spur in diese Richtung.Keine Spur nach Österreich im Fall Mannichl, orf.at vom 12. März 2013
Politische Reaktionen auf die Tat Nach der Tat wurden verstärkt Maßnahmen gegen den militanten Rechtsextremismus und gegen die NPD diskutiert.Patrick Saint-Paul, Les violences des néonazis inquiètent Berlin, Le Figaro vom 16. Dezember 2008. (frz.)
In einer Aussprache im Landtag forderte Bayerns Innenminister Herrmann am 16. Dezember 2008, dass die staatliche Parteienfinanzierung für die NPD überprüft werden müsse. Einem erneuten Verbotsverfahren stand er in der Aussprache aber skeptisch gegenüber, da die V-Leute in der Partei nicht zurückgezogen werden könnten und das NPD-Verbotsverfahren von 2001 an der Existenz der V-Leute gescheitert war.Bayern will Zuwendungen an NPD kappen, FAZ.net vom 16. Dezember 2008. Ein entsprechender Vorstoß der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Bayern fand nach einer Beratung mit der Bundeskanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten keine Mehrheit. Ein „Verbotsdruck“ solle aber aufrechterhalten bleiben.Ermittler verfolgen Spuren in Münchens Neonazi-Szene, Spiegel Online vom 18. Dezember 2008.
Am 16. Dezember 2008 beschloss der Bayerische Landtag, ein Präventionskonzept gegen Rechtsradikalismus erarbeiten zu lassen. Die bayerische Landesregierung hat außerdem die Richtlinien zur Unterstützung von Beamten des Freistaates bei zivilrechtlichen Klagen geändert. Bei Beleidigungsklagen soll künftig eine finanzielle Unterstützung der Beamten möglich sein.Passauer Neue Presse vom 17. Dezember 2008:
Für Anfang Januar 2009 wurde von einer Privatperson aus dem Umfeld der NPD eine Demonstration in Passau unter dem Motto „Gegen polizeiliche Willkür und Medienhetze“ im Fall Mannichl angemeldet. Die Partei und ihr nahestehende Organisationen riefen auf Internetseiten zur Teilnahme auf.LKA zieht Ermittlungen an sich, Die Zeit vom 30. Dezember 2008. Die Demonstration wurde durch die Stadt Passau zunächst untersagt, dann aber durch das Verwaltungsgericht Regensburg und schließlich dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof unter Auflagen zugelassen.Gerichte heben Verbot von NPD-Demo in Passau auf, mittelbayerische.de vom 2. Januar 2009. Zwischen 200Friedlicher Protest gegen Neonazi-Aufmarsch, Süddeutsche Zeitung vom 3. Januar 2009. und 300N24: Rechtsextremisten demonstrierten am 3. Januar 2009. Gegen diese Demonstration versammelten sich mindestens 1.000 Gegendemonstranten, rund 1.000 Polizeibeamte befanden sich im Einsatz.Nicholas Kulish, Ancient City’s Nazi Past Seeps Out After Stabbing, New York Times vom 11. Februar 2009.