mini|Mozac, Langhaus und Westwerk, von N Die ehemalige Abteikirche Saint-Pierre und Saint-Caprais () liegt inmitten der Ortschaft Mozac (auch Mozat), einem unmittelbaren Vorort westlich von Riom in der Region Auvergne-Rhône-Alpes im Département Puy-de-Dôme, etwa zwanzig Kilometer nördlich von Clermont-Ferrand.
Würdigung Vor ihrem umfangreichen Verfall und ihrer nicht fachgerechten Restaurierung stand hier sicher eine der schönsten romanischen Kirchen der Auvergne, ein außerordentlicher Höhepunkt im künstlerischen und handwerklichen Schaffen der romanischen Baumeister. Offensichtlich nicht ausreichend tragfähige Fundamentierungen führten bei den Erdbeben des 15. Jahrhunderts zu den Zerstörungen. Betroffen waren vor allem das gesamte Chorhaupt, bis hinunter in die ehemalige Krypta, das Querhaus, bis auf einige Mauerreste, und die oberen Teile des Mittelschiffs und die Obergeschosse der Seitenschiffe. Diese Bauteile wurden danach gänzlich abgebrochen. Von der romanischen Kirche sind heute die Mittelschiffpfeiler, ihre Arkaden, die Seitenschiffe inklusive ihrer Gewölbe, Teile der Krypta und die antike Turmvorhalle und die „Fassade“ erhalten.
Obwohl die Kirche großen Schaden genommen hat, zählt sie immer noch zu den Hauptkirchen der Basse-Auvergne oder der Limagne. Das hat sie nicht zuletzt der hohen künstlerischen Qualität und Vielzahl ihrer Kapitelle zu verdanken. Von ehemals 48 Kapitellen des Langhauses befinden sich immerhin 43 in situ. Trotz der vollständigen Zerstörung des Chorhauptes sind noch einige der Chorkapitelle in hervorragendem Zustand erhalten und im Mittelschiff in Augenhöhe aufgestellt worden, sicherlich die schönsten der Kirche. Im Musée Lapidaire, in Nachfolgebauten der ehemaligen Abtei, können noch weitere 32 Kapitelle besichtigt werden, die im Mauerwerk des 15. Jahrhunderts als Mauersteine Wiederverwendung gefunden hatten, und später entdeckt worden sind. Sie sind deshalb weitgehend nicht unbeschädigt erhalten.
Die Kirche ist den Hll. Simon Petrus und Caprasius von Agen geweiht.
mini|hochkant=1.8|Langhaus zum Chor mini|hochkant|St. Calmin auf dem Schrein des St. Calmin und der Ste. Namadie (XIIe siècle), in Emaille von Limoges, bewahrt in der Abtei von Mozac
Mozac oder Mozat? Der Name der Ortschaft kannte im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche Schreibweisen. Aus dem römischen Mauziacum, was „Inmitten von Wasser liegend“ bedeutete, wurde Mozac. Später wurde in der ganzen Basse-Auvergne aus der lateinischen Endung -acum die französische at, also Mozat. Heute herrscht allerdings die Schreibweise Mozac vor. Das „c“ bleibt aber bei der Aussprache stumm.
Geschichte Gründung der Abtei Die Geschichte der Abtei von Mozac reicht bis in das Ende der merowingischen Epoche zurück. Gegründet wurde sie gegen Ende des 7. Jahrhunderts(?) durch eine Persönlichkeit mit Namen Calminius (frz. Calmin). Er lebte unter der Regentschaft von König Thierry (wahrscheinlich Thierry III. 673–691). Er gründete ebenfalls die Abteien Laguenne in der Nähe von Tulle (Corrèze) und Monastier-Saint-Chaffre (Département Haute-Loire). Die Gründungsurkunde ging verloren. Früheste Dokumente aus dem 11. Jahrhundert geben Hinweise auf die Gründungszeit, darin wird eine Sainte-Namidia als Mitgründerin genannt.
Ein Hagiograph Thomas, der über das Leben Saint-Calminius im siebzehnten Jahrhundert schrieb, ließ ihn Herzog von Aquitanien und Graf der Auvergne sein. Diese Titel gab es erst viel später. Auch Namidia, sicher eine großzügige Wohltäterin der Abtei, lebte weder zur selben Zeit, noch weniger war sie seine Ehefrau.
Die Geschichte des Lebenslauf Calmins teilen sich historische Wahrheit mit der Legende:
Calminus stammte aus einer Familie römischen Ursprungs, die sich in Arvernis (heutiges Clermont-Ferrand) niedergelassen hatten. Er wurde wahrscheinlich deshalb als „sehr vornehmer Senator der Römer“ bezeichnet. Zu Beginn seiner Laufbahn war er ein „Mann des Krieges“, der sich später der Strenge eines religiösen frühchristlichen Lebens zuwandte. Er war offensichtlich zu ansehnlichem Reichtum gelangt, sonst hätte er nicht seinen Wunsch in die Tat umsetzen können, drei Klöster zu erbauen.
Er begann im gebirgigen Velay mit dem Bau eines Oratorium s im Dorf Le Villars, mit dem ursprünglichen Namen Calminiacum oder Calmery (beide von Calminius). Er lebte eine Zeit lang mit einer kleinen Schar seiner Anhänger in einer Höhle oberhalb des Dorfes. Aus dem Oratorium entstand das Kloster, einer Gemeinschaft benediktinischen Koinobitentums. Das Kloster wurde später Saint-Chaffre Monastier genannt. Im französischen Artikel Le Monastier-sur-Gazeille (Die Ortschaft des Klosters) gründete Saint Calmin das Kloster bereits im 5. Jahrhundert, was sehr bezweifelt werden muss.
Eine weitere Wirkungsstätte war im Bistum von Limoges, wo er das karge Leben eines Einsiedlers führte. In der Nähe von Tulle (Corrèze) gründete er sein zweites Kloster, mit dem Namen Laguenne. Damit war bereits der größte Teil seines Wunsches in Erfüllung gegangen. Nach der „vox populi“ galt er bereits als heilig.
Danach lebte er nur noch in Mozac in der Auvergne, einem Ort der Meditation und Ruhe, und reich an Wasser. Schon im Ruf eines Heiligen gründete er dort seine dritte und letzte Abtei. Die Abtei von Mozac gewann an Wohlstand, vor allem durch die Freigiebigkeit und außergewöhnlichen Aktivitäten seines Gründers.
Vor Beginn der Bauarbeiten in Mozac begab sich Calmin nach Rom, um die Konsekration seines ersten Klosters Carmery im Velay zu beantragen. Auf seiner Rückreise besuchte er auf den Îles de Lérins die berühmte Abtei Lérins, die er bewunderte und deshalb noch einige Monate in ihr verbrachte. Er lernte dort die Regeln des heiligen Benedikt kennen und nahm das Angebot des Abtes an, etwa zwanzig Mönche nach Mozac zu entsenden, um beim Bau des Klosters behilflich zu sein und das Klosterleben zu unterstützen.
Nach Fertigstellung des Bauwerks verließ er noch einmal seine Anhänger, um in Rom den Papst aufzusuchen, und ihm über die Erfüllung seines Lebenswunsches infolge seiner Stiftungen zu berichten. Der Papst bot als besonders wertvolle Reliquie einen Teil des Schädels des heiligen Petrus. Auf dem Rückweg machte er Station in Agen, wo er die Armreliquie des heiligen Caprais beschaffen konnte. Beide Reliquien führten zur Namensgebung der Abtei Saint-Pierre und Saint-Caprais.
Die Rückkehr von Calmin wurde in Mozac mit großem Aufwand gefeiert. Kurze Zeit später starb Calmin, dem der „Geruch der Heiligkeit“ anhing. Er wurde in der Krypta am Tag nach der Himmelfahrtsoktave bestattet. Das Jahr seines Todes ist unbekannt.
Der Reliquienschrein des heiligen Calmin und der heiligen Namadie aus Emaille des Limousins ist der größte derartige erhaltene Schrein des Mittelalters. Die Reliquien der Heiligen für einen Pilgeransturm auf die erste Abteikirche.
Im Mittelalter gab es an einem Feldweg zwischen Riom und Mozac eine Kapelle mit dem Namen Saint-Calmin, zu Ehren des Gründers der Abtei Saint-Pierre und Saint-Caprais in deren unmittelbarer Nähe. Die Kapelle wurde lange vor der Revolution zerstört. Man kennt weder ihre Architektur noch ihre genaue Lage. mini|hochkant|links|Skulptur des hl. Austremonius
Überführung der Reliquien des heiligen Austremonius
Man glaubte längere Zeit, dass die Überführung der Reliquien des heiligen Austremonius, des ersten Evangelisten der Auvergne, nach Mozat, auf Anordnung von Phippin dem Kurzen, dem Vater Karls des Großen, gegen 764 stattgefunden hat. Man konnte vor der Revolution zwei Gemälde betrachten, von denen eins den heiligen Calminius, und das andere Pippin den Kurzen, den Restaurator von Mozac darstellte. In Wirklichkeit gelangten die Reliquien jedoch unter Pippin II. von Aquitanien (828–848), wahrscheinlich im Jahr 848 nach Mozac. Sie wird daraufhin königliche Abtei, was durch die Präsenz der Fleur de Lys (Lilienblume) auf dem Wappen des Klosters demonstriert wurde. Mit diesen Reliquien wurde Mozat schon weit vor den Strömen der Jakobspilger ein bedeutendes Ziel in der Auvergne für christliche Pilger.
Anschluss an Cluny
Durand, Bischof von Arvernis und ehemaliger Abt von La Chaise-Dieu, beunruhigten die gegen Ende des 11. Jahrhunderts eingetretenen Lockerungen klösterlicher Disziplin, und er unterstellte Mozac im Jahr 1095 der Hoheit Clunys, in Abstimmung mit Robert, Graf der Auvergne und Inhaber der weltlichen Macht über die Abtei. Mozac konnte aber durch Aufrechterhaltung des Titels Abtei seine Bedeutung erhalten. Im selben Jahr rief Papst Urban II. auf der Synode von Clermont zum ersten Kreuzzug auf. Im Jahr 1102 wurde Hugo von Semur, ein Neffe des heiligen Hugo, Abt in Mozac. Ihm folgte später Eustachius von Montboissier, der das Amt im Jahr 1131 und noch 1147 bekleidete. Er war ein Bruder des amtierenden Abts von Cluny, Petrus Venerabilis.
Netzwerk von Abhängigkeiten Die Bulle Papst Alexanders III. von 1165, bestimmt für den Abt von Mozac, Pierre II. de la Tour, enthält die endgültigen Liste der Besitztümer von Mozac: 38 Kirchen, 13 Kapitel und 14 Burgen standen unter seiner Lehnsherrschaft. Die Mönche von Mozac erhielten zur Bestätigung und Sicherung ihres Vermögens Briefe in den Jahren 1169 von Louis VII., 1217 von Philippe Auguste, 1224 von Louis VIII., 1269 von Louis IX., 1460 von Charles VII. und 1490 von Charles VIII..
Das Kloster Mozac besaß bis zu vierzig Priorate, Pfarrvikarien und andere religiöse oder zeitliche Abhängigkeiten, im Wesentlichen in der Basse-Auvergne, auch im Bourbonnais und entlang der Straße zur Abtei von Cluny, von der es seit 1095 abhängig war. Die ältesten Abhängigkeiten der Abtei Mozac stammten aus einer königlichen Schenkung von Pippin dem Kurzen oder Pippin II. von Aquitanien. Diese erste Urkunde zählt sechzehn Orte auf, die zum Erbe der Abtei gehören:
In einem Dokument von 1633 werden die Abhängigkeiten (Priorate) der Abtei von Mozac als „königlichen Stiftungen“ bezeichnet.
Die romanische Kirche und ihre Vorgänger Ohne Berücksichtigung der umfangreichen Veränderungen im 15. Jahrhundert sind offensichtlich auf derselben Stelle drei Kirchenbauwerke hintereinander gefolgt:
Mozac I: Die erste Kirche geht auf die merowingische Gründung Calmins gegen Ende des 7. Jahrhunderts(?) zurück. Von ihr existieren Überreste in der Krypta und in der vorromanischen Turmvorhalle. Mozac II: Die zweite entspricht der Klostererneuerung im 9. Jahrhundert und der mit der Überführung der Reliquien des heiligen Austremonius verknüpften Stiftungen Pippins von Aquitanien. Ob diese Kirche einen Chorumgang besaß ist unklar. Der westliche Vorhallenturm ist wahrscheinlich Mozac II zuzuordnen. Mozac III: Die dritte ist die eigentliche romanische Kirche, die auf die Zeit kurz nach 1095 datiert werden kann, nach dem Anschluss an Cluny, das heißt im Wesentlichen in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Das ehemalige Bauwerk der romanischen Abteikirche, gegen Mitte des 12. Jahrhunderts mini|hochkant|links|So etwa sah auch das Chorhaupt von Mozac III aus; Foto von Notre-Dame du Port mini|N.-D. du Port, Aufriss Langhaus, Mitte 19. Jh., Viollet-le-Duc, vermutlich ähnlich dem von Mozac
Die Architektur dieser Kirche entsprach weitgehend der anderer Hauptkirchen der Basse-Auvergne, abgesehen von dem Westwerk mit dem merowingischen aus der Fassade vortretenden Vorhallenturm. Ihre Größe liegt etwa zwischen der Notre-Dame du Port und Issoire. Um- und Aufriss kamen vermutlich denjenigen der Stiftskirche Notre-Dame du Port am nächsten.
mini|links|„Auvergnatische Pyramide“