Arbeit () ist in der Volkswirtschaftslehre ein Produktionsfaktor, der jede menschliche Tätigkeit mit dem Ziel der Einkommenserzielung umfasst.
Allgemeines Als Gegenstand der Volkswirtschaftslehre umfasst der Arbeitsbegriff jede menschliche Tätigkeit, die gegen Entlohnung auf die Befriedigung der Bedürfnisse anderer Personen gerichtet ist.Horst Hanusch, Thomas Kuhn, Uwe Cantner: Volkswirtschaftslehre 1. 6. Auflage. Berlin 2002, S. 12. Im Sinne der volkswirtschaftlichen Definition wird der Begriff Arbeit auf Erwerbstätigkeit reduziert, Formen unbezahlter Arbeit dagegen werden vernachlässigt, wie Beschäftigungen in der Subsistenzwirtschaft, Haus- und Familienarbeit, Do-it-yourself-Arbeit oder Gefälligkeiten,Hartwig Bartling, Franz Luzius, Frank Fichert: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 2019, S. 160. sowie gemeinnützige oder ehrenamtliche Tätigkeiten. Die Volkswirtschaftslehre kennt neben entlohnter, menschlicher Arbeit den Boden als weiteren originären Produktionsfaktor. Zusammen mit dem derivativen Produktionsfaktor Kapital bilden sie die drei klassischen Produktionsfaktoren. Da diese Produktionsfaktoren knapp sind, haben sie in der klassischen Nationalökonomie einen Preis, der bei der Arbeit Lohn, beim Boden Bodenrente und beim Kapital Zins heißt. In neuerer Zeit zählen einige Autoren auch das Wissen zu den Produktionsfaktoren.Olaf Katenkamp: Quo vadis Wissensmanagement. In: Zeitschrift für Arbeitsforschung, Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik. Heft 1/2003, S. 19.
Geschichte Für Adam Smith galt in dem 1776 erschienenen Standardwerk Der Wohlstand der Nationen die menschliche Arbeit als die Quelle des Wohlstands und nicht der landwirtschaftlich genutzte Boden.Adam Smith: An Inquiry into the Nature and Causes of Wealth of Nations. 1776, Übersetzung Claus Recktenwald, 1995, S. 3. Er ging davon aus, dass Arbeitsteilung die Produktivität steigere und stellte die arbeitsteilige Wirtschaft der so genannten „Robinson-Crusoe-Wirtschaft“ gegenüber. Das entscheidende Ergebnis einer arbeitsteiligen Wirtschaft seien mögliche Produktivitätssteigerungen und stärkere Effizienzsteigerungen. Für den Bevölkerungspessimisten Thomas Robert Malthus war 1798 der Mensch von Natur aus „träge, faul und jeder Arbeit abhold, es sei denn, die Not zwingt ihn dazu“.Thomas Robert Malthus: An Essay on the Principle of Population. 1798, Übersetzung 1977, S. 157. Jean-Baptiste Say stellte 1803 erstmals die Arbeit mit Boden und Kapital auf eine StufeJean-Baptiste Say: Traité d'économie politique. 1803, S. 85. und ergänzte 1828 das Faktorsystem um den Produktionsfaktor „unternehmerische Tätigkeit“.Jean-Baptiste Say: Ausführliches Lehrbuch der praktischen Ökonomie. deutsche Übersetzung, 1845, S. 121. Auch die unternehmerische Tätigkeit ist streng genommen Arbeit, sie wird heute in der Betriebswirtschaftslehre als derivativer Produktionsfaktor anerkannt.
David Ricardo räumte 1837 dem Faktor Arbeit durch seine Arbeitswerttheorie eine Sonderstellung ein.David Ricardo: Grundsätze der Volkswirtschaft und der Besteuerung. 1837, S. 2 ff. John Stuart Mill unterschied 1875 zwischen produktiver (Landwirtschaft, Industrie, Transport, Handel), indirekt produktiver (Erziehung, Ausbildung, Wissenschaft, öffentliche Dienstleistungen) und unproduktiver Arbeit. Letztere mache die „Gesellschaft und die Welt im Ganzen an materiellen Produkten nicht reicher, sondern ärmer“.John Stuart Mill: Principles of Political Economy with some of their Applications to Social Philosophy. 1875, S. 29. Er verstand darunter die Unterhaltung durch Schauspieler, Musiker, Opernsänger oder Tänzer.
Bereits in den Pariser Manuskripten vom August 1844 nahm für Karl Marx die Arbeit eine zentrale Stellung ein. Er betrachtete die Arbeit sowohl im ökonomischen (Arbeit als Ware und „Mehrwert;“ siehe Abstrakte Arbeit) als auch im philosophisch-anthropologischen (Arbeit als „Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur“ (Marx); siehe Arbeit (Philosophie)) sowie im politischen Sinne (siehe ebenda). „(Konkret-)Nützliche Arbeit“ steht bei Marx für die Produktion von Gebrauchswerten sowie den Einsatz von Schöpfungskraft im Austauschverhältnis zwischen Mensch und Natur, die im Gegensatz zur Klassischen Ökonomie nicht mit dem Tauschwert zu bemessen sei.Karl Marx: Das Kapital: Kritik der politischen Ökonomie. Der Produktionsprozess des Kapitals. 4. Auflage. Köln 2003, S. 186. Marx stellte sein Verständnis der menschlichen Arbeit und die Bedeutung, die Veränderungen der Produktionsweise auf den Menschen und seine Arbeit haben, in den Mittelpunkt seiner Theorien. Ausgangspunkt seiner Arbeitswertlehre war 1867 die Unterscheidung zwischen Gebrauchswert und Tauschwert.Karl Marx: Das Kapital: Kritik der politischen Ökonomie. Band 1, 1867, 1985, S. 50. Dagegen sprach er im Zusammenhang mit abstrakter Arbeit (s. o.) – diesen Begriff stellt Marx dem von der konkret-nützlichen Arbeit gegenüber – von einer „Entfremdung des Menschen von der Arbeit“. Der Arbeiter erlebe die Güter nicht mehr als seine eigenen, sondern als fremde, zu deren Herstellung er nur noch stückhaft beitrage. In einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung (→ Marktwirtschaft) diene die Arbeit allein der Erzielung von marktfähigen Warenwerten. Der Arbeiter müsse seine Arbeitskraft dem Kapitalisten zur Erhaltung seiner Existenz verkaufen und füge dem Gut zusätzlich zu der dem Existenzlohn entsprechenden Arbeit einen Mehrwert bei, den sich aber der Kapitalist aneigne.Karl Marx: Das Kapital: Kritik der politischen Ökonomie. Der Produktionsprozess des Kapitals, Köln 2003, S. 196. Darauf aufbauend begründete Marx seine Vorstellung der Arbeitswertlehre und seine Ausbeutungstheorie.
Adolf Weber umschrieb 1930 Arbeit als Inbegriff der menschlichen Wirkungsfähigkeit (Willenskraft, Körperkraft und Einsicht) und Produktionsfaktor.Adolf Weber: Allgemeine Volkswirtschaftslehre. 1930, S. 67.
Während die klassische Nationalökonomie die Arbeit vorwiegend unter naturalwissenschaftlichen Aspekten betrachtete, erkannte die moderne Lehre, dass Arbeitskräfte nicht bloß Produktionsfaktoren sind, sondern den eigentlichen Zweck des Wirtschaftens darstellen und sich das Arbeitsverhalten nicht allein durch das Rationalprinzip erklären lässt.Wilhelm Hasenack, W. Kilger, Johannes Fettel, Hermann Böhrs, Erich Kosiol, Josef Kolbinger, Fritz Ottel, Karl Hax, August Marx: Arbeit und Lohn als Forschungsobjekt der Betriebswirtschaftslehre. 1962, S. 44. (books.google.de) Heute wird Arbeit auch unter sozialökonomischen Aspekten betrachtet und die Arbeitswelt durch die Arbeitssoziologie und Arbeitspsychologie untersucht.
Arbeitsmarkt mini|Typisches Arbeitsmarktdiagramm: Es zeigt den Faktor Arbeit und seinen Faktorpreis (Lohn). Der Arbeitsmarkt ist ein typischer Faktormarkt, auf dem als Faktorpreis der Lohn besteht. Auf dem Arbeitsmarkt trifft das Arbeitsangebot der Arbeitnehmer auf die Arbeitsnachfrage der Arbeitgeber; der Preis auf dem Arbeitsmarkt ist das Arbeitsentgelt (Lohn oder Gehalt). Für die Arbeitsnachfrager stellt der Faktorpreis Faktorkosten dar, für die Arbeitsanbieter ist er Arbeitseinkommen. Das beliebig teilbare Zeitbudget einer Arbeitskraft besteht entweder aus dem Arbeitsangebot oder aus Freizeit . Die persönliche Freiheit, seine Zeit für verschiedene Verwendungszwecke einzuteilen, unterliegt daher der Zeitrestriktion . (Formel für die Berechnung der Arbeitskraft)
Arbeitsangebot mini|Normale Arbeitsangebotskurve mini|Rückwärts geneigtes Arbeitsangebot mini|Anormaler Verlauf ohne Sozialsystem
Hauptbestimmungsfaktoren für das Angebot an Arbeit sind die Größe der Bevölkerung, der Prozentsatz der tatsächlich am Erwerbsleben teilnehmenden Personen, die durchschnittliche jährliche Anzahl der von Arbeitnehmern geleisteten Arbeitsstunden, Qualität und Quantität der erbrachten Arbeitsleistung und die Qualifikation der Arbeitskräfte.Helge Majer: Moderne Makroökonomik. 1. Auflage. Oldenbourg, 2001, S. 264. Unter dem Gesichtspunkt der Bevölkerung hängt das Arbeitskräfteangebot von der Fertilität, Mortalität und dem Wanderungssaldo ab.Paul A. Samuelson: William D. Nordhaus: Volkswirtschaftslehre - Grundlagen der Makro- und Mikroökonomie. 8. Auflage. Köln 1987, S. 302. Die Zahl der Erwerbspersonen ist bedingt durch die Arbeitseinstellung und Freizeit, Ansicht von Arbeit als Lebenssinn und Möglichkeit, sich zu verwirklichen bzw. Arbeit als Mittel zum Zweck der Einkommenserzielung. Die Zahl der Erwerbspersonen kann z. B. durch den Eintritt geburtenstarker Jahrgänge ins Erwerbsleben oder die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen steigen.
Die Angebotskurve des Gutes Arbeit hat, wie bei anderen Gütern auch, in der Regel einen steigenden Verlauf, da bei steigenden Preis mehr Arbeit auf dem Arbeitsmarkt angeboten wird. Für den Produktionsfaktor Arbeit kann die Angebotskurve, wie in den nebenstehenden Grafiken veranschaulicht, sowohl einen typischen ansteigenden Verlauf, als auch einen rückwärts geneigten Verlauf aufweisen. Dies ist begründet durch die Präferenzgewichtung des Arbeitnehmers für Freizeit einerseits und Arbeit zur Einkommenserzielung und Konsumverwirklichung andererseits.Robert S. Pindyck, Daniel L. Rubinfeld: Mikroökonomie. 6. Auflage. München 2005, S. 689. Der Lohnsatz stellt dabei den Preis dar, mit dem der Arbeiter seine Freizeit bewertet, da er in Höhe des Lohnsatzes auf Geld verzichtet, um mehr Freizeit zu erlangen. Mit steigendem Lohn kommt es nun auch zu einer Steigerung des Preises für Freizeit aus Sicht des Arbeitnehmers. Zum einen stellt der höhere Lohn für den Arbeitnehmer einen Anreiz dar, sein Arbeitsangebot zu erhöhen und dadurch auf Freizeit zu verzichten (Substitutionseffekt). Zum anderen erhöht sich durch den höheren Lohnsatz die Kaufkraft des Arbeitnehmers. Er kann jetzt mit weniger Arbeitsleistung die gleiche Menge wie vorher konsumieren (Einkommenseffekt). Übersteigt nun der Einkommenseffekt den Substitutionseffekt, so kommt es dazu, dass bei höherem Lohnsatz insgesamt weniger Arbeit angeboten wird. Daraus resultiert die rückwärts verlaufende Arbeitsangebotskurve. Das Modell unterstellt jedoch, dass die Arbeitnehmer den Anteil von Arbeit und Freizeit nach eigenen Vorstellungen gestalten können, was in der Praxis schon aufgrund von Vorgaben durch das Unternehmen nicht möglich ist.
Die Arbeitsangebotskurve kann auch einen anormalen, zum vorigen Beispiel spiegelverkehrten Verlauf wie in nebenstehender Grafik aufweisen. Dieser Verlauf kann in Volkswirtschaften ohne eine soziale Mindestabsicherung, wie z. B. in Entwicklungs- und Schwellenländern auftreten. Zunächst nimmt das Arbeitsangebot wie im normalen Verlauf bei sinkendem Lohnsatz ab. Wird der zu erzielende Lohn aber zu gering, um damit überleben zu können, sind die betroffenen Arbeitnehmer gezwungen mehr zu arbeiten, um ihre Existenz sichern zu können.Edwin Böventer, Richard Illing: Einführung in die Mikroökonomie. 9. Auflage. Oldenbourg, 1997, S. 133. Es kommt zu einer Ausweitung des Arbeitsangebots in diesem Bereich.
Arbeitsnachfrage Die Arbeitsnachfrage wird determiniert durch den Arbeitslohn , das Kapital , den Arbeitseinsatz sowie die Grenzkosten und lässt sich zusammenfassen als , was besagt, dass ein gewinnmaximierendes Unternehmen so lange seinen Arbeits- und Kapitaleinsatz modifiziert, bis die Grenzkosten, die bei der Produktion einer weiteren Gütereinheit mittels Arbeit entstünden, identisch zu denjenigen sind, die bei der Produktion mittels Kapital anfielen.Ronald G. Ehrenberg, Robert S. Smith: Modern Labor Economics: Theory and Public Policy. 1997, S. 72 f.
Ist das Arbeitsangebot höher als die Arbeitsnachfrage, liegt Arbeitslosigkeit (Unterbeschäftigung) vor, umgekehrt sind offene Stellen und Überbeschäftigung vorhanden.
Arbeit wird als homogene Größe in Arbeitsstunden gemessen, so dass sich die Arbeit wie folgt darstellen lässt:
Verringert sich beispielsweise die Arbeitszeit bei gleicher Zahl von Arbeitskräften, so ermäßigt sich die Arbeitsleistung und umgekehrt.
Arten der Arbeit