Die II. Wiener Hochquellenleitung (ursprünglich: II. Kaiser-Franz-Josef-Hochquellenleitung) wurde bis 1910 zur Verstärkung der I. Wiener Hochquellenleitung errichtet und bringt Trinkwasser aus dem Hochschwabgebiet in der Steiermark nach Wien.

Anlass zur Errichtung Mangels funktionierender Kanalisation der Stadt Wien sank die Qualität des Grundwassers, das über Hausbrunnen gewonnen wurde, ab und verursachte immer wieder Epidemien. Verschiedene Wasserleitungen aus dem Süden und Westen Wiens, die zum Teil in Privatbesitz von Adeligen standen, konnten den Bedarf an gesundheitlich unbedenklichem Trinkwasser der Stadt Wien ebenso wenig decken wie die Albertinische Wasserleitung oder die später errichtete Kaiser-Ferdinands-Wasserleitung.

Letztere war zwar die erste flächendeckende Wasserleitung der Stadt und bot anfänglich auch Trinkwasser von guter Qualität, doch sanken sowohl die gelieferte Wassermenge als auch die Qualität des Wassers, bis dieses zum Gesundheitsrisiko wurde. Schließlich errichtete die Stadt Wien eine aus dem Gebiet von Rax und Schneeberg kommende Hochquellenleitung, welche Wasser einer guten Qualität lieferte.

Vor allem während der Wintermonate lieferte die I. Wiener Hochquellenleitung aber weniger Wasser als erwartet.

Vorarbeiten Neben der Absicht, die I. Wiener Hochquellenleitung mit zusätzlichem Quellwasser zu versorgen, wurde auch die Möglichkeit der Errichtung eines Grundwasserwerks zur Gewinnung von Nutzwasser im Raum Wien untersucht. Diese Bemühungen wurden aber 1896 eingestellt.

Weiters wurden Studien über eine zweite Hochquellenleitung angestellt. Mögliche Quellgebiete suchte man in Niederösterreich in den Einzugsgebieten der Traisen, der Ybbs und der Erlauf, in der Steiermark wurden die Enns und die Salza erforscht und in Oberösterreich der Oberlauf der Steyr.

Um die ausgewählten Quellgebiete in ihrer Ergiebigkeit bewerten und miteinander vergleichen zu können, wurde die Schüttung der Quellen über mehrere Jahre hinweg regelmäßig gemessen. Aufgrund der Erfahrungen, die man bei der I. Wiener Hochquellenleitung gewonnen hatte, legte man das Hauptaugenmerk dabei auf die Wintermonate, da die Hochgebirgsquellen – im Gegensatz zu den Quellen des Mittelgebirges – in dieser Zeit die niedrigste Ergiebigkeit vorzuweisen hatten.

Ein erster Bericht über die Möglichkeiten, die I. Wiener Hochquellenleitung auszubauen beziehungsweise über den Stand der aktuellen Studien zur Errichtung einer zweiten Wasserleitung wurde dem Gemeinderat von Wien Mitte Juni 1894 vorgelegt.

Nach weiteren Ergiebigkeitsmessungen verblieben nur noch das Einzugsgebiet der Traisen sowie das Salzagebiet in der engeren Wahl.

Ausgeschieden wurde die Traisen (Hohenberger Traisen, Türnitztraisen, Gölsen) trotz ausreichender Wasserführung und der relativ kurzen Leitungslänge von rund 135 Kilometern nach Wien wegen der zahlreichen industriellen Anlagen, welche das Wasser selbst benötigten und der damit verbundenen Rechtsstreitigkeiten und Abfindungszahlungen, falls man dieses Projekt tatsächlich durchsetzen wollte. mini|Wildalpen in der Steiermark Im Salzagebiet lagen die Dinge in rechtlicher Hinsicht einfacher. Außer dem Recht auf Holztrift und der von Palfau flussabwärts ausgeübten Flößerei wurde das Wasser der Salza zwischen Gußwerk und der Mündung in die Enns außer von einigen bäuerlichen Mahl- und Sägemühlen nicht wirtschaftlich genutzt.

Eingehend untersucht wurden die Siebenseequellen, die Kläfferquelle, die Brunngrabenquelle, die Höllbachquellen, die Schreierklamm- und die Säusensteinquelle bezüglich ihrer Schüttung, aber auch auf die chemische Zusammensetzung.

Bei einer zu erwartenden geringsten Ergiebigkeit von 177.500 m³ Trinkwasser täglich ergab eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, dass trotz des höheren Aufwands bei der Errichtung einer Wasserleitung aus dem Salzagebiet das von hier kommende Wasser pro Mengeneinheit günstiger käme als jenes aus der Traisenregion.

Karl Lueger führte nach seinem Amtsantritt die bisher mehr theoretisch geführten Untersuchungen der praktischen Umsetzung zu. Am 28. Juni 1898 befasste sich der Stadtrat von Wien mit den erstellten Vorschlägen und war mit der Errichtung einer weiteren Hochquellenleitung aus dem Salzagebiet einverstanden. Da der Stadtrat allerdings an Stelle der bisherig geplanten 177.500 m³ Trinkwasser eine Mindestliefermenge von 200.000 m³ forderte, mussten zusätzliche Quellen gesucht werden. Als mächtigste zusätzliche Quelle wurde die Pfannbauerquelle aufgefunden, die aber letztlich mittels Stollen nach Osten an die I. Wiener Hochquellenleitung angeschlossen wurde.

Nach dem Abschluss letzter technischer Vorarbeiten verhandelte der Gemeinderat über das generelle Projekt. Gefasst wurden am 27. März 1900 drei grundsätzliche Beschlüsse: Zu errichten ist eine zweite Hochquellenleitung, mit deren Hilfe Wasser der im Salzagebiet befindlichen und möglicher weiterer Quellen nach Wien geleitet werden sollte. Das Wiener Stadtbauamt wurde beauftragt, ein derartiges Projekt mit einer Leistungsfähigkeit von 200.000 m³ Wasser täglich auszuarbeiten. Die Finanzierung des Baues war sicherzustellen.

Als Folge prinzipieller Beschlüsse des Wiener Stadtrates vom 22. Juni 1898 und im Jahr 1899 des Wiener Gemeinderats, das Siebenseegebiet in Wildalpen zu erwerben, wurde am 9. Juni 1899 mit Beschluss des Gemeinderats die „Kommission für die Durchführung des Baues einer zweiten Hochquellenleitung und der Bauten für die Ergänzung der Kaiser-Franz-Josef-Hochquellenleitung“ gegründet. Ihre Aufgabe bestand darin, den mit den laufenden Geschäften und anderen wichtigen Projekten befassten Stadtrat in dieser komplexen Materie zu entlasten.

Nach nur drei Sitzungen wurde die Kommission wegen einer Änderung des Gemeindestatuts aufgelöst und durch den „Gemeinderatsausschuss zur Durchführung des Baues einer zweiten Hochquellenleitung und der Bauten für die Ergänzung der Kaiser-Franz-Josef-Hochquellenleitung“ mit ähnlichen Vollmachten ersetzt.

Planungsarbeiten Schon bei den ersten Projektentwürfen durch das Wiener Stadtbauamt wurde davon ausgegangen, dass der Endpunkt der neuen Hochquellenleitung in Wien möglichst hoch liegen sollte, um auch die höher gelegenen Bezirke Wiens mit möglichst wenigen Hebewerken versorgen zu können. Dies ergab zunächst eine Seehöhe von etwa 320 Metern, so dass zunächst der Kreuzbühel bei der Rohrerhütte in Neuwaldegg als Standort für das Endreservoir in Betracht gezogen wurde.

Da man überwiegend Gravitationsleitungen verlegen wollte, waren die Planer gezwungen, die Trasse nicht in den Tallagen zu führen, sondern an den Hängen entlang. Um lange Wege durch Quertäler zu vermeiden, wurden zahlreiche Aquädukte sowie auch Düker gebaut. Um von einem Tal ins nächste zu gelangen, wurden zudem sogenannte Wasserscheidestollen errichtet.

Nach einer gründlichen Vermessung der Trasse durch das k. u. k. Militärgeographische Institut und verschiedene zivile Ingenieure konnte im April 1900 mit der Trassierung begonnen werden. Im Herbst des Jahres 1901 wurde begonnen, die bei der Landvermessung ermittelte Trasse abzustecken.

Ein auf Grundlage der dieser Arbeiten erstellter Kostenvoranschlag ergab eine Gesamtsumme von 90 Millionen Kronen. Im Mai 1903 wurden die fertigen Pläne im Festsaal des Wiener Rathauses öffentlich ausgestellt.

Die Planungsaufsicht und später die Oberleitung bei der Errichtung hatte seitens des Wiener Stadtbauamtes Karl Sykora inne.

Grunderwerb Bereits bei der ersten Kaiser-Franz-Josef-Hochquellwasserleitung hatte es sich bewährt, nicht nur die Quellen und die Wasserrechte zu erwerben, sondern auch die zugehörigen Einzugs- und Niederschlagsgebiete, um beim Quellschutz nicht auf die Zusammenarbeit und das Wohlwollen der Grundbesitzer angewiesen zu sein.

Der erste Kaufvertrag wurde zwischen der Stadt Wien und dem Benediktinerstift Admont am 1. Mai 1899 geschlossen und am 5. Mai des gleichen Jahres vom Gemeinderat der Stadt Wien genehmigt. Erworben wurde das Siebenseegebiet bei Wildalpen (Rollersee, Lindnersee, Kesselsee, Hartlsee, … samt zahlreichen wasserreichen Quelladern).

Bis 1902 folgten weitere Grundstücke und Quellen. Vertragspartner waren neben kleinen Landwirten, denen oft der gesamte Grundbesitz abgekauft wurde, auch prominente Großgrundbesitzer (beispielsweise Johann Graf von Meran, Robert Herzog von Parma, der Steiermärkische Religionsfonds und der k.u.k. Ärar).

Zu beachten waren bei den zahlreichen Grundstückstransaktionen auch die vielen damit verbundenen Weide- und Forstservitute sowie Waldabstockungsrechte. Drei in Brunngraben, Weichselboden und Wildalpen erworbene Grundstücke waren so ausgedehnt, dass sie Eigenjagden bildeten. Zu übernehmen hatte die Stadt Wien aber auch die Erhaltung von drei Ortswasserleitungen in Wildalpen und eine in Weichselboden.

Der im Salzatal gelegene Grundbesitz wurde zunächst weiterhin von den Organen des Ärars und des Stiftes St. Lambrecht gegen Kostenersatz verwaltet. Nach dem Aufbau einer eigenen Forstverwaltung mit Sitz in Weichselboden übernahm die Stadt Wien diese Aufgabe selbst.

Quellen mini|Die Brunngraben-Quelle mini|Kläfferquelle bei Wildalpen Diese Quellen zählen zu den bekanntesten und ergiebigsten Quellen der II. Wiener Hochquellenleitung: Brunngrabenquelle: Die Fassung der Brunngrabenquelle auf dem Gemeindegebiet von Gußwerk (bis zur Änderung des Gemeindenamens 1908: Aschbach) sowie deren Anschluss an die II. Wiener Hochquellenleitung wurde 1919 fertiggestellt. Die Mindesttagesschüttung beträgt etwa 21.600 m³ Wasser. Höllbachquelle: Sie liegt in der sogenannten „Vorderen Hölle“, einem Tal zwischen den Zeller Staritzen, dem Ringkamp und dem Mieskogel. Die Mindesttagesschüttung beträgt etwa 25.600 m³. Fertig angeschlossen an die II. Wiener Hochquellenleitung wurde sie 1912. Kläfferquelle (auch: Kläfferbrünnequelle): Die rund 13 km von Wildalpen entfernte Kläfferquelle im Salzatal ist die ergiebigste Quelle der Wiener Wasserwerke und eine der größten Karstquellen Mitteleuropas. Die mittlere Quellschüttung beträgt rund 4790 l/sJoanneum Research: KARST – Karstwasserdynamik und Karstwasserschutz Hochschwab, zur Zeit der Schneeschmelze beträgt sie rund 10.000 Liter Wasser pro Sekunde.Webservice der Stadt Wien: Kläfferquelle – Die größte Trinkwasserquelle Europas Die Mindesttagesschüttung beträgt etwa 54.000 m³. Um die Quelle zu fassen, wurde ein Stollen etwa 90 Meter tief in den Berg getrieben.Webservice der Stadt Wien: Siebenseequellen: Die Mindesttagesschüttung beträgt etwa 37.000 m³. Schreierklammquellen: Die Mindesttagesschüttung beträgt etwa 13.000 m³. Seisensteinquelle: Die Seisensteinquelle entspringt am Fuß des 1306 Meter hohen Seisensteins. Die Einleitung der Quelle mit einer Mindesttagesschüttung von 8.000 bis 10.000 m³ Quellwasser, wofür schon seit 1906 die wasserrechtliche Genehmigung vorlag, erfolgte aus Anlass des wasserarmen Winters 1928/1929. Sie war die erste Quelle der II. Wiener Hochquellenleitung, die künstlich gehoben werden musste.

Wasserrechtlicher Konsens Die Erteilung des für den Betrieb der Hochquellenleitung notwendigen wasserrechtlichen Konsenses wurde durch die Beteiligung zweier Länder (Steiermark und Niederösterreich) mit zwei teilweise sehr unterschiedlichen Landeswasserrechtsgesetzen zu einem komplizierten Vorgang. Seinen Anfang nahm dieses Verfahren am 17. Mai 1899 nach dem Abschluss der Verkaufsverhandlungen mit dem Stift Admont. Mit dem Ankauf der weiteren Quellen wurden bei den Bezirkshauptmannschaften Liezen und Bruck an der Mur weitere Vorprojekte eingereicht.

Um das Verfahren zu beschleunigen, wurde zunächst analog zum Eisenbahngesetz vorgegangen und die Grundsatzfrage geklärt, ob die Errichtung einer Wasserleitung für täglich 200.000 m³ aus öffentlicher Sicht überhaupt zulässig ist.