mini| Blick von unten auf Maba 1 Maba 1 (auch: Maba-Mensch; ) ist die Bezeichnung für ein mittelpaläolithisches Fossil, das im Juni 1958 in einer Karsthöhle des Shizi Shan („Löwenberges“) beim Dorf Maba (Mabacun) in Shaoguan in der chinesischen Provinz Guangdong entdeckt und der Gattung Homo zugeschrieben wurde.Ju-Kang Woo und Ru-Ce Peng: Fossil human skull of early Paleoanthropic stage found at Mapa, Shaoquan, Kwantung Province. In: Vertebrata Palasiatica. Band 3, Nr. 4, 1959, S. 176–182. Eine gesicherte Zuordnung zu einer bestimmten Art fehlt bislang.Jiaming Hui und Xiujie Wu: Reappraisal of the Morphological Affinities of the Maba 1 Cranium: New Evidence From Internal Cranial Anatomy. In: American Journal of Biological Anthropology. Band 187, Nr. 1, Mai 2025, e70064, doi:10.1002/ajpa.70064.
Fund und Datierung Beim Fossil Maba 1 handelt es sich um ein in mehrere Stücke zerbrochenes, unvollständig erhaltenes Schädeldach mit Stirn und Nasenbereich, aber fehlenden Zähnen. Das Schädelfragment weist Fraßspuren auf, es fehlen rund 60 Prozent der Gesichtsknochen und rund ein Viertel des Scheitelbeins. Ein besonderes Merkmal dieses Schädels sind die an Neandertaler erinnernden, relativ grazilen Überaugenwülste,Ian Tattersall: The Strange Case of the Rickety Cossack – and Other Cautionary Tales from Human Evolution. Palgrave Macmillan, New York 2015, S. 145, ISBN 978-1-137-27889-0. weswegen der Fund zunächst als dem des Neandertalers ähnelnd beschrieben wurde.Cihai („Meer der Wörter“). In: Shanghai cishu chubanshe. Shanghai 2002, ISBN 7-5326-0839-5, S. 1112. Von chinesischen Experten wurde er hingegen auch als archaischer Homo sapiens eingeordnet. Dies passt allerdings nicht zur Datierung des Fossils mindestens ins späte Mittelpleistozän, da laut den heute bekannten, genetischen Analysen zur Ausbreitung des Menschen (Homo sapiens) diese erst sehr viel später China besiedelten und der Fund daher eher dem Homo erectus zuzuordnen ist. 2024 wies die französische Paläoanthropologin Silvana Condemi darauf hin, das Fossil könne aufgrund seiner anatomischen Merkmale von den Denisova-Menschen abstammen.Silvana Condemi und Françoi Savatier: Denisova. Die Entdeckung einer neuen Menschenart. C.H.Beck, München 2025, S. 211–214. ISBN 978-3-406-82697-9.
Zum Alter von Maba 1 liegen bislang sehr unterschiedliche Angaben vor. Anhand von Tierfossilien aus der gleichen Fundschicht wurde der Schädel zunächst ins mittlere bis junge Pleistozän datiert. Eine spätere Uran-Thorium-Datierung von vermutlich gleich alten Tierzähnen ergab ein Alter von 129.000 ± 10.000 Jahren, jedoch ist nicht gesichert, dass diese Datierung die Fundschicht betraf: Der Schädel war von Bauern beim Abbau von Dünger gefunden worden, weswegen die Fundschicht nur annähernd rekonstruiert werden kann. Eine weitere, ebenfalls nicht hinreichend gesicherte Datierung aus dem Jahr 2011 legt ein Alter von nahezu 240.000 Jahren nahe.Xiu-Jie Wu et al.: Antemortem trauma and survival in the late Middle Pleistocene human cranium from Maba, South China. In: PNAS. Band 108, Nr. 49, 2011, S. 19558–19562, doi:10.1073/pnas.1117113108.
2011 wurde geschätzt, dass der Schädel zu einer bei Eintritt des Todes etwa 50 Jahre alten Person gehörte. Zugleich wurde nachgewiesen, dass er eine – zumindest ansatzweise verheilte – Verletzung des Schädels aufweist, die durch einen kräftigen Schlag mit einem stumpfen Gegenstand verursacht worden sein muss. Hiervon zeugt an der rechten Schädelseite eine halbmondförmige, acht Millimeter lange, 308 Quadratmillimeter große und 1,5 Millimeter tiefe Druckspur sowie an gleicher Stelle auf der Schädelinnenseite eine Auswölbung. Anzeichen für eine Entzündung im ehemaligen Wundbereich wurden nicht gefunden, wohl aber Hinweise auf neugebildetes Knochengewebe nach einer Fraktur. Die Ursache der Verletzung ließ sich nicht klären.
Francis Clark Howell bezeichnete das Fossil von Maba (vormals Mapa) mit dem Art-Epitheton „mapaensis Kurth“.Francis Clark Howell: Thoughts on the Study and Interpretation of the Human Fossil Record. In: Memoirs of the California Academy of Sciences. Band 21, 1996, S. 1–46 [hier: S. 19], . Der Taxonom Colin Groves erwähnt, das Fossil sei von Gerhard Heberer und Gottfried Kurth als „Homo erectus mapaensis Kurth (1965)“ eingeführt worden.Gerhard Heberer (Hrsg.): Menschliche Abstammungslehre: Fortschritte der Anthropogenie [i. e. Hominisation] 1863–1964. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1965, S. 383. Colin Groves indes entschied sich 1989 für die (heute dem Wissenszuwachs widersprechende) Umbenennung in „Homo sapiens mapaensis Kurth, 1965“.Colin Groves: A theory of human and primate evolution. Clarendon Press, Oxford 1989, S. 286, ISBN 0-19-857629-3.
Das Fossil wird unter der Sammlungsnummer PA 84 im Institut für Wirbeltierpaläontologie und Paläoanthropologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften verwahrt.
Siehe auch Liste von Fossilien der Denisova-Menschen Liste von homininen Fossilien des Paläolithikums in China Liste paläolithischer Fundstätten in China
Weblinks Abbildungen des Schädels und der Knochenverletzung bei wissenschaft-online.de Maba cranium. Beschreibungen und Abbildungen auf der Website des australischen Paläoanthropologen Peter Brown.
Belege
Kategorie:Hominines Fossil aus China Kategorie:Guangdong Kategorie:Archäologischer Fund (Asien) Kategorie:Mittelpaläolithikum