mini|Bernard Madoff (2008)

Bernard „Bernie“ Lawrence Madoff [meidɔf] (* 29. April 1938 in Brooklyn,Diana B. Henriques: Bernie Madoff, the Wizard of Lies – Inside the Infamous $65 Billion Swindle. Oneworld, New York 2011, ISBN 978-1-78074-043-0. S. 44 ff. New York City; † 14. April 2021 in Butner, North Carolina) war ein US-amerikanischer Finanz- und Börsenmakler sowie Anlagebetrüger. Bevor seine betrügerischen Machenschaften aufgedeckt wurden, war er ein hochangesehener Wertpapierhändler und Vorsitzender der Technologiebörse NASDAQ. Ein Whistleblower entdeckte Madoffs Anlagebetrug bereits im Jahr 1999, wurde jedoch von der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC jahrelang ignoriert.

Ende 2008 wurde Madoff wegen Betrugs verhaftet, da er jahrzehntelang einen Investmentfonds nach einem Ponzi-Schema betrieben hatte.Jessica Pressler: Charities, Old People, Jews Hit Hardest by Madoff Fraud UPDATED. Am 15. Dezember 2008 auf nymag.com Der Gesamtumfang des Schadens wurde zum Zeitpunkt des Prozesses gegen Madoff auf mindestens 65 Milliarden Dollar (rund 51 Milliarden Euro) veranschlagt, die Zahl der Geschädigten auf 4800.Tag der Abrechnung in Saal 11A, Spiegel Online, 12. März 2009 Nach Ansicht von Anwälten handelt es sich um den „ersten wirklich globalen Betrugsfall“.Madoff-Skandal: Globale Allianz von Anwaltsfirmen aus 21 Ländern gegründet, in: Property Magazine, 23. Februar 2009 Dieser betraf im April 2009 weltweit rund drei Millionen Personen direkt oder indirekt. Rund 300 Anwaltskanzleien und 45.000 Anwälte sollen sich zu dieser Zeit mit dem Fall befasst haben.Madoff – ein Glücksfall für Schweizer Anwälte, in: Tagesanzeiger, 8. April 2009 Madoff wurde am 29. Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt,. Stand: 29. Juni 2009 17:38 Uhr sein Fall wurde vom United States Attorney for the Southern District of New York, Preet Bharara, aufgearbeitet.ksta.de, 12. März 2017: Bundesanwalt entlassen: US-Regierung feuert New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara (13. März 2017)

Die Eheleute Ruth und Bernard Madoff traten als Spender für zahlreiche wohltätige und kulturelle Einrichtungen auf und waren Mitglieder im Vorstand vieler Theater, Stiftungen und Colleges. Aufgrund dieses philanthropischen Erscheinungsbildes entschieden sich mehrere wohltätige Stiftungen, Madoff ihr Geld anzuvertrauen, wodurch ihnen zuletzt ein hoher finanzieller Schaden entstand.P. Sherwell „Bernie Madoff: Profile of a Wall Street star“, Telegraph, abgefragt am 17. Dezember 2008

Leben Madoff wurde 1938 in Brooklyn, New York, als zweites von drei Kindern der Eheleute Sylvia Muntner und Zookan „Ralph“ Madoff geboren. Seine Großeltern waren osteuropäische Juden, die Anfang des 20. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten eingewandert waren.Erin Arvedlund: Too Good to Be True: The Rise and Fall of Bernie Madoff. Penguin, New York 2009, ISBN 978-1-101-13778-9. S. 14–15 (Auszug. Auf books.google.de, abgerufen am 12. Juni 2016) Madoff wuchs in bescheidenen Verhältnissen (das Sportgeschäft seines Vaters musste Insolvenz anmelden) in Laurelton, einem gutbürgerlichen und damals vielfach von jüdischen Einwanderern bewohnten Viertel von Queens, auf, wo er zunächst die öffentliche Schule und ab 1952 die Far Rockaway Highschool besuchte. Dort erlangte er 1956 seinen Schulabschluss.Candidates for Graduation – June 1956. In: One-hundred-Fourteenth Commencement of the Far Rockaway Highschool. Board of Education of the City of New York, 26. Juni 1956. S. 4, abgerufen am 12. Juni 2016 (Der Hinweis auf das Dokument stammt von: )

Von 1956 bis 1957 besuchte Madoff die University of Alabama, wo er der seit 1909 existierenden jüdischen Studentenverbindung Sigma Alpha Mu beitrat.Allen Salkin: Bernie Madoff, Frat Brother. Am 16. Januar 2009 auf nytimes.com 1960 beendete er nach drei Jahren sein politikwissenschaftliches Studium am damaligen Hofstra College auf Long Island. Von 1960 bis 1961 besuchte er Vorlesungen an der Brooklyn Law School und arbeitete nebenbei.

Bereits 1956 hatte er in Laurelton die drei Jahre jüngere Ruth Alpern, ebenfalls Enkelin jüdischer Einwanderer, kennengelernt. Madoff und sie heirateten 1959 und hatten zwei gemeinsame Söhne: Mark (1964–2010) und Andrew (1966–2014).

Geschäftsleben Mit einer Ersparnis von 5.000 Dollar aus Ferienjobs als Rettungsschwimmer (im Silver Point Beach Club in Atlantic Beach, Long Island) und Installateur für Gartenbewässerungsanlagen gründete Madoff im Jahr 1960 eine Investmentfirma namens Investment Securities, die sich zunächst auf so genannte Penny Stocks spezialisierte. Sie wies zehn Jahre später eine große Anzahl Kunden auf, die er vornehmlich in Country Clubs der High Society, wie dem Palm Beach Country Club, gewonnen hatte. Sein Unternehmen lebte zunächst vom so genannten Spread, der Differenz zwischen Angebots- und Nachfragepreis eines Wertpapiers. Zudem bot er früh den Computerhandel mit Wertpapieren an und konnte so häufig günstigere Kurse bieten, was wiederum für Fonds Vorteile bot.

Im August 1963 wurde die Zulassung von Sylvia Madoff, der Mutter Madoffs, die als „Broker dealer“ mit ihrem Unternehmen Gibraltar Securities arbeitete, von der United States Securities and Exchange Commission (SEC) infrage gestellt. Im Januar 1964 verzichtete die SEC auf weitere Maßnahmen im Zusammenhang mit ihren unklaren Vermögensverhältnissen, doch musste Sylvia Madoff im Gegenzug auf ihre Tätigkeit verzichten. Unklar ist, ob ihr Ehemann Ralph die Geschäfte führte, obwohl sie dafür registriert war. Inwieweit dies mit Steuerschulden des Ehepaars in Zusammenhang stand, ist ebenfalls unklar.

Madoff wirkte an der National Association of Securities Dealers (NASD) mit, die den NASDAQ regulierte. Sein Unternehmen war eine der treibenden Kräfte bei der Entwicklung desselben, und er war 1990, 1991 und 1993 Non-executive Chairman des Board of Directors und Mitglied des Board of Governors.

Madoff besaß Immobilien in der Upper East Side Manhattans, den Hamptons, Palm Beach und Paris. Zusammen mit seiner Frau Ruth wirkte er als Philanthrop und Spender für Colleges, Theater, Bildungseinrichtungen, jüdische Wohltätigkeitsorganisationen sowie als Kunstmäzen.Profile of a Wall Street star, Telegraph, 14. Dezember 2008 Von 1993 bis 1994 hatte Bernard Madoff eine Affäre mit der Publizistin Sheryl Weinstein, die zu diesem Zeitpunkt Finanzchefin von Hadassah, der zionistischen Frauenorganisation der USA, war.Nikolaus Piper: Das Monster als Kavalier. Die New Yorker Publizistin Sheryl Weinstein macht ihre Affäre mit Bernard Madoff öffentlich, in: Süddeutsche Zeitung vom 20. August 2009 mini|Unternehmenslogo der Bernard L. Madoff Investment Securities LLC

Madoffs Unternehmen Bernard L. Madoff Investment Securities LLC, eine Limited Liability Company, hatte keinen persönlich haftenden Gesellschafter und agierte vor allem als Broker an der Börse, aber auch als Investor. Das Unternehmen war als so genannter Market Maker tätig. Das Brokerhaus verwaltete Anlagegelder für vermögende Kunden und eine Reihe von Hedgefonds. Sie war 2008 in den größten Betrugsskandal verwickelt, den die New Yorker Börse bis dahin erlebt hatte. Das Wall Street Journal schrieb 2008, es sei ein Vorgang, der „sich als der größte Finanzbetrug der Geschichte erweisen könnte“.Wörtlich: „what could prove to be history's largest financial scam“ (Robert Frank, Peter Lattman, Dionne Searcey und Aaron Luccetti: Fund Fraud Hits Big Names, in: The Wall Street Journal, 13. Dezember 2008)

1970 stieg Madoffs Bruder Peter B. Madoff in das Geschäft ein. Die Brüder leiteten gemeinsam Cohmad Securities, ein Unternehmen, das im selben Gebäude ansässig war wie das Unternehmen Bernard Madoffs.‘Falsified’ records hamper Madoff inquiry, in: Financial Times, 17. Dezember 2008 Wie sich später herausstellte, stellte Madoff bereits 1996 den Handel mit Aktien ein.Madoff kaufte seit 13 Jahren keine Aktien mehr, in: Fonds Online, 23. Februar 2009

Noch im November 2008 ließ Madoff allein aus Großbritannien 164 Millionen Dollar an sein New Yorker Unternehmen transferieren.Madoff transferred $164 million to US from UK, in: Times Online, 27. Februar 2009

Strafrechtliche Folgen Im Dezember 2008 wurde Madoff vom FBI verhaftet. Die U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) fror zunächst das verbliebene Vermögen von rund 70 Millionen Dollar ein. Madoff wurde vorgeworfen, er habe versprochene Gewinne aus immer neuen Kundeneinlagen ausbezahlt, ein sogenanntes Ponzi-Schema. Als einer seiner Kunden mehrere Milliarden an Einlagen zurückforderte, brach das System zusammen. Die SEC erhob daraufhin am 11. Dezember 2008 Anklage. Damit war der Fall am US-Bezirksgericht in Manhattan (U.S. District Court for the Southern District of New York, Manhattan) unter der Bezeichnung US versus Madoff, 08-MAG-02735, anhängig. In einer Funktion ähnlich der eines Ermittlungsrichters, genauer als US Magistrate Judge, trat dabei Gabriel Gorenstein auf.

Anscheinend hatte Madoff vor, sich zu stellen, als sein System kurz vor dem Zusammenbruch stand. Seit Dezember 2007 bestanden Probleme, weil Kunden im Zuge der Finanzkrise ihre Einlagen abzogen. Auffällig war auch, dass die Stiftung der Familie Madoff im Jahre 2007 nur 95.000 Dollar an wohltätige Organisationen gespendet hatte, während im Jahr zuvor noch 1.277.600 Dollar gespendet worden waren.„Charity Caught Up in Wall Street Ponzi Scandal“ bei foxnews.com (englisch, abgerufen am 12. Januar 2009)

Aus den Klageschriften geht hervor, dass Madoff auch seine Söhne Andrew und Mark betrogen hatte. Nachdem er ihnen am Abend des 10. Dezember 2008 eröffnet hatte, dass von den Milliarden der Anleger nur noch 200 bis 300 Millionen Dollar übrig waren, hatten die Brüder Anwälte verständigt und die Behörden eingeschaltet. Kurz zuvor hatte Ruth Madoff noch 15,5 Millionen Dollar aus einem Unternehmen abgezogen, an dem ihr Ehemann beteiligt war.Madoff-Skandal: Ehefrau Ruth Madoff gerät ins Visier, in: ManagerMagazin, 11. Februar 2009

Für die Prüfung der Bücher war laut der New Yorker Anlageberatung Aksia das Unternehmen Friehling & Horowitz verantwortlich, eine Firma mit drei Angestellten.Mitteilung der New Yorker Anlageberatung Aksia (in English; PDF; 41 kB)

Bernard Madoff wurde zwar gegen zehn Millionen Dollar Kaution auf freien Fuß gesetzt, durfte aber den Bundesstaat New York nicht verlassen. Am 16. Dezember 2008 ordnete die Staatsanwaltschaft eine ganztägige Ausgangssperre an. Madoff erklärte sich bereit, eine elektronische Fußfessel zu tragen und seinen Pass abzugeben. Seine Frau Ruth musste ihren Pass ebenfalls abgeben, obwohl sie nicht beschuldigt war.US justice boss leaves fraud case, in: BBC News, 17. Dezember 2008

Attorney General Michael Mukasey zog sich nach Mitteilung des Justizministeriums aus dem Verfahren zurück, weil sein Sohn Marc Mukasey mit Frank DiPascali einen gehobenen Angestellten in Madoffs Unternehmen vertrat.Madoff Scandal Plot Thickens, in: thestreet.com, 17. Dezember 2008

Am 13. Januar 2009 versuchte die Staatsanwaltschaft erneut, Madoff in Haft nehmen zu lassen,U.S. tries again to jail Madoff, Reuters, 13. Januar 2009 doch District Judge Lawrence McKenna wies den Antrag ab, da keine Fluchtgefahr bestehe. Dies stieß auf Unverständnis der Öffentlichkeit, zumal zuvor bekannt geworden war, dass Madoff aus dem Hausarrest heraus Schmuck für mehr als eine Million Dollar an Freunde und Verwandte verschickt hatte.Madoff bleibt U-Haft erspart, in: Der Standard, 15. Januar 2009

Am 12. März 2009 wurde Madoff in Haft genommen, nachdem er sich des Diebstahls, der Geldwäsche und Urkundenfälschung schuldig bekannt hatte. Er wurde noch im Gerichtssaal abgeführt.. Stand: 16. März 2009 Am 29. Juni 2009 wurde Madoff zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt, der höchstmöglichen für seine Straftaten.

Zwangsliquidation des Unternehmens, Privatbesitz