mini|350px|Modellabbildung des Devisenmarkts Der Devisenmarkt (oder Fremdwährungsmarkt, auch FX-Markt oder Forex von ) ist ein Teilmarkt des Finanzmarktes, an dem Devisen gehandelt und Devisenkurse gebildet werden.

Allgemeines Zu den Finanzmärkten gehören neben dem Devisenmarkt noch der Geld-, Kapital- und Kreditmarkt. Der Devisenmarkt lässt sich nicht lokalisieren, weil der Devisenhandel ganz überwiegend zwischen den Marktteilnehmern direkt als außerbörslicher Handel meist im Interbankenhandel stattfindet und Devisenbörsen weitgehend abgeschafft wurden oder bedeutungslos geworden sind. Marktteilnehmer auf dem Devisenmarkt sind Kreditinstitute, Zentralbanken (auch im Rahmen der Devisenmarktintervention), Staaten, Großunternehmen des Nichtbanken­sektors sowie Broker. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Privathaushalte müssen sich für ihre Devisentransaktionen an Kreditinstitute oder Broker wenden. Handelsobjekte am Devisenmarkt sind Devisen, also Buchgeld in Fremdwährung.

Der Devisenmarkt ist gemessen am Umsatz der größte Finanzmarkt der Welt. Der durchschnittliche weltweite Tagesumsatz belief sich im Jahr 2025 auf rund 9,60 Billionen US-Dollar.

Geschichte Devisenhandel gab es bereits im alten Griechenland. Als der Hellenismus seine Blütezeit erlebte, trafen sich in Griechenland Händler aus dem Nahen Osten und dem umliegenden Europa, weshalb verschiedenste Währungen aufeinander trafen. In der Hafenstadt Piräus wechselten sogenannte „Geldwechsler“ Münzen verschiedener Städte und Länder, indem sie ihr Gold-Verhältnis und ihr Gewicht maßen. Des Weiteren konnte man Rohstoffe wie Gold und Silber gegen eine entsprechende Menge Geld tauschen und umgekehrt. Im 16. Jahrhundert war es die mächtige florentinische Familie Medici, die ein Buch in Form eines Nostrokontos (genannt nostro) anfertigte, das eine ausführliche Liste heimischer und ausländischer Währungen und ihrer jeweiligen Tauschwerte beinhaltete. Der internationale Devisenhandel begann dann im Jahre 1880 mit der Möglichkeit, ausländische Zahlungen auf einem eigenen Bankkonto im Ausland gutschreiben zu lassen. Bis zum Ersten Weltkrieg war der internationale Devisenhandel weitgehend ein Handel mit Fremdwährungswechseln.Helmut Lipfert, Einführung in die Währungspolitik, 1973, S. 5 FN 3 Die Wechsel wurden zwischen zwei Ländern gehandelt, wobei die Wechsel eines Landes einen Kurs (Wert) in der Währung des anderen Landes hatten.Dieter Pentzek, Der Freie Wechselkurs: Theoretische Untersuchung der Möglichkeit eines Überganges zu einem neuen Wechselkurssystem, 1963, S. 10 Hieraus entwickelte sich der Begriff „Wechselkurs“ (oder später: Devisenkurs), dessen Begriffsinhalt sich heute auf den Preis einer Währung, ausgedrückt in einer anderen Währung, verändert hat.

Mit Gründung des IWF und der Weltbank und insbesondere durch das Bretton-Woods-Abkommen vom 22. Juli 1944 entstanden weltweit feste Wechselkurse, deren Schwankungsbreiten international festgelegt wurden. Zentralbanken wurden dadurch verpflichtet, bei Über- oder Unterschreitung der so genannten Interventionspunkte in das Marktgeschehen einzugreifen und dadurch die Interventionspunkte wiederherzustellen. Diese festen Wechselkurse wurden erstmals am 30. September 1969 gelockert, am 19. März 1973 begann die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft mit dem gemeinsamen Block-Floating gegenüber dem US-Dollar, wodurch die bisher geltenden festen Wechselkurse zugunsten frei schwankender Wechselkurse abgelöst wurden. Durch Floating der Währungskurse erhöhten sich die Risiken für die Marktbeteiligten; Aktien-, Zins- und Devisenmärkte waren fortan größeren Kursschwankungen (Volatilitäten) ausgesetzt.

Das galt insbesondere in Krisenzeiten wie der ersten so genannten Ölkrise, die durch den Jom-Kippur-Krieg nach dem 26. Oktober 1973 ausgelöst wurde. Die Schließung der Herstatt-Bank am 26. Juni 1974 warf erstmals Fragen der Kontrahentenrisiken im Interbankenhandel auf, wobei die Gefahr besteht, dass eine Bank zu dem Zeitpunkt ausfällt und ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommt, an dem die andere Bank im Vertrauen auf die Gegenleistung bereits geleistet hat (so genanntes Herstatt-Risiko).Stephan Gehrmann, Strategische Implikationen des Kreditrisikomanagements von Banken, 2004, S. 82 f. Dies hatte zur Folge, dass bankaufsichtsrechtliche Neuregelungen erforderlich wurden und der Bedarf an wirkungsvollen Instrumenten für ein effektives und effizientes Risikomanagement anstieg.

Am 13. August 1982 schloss Mexiko seinen Devisenmarkt und löste damit den Beginn der so genannten Schuldenkrise insbesondere in Lateinamerika und anderen Entwicklungsländern aus. Weitere Staatskrisen wie die Tigerstaaten-Krise (1997), die Argentinien-Krise (1998) und Russlandkrise (1998/1999) folgten und wirkten sich enorm auch auf die Devisenmärkte aus. Hierbei zeigte sich, dass die Devisenmärkte, anders als etwa Wertpapier- oder Geldmärkte, sehr stark von staatlichen und staatspolitischen Einflüssen geprägt sind: Gerät eine bestimmte Währung in die Krise, so greift die Zentralbank oder gar der Staat selbst in das Geschehen ein.

Marktteilnehmer, Handelsmedien, Handelsobjekt Durch den Devisenmarkt wird der Tausch inländischen Geldes in ausländisches und umgekehrt ermöglicht und dadurch Kaufkraft von Inlandswährung in Auslandswährung umgewandelt.Rolf Caspers, Zahlungsbilanz und Wechselkurse. 2002, S. 35 f. Die weltweiten Devisenmärkte werden insbesondere durch den Devisenhandel geprägt. Neben Kreditinstituten sind wesentliche Marktteilnehmer auf dem Devisenmarkt auch größere Industrieunternehmen, private Devisenhändler, Devisenmakler und Handelshäuser.Jörn Altmann, Wirtschaftspolitik – Eine praxisorientierte Einführung, 2007, S. 410 f. Eine wichtige Gruppe von Akteuren auf dem Devisenmarkt sind die Zentralbanken. Diese können durch Devisenmarktinterventionen aus (wirtschafts)politischen Gründen in den Markt eingreifen, um z. B. das Devisenmarktgleichgewicht wiederherzustellen.

Der größte Teil des Devisenhandels vollzieht sich außerbörslich im Interbankenhandel.Jörn Altmann, Wirtschaftspolitik – Eine praxisorientierte Einführung, 2007, S. 406. Devisenbörsen waren – anders als die Wertpapierbörsen – in den Devisenhandel kaum eingeschaltet und sind deshalb weitgehend abgeschafft worden (in Deutschland am 31. Dezember 1998). Ihre wesentlichste Funktion, die Ermittlung der amtlichen Devisenkurse, erfüllen in Europa seither Referenzwerte wie der EuroFX. Handelsmedium ist vor allem der Online-Handel über Handelsplattformen wie den elektronischen Makler EBS und der Telefonhandel. Handelsobjekt sind Devisen, die eine ihr Herkunftsland repräsentierende Währungsbezeichnung besitzen. Von den weltweit wichtigsten Handelswährungen wurde das Pfund Sterling im Jahre 1750 als erste Währung eingeführt, es folgte 1850 der Schweizer Franken, 1871 der Yen, 1875 der US-Dollar. Eine der jüngsten Währungen ist der im Januar 2002 eingeführte Euro.

Marktstrukturen Sämtliche klassischen volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren werden auf Faktormärkten gehandelt, und zwar unter anderem die Arbeit auf dem Arbeitsmarkt, der Boden auf dem Immobilienmarkt, das Kapital auf dem Kapitalmarkt und Devisen auf dem Devisenmarkt.

Markt Angebot Nachfrage Preis Arbeitsmarkt Arbeitsnachfrage Arbeitsangebot Arbeitsentgelt Gütermarkt Güterangebot Güternachfrage Marktpreis Geldmarkt Geldangebot Geldnachfrage Geldmarktzins Devisenmarkt Devisenangebot Devisennachfrage Devisenkurs Kapitalmarkt Kapitalangebot Kapitalnachfrage Kapitalmarktzins Kreditmarkt Kreditangebot Kreditnachfrage Kreditzins Immobilienmarkt Angebot an Wohn- und Gewerbeimmobilien, Agrar- und Waldflächen Nachfrage Kaufpreis/Immobiliarmiete/ Bodenrente/Pacht

Während Arbeits- und Bodenangebot stark von Natureinflüssen abhängen (Witterung, Bodenbeschaffenheit), wird das Geld- und Devisenangebot ausschließlich von wirtschaftlichen Erwägungen beeinflusst.Wolfgang Heller, Theoretische Volkswirtschaftslehre, 1927, S. 144

Devisenangebot Das Devisenangebot rekrutiert sich volkswirtschaftlich aus Staaten mit Zahlungsbilanzüberschüssen, konkret mit einem Überschuss in der Devisenbilanz (Währungsreserven). Der Export von Gütern und Dienstleistungen bildet eine autonome Aktivposition in der Zahlungsbilanz, wodurch der Exporteur Devisen erwirbt, die als induzierte Passivposition der Zahlungsbilanz zu einem Devisenangebot führen.Gregor Kolck/Karen Lehmann/Simone Strohmeier, Volkswirtschaftslehre, 2001, S. 112 Betriebswirtschaftlich kommt das Devisenangebot durch einen Devisenverkauf mit Hilfe von Kassa- oder Devisentermingeschäften zum Ausdruck, bei denen die Exporteure ihre Exporterlöse aus dem Export von Gütern und Dienstleistungen einsetzen.Manfred Borchert, Außenwirtschaftslehre, 2001, S. 176 Auch Devisenmarktinterventionen der Zentralbanken können zum Devisenangebot gerechnet werden, wenn sie als Verkäufer von Devisen auftreten.

Devisennachfrage Devisennachfrage wird entsprechend generiert durch Zahlungsbilanzdefizite, konkret Defizite in der Devisenbilanz (etwa Staatsverschuldung in Fremdwährung). Betriebswirtschaftlich bilden alle Devisenkäufer die Devisennachfrage, insbesondere löst der Import von Gütern und Dienstleistungen durch Importeure Devisennachfrage aus. Auch Devisenmarktinterventionen der Zentralbanken gehören zur Devisennachfrage, wenn sie als Käufer von Devisen auftreten. Außerhalb dieses güterwirtschaftlich entstandenen Devisenangebots und Devisennachfrage kann das Devisenangebot auch durch Einnahmen von Übertragungen aus dem Ausland (Übertragungsbilanz) und Kapitalimporten (Kapitalbilanz) entstehen, Devisennachfrage entsprechend kann durch Ausgaben für Übertragungen an das Ausland oder für Kapitalexporte generiert werden.Gregor Kolck/Karen Lehmann/Simone Strohmeier, Volkswirtschaftslehre, 2001, S. 113

Marktgleichgewicht Das Marktgleichgewicht auf dem Devisenmarkt hängt vor allem davon ab, ob ein Wechselkurssystem fester Wechselkurse vorhanden ist oder die Devisenkurse als flexible Wechselkurse frei schwanken dürfen wie beim Floating.

Bei festen Wechselkursen wird eine begrenzte Schwankungsmöglichkeit eines Devisenkurses zugelassen, die so genannte Wechselkursbandbreite, innerhalb derer sich Devisenangebot und Devisennachfrage durch den Devisenkurs ausgleichen und zum Marktgleichgewicht führen. Überschreitet ein Devisenkurs – bei Preisnotierung – diese Bandbreite, muss der Nachfrageüberhang (Zahlungsbilanzdefizit) durch Devisenmarktintervention der Zentralbank mittels Devisenverkauf ausgeglichen werden; unterschreitet er die Bandbreite, wird der Angebotsüberhang (Zahlungsbilanzüberschuss) durch Devisenkauf abgeschöpft.Gregor Kolck/Karen Lehmann/Simone Strohmeier, Volkswirtschaftslehre, 2001, S. 121 Die Devisenmarktinterventionen führen zum Marktgleichgewicht, haben jedoch zur Folge, dass sich die Devisenbilanz verändert. Verkauft die Zentralbank Devisen, verringern sich die Währungsreserven, bei einem Kauf erhöhen sie sich.