Prünst (fränkisch: BrinsdE. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 56.) ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Rohr im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern). 0,75 km östlich befindet sich der Weiler Unterprünst, der im 19. Jahrhundert als Ausgründung von Prünst entstand. Unterprünst ist kein amtlich benannter Gemeindeteil. Die Gemarkung Prünst liegt teils auf dem Gemeindegebiet von Rohr, teils auf dem gemeindefreien Gebiet Dechenwald. Sie hat eine Fläche von 14,955 km² und ist in 1389 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 10766,78 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Dechendorf, Gaulnhofen und Leuzdorf.
Geographie Beim Dorf entspringt der Limbach, ein rechter Zufluss der Schwabach. Der Ort ist ringsum von Flurgebieten umgeben: im Südwesten „Altstadel“, im Nordwesten „Haberleite“, im Nordosten „Langstrich“ und im Südosten „Schneckenleite“. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Leuzdorf zur Staatsstraße 2239 (2,2 km nördlich), nach Dechendorf (1,4 km südöstlich), nach Putzenreuth (2 km östlich) und nach Gaulnhofen (1,8 km westlich).
Geschichte Prünst entstand während des hochmittelalterlichen Landesausbaus. Der Name leitet sich von Brunst ab, eine alte Bezeichnung für Brandrodung. Im Ort gab es ursprünglich ein ansässiges Rittergeschlecht. Die Herren von Prünst waren wahrscheinlich ein Nebenzweig der Herren von Rohr. Ein im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg aufbewahrter Totenschild von 1410 erinnert an das Geschlecht der Prünsterer.W. Ulsamer (Hrsg.): 100 Jahre Landkreis Schwabach, S. 431.
Im 13. Jahrhundert bestand Prünst aus 7 Ganzhöfen.F. Eigler: Schwabach, S. 246. 1282 wurde der Ort in einer Urkunde als „Brunst“ erstmals erwähnt, in der Ramung IV. von Kammerstein vom Regensburger Emmeramskloster im Ort den Zehnten und zwei Huben zu Lehen bekam. Bereits 1292 gab er dieses Lehen an das Kloster wieder zurück. 1294 kam es zu einem Gütertausch zwischen dem Regensburger und Eichstätter Bischof, wodurch dieses Lehen 1295 an das Spalter Kollegiatstift St. Nikolaus gelangte. Im Jahr 1300 wurde der Ort im Salbuch des Hochstifts Eichstätt als „Brvonst“ erwähnt. Zu dieser Zeit besaß dieses im Ort eine Hube.F. Eigler: Schwabach, S. 130. Daneben war auch die Burggrafschaft Nürnberg, und in deren Nachfolge die Markgrafschaft Ansbach, begütert. Im markgräflichen Salbuch von 1434 wurden als Besitz 5 Güter, 2 Seldengüter und das Hirtenhaus verzeichnet. Im Salbuch von 1530 wurde der Ort als „Windischen Brunst“ aufgelistet, wonach der Ort eine Wendensiedlung wäre. Zu dieser Zeit gab es 12 Anwesen, von denen 9 Anwesen markgräflich waren (4 Höfe, 2 Güter, 1 Lehengut, 1 Drittlehengut und 1 Haus), 2 Höfe nürnbergisch (St. Katharinakloster: 1, Kreß von Kressenstein: 1) und 1 Hof eichstättisch-abenbergisch. Im Jahre 1732 gab es laut den Oberamtsbeschreibungen von Johann Georg Vetter in Prünst 14 Anwesen, von denen 11 Anwesen dem Kastenamt Schwabach unterstanden, 1 Anwesen dem St. Katharina-Klosteramt, 1 Anwesen dem Nürnberger Eigenherrn von Kreß und 1 Anwesen dem Kastenamt Abenberg.F. Eigler: Schwabach, S. 235 f.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Prünst 16 Anwesen. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Schwabach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Schwabach. Grundherren waren das Kastenamt Schwabach (3 Ganzhöfe, 4 Halbhöfe, 4 Köblergüter, 1 Gut mit Gastwirtschaft, 1 Gütlein mit Schmiede), das Kastenamt Abenberg (1 Dreiviertelhof), das Amt St. Katharina der Reichsstadt Nürnberg (1 Ganzhof) und der Nürnberger Eigenherr Kreß von Kressenstein (1 Ganzhof). Neben den Anwesen gab es noch kommunale Gebäude (Hirtenhaus, Schäferhaus).F. Eigler: Schwabach, S. 414.
Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Schwabach. 1802 gab es im Ort 17 Anwesen.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 4, Sp. 402.
Im Jahre 1806 kam Prünst an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Rohr, II. Sektion gebildet, zu dem Dechendorf, Gaulnhofen, Leuzdorf und Prünst gehörten. 1818 entstand die Ruralgemeinde Prünst, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Schwabach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Schwabach (1919 in Finanzamt Schwabach umbenannt). Ab 1862 gehörte Prünst zum Bezirksamt Schwabach (1939 in Landkreis Schwabach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Schwabach (1879 in Amtsgericht Schwabach umbenannt).F. Eigler: Schwabach, S. 479 f. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Gebietsfläche von 14,939 km² 1960 wurde ein Gebiet von ungefähr 1 km² an die neu gebildete Gemeinde Volkersgau abgetreten, so dass sich die Gebietsfläche auf 13,228 km² verringerte.
Am 1. Mai 1978 wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinde Prünst in die Gemeinde Rohr eingegliedert.
Baudenkmal Prünster Dorfstr. 8: Bauernhof
Einwohnerentwicklung Gemeinde Prünst Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 358 358 428 447 436 420 418 396 387 369 359 370 363 361 360 366 383 402 348 484 479 428 327 375HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 52 54 71 69 68 69 69 70 72 Quelle Für die Gemeinde Prünst zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Dechendorf (S. 17), Gaulnhofen (S. 29), Leuzdorf (S. 54). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 329 Einwohner.
Ort Prünst Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 139 128 140 140 125 129 126 180 108 138 121Häuser 19 19 22 22 23 23 25 34 Quelle
Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und bis heute nach St. Emmeram (Rohr) gepfarrt. Die Katholiken sind nach St. Sebald (Schwabach) gepfarrt.
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ortsteil von Rohr (Mittelfranken) Kategorie:Ort im Landkreis Roth Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Roth) Kategorie:Ersterwähnung 1282 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Gemarkung im Landkreis Roth