Der Garten Eden () ist eine biblische Bezeichnung für das zunächst irdische Paradies, welches Gott nach der biblischen Paradieserzählung in für den Menschen geschaffen hatte.

Name und Bezeichnung Der Name Eden () geht auf das gleichlautende hebräische Substantiv zurück und bedeutet „Wonne“ oder „Wonneland“.

In bezeichnet Eden zunächst ein mythisches Land und wird von dem Garten, den Gott darin pflanzt, unterschieden. Daneben existiert die Eigenbezeichnung Garten Eden (; u. ö.). Dieser unterschiedliche Gebrauch schlägt sich auch in der griechischen Septuaginta nieder, die den Landesnamen mit transkribiert, während sie den Garten mit (altpersisch pairidaêza „Gehege“) übersetzt.

Diese Differenzen sind entstehungsgeschichtlich zu erklären: Während die ältere Überlieferung zwischen dem Land Eden und dem Garten unterscheidet, wurde der Landname in der literarischen Fassung von Gen 2f auf den Garten übertragen.

Die in der Paradiesgeografie () gegebene Angabe eines Flusses, der von Eden () entspringt, ist wohl samt der Passage eine spätere redaktionelle Ergänzung, die das Verhältnis von Eden und Garten bewusst offenhält.

In wird „Eden“ mit „Garten JHWHs“ parallelgesetzt. Auch im Buch Hesekiel findet Eden wiederholt Erwähnung, unter anderem mit der Erklärung „Garten Gottes“ ( u. ö.) und mit Nennung der „Bäume Edens“ ( u. ö.).mini|Detail aus dem Triptychon „Der Garten der Lüste“: Der Garten Eden aus der Sicht von Hieronymus Bosch

Die Paradiesgeografie in der Bibel mini|Auf der Ebstorfer Weltkarte aus dem Hochmittelalter, die weniger die physische Geographie der Welt als die Weltgeschichte ins Bild setzt, ist das Paradies im Nord-Osten als ummauerter Bereich eingezeichnet.

Im Abschnitt der sogenannten „Paradiesgeografie“ in heißt es:

Mit dieser Überlieferung gibt es jedoch ein grundsätzliches Problem in der Präzision der Ortsangaben: In der jüdischen Tradition wurde der Name Gan Eden zum Sammlungsort der Gerechten nach dem Tod (siehe auch: Auferstehung oder Himmel (Religion)), und die Spekulation über dessen geographische Lage auf Erden vermieden. Hierzu sei die Weigerung des Judentums betont, sowohl den Ort des Paradieses, des Berges der Offenbarung, des Berges Sinai und anderes genau festzulegen, um die Gefahren der Anbetung, Anrufung, des Kultus der Wallfahrt, wie der Verehrung heiliger Stätten oder der Idolatrie (=„Götzendienst“) etc. zu vermeiden, da selbst der Name Gottes nur sehr zurückhaltend gebraucht wird.

Lokalisationsversuche David Rohl

Der britische Ägyptologe David Rohl lokalisierte den Garten Eden im Gebiet von Täbris, der Hauptstadt der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan. Eden habe in der Ebene gelegen, die von der Stadt bis zum Urmiasee reicht. Der See könnte als Quelle der in der Bibel genannten vier Flüsse gegolten haben. Das Wort Urmia bedeute im Altsyrischen in etwa ‚Wiege des Wassers‘. Neben den Flussbezeichnungen Tigris für Hiddekel und Euphrat für Perat nimmt er den Qizil Uzan (Sefid Rud) für Pischon und den Aras für Gihon an. Letzterer hieß bis ins 7. Jahrhundert Gyhun. Der Gihon umfloss das Land Kusch . Vom Namen eines Berges, dem Kuscha-Dagh (‚Berg von Kusch‘), leitet Rohl ab, dass die Region am Fluss Aras einst unter dem Namen Kusch bekannt war. Die Regionen oberes- und unteres Nochdi (iranisch für ‚bei Nod‘) östlich der Ebene von Täbris setzt er mit dem biblischen „Land Nod, östlich von Eden“ gleich, in das Kain nach dem Brudermord an Abel zog.David M. Rohl: Legend: The Genesis of Civilisation; Arrow Books, 1998, ISBN 0-7126-8229-5.Jeffery Donley: The Everything History of the Bible Book. Adams Media, 2006, ISBN 1-59337-556-5, S. 59.Etta B. Donaldson: A Journey to the Garden of Eden. In: The American Magazine. Crowell-Collier Publishing Co., 1893, S. 439.Andrew Burke, Mark Elliott: Iran. Lonely Planet, Footscray (Victoria) 2004, ISBN 1-74059-425-8, S. 133.

Manfried Dietrich Der deutsche Professor für Altorientalische Philologie Manfried Dietrich vermutete hingegen, dass in einer mesopotamischen Vorlage zur Genesis-Erzählung der Garten Eden der Tempelgarten Eridu sein könne, da auch in der älteren Mythologie des Zweistromlandes der Tempelgarten als exklusiver Bereich der Götter bei der Erschaffung der Menschen eine Rolle spielt. In der wenig bekannten kurzen sumerischen Schrift Die Spitzhacke wird dies beschrieben. Die vier Flüsse würden demnach nicht im Garten Eden entspringen, sondern dort zusammenfließen. Dabei hielt er den Fluss Pischon für den Uqnû-Karun und den Gihon für den Ūlāya-Kercha.

Juris Zarins archäologische Deutung Der Archäologe Juris Zarins von der Missouri State University vermutet dagegen den Garten Eden in einem überfluteten Flussdelta im Bereich des nördlichen Persischen Golfes. Neben den Flüssen Tigris und Eufrat (Euphrat) identifiziert er den Fluss Pischon als die trocken gefallenen Wadi Batin und Wadi Rimah, den Gihon als den Karun. Den Garten Eden setzt er mit dem sumerischen Dilmun gleich. Die Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies spiegelt seiner Meinung nach den Übergang vom Wildbeutertum zu Ackerbau und Viehzucht: „Das Land an den vereinigten vier Flüssen muss der Garten Eden gewesen sein. Denn es war wegen seines reichlichen Wassergehalts ungewöhnlich fruchtbar. Wir sprechen hier vom Neolithikum, in dem die damaligen Jäger und Sammler zu Ackerbauern und Viehzüchtern wurden. Die Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies ist lediglich eine verzerrte Darstellung des Übergangs der damals lebenden Menschen von Jägern zu Ackerbauern.“ „Adam und Eva entsprächen dann den frühen Ackerbauern. Sie sündigten, indem sie Gottes Allmächtigkeit herausforderten. Anstatt auf Gottes Gnade zu hoffen, nahmen sie die Dinge selbst in die Hand und vertrauten auf ihr Wissen und Können beim Ackerbau.“ Die Mündung der vier sich vereinigenden Flüsse habe um 6000 v. Chr. auf Grund des eiszeitlich bedingt etwa 150 Meter niedrigeren Meeresspiegels viel weiter südöstlich gelegen."

Überlegungen zu Ackerbau und Viehzucht Der Beginn des Ackerbaus, in der biblischen Urgeschichte ein Leitmotiv, weist wiederum ins Hochland des fruchtbaren Halbmonds, in das Vorland des Taurusgebirges nordöstlich der Stadt Urfa, in der sich neben dem Balıklıgöl die (vermeintliche) Geburtsgrotte Abrahams befindet. Biologen des Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung in Köln konnten bei Vergleichen des Erbguts von 68 modernen Einkornsorten diese auf eine gemeinsame Herkunftspflanze zurückführen, eine Wildpflanze, die bis heute an den Hängen des erloschenen Vulkans Karacadağ wächst. Daher könne die Domestizierung des Getreides hier begonnen haben. Etwa 100 Kilometer südwestlich des Karacadağ befindet sich die Ausgrabungsstätte Göbekli Tepe (‚Nabelberg‘). Der Grabungsleiter, der Prähistoriker Klaus Schmidt, hält die um 9000 v. Chr. erbaute Stätte für einen Sakralbau. Dass er Jäger und Sammler als Baumeister ansieht, ist durch kein Beispiel belegbar. Damals streiften u. a. Herden von Gazellen und Wildeseln durch Obermesopotamien, die aus 100.000 und mehr Tieren bestanden, so der Paläozoologe Joris Peters. Die Jagdbeute wurde in großen Fleischhäusern gelagert, die Urform der Sesshaftigkeit, das Wildgetreide eingezäunt, um es vor dem Abernten vor Verbiss zu schützen. Ähnliches schildert das Alte Testament, wenn Gott den Menschen beauftragt, den Garten Eden „zu bebauen und ihn zu bewahren“ . Als das Biotop erschöpft war, wurden Schafe, Ziegen und der Auerochse domestiziert und Getreide angebaut. In der Übergangszeit kam es zu Nahrungskrisen und Hungersnöten. Der Vergleich von Skeletten steinzeitlicher Jäger mit den ersten Bauern zeigt, dass die frühen Farmer härter arbeiteten, häufiger an Krankheiten litten und früher starben, möglicherweise mythologisch verarbeitet als Erinnerung an die Vertreibung aus dem Paradies.

Weitere Theorien Francesca Stavrakopoulou und andere Forscher halten die Erzählung vom Garten Eden für eine poetisch überformte Erinnerung an das Babylonische Exil und an vorangehende Zerstörung des Ersten Tempels in Jerusalem: Adam sei ursprünglich der letzte König gewesen, der den Tempel betreute, der wie alle altorientalischen Heiligtümer zugleich ein Garten gewesen sei und als Wohnstatt Gottes gegolten habe.Francesca Stavrakopoulou: Tree-hogging in Eden: Divine rejection and royal restriction in Genesis 2-3. In: Mike Higton u. a. (Hrsg.): Theology and Human Flourishing. Eugene/Oregon 2011. Durch sein Fehlverhalten – der König habe einen syrischen Schlangenkult erlaubt – und seinen Hochmut habe Jahwe aber das Heiligtum verlassen und verfügt, dass Adam und sein Volk aus dem Paradies bzw. Jerusalem und Juda zu vertreiben seien. Daher stünden die Wächter, die die Rückkehr verwehrten, im Osten von Eden. Das Land Nod wäre die Syrische Wüste, was zur Herleitung vom hebräischen Wort nad (zu deutsch „ruhelos“ bzw. „umherwandern“) passt.

Eine spätere Überarbeitung habe diese Geschichte nicht mehr auf die Vertreibung der Juden aus Jerusalem bezogen, sondern zu einer Schöpfungsgeschichte umgedeutet. Diese Wissenschaftler verweisen auf die zweite, mutmaßlich ältere Erwähnung von Eden im Alten Testament: Der Prophet Ezechiel prophezeie in (rückblickend) den Sturz eines Herrschers, der aufgrund seiner Hybris aus Eden vertrieben worden sei:

11 Das Wort des erging an mich: 12 Menschensohn, stimm eine Totenklage an über den König von Tyrus und sag zu ihm: So spricht , der Herr: Du warst ein vollendet gestaltetes Siegel, / voll Weisheit und vollkommener Schönheit. 13 Im Garten Gottes, in Eden, bist du gewesen. / Allerlei kostbare Steine umgaben dich: Rubin, Topas, dazu Jaspis, / Chrysolith, Karneol und Onyx, / Saphir, Karfunkelstein und Smaragd. Aus Gold war alles gemacht, / was an dir erhöht und vertieft war, all diese Zierden brachte man an, / am Tag, als du erschaffen wurdest. 14 Du, Kerub, mit ausgebreiteten, schützenden Flügeln, / ich hatte dich eingesetzt. Auf dem heiligen Berg der Götter bist du gewesen. Zwischen den feurigen Steinen gingst du umher. 15 Ohne Tadel warst du auf deinen Wegen / seit dem Tag, an dem du erschaffen wurdest, / bis Verbrechen an dir gefunden wurde. 16 Durch deinen ausgedehnten Handel / wurde dein Inneres mit Gewalttat erfüllt, / in Sünde bist du gefallen. Da habe ich dich entweiht, entfernt vom Berg der Götter, / und dich zugrunde gerichtet, du beschirmender Kerub, / weg aus der Mitte der feurigen Steine. 17 Hochmütig war dein Herz geworden, / weil du so schön warst. Du hast deine Weisheit vernichtet, / verblendet vom strahlenden Glanz. Ich stieß dich auf die Erde hinab. / Den Blicken der Könige gab ich dich preis, damit sie dich alle begaffen. 18 Du hast durch deine gewaltige Schuld, / durch Unrecht bei deinem Handelsgeschäft deine Heiligtümer entweiht. So ließ ich mitten aus dir Feuer hervorbrechen. / Das hat dich verzehrt. Vor den Augen all derer, die dich sahen, / machte ich dich zu Asche auf der Erde. 19 Alle, die dich kennen unter den Völkern, / sind entsetzt über dich. Zum Schrecken bist du geworden, / du bist für immer dahin.