Anheuser-Busch InBev (AB InBev) ist eine belgische Unternehmensgruppe und – gemessen am Absatzvolumen – die größte Brauereigruppe der Welt. Sie hat ihren juristischen Sitz in Brüssel und operative Sitze in Löwen sowie New York City und entstand 2008 durch die Übernahme von Anheuser-Busch durch die InBev-Gruppe. Das Unternehmen ist an der Brüsseler Euronext-Börse notiert und Teil des EURO STOXX 50 sowie des BEL20. Es beschäftigt über 160.000 Mitarbeiter und ist mit 630 Marken, gebraut in 260 Brauereien, in über 150 Ländern vertreten.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen hatte Anheuser-Busch 2015 nach eigenen Angaben einen Absatz von insgesamt etwa 7,9 Millionen Hektoliter und einen volumenmäßigen Marktanteil von 8,6 Prozent. In: AB InBev Annual Report, 2015 (englisch).
Im Jahr 2022 setzte der Konzern insgesamt 595,1 Millionen Hektoliter Bier um. Mit einem Umsatz von 57,8 Mrd. US-Dollar wurde ein Gewinn von 7,6 Mrd. USD nach Steuern erwirtschaftet. Damit ist das Unternehmen der weltweit größte Bierproduzent gemessen an Produktionsvolumen und Umsatz.
Wirtschaftliche Entwicklung Nach der Übernahme von Anheuser-Busch durch InBev wurden in den Vereinigten Staaten viele Arbeitsplätze abgebaut. Ende 2009 verkaufte Anheuser-Busch InBev sein Osteuropa-Geschäft an die Private-Equity-Gesellschaft CVC Capital Partners für etwa 3 Milliarden US-Dollar, behielt jedoch das Recht, in mehreren Ländern gebrautes Bier unter der Marke Staropramen zu vertreiben. Durch Zukäufe ist AB Inbev weiter gewachsen. So wurde der internationale Teil (ohne USA) der mexikanischen Grupo Modelo mit der weltweit bekannten Marke Corona im Juni 2013 übernommen.
Im April 2014 übernahm AB Inbev für insgesamt 5,8 Milliarden Dollar den führenden südkoreanischen Anbieter Oriental Brewery, der dort auf einen Marktanteil von 60 Prozent kommt. Die Dividende pro Aktie entwickelte sich von 0,35 USD für das Geschäftsjahr 2008 auf 3,00 USD für 2014. Warren Buffett lobt das Management des Konzerns für seine Effizienz.Alexander Busch: Des einen Freund des anderen Leid. In: Neue Zürcher Zeitung, 17. Juni 2014, S. 39 Im September 2015 informierte Anheuser-Busch InBev über ein Kaufinteresse an SABMiller.Mögliche Milliardenübernahme auf Biermarkt. In: orf.at, 16. September 2015, abgerufen am 16. September 2015. Die Übernahme von SABMiller für 96 Milliarden Euro wurde am 13. Oktober 2015 offiziell bekannt gegeben. Die Fusion wurde im Oktober 2016 abgeschlossen.Anheuser-Busch InBev Announces Completion of Combination with SABMiller. In: ab-inbev.com, abgerufen am 13. November 2016
Die 2008 mit der Übernahme von InBev erworbene Gilde Brauerei in Hannover wurde Anfang 2016 an die TCB Beteiligungsgesellschaft weiterveräußert. In: haz.de, abgerufen am 20. Januar 2016
Trotz der laufenden Übernahme von SABMiller erwarb AB-InBev 2015 und 2016 noch weitere Brauereien. So wurden im Dezember 2015 die Londoner Camden Town Brewery,Camden Town Brewery sold to world’s biggest drinks company. In: theguardian.com, abgerufen am 10. September 2016 sowie die Breckenridge Brewery in Colorado übernommen.Anheuser-Busch purchases Breckenridge Brewery. In: beerstreetjournal.com, abgerufen am 10. September 2016 Im April 2016 folgten die Devils Backbone Brewing Company mit Sitz im Nelson CountyAnheuser Busch acquires Devils Backbone Brewing Company. In: beerstreetjournal.com, abgerufen am 10. September 2016 und die Birra del Borgo im italienischen Borgorose.Anheuser Busch acquires Italy’s Birra del Borgo. In: beerstreetjournal.com, abgerufen am 10. September 2016 Im September 2016 erfolgte die Übernahme der belgischen Brauerei Bosteels.AB InBev acquires Kwak and Karmeliet. In: retaildetail.eu, abgerufen am 10. September 2016
Anfang November 2016 wurde die Karbach Brewing Co. aus Houston übernommen.Karbach to be acquired by Anheuser-BuschInBev. In: chron.com, abgerufen am 22. November 2016 Im Dezember 2016 erwarb The Coca-Cola Company für 3,15 Milliarden Dollar den bisher von AB InBev gehaltenen Mehrheitsanteil an Coca-Cola Beverages Africa. The Coca-Cola Company, 21. Dezember 2016
Im März 2018 legten AB-InBev und die türkische Efes-Group ihr Russland- und Ukraine-Geschäft zusammen. An der neuen Gesellschaft AB InBev Efes halten beide Unternehmen je die Hälfte.AB InBev, Efes breweries complete merger of their assets in Russia and Ukraine, auf www.tass.com, abgerufen am 1. April 2018
Durch die weitgehend fremdfinanzierten Großübernahmen häufte AB Inbev Schulden von insgesamt 96 Milliarden USD per Ende 2019 an und hatte 128 Milliarden USD Goodwill in den Büchern.Annual Report 2021. AB Inbev, abgerufen am 29. August 2022 Dadurch hat sich die Bilanz der Firma verschlechtert. Gleichzeitig entstanden Absatzschwierigkeiten in Schwellenländern und ein stagnierender Biermarkt in den USA.Krim Delko: Hohe Schulden sind immer gefährlich. NZZ, 29. Januar 2019, abgerufen am 30. Januar 2019 Die Geschäftsleitung kündigte an, dass die Nettoschulden bis Ende 2020 auf unter das Vierfache des Betriebsgewinns (EBITDA) gesenkt werden sollten. Um dies zu erreichen, wurde u. a. die Dividende für 2018 auf die Hälfte reduziert.Press Release FY2018. AB Inbev, abgerufen am 10. März 2019 2019 wurde der Verkauf der australischen Tochter Carlton & United Breweries an Asahi bekannt gegeben und nach der Genehmigung durch australische Behörden im Mai 2020 vollzogen.https://web.archive.org/web/20200803174919/https://brewsnews.com.au/2020/05/08/asahis-last-hurdle-cleared-as-details-of-tap-contracts-emerge/AB InBev to sell Australian unit to Asahi in $11bn deal, auf www.ft.com, abgerufen am 20. Juli 2019
Im Jahr 2021 setzte der Konzern insgesamt 581,7 Millionen Hektoliter Bier um. Mit einem Umsatz von 54,3 Mrd. US-Dollar wurde ein Gewinn von 6,1 Mrd. USD nach Steuern erwirtschaftet.
Kartellbeteiligung Regionale Tochtergesellschaften von Anheuser-Busch InBev waren sowohl an einem Bierkartell hinsichtlich unerlaubter Preisabsprachen für Bier in den Niederlanden in den Jahren 1996 bis 1999 wie auch an einem Bierkartell in Deutschland in den Jahren 2006 bis 2008 beteiligt. Anheuser-Busch InBev fungierte vor den Kartellämtern in beiden Fällen als Kronzeuge und ging daher straffrei aus.
Tochterunternehmen Die meisten Biermarken sind im Besitz lokaler Tochterunternehmen. AmBev (Brasilien) Anheuser-Busch InBev Germany Brauerei Beck Brauerei Diebels Hasseröder Brauerei Spaten-Löwenbräu-Gruppe Cervecería Bavaria (Kolumbien, Peru, Chile, Ecuador) Brauhaase als Teil der Anheuser-Busch InBev Surrey Großbritannienvergl. Bundesanzeiger, Jahresabschluss Geschäftsjahr 2017/18 Cervecería Boliviana Nacional Cervecería Bucanero (50:50 Joint venture mit dem kubanischen Staat) Cervecería Chile Cervecería y Maltería Quilmes (Argentinien) Grupo Modelo (Mexico) Cervecería del Pacífico Labatt Brewing Company (Kanada) Alexander Keith’s Brewing Budweiser APAC Oriental Brewery (Südkorea)
Anheuser-Busch Packaging Group Anheuser-Busch hat im Gegensatz zu den meisten seiner Mitbewerber die Verpackungssparte nie verkauft. Die Metal Container Corp., die Longhorn Glass Corp. und die Eagle Packaging, Inc. produzieren einen Großteil der von Anheuser-Busch benötigten Bierdosen und -flaschen.. Archivseite kann wegen „Age Verification“ nicht angezeigt werden.
Standorte
Marken Die Website des Unternehmens unterscheidet zwischen globalen Marken, lokalen führenden Marken, nicht-alkoholischen Marken und sonstigen Getränkemarken.
Globale Marken Budweiser (American Lager) (in der EU aus markenrechtlichen Gründen überwiegend nur als „Bud“ bekannt. In Deutschland als Anheuser-Busch Bud bekannt.) Corona Stella Artois
Internationale Marken Beck’s Leffe Hoegaarden
Lokale Marken (Auswahl) Belgische Marken Belle-Vue (Kriek und andere) Hoegaarden Julius Jupiler Leffe Piedboeuf Safir Stella Artois Vieux Temps
Deutsche Marken Beck’s Diebels Franziskaner (Spaten-Löwenbräu-Gruppe) Haake-Beck Hasseröder Löwenbräu (Spaten-Löwenbräu-Gruppe) Spatenbräu (Spaten-Löwenbräu-Gruppe)
Weitere europäische Marken Bass (Vereinigtes Königreich) Boddingtons (Vereinigtes Königreich) Boomerang (Frankreich) Camden Town Brewery (Vereinigtes Königreich) Chernigivske (Ukraine) Compania Cervecera de Canarias (Spanien) Diekirch (Luxemburg) Dommelsch (Niederlande) Hertog Jan (Niederlande) La Bécasse (Frankreich) Liber (Alkoholfrei, Spanien) Mousel (Luxemburg) Rogan (Ukraine) Samson bis 2014 Budweiser Bürgerbräu (Tschechien) Yantar (Ukraine)
Seit 2022 vertreibt AB InBev in Deutschland das Lagerbier „San Miguel“ der spanischen Brauerei Mahou-San Miguel.
Russland/GUS BagBier (Russland, GUS) Klinskoye (Russland) Permskoye Gubernskoye (Russland) Rifey (Russland) Sibirskaya Korona (Russland, GUS) Tolstiak (Russland, GUS)
Südamerikanische Marken Aguila (Kolumbien) Antarctica (Brasilien) Bavaria (Kolumbien) Bohemia (Brasilien) Brahma (Brasilien) Caracu (Brasilien) Cusqueña (Peru) Guaraná Antarctica (Softdrink; Brasilien) Guaraná Brahma (Softdrink; Brasilien; eingestellt) Marathon (Brasilien, Softdrink) Norteña (Uruguay) Paceña (Bolivien) Pilsen, Baviera (Paraguay) Quilmes (Argentinien) Skol (Brasilien) Sukita (Softdrink) Zenda (Peru)
Nordamerikanische Marken Alexander Keith’s (Kanada) Bud Light (Kanada/USA) Budweiser (American Lager) (in der EU aus markenrechtlichen Gründen nur als „Bud“, USA) Busch (Kanada) Corona (Mexiko) Four Peaks Brewing (USA) Kokanee (Kanada) Labatt (Kanada) Lakeport Pilsener (Kanada) Michelob Ultra (USA) Modelo Especial (Mexiko) Pacifico (Mexico, USA) St. Pauli Girl (USA)
Asiatische Marken Budweiser APAC: our brands Harbin (China) Cass (Südkorea) Sedrin (China) Boxing Cat (China) Hanmac (Südkorea) Haywards 5000 (Indien) Knock out (Indien)
Afrikanische Marken Castle (Südafrika)
Kontroversen Im Oktober 2015 ermittelte das US-Justizministerium gegen das Unternehmen wegen der Übernahme von Bier-Lieferanten und der Unterbindung des Verkaufs von Konkurrenz-Bieren durch diese Lieferanten.
Im Mai 2017 wurde das Unternehmen kritisiert, da sich dieses Berichten zufolge wettbewerbswidrig verhielt, als es den gesamten Hopfenbestand von South African hops (SAB Hop Farms) aufkaufte, als Teil der SABMiller-Übernahme, und dadurch die Verfügbarkeit von Hopfen für alle US-Craft-Beer-Brauer blockierte. Ähnliche Vorwürfe zur Wettbewerbswidrigkeit gab es bei der Übernahme von Northern Brewer (Roseville, Minnesota), dem größten Anbieter von Equipment für Haus- und Hobbybrauereien in den USA, über den unternehmenseigenen Risikokapitalbereich ZX Ventures.
Den darauffolgenden Monat wurde das Unternehmen für den Kauf von Anteilen an der Bier-Bewertungsseite RateBeer wegen Interessenkonflikten kritisiert.
Im Juli 2017 kündigte das Unternehmen den Pachtvertrag mit der Münchner Pizzeria „Casa mia“, nachdem der Politiker Ernst Dill vergeblich versucht hat, den Inhaber dazu zu bringen, den Pegida-Anhängern unter seinen Gästen Hausverbot zu erteilen. Im Vorjahr verpflichtete Anheuser-Busch InBev den Inhaber von Casa mia vertraglich, sich bei allen politischen Aktivitäten einzuschalten. Allerdings sagte ein Sprecher des Unternehmens, dass die Kündigung des Pachtvertrags angekündigt, fristgerecht und nicht politisch motiviert war.
Auf dem Wacken Open Air 2026 wurde erstmals Anheuser-Busch Bud als Biermarke angeboten, nachdem bis 2019 Becks – ebenfalls vom Mutterkonzern Anheuser-Busch InBev – und von 2022 bis 2025 Krombacher verkauft worden war. Der Wechsel stieß bei den Festivalbesuchern auf merkbaren Widerstand. Kritiker bemängelten neben dem Geschmack insbesondere, dass das Bier weder regional produziert wird noch den Standards des deutschen Reinheitsgebots entspricht.
Siehe auch
Liste von Bierbrauereien Liste der größten Unternehmen in Belgien
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmen (Löwen) Kategorie:Unternehmen im BEL20 Kategorie:Unternehmen im EURO STOXX 50