Die Lokomotiven der Reihen 1042 und 1142 der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sind vierachsige elektrische Universallokomotiven, die von 1963 bis 1977 von SGP gebaut wurden. Die Reihe 1142 ging in den 1990er Jahren aus einem Umbau aller Loks ab der Maschine 1042.531 hervor. Sie waren über Jahrzehnte eine wichtige Stütze des elektrischen Bahnbetriebes der ÖBB.

Geschichte links|mini|1042 018 mit Scherenstromabnehmern In den 1950er Jahren war die Elektrifizierung des österreichischen Streckennetzes schon weit fortgeschritten. Die ÖBB benötigten besonders für die Südbahn, einschließlich der Rampenstrecke über den Semmering, neue und leistungsfähigere Lokomotiven. Aufgrund negativer Erfahrungen mit den sechsachsigen Reihen 1010 und 1110 auf kurvenreichen Rampenstrecken wollte man nur mehr vierachsige Maschinen beschaffen.

Die neuen Lokomotiven, für die die Reihenbezeichnung 1042 vorgesehen war, sollten eine Höchstgeschwindigkeit von 130km/h erreichen. Die aufzubringende Stundenleistung betrug rund 3500kW.

In den Jahren 1963 bis 1977 wurden insgesamt 258 Lokomotiven von SGP Floridsdorf und Graz an die ÖBB geliefert, deren einzelne Serien sich im Detail voneinander unterschieden. Wegen gestiegener Anforderungen im Schnellzugbetrieb wurde die Höchstgeschwindigkeit ab der 1042.501 auf 150km/h erhöht.

Die ersten 79 Lokomotiven wurden in grüner Farbgebung geliefert, die übrigen in blutorange. Einige der erstgelieferten 1042.531 ff waren anfangs versuchsweise karminrot und feuerrot. Die grünen Lokomotiven hatten in Kastenmitte ein umlaufendes, aufgeschraubtes Alu-Profil, später durch eine resedagrüne Zierlinie ersetzt, die roten Lokomotiven aufgemalte Zierlinien. Bis 1987 wurden alle Lokomotiven in Blutorange umlackiert, mit Ausnahme der 1042044 und 507. Die ursprüngliche 1042 574 verunfallte 1971 und wurde durch eine neue Lokomotive in Zweitbesetzung ersetzt. Das Wrack der Erstbesetzung wurde in Wörth als Lehrmodell ausgestellt (als 1042.531 angeschrieben).

mini|1042 059 im Bahnhof Kleinreifling (September 1994)|links

Die Reihe war ursprünglich als Universallokomotive konzipiert und wurde im Laufe ihrer Einsatzjahre sowohl vor Nah- und Fernverkehrszügen als auch vor Güterzügen eingesetzt. Vor allem der Vorspann- und Nachschiebebetrieb am Semmering sowie der österreichweite Nahverkehr wurde über Jahrzehnte von der Reihe 1042/1142 dominiert. Doch auch Fernzüge, vor allem über den Semmering, den Tauerntunnel oder auf inneralpinen Zügen (Graz – Linz/Salzburg/Innsbruck), bespannten die Lokomotiven lange Zeit regelmäßig. Diese Einsätze wurden im Laufe der Jahre allerdings immer seltener. Anfänglich konnten die 1142 als einzige Lokomotivreihe im Wendezugbetrieb mit CityShuttle-Wagen oder Doppelstock-Wagen eingesetzt werden. Als jedoch mit der Beschaffung der Reihe 4023/4024, der Reihe 1016/1116 und dem Ausrüsten der Reihe 1044 mit Wendezugsteuerung immer weniger Bedarf vorhanden war, nahm der Bestand an Lokomotiven der Reihe 1142 um 2010 erstmals deutlich ab. Zu diesem Zeitpunkt standen die Lokomotiven der Reihe 1042 ihrem Ende bereits unmittelbar bevor.

Ab 2013 nahm der Einsatzbestand der Reihe 1142 aufgrund des zusätzlichen Bedarfs an Lokomotiven wieder zu. Einige Lokomotiven der Reihe 1116 wurden für die neu geschaffenen Verkehre in Osteuropa benötigt. Um den Lokmangel im Inland befriedigen zu können, wurden einige bereits abgestellte Lokomotiven der Reihe 1142 in den Betriebsstand zurückgeholt. Bis 2015 stieg die Zahl an einsatzfähigen Maschinen dadurch wieder auf 65 an. Durch die Beschaffung der Reihen 4744 und 4746 nahm die Anzahl an aktiven 1142 über die Jahre wieder stark ab. Im Jahr 2019 waren die Lokomotiven der Reihe noch im Raum Wien, Linz und Graz häufiger vor S-Bahn- und Regionalzügen sowie im innerösterreichischen IC-Verkehr und vor allem im Güterverkehr anzutreffen. Im März 2020 wurden aufgrund der Corona-Krise und des daraus resultierenden Verkehrsrückgangs weitere sechs Lokomotiven abgestellt. Aufgrund der ersten großen Abstellwelle der Reihe 1144 Ende 2020 wurden alle mit vertretbarem Aufwand zu reparierenden Lokomotiven (ohne Teilausbesserung) wieder reaktiviert. Waren im Sommer 2020 nur mehr rund 15 Lokomotiven tauglich, so konnte man zu Jahresbeginn 2021 rund 25 Stück in Dienst beobachten. Die laufende Auslieferung der Reihe 1293 sorgte dafür, dass Ende 2023 nur noch zehn in Betrieb befindliche Maschinen unterwegs waren.

Technische Ausführung mini|links|Führerstand der 1042 005 im Südbahnmuseum Mürzzuschlag Die Reihe 1042 kann als rein österreichische Entwicklung gesehen werden. Laufwerk, Rahmen sowie Dachaufbauten stellen eine Weiterentwicklung der österreichischen 1046 dar. Als Antrieb wurde der bei der 1141 bewährte Siemens-Gummiring-Federantrieb etwas abgeändert, die Federelemente wurden hinter den gewölbten Boxpok-Radscheiben verlegt. Die elektrische Ausrüstung entwickelten ELIN, BBC und Siemens, die sich in der Arge BES unter Federführung der ELIN organisierten. Den mechanischen Teil konstruierten SGP Floridsdorf. Bis 1042.540 wurden die Maschinen in Floridsdorf, alle weiteren im Werk Graz gebaut.

mini|1042 517 gehörte zu den ersten Maschinen mit Höchstgeschwindigkeit 150 km/h aber noch mit Mitsch-E-Bremse (Leoben Hbf, 1992)|links

Angetrieben werden die Lokomotiven von vier Reihenschluss-Kollektor-Fahrmotoren, welche auf Plänen von Robert Stix beruhen. Das von ELIN entwickelte Hochspannungs-Stufenschaltwerk (Rundwähler mit Haupt- und Nebenbürste sowie „Wender“) regelt die Spannung der Motoren. Durch die 34 anwählbaren Fahrstufen ist ein besonders weiches Anfahren der Lokomotive möglich. Die elektrische Bremse stellte ebenfalls eine österreichische Neukonstruktion dar: Sie war anfangs eine kombinierte Nutz- und Wechselstrom-Widerstandsbremse der Bauart Mitsch, deren Bremskraft mehr als die halbe Stundenzugkraft der Lokomotive erreicht.

mini|1042 567 auf der Drehscheibe der Zf. Salzburg|links

Die Lokomotiven ab 1042.531 erhielten eine thyristorgesteuerte BBC-Widerstandsbremse (fremderregte Gleichstrom Hochleistungswiderstands E-Bremse). Dafür war eine Verlängerung des Dachaufbaus erforderlich.

Die ersten 30 Lokomotiven erhielten Scherenstromabnehmer Bauart V, 1974 wurden die 1042.20 bis 30 auf Einholmstromabnehmer Bauart VI umgerüstet. Ab der 1042.31 erhielten alle Lokomotiven ab Werk Einholmstromabnehmer, wobei das Knie zunächst nach außen, ab 1042.531 aufgrund der durch die Bremswiderstände geänderten Platzverhältnisse am Dach nach innen zeigte.

Der Wagenkasten stützt sich über je einen Wiegebalken auf die Drehgestelle ab. Der Lokaufbau war mittragend und übernahm mit dem Rahmen die Zug- und Stoßkräfte. An den Drehgestellen wurden massive, auch als Schneeräumpflüge gedachte, Bahnräumer angebracht. Die Zughaken konnten bei einigen Lokomotiven pneumatisch vorgeschoben werden, um das Abkuppeln durch Entlastung zu erleichtern.

Umbauten und Verbesserungen

Kurz nach der Inbetriebnahme der neuen Lokomotivtype traten bei den Motoren elektrische Überschläge im höheren Geschwindigkeitsbereich auf. Das Problem konnte durch Kollektorbehandlungen und Kohlenwechsel beseitigt werden. Man kam allerdings später zu dem Schluss, eine neue Motortype zu installieren.

Es kamen danach gleich zwei neue Motoren zur Anwendung:

Ein verbesserter Motor der Ursprungstype, der EM 891 Der „Gotthardmotor“, eine Schweizer Entwicklung (EM 910) Umfangreiche Tests mit diesen neuentwickelten Motoren ergaben sehr wertvolle Erkenntnisse, welche für den zukünftigen Motorenbau maßgebend waren. Der neue Motor EM 910 ermöglichte eine Anhebung der Leistung der Lokomotiven von 890kW auf 1000kW. So war es möglich, durch ein geändertes Übersetzungsverhältnis eine Höchstgeschwindigkeit von 150km/h zu erreichen. Ab der 1042.531 wurden nochmals verbesserte Fahrmotoren des Typs EM 1001 verwendet.

Aufgrund der höheren Geschwindigkeiten war die elektrische Bremse dieser Lokomotiven nicht mehr ausreichend, die Maschinen 1042.531–707 erhielten daher eine thyristorgesteuerte Gleichstrom-hochleistungs-Widerstandsbremse.

Anfang der 1990er Jahre wurde begonnen, die Eckfenster der Lokomotiven wegen Nachlieferungsschwierigkeiten und Bedenken bezüglich Durchschlagfestigkeit auszubauen bzw. zu verblechen. Dieser Umbau wird seit 1993 bei Teilausbesserungen bei alle Lokomotiven(ausgenommen 1042.23) vorgenommen. mini|Aufgebockte 1142 602 mit ausgebautem Fahrmotor (Neue Scheinwerfer und Griffe, jedoch mit vier Türen) Ab Anfang der 1990er Jahre wurden die Lokomotiven im Zuge der nach der Teilausbesserung 4 fälligen Hauptausbesserung neben der technischen Revision optisch merklich umgestaltet. Die Scheinwerferkonsolen mit den großen Scheinwerfern und dem Schlusslicht darüber wurden gegen an die ÖBB 1044 angelehnte kleinere mit seitlichem Schlusslicht getauscht. Die Verschiebergriffe wurden verändert angeordnet und das Umlaufblech ist seitlich gekürzt worden. Außerdem sind die Loks im neuen Valousek-Design mit umbragrauer Brille bei den Stirnfenstern neu lackiert worden. Ab 1995 wurde im Zuge dieser Arbeiten auch je Führerstand die rechte Einstiegstür verblecht, um das Entstehen von Zugluft am Führerstand zu vermeiden. Ab Ende 1995 wurde im Rahmen dieser HG-Ausbesserung auch der Umbau zur Reihe 1142 durchgeführt.

Die optischen Veränderungen haben nicht nur ein Großteil der Nummerngruppe 1042/1142 531–664 im Zuge der HG-Ausbesserung erfahren, sondern auch einige Lokomotiven aus anderen Serien durch Unfallreparaturen in den 1990er Jahren. Dies trifft etwa auf die 1042 008, 011, 018, 036, 038, 051 und 508 zu, die in der HW Linz ebenfalls optisch angepasst worden sind.

Umbau zur 1142 mini|Seitenansicht der 1142 621: verblechte Tür, kleine Scheinwerfer, angepasste Griffstangen Als in den 1990er Jahren auch bei den ÖBB der Wendezugbetrieb aufkam, erachtete man die Lokomotiven der Reihe 1042.531ff als besonders geeignet, da diese mit Baujahren zwischen 1969 und 1977 damals noch vergleichsweise jung waren. So wurden die Lokomotiven 1042531 bis 707 (174 Stück) zwischen 1995 und 2001 bei fälligen Hauptausbesserungen sukzessive durch die ÖBB-Technische Services mit Wendezug- und Vielfachsteuerung ausgestattet und anschließend in die Reihe 1142 umbezeichnet. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurde bei der Reihe 1042.531ff der Lokkasten im Zuge von Hauptausbesserungen umgebaut. Der Umbau zur Reihe 1142 erfolgte aber nicht nur bei einer HG-Ausbesserung, sondern auch bei fälligen Teilausbesserungen. Dabei wurde das Schlusslicht entfernt und die Konsole durch eine Metallplatte verschlossen, aber nicht komplett entfernt. Die Scheinwerfer wurden durch neue, kleinere mit kleineren Konsolen ersetzt und die Verschiebergriffe neu positioniert. Später wurde auch die Konsole für das dritte Schlusslicht nicht mehr mit einer Blechscheibe verschlossen, sondern komplett entfernt. Zwischen 2002 und 2005 wurden 99 Lokomotiven mit einer Notbremsüberbrückung ausgerüstet, um etwa im Brandfall trotz gezogener Notbremse in einem Personenwagen den Tunnel oder die Brücke verlassen zu können. Außerdem wurde eine Zeitlang bei den zur Hauptausbesserung einberufenen Lokomotiven je Führerstand die rechte Einstiegstür entfernt und verblecht. Die derartig umgebauten Lokomotiven wurden im neuen Valousek-Design lackiert. Die 1142 548 als erste Lokomotive dieser neuen Reihe verließ im April 1996 das ÖBB-Werk TS Linz. Der mechanische Teil blieb unverändert und gleicht daher der Reihe 1042.5, äußerliche Unterschiede sind nur in der Reihennummer zu sehen. mini|1142 694 im Valousek-Design