mini|St.-Ansgar-Kirche

Die St.-Ansgar-Kirche in Hemmoor-Warstade, Landkreis Cuxhaven, wurde im Jahr 1905 nach Plänen von Richard Herzig erbaut und ist die älteste Kirche im Dekanat Unterelbe. Sie gehört heute zur Pfarrgemeinde Heilig Geist in Stade, die ihrerseits zum Bistum Hildesheim gehört.

Geschichte Im Raum Hemmoor wurde von 1866 an Kreide zur Zementproduktion abgebaut, 1882 folgte die Gründung der Aktiengesellschaft Portland Cementfabrik Hemmoor. Durch den Arbeitskräftebedarf der Zementindustrie zogen wieder Katholiken in die seit der Reformation evangelisch geprägte Region. Daher wurde 1904 in Warstade die ehemalige Gaststätte Bella vista als katholisches Pfarrhaus angekauft und 1905 die St.-Ansgar-Kirche erbaut.

Durch die zunehmende Technisierung und Rationalisierung verringerte sich die Belegschaft wieder. Noch bis 1921 war an der Kirche ein eigener Geistlicher tätig, im Zuge seines Weggangs wurde die Missionsvikarie wieder aufgehoben.

Durch die Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa infolge des Zweiten Weltkriegs ließen sich wieder Katholiken in größerer Zahl im Raum Hemmoor nieder, sodass es wieder zur Bildung einer katholischen Gemeinde kam. Anlässlich des 75-jährigen Gemeindejubiläums im Jahre 1980 erfolgte die Erhebung der Kirchengemeinde zur Pfarrei.

Am 30. November 2003 bekam die St.-Ansgar-Kirche ihre Orgel, damals gehörte die St.-Ansgar-Kirche zur Seelsorgeeinheit Stade/Hemmoor.Die neue Orgel in St. Ansgar, Hemmoor. Kirchengemeinde St. Ansgar, Hemmoor (Hrsg.), Hemmoor 2003, S. 4. Am 1. September 2004 wurde das Dekanat Stade, zu dem die St.-Ansgar-Kirche mit ihrer Filialkapelle St. Nikolaus in Hechthausen gehörte,St.-Godehards-Werk (Hrsg.): Der Dom ´91. Hildesheim 1990, S. 117. verändert und in Dekanat Unterelbe umbenannt.Bischöfliches Generalvikariat: Urkunde über die Auflösung des Dekanates Buchholz-Soltau, über die Umbenennung und Veränderung des Dekanates Stade sowie über die Veränderung der Dekanate Celle und Verden. In: Bistum Hildesheim, Kirchlicher Anzeiger. Nr. 7/2004, S. 230–231. Seit dem 1. September 2010 gehört die St.-Ansgar-Kirche zur Pfarrei Heilig Geist, der neben der Kirche St. Ansgar in Hemmoor-Warstade auch die Kirchen Heilig Geist und St. Josef in Stade, St. Michael in Bremervörde sowie die Kapelle St. Nikolaus in Hechthausen angeschlossen wurden. Die Pfarrgemeinde St. Ansgar, Hemmoor-Warstade wurde in diesem Zusammenhang aufgehoben.Bischöfliches Generalvikariat: Urkunde über die Aufhebung der katholischen Pfarrgemeinden Heilig Geist, Stade, St. Michael, Bremervörde, St. Ansgar, Hemmoor-Warstade und über die Errichtung der katholischen Pfarrgemeinde Heilig Geist, Stade. Bistum Hildesheim, Kirchlicher Anzeiger Nr. 6/2010, S. 214–216.

Lage, Architektur und Ausstattung mini|Blick zum Altarraum Die geostete St.-Ansgar-Kirche steht in Hemmoor im Ortsteil Warstade auf dem Grundstück Hauptstraße 2, nördlich der Bundesstraße 73 und nur wenige Meter von der Niederelbebahn entfernt. Die St.-Ansgar-Kirche ist die nördlichste Kirche im Dekanat Unterelbe.

Ausstattung Die Kirche bietet rund 112 Sitzplätze. Das Kirchenschiff wird von einer flachen Holzdecke abgeschlossen. An den Wänden hängen 14 kleine Bilder, Stationen eines Misereor-Kreuzweges aus Lateinamerika. In der Marienkapelle können neben der Marienstatue Opferkerzen aufgestellt werden. Dort liegt auch ein Totenbuch aus. Gegenüber der Marienkapelle befindet sich der Beichtraum.

Altar Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ergab sich die Notwendigkeit, den Altarraum in der St.-Ansgar-Kirche zu verändern. Mit der Entfernung der Kommunionbänke bot sich der benötigte Raum, um den neuen Altar nach vorne zu stellen. Somit konnte der Priester die Heilige Messe der Gemeinde zugewandt feiern. Der blockhafte Altartisch ist mit einer lateinischen Inschrift geschmückt: „Victor quia victima“, übersetzt: „Er ist der Sieger, weil er zum Opfer wurde.“ Im Altarraum sind auch der bronzene Ambo sowie der Tabernakel platziert. Links und rechts vom Altarraum stellen Statuen die heiligen Hedwig von Andechs und Ansgar, den Schutzpatron der Kirche, dar. Sie sind Werke aus einer Oberammergauer Werkstatt.

Altarkreuz Die Christusfigur ist aus Zement gestaltet. Dies ist der Hinweis auf den direkten Zusammenhang zwischen der St. Ansgar-Kirche und dem Hemmoor-Warstader Zementwerk, für deren Arbeiter diese Kirche errichtet worden ist. Das kupferne Altarkreuz selbst ist an seinen vier Enden jeweils mit rubinroten Rohglasbrocken geschmückt, ein Hinweis auf die Wundmale Christi. Das Altarkreuz zeigt im Detail folgende Ausgestaltung: eine stilisierte Dornenkrone die Innenkanten bilden – direkt um die Christusfigur – eine Mandorla (eine mandelförmige Gestaltung, die Künstler um eine besondere Person legen, um deren Erhabenheit auszudrücken) ein übergroßes Herz soll die Liebe Gottes zu den Menschen ausdrücken

Taufbecken Das Taufbecken, das auch als Weihwasserbecken dient, steht in der Nähe des Eingangs. Auf dem bronzenen Deckel des Taufbeckens ist neben den Wassern auch die Schar der Getauften dargestellt. Die Inschrift „Allen wurde Heil durch dieses Wasser“ verweist darauf, dass durch die Taufe die Aufnahme in die christliche Gemeinschaft gewährt wird.

Fenster In den Fenstern wird in einigen Bildern die Lebensgeschichte des heiligen Ansgar gezeigt. Vorne rechts beginnend sieht man den jungen Ansgar als Klosterschüler. Er soll sich zeitlebens in der Gnade Gottes gefühlt haben. Bei der Gestaltung der Fenster hat der Künstler versucht, den Umstand, dass er Gott immer über sich fühlte, im Rundbogen des jeweiligen Fensters auszudrücken. Im zweiten Bild, neben der Orgel, ist Ansgar als junger Lehrer zu erkennen, in dem sich der göttliche Gnadenstrahl spiegelt und auf seinen Schüler geworfen wird. Ansgar war mit 22 Jahren bereits Mönch und Lehrer im Kloster Corvey. Das dritte Bild zeigt ihn, wie er ausgesandt als Missionar auf einem Schiff das Kreuz in die nördlichsten Länder Europas bringt. Auf dem vierten Fenster erkennt man Ansgars Weihe zum Bischof von Hamburg. Das letzte Fenster in der Marienkapelle zeigt die Lichter, die sich Ansgar um sein Totenlager hat aufstellen lassen.

Orgel mini|Innenansicht mit Orgel Am 30. November 2003, dem 1. Sonntag im Advent, wurde die Orgel eingeweiht. Das Instrument aus der Werkstatt von G. Christian Lobback hat elf Register auf zwei Manualwerken und Pedal. Über eine Empore verfügt die Kirche nicht, die Orgel steht neben dem Haupteingang zum Kirchenschiff.

I. Manual 1. Prinzipal 8′ 2. Gedackt 8′ 3. Oktave 4′ 4. Mixtur III ′ II. Manual 5. Metallgedackt 8′ 6. Nachthorn 4′ 7. Nasat ′ 8. Prinzipal 2′ 9. Octave 1′ 10. Oboe 8′ Tremulant Pedalwerk C–f1 11. Subbass 16′ 12. Octave 8′ 13. Gedackt 8′ Koppeln: II/I, II/P, I/P

Literatur St. Ansgar. Hemmoor 2005. (Faltblatt) Irmgard Geister: Unsere Pfarrgemeinde. Ein "lebendiger Baustein" in der katholischen Kirche. Pfarrgemeinde Heilig-Geist, Stade 2000, S. 34–35. Willi Stoffers: Bistum Hildesheim heute. Hildesheim 1987, ISBN 3-87065-418-X, S. 90–91. Die neue Orgel in St. Ansgar, Hemmoor. Kirchengemeinde St. Ansgar, Hemmoor (Hrsg.), Hemmoor 2003.

Siehe auch Liste der Kirchen im Bistum Hildesheim

Weblinks

St. Ansgar-Kirche auf Internetpräsenz der Pfarrei Stade

Einzelnachweise

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