Die 94. Infanterie-Division war ein Großverband der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges.

Geschichte Einsatzgebiete: Deutschland: September 1939 bis Mai 1940 Westfront Frankreich: Mai 1940 bis Juni 1941 Ostfront Südabschnitt: Juni 1941 bis September 1942 Stalingrad: September 1942 bis Januar 1943 Westfront Frankreich: März bis August 1943 Italien: August 1943 bis April 1945

Aufstellung Aufgestellt wurde die 94. Infanterie-Division (ID) am 18. September 1939 auf den sächsischen Truppenübungsplätzen Zeithain und Königsbrück mit tschechischer Ausrüstung. Die Division wurde im Rahmen der 5. Aufstellungswelle aufgestellt. Personell setzte sich die Division aus dem Wehrkreis VIII und Einheiten der Heeresgruppe Nord die aus dem Polenfeldzug zurückkamen zusammen. Die Gefechtsausbildung und Feldverwendung der 94. Infanterie-Division sollte am 1. November 1939 abgeschlossen sein. Verstärkt wurden die Infanterieregimenter jeweils durch eine 13. schwere Granatwerferkompanie.

Beurlaubung Ab August 1940 wurden die Reservisten der 94. Infanterie-Division beurlaubt, nur das Stammpersonal verblieb in den Kasernen.

Ab Februar 1941 wurde die Division wiedereinberufen. Am 30. März wurden die 13. Granatwerfer-Kompanien durch drei Infanteriekompanien der 223. Infanterie-Division ersetzt.

Eingliederung des I. Bataillon / Turkistanische Legion 1942 wurde das turkestanische I. Bataillon in die Division eingegliedert.

Stalingrad Mitte September 1942 wurde die 94. Infanterie-Division bei der Eroberung des Getreidesilos im Süden von Stalingrad eingesetzt und erlebte als eine der ersten Wehrmachteinheiten die Härte des Häuserkampfes in der Schlacht von Stalingrad. Nach einigen Gefechten am Bahnhofsgelände wurde die Division im Oktober 1942 in die nördlichen Industriebezirke der Stadt verlegt, kämpfte dort hauptsächlich in der Arbeitersiedlung Spartakowka und in der Geschützfabrik „Barrikaden“.

Vernichtung 1943 Im Januar 1943 geriet die fast vollständig aufgeriebene Division im Kessel von Stalingrad in Gefangenschaft.

Wiederaufstellung 1943 Am 1. März 1943 wurde die 94. Infanterie-Division in Lorient in der Bretagne neu aufgestellt und in die 7. Armee integriert. Eine Verstärkung erfolgte durch die Grenadier-Regimenter 878 und 875.

Umgliederung Am 31. Oktober 1943 wurde die 94. Infanterie-Division auf die neuen Bestimmungen von 1944 umgestaltet.

Vernichtung 1944 Am 20. Mai 1944 wurde die 94. Infanterie-Division westlich von Monte Cassino erneut aufgerieben.

Verwendung der Reste der Division Mit den verbliebenen Einheiten und überlebenden Soldaten wurde dann die 305. Infanterie-Division aufgefrischt.

Wiederaufstellung 1944 Faktisch neu aufgestellt wurde die Division am 13. August 1944 bei Udine durch die Schatten-Division Schlesien und in die letzten Gefechte in Norditalien geschickt. Sie war zuletzt dem XIV. Panzerkorps der 14. Armee im Raum Bologna unterstellt. Nach dem Durchbruch der Alliierten Mitte April 1945 bei Bologna, gelang es nur noch einem kleinen Teil des Verbandes, sich mit einer Fähre bzw. schwimmend über den Po zu retten, unter Zurücklassung allen Geräts. Hierbei geriet auch der Kommandeur der Division, Generalleutnant Steinmetz, am 22. April 1945 in Gefangenschaft. Die Reste der Division flohen in Richtung Gardasee. Gegen Ende April 1944 gelangten Teile des Divisionsstabs in das entlegene Gebirgsdorf Ronchi (Trentino), in welchem das XIV. Panzerkorps unter Generalleutnant Fridolin von Senger und Etterlin wieder einen Gefechtsstand hatte einrichten können. Dem Stab der Division gelang es darauf, zusammen mit dem ebenfalls aus dem Raum Bologna geflüchteten Stab der 8. Gebirgs-Division, noch einmal eine Front aus meist fremden, zusammengewürfelten Truppen vom Gardasee bis zum Pasubio einzurichten. Dort und nördlich des Gardasees bei Trient gerieten die Reste der Division sodann im Zuge der am 29. April 1945 mit Wirkung zum 2. Mai 1945 erfolgten Kapitulation der italienischen und deutschen Truppen in Italien in alliierte Gefangenschaft.

Grenadier-Regiment 274 Am 15. Oktober 1942 wurde das Infanterie-Regiment 274 in Grenadier-Regiment 274 umbenannt, um, wie bei vielen anderen in Stalingrad eingesetzten Einheiten, die großen Verluste zu verbergen. Die Umbenennung Infanterie-Regiment in Grenadier-Regiment sollte außerdem die Häuserkampferfahrung dieser Einheiten zum Ausdruck bringen. Das Infanterie-Regiment 274 oder spätere Grenadier-Regiment 274 erreichte Stalingrad schon im Sommer 1942 und wurde später von der Roten Armee in der Stadt eingeschlossen. Während der Kesselschlacht ab Ende November 1942 lag das Grenadier-Regiment 274 nördlich vom Stalingrader Traktorenwerk vor der Olowkaschlucht. In den folgenden Kämpfen verteidigte das Regiment den Nordostrand des Kessels und wurde dabei vollständig vernichtet.

Schlacht von Stalingrad Die 94. Infanterie-Division aus Hoths IV. Armeekorps war schon relativ früh in den Kämpfen um die Stalingrader Vororte eingesetzt und gehörte zusammen mit der 71., 295. und 389. Infanterie-Division, der 29. motorisierten Infanterie-Division sowie der 14. und 24. Panzer-Division zur 80000 Mann zählenden Hauptstreitmacht, die Stalingrad blitzkriegartig erobern sollte.S. 92–94. Gruppe Hoth mit der 29. ID (mot.), 94. ID und 24. PD sollten die Südstadt südlich der Tsaritza einnehmen. Mit größerem Widerstand der Roten Armee wurde nicht gerechnet.S. 99–100. Das erste Ziel lag östlich der Sadovaia Station mit Richtung auf die Vorstadt Minnina gegen die Verteidigungslinien der 131. Schützen-Division, dabei sollten sämtliche Höhen und der Bahnhof Stalingrad 2 erobert werden.S. 104–105, 112. Der Vorstoß verlangsamte sich am 13. September 1942 beim Erreichen der Vorstadt Minnina erheblich, da der Widerstand des Gegners entlang der Eisenbahnschienen kontinuierlich zunahm und die Phase der Häuserkämpfe begann.S. 114–115.

Am 14. September 1942 berichtete die Armeegruppe B:

mini|hochkant=1.5|Stalingrad Südstadt Vormarsch auf das Getreidesilo am 15. November 1942 Die 94. ID hatte am 15. September 1942 den Auftrag die rechte Flanke der 24. PD zu sichern und traf an den Ufern des Elschankaflusses in Minnina auf zwei Regimenter der 244. Schützen-Division, die 10. Schützen-Brigade, unterstützt von der 6. Panzer-Brigade. Daraus entwickelte sich ein schweres Gefecht unter schwierigen Geländebedingungen. Auf einer Länge von 2 Kilometern durchkämmten Infanteristen und Panzergrenadiere Lagerhäuser, Baracken, Holzhäuser und Gebäude, um Bedrohungen durch Panzerabwehrschützen auszuschalten.S. 125. Im Laufe des Tages konnte IR 274 die Eisenbahnbrücke über den Elschankafluss einnehmen, welcher südlich des Bahnhofs Stalingrad 2 in die Wolga mündete. Dort vereinigten sich Pfeiffers Infanteristen mit den Panzergrenadieren von Lenskis und kämpften gegen die Igelstellungen der 10. SB und NKWD-Truppen. Die raschen Erfolge der Panzerverbände im Südbahnhof von Stalingrad konnten durch Mangel an Infanteriekräften durch die 94. ID nicht nachhaltig gesichert werden. Es war ihnen nicht möglich die zersplitterten Kräfte der Roten Armee einzuschließen und einige Schlüsselgebäude in der Südstadt dauerhaft zu besetzen. Einige Rotarmisten desertierten und flohen, andere drangen in Gebäudekomplexe in der Umgebung des Südbahnhofs wie z. B. Getreidesilo, Holzfabrik und Konservenfabrik ein und bauten diese zu massiven Häuserfestungen aus. In bereits als gesichert geltenden Sektoren Minnina, Elschanka und Kupurosnoe entstanden neue Verteidigungsknoten, die fanatisch verteidigt wurden.S. 128–130.

Am 16. September 1942 nahm die Intensität der Kämpfe dramatisch zu. Auf einem 4 Kilometer breiten durch tiefe Balkasukrainische Lößschlucht, Erosionsschlucht. durchzogenem Areal südlich der Tsaritza fügten als bereits besiegt erklärte Splitterverbände aus der 35. Gardeschützen-Division (Dubyanski), 42. SB (Batrakow), 244. SD (Afanasiew), 10. SB (Driakhlow) und der 133. PB (Bubnow), die mittlerweile über keine Panzer mehr verfügte, den deutschen Angreifern immer größere Verluste zu. Die 94. ID setzte ihre Säuberungsaktionen in Minnina fort und sollte am Abend die Tsaritza erreichen. Beim Überschreiten des Elschankaflusses stießen sie in den Balkas und in den Bunkern um den Eisenbahndamm auf immer stärker werdenden Feindwiderstand. Beim Eindringen in die Konservenfabrik schnellten die Verluste der 94. ID bereits rapide in die Höhe, dennoch kam der deutsche Vorstoß erst am Getreidesilo zum Stillstand.S. 141–144.

Die Härte der Kämpfe schildert folgender Zeitungsbericht:

Am 17. September 1942 fächerte sich IR 267 und 274 für weitere Angriffe auf die Eisenbahnlinie und das Getreidesilo auf, während IR 276 die letzten Widerstandsnester in der Konservenfabrik niederkämpfte. Am Ende des Tages musste Pfeiffer seine Regimenter in neue organisierte Kampfgruppen aus Infanteristen, Pionieren und Einheiten mit schweren Waffen umorganisieren. Die Tatsache, dass das Getreidesilo nicht bereits während der schnellen Panzervorstöße am 13. September 1942 eingenommen wurde, erwies sich als schwerer Fehler, da sich hier konzentrierter Widerstand organisieren konnte. Der Kampf um das Getreidesilo konnte erst nach Artillerieunterstützung durch die 24. PD aufgenommen werden.S. 151–152. Am 18. September 1942 wurde die 24. PD aus der Südstadt abgezogen, um im Norden Stalingrads eingesetzt werden zu können. Somit verblieben nur die 94. ID und 29. ID (mot.) in dieser Zone, in der sie sich mit lokal begrenzten, langwierigen und aufreibenden Gefechten um einzelne isolierte Gebäude, z. T. nur von Rotarmisten in Zugstärke oder sogar in Kleinstgruppen von 2 bis 5 Soldaten aus den unterschiedlichsten Verbänden und Nationalitäten verteidigt, auseinandersetzen mussten.S. 163. Trotz Artillerieunterstützung gelang es erst nach verlustreichen Kämpfen in das Innere des Getreidesilos einzudringen und das Gebäude in einem von Stockwerk zu Stockwerk geführten, äußerst erbitterten Nahkampfto the south, frontal assaults by infantry from 94th Division's 267th Regiment finally snuffed out all Soviet resistance in the Grain Elevator and nearby buildings in David M. Glantz: Armageddon in Stalingrad: September-November 1942 (The Stalingrad Trilogy, Volume 2). University of Kansas Press, Lawrence 2009, S. 199. am 21./22. September 1942 zu nehmen. Am 18. September 1942 wurde die 94. ID in das LI. Armeekorps eingegliedert.S. 165. Während IR 267 und 274 noch im Getreidesilo kämpften, rückte IR 276 weiter auf die Tsaritza vor, dabei flackerten die Kämpfe gegen die Gardeschützen in der Konservenfabrik wieder auf.S. 190–191. Dubyanskis Gardeschützen wurden in der Südstadt eingeschlossen und vernichtet, dabei fielen vermutlich 9000 Sowjetsoldaten.S. 196–199. Am 22. September 1942 war die 94. ID als linke Grenze der 71. ID in die Gefechte um Stalingrad-Mitte im Bereich der Tsaritzamündung verwickelt.S. 201.

Am 28. September 1942 wurden alle drei Regimenter der 94. Infanterie-Division aus der Innenstadt von Paulus abgezogen und für die Offensive am Orlowka-Frontvorsprung im Norden Stalingrads eingesetzt.S. 204. Die Kampfstärke der 94. ID wurde vom 14. Bis 26. September 1942 wie folgt beziffert: 7 Infanterie-Bataillone in mittlerer Stärke (500 bis 700 Mann), 1 Pionier-Bataillon in durchschnittlicher Stärke (300–400).S. 231.