Das Spiel des Engels ist ein Roman des spanischen Autors Carlos Ruiz Zafón, der 2008 erstmals in Spanien bei Editorial Planeta unter dem Titel El juego del ángel erschien.
Er wurde auf Deutsch in der Übersetzung von Peter Schwaar beim Verlag S. Fischer im November 2008 veröffentlicht und ist das Prequel zu Zafons 2001 erschienenem Bestseller Der Schatten des Windes. Er stellt damit den zweiten Teil der vierteiligen Romanreihe Der Friedhof der vergessenen Bücher dar.https://www.carlosruizzafon.com/
Handlung Zusammenfassung David Martín bekommt als Minderjähriger nach der Ermordung seines Vaters bei einer bescheidenen Zeitung eine Anstellung. Er hat den starken Ehrgeiz, Schriftsteller zu werden, wofür er zweifellos großes Talent besitzt. Als sein Chef dies entdeckt, teilt er ihm die Rückseite der Zeitung zu, damit er eine Kriminalfortsetzungsgeschichte, Die Geheimnisse von Barcelona, schreiben kann. Eines Tages erhält er die Einladung eines mysteriösen Verlegers, Andreas Corelli, in das beste Bordell der Stadt. Am folgenden Tag stellt er fest, dass das Bordell schon seit Jahren geschlossen hat. Mit Hilfe seines Freundes Pedro Vidal, dem Sohn eines reichen Kaufmanns, verlässt er die Zeitung, um professioneller Schriftsteller beim Verlag Barrido und Escobillas zu werden. Dort schreibt er fortan unter dem Pseudonym Ignatius B. Samson eine Reihe von Fortsetzungsromanen mit dem Titel Die Stadt der Verdammten. Jahrelang arbeitet Martín pausenlos und ohne Rücksicht auf seine Gesundheit, ehe er sich entschließt, ein halbes Jahr Auszeit zu nehmen, um einen Roman unter seinem richtigen Namen veröffentlichen zu können. Außerdem nutzt er die Zeit, um gemeinsam mit seiner heimlichen Liebe Cristina Sagnier das Buch seines Freundes Vidal umzuschreiben, welcher sich bislang erfolglos am Schreiben versucht hat. Während dieser Zeit erkrankt David Martín schwer: Ein Hirntumor in fortgeschrittenem Stadium wird festgestellt. Zu seinem Leidwesen erfährt David, dass Cristina aus Dankbarkeit ihren gemeinsamen Freund Pedro Vidal geheiratet hat. In diesem Moment schlägt der Verleger Andreas Corelli ihm vor, ein Buch für ihn zu schreiben. Dafür würde er ihn großzügig bezahlen und ihm die Heilung seiner Krankheit ermöglichen. Als Martín dies akzeptiert, löst er eine Reihe von Vorkommnissen aus, die das Leben aller, die ihn umgeben, verändern.
Handlung im Detail Ruiz Zafón hat mit der geheimnisvollen Bibliothek, dem „Friedhof der vergessenen Bücher“, und der Buchhandlung der Familie Sempere und Söhne in Barcelona einen Rahmen für seine Romane abgesteckt, aus dem die Geschichten und Schicksale in den Büchern Der Schatten des Windes, Das Spiel des Engels, Der Gefangene des Himmels und Das Labyrinth der Lichter sich jeweils eigenständig entwickeln. Während die Buchhandlung der Semperes ein ganz realer Ort ist und man mit den Personen aus vier Generationen dieser Familie vertraut gemacht wird, bleibt die „Friedhofs“-bibliothek geheimnisumwittert, sie ist nur ganz wenigen Eingeweihten bekannt und zugänglich (und sie ist natürlich eine Erfindung Ruiz Zafóns). Eingepasst in diese beiden Örtlichkeiten bildet neben Ruiz Zafóns Vaterstadt Barcelona genauso die unruhevolle Geschichte Spaniens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Hintergrund dieser vielfach miteinander verschachtelten Erzählungen, die man eigentlich nur ganz verstehen kann, wenn man alle drei Bücher gelesen hat – und insofern richtet sich der Spannungsbogen jetzt schon erwartungsvoll auf den bereits avisierten vierten Band des Zyklus. Das Buch Das Spiel des Engels ist als Prequel zum Schatten des Windes aufzufassen. Ruiz Zafón hat das Buch in drei Akte und einen Epilog gegliedert. Das Spiel des Engels beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts und endet mit dem ins Jahr 1945 datierten Epilog. Es lässt den Leser Teile der ersten 45 Jahre im Leben des Schriftstellers David Martín erleben.
1. Akt: Die Stadt der Verdammten David Martíns Vater (geb. 1875) erfuhr als junger Mann seine wesentliche Prägung im spanischen Krieg um die Philippinen 1896/97 und hat außer dem Soldatsein nichts gelernt. Die Mutter, eine Verkäuferin, verlässt ihn und den 1900 geborenen David sehr frühzeitig, so dass das schwächliche Kind mit dem oft mürrischen und arbeitslosen Vater allein aufwächst. David lernt sehr früh lesen, muss seine Leselust vor dem kaum schriftkundigen Vater verbergen. In der Buchhandlung Sempere und Söhne darf der Junge hingegen ungestört lesen, er freundet sich bald mit dem alten Sempere an, der ihm auch öfter Bücher schenkt. Der Vater bekommt schließlich eine Stelle als Nachtwächter in der Zeitung Stimme der Industrie, und der kleine David begleitet ihn gelegentlich dorthin. Er muss miterleben, wie eines Abends im Jahr 1908 vor dem Verlagsgebäude der Vater von drei Männern erschossen wird und in seinen Armen verblutet. Dieses Attentat gilt eigentlich Pedro Vidal, einem Sohn aus einer der reichsten Familien der Stadt, „Star der Zeitung und Busenfreund des Herausgebers“. Dieser fühlt sich durch die Ereignisse verpflichtet, sich um den jungen David zu kümmern, und er verschafft ihm eine Bleibe und Anstellung als Laufbursche bei der Zeitung.
10 Jahre später erscheint, wieder begünstigt von Vidal, der die Schreibversuche seines Freundes und Schützlings kennt und schätzt, eine erste Geschichte von David in der Zeitung, deren gute Aufnahme bei den Lesern zur Entstehung der operettenhaften Abenteuerfortsetzungsserie Die Geheimnisse von Barcelona und damit zum Beginn seiner Schriftstellerlaufbahn führt. Auch der nächste Schritt in Davids beruflicher Entwicklung wird von Vidal initiiert: David wird 1920 in einem neu gegründeten Verlag angestellt, um unter dem Pseudonym Ignatius B. Samson die Romanreihe Die Stadt der Verdammten zu schreiben. Dafür muss er pro Monat 200 Schreibmaschinenseiten produzieren und ist auf mehrere Jahre an diesen Verlag vertraglich gebunden. Finanziell nun ausreichend ausgestattet mietet er ein seit langem leer stehendes Haus, das ihn schon seit Jahren durch seinen turmartigen Aufbau angezogen hat.
Bereits nach den ersten Folgen der Serie Die Geheimnisse von Barcelona im Jahre 1917 hat David einen Brief eines unbekannten Pariser Verlegers Andreas Corelli erhalten, der seine Arbeiten und sein Talent lobte und ihm mit einer Einladung in ein Nobelbordell mit dem Namen Träumerei eine Freude und Überraschung bereiten will. David nimmt zögernd die Einladung an und erlebt Märchenhaftes in dieser Nacht, mit deren Schilderung Ruiz Zafón nur den Anfang der wundersamen und zum Teil geheimnisvollen Aspekte in diesem Buch macht, die es ihm immer wieder erlauben, unvermutete Wendungen und Verläufe zu erfinden. Man kann darin auch An- oder Nachklänge seiner früheren Schauerromane sehen, mit denen es Ruiz Zafón nicht nur gelingt, lange Spannungsbögen aufzubauen, zu halten und zu lösen, sondern auch die Fantasie des Lesers herauszufordern und ihm Spielraum für eigene Interpretationen zu geben.
Über mehrere Jahre arbeitet David unaufhörlich, mit großer Anspannung aber auch Erfolg für seinen neuen Verlag an der Taschenromanserie Die Stadt der Verdammten. In dieser Zeit trifft er gelegentlich und nur zufällig Cristina Sagnier, die Tochter von Pedro Vidals Chauffeur, und verliebt sich in sie. Eines Tages wird David von Cristina, die mittlerweile als Vidals Sekretärin arbeitet, gebeten, Vidals schriftstellerische Arbeit zu verbessern, da dieser seit langem vergeblich versucht, einen großen und bedeutenden Roman zu schreiben. Nur zu gern geht David darauf ein, und nun treffen sie sich einige Zeit ohne Vidals Wissen regelmäßig in Davids Wohnung. Es ergibt sich daraus, dass er Vidals Buch praktisch neu verfasst, dessen Plan und Anlage David übrigens vor Jahren Vidal einmal vorgeschlagen hatte. David arbeitet nun ständig, schläft viel zu wenig und putscht sich mit Kaffee und Zigaretten auf, bis es zu einem Zusammenbruch auf offener Straße kommt. Er wird in eine Obdachlosenbehausung am Wasserspeicher gebracht, wo es zehn Jahre nach dem ersten brieflichen Kontakt zur persönlichen Begegnung mit Andreas Corelli kommt. Dieser macht ihm das Angebot, dass David ein Jahr lang ausschließlich für ihn arbeiten soll und stellt eine fürstliche Entlohnung in Aussicht. Mit Verweis auf seinen laufenden Vertrag lehnt David ab. Bei einem Arztbesuch wegen des Zusammenbruchs wird ein Hirntumor mit nur noch kurzfristiger Überlebenschance festgestellt. Seine beiden Verleger gestatten David nun auf sein Drängen hin eine neunmonatige Freistellung aus seiner Vertragsverpflichtung, damit er in dieser Zeit endlich seinen Roman Die Schritte des Himmels zur Veröffentlichung unter seinem eigenen Namen fertigstellen kann. Es wird ihm die Drucklegung im Verlag zugesagt.
Cristina begleitet ihren Vater in ein Sanatorium im Gebirge, das Vidal bezahlt. Nach einigen Wochen stirbt der Vater dort. Bei ihrer Rückkehr kann David sie vom Bahnhof abholen; sie bleiben eine erfüllte Liebesnacht lang in seiner Wohnung zusammen. Kurze Zeit danach kommt es zum gleichzeitigen Erscheinen der beiden Bücher von Vidal (Titel Das Aschenhaus) bzw. von David. Von einer ungerechten Kritik wird Vidals Buch in den höchsten Tönen gelobt, während Davids Werk von der Presse als stümperhafte Anfängerarbeit abqualifiziert wird. Nur der alte Sempere lobt es als eines der besten Bücher, das er je verkauft habe. Er erbittet eine Widmung von David in sein Exemplar, das er in die Vitrine mit den unverkäuflichen Erstausgaben stellt.
Bei einem gemeinsamen Essen mit Vidal zur Feier der Veröffentlichung ihrer Bücher erfährt David von Vidal zwei niederschmetternde Neuigkeiten: Cristina hat Vidals Eheantrag angenommen und der Anschlag auf Davids Vater vor Jahren hatte eigentlich Vidal gegolten. Letzter Schlag dieses Tages für David: er muss mit ansehen, wie seine Mutter das Exemplar seines Buches, das er ihr hat überbringen lassen, in einen Papierkorb auf der Straße wirft. Er kann es retten und mit Hilfe des alten Sempere in der Bibliothek der vergessenen Bücher einlagern. Dort entnimmt er – ähnlich wie später im Schatten des Windes Daniel Sempere – ein schicksalsträchtiges Buch, nämlich ein in Leder gebundenes Maschinenmanuskript mit dem Titel Lux Aeterna und den Initialen D.M. (wie seine eigenen) als einzigem Hinweis auf die Autorschaft. Nach Hause zurückgekehrt findet er eine neue Einladung von Corelli vor.
Der Vertrag mit dem Patron Andreas Corelli David trifft Corelli („den Patron“) in einer alten Villa, die dieser gemietet hat, etwa ein Jahr nach ihrer ersten Begegnung am Wasserspeicher (also 1929) wieder. Corelli wiederholt und präzisiert sein Angebot: David soll ein Jahr lang ausschließlich für ihn an einer Schrift zur Begründung einer Religion arbeiten, „eine Geschichte schreiben, für die die Menschen leben und sterben würden, für die sie töten und den eigenen Tod in Kauf nehmen würden, für die sie opfern und verdammen und ihre Seele aushauchen würden …“. Als Lohn wird ihm die gewaltige Summe von 100.000 Francs angeboten, das Geld liegt in einem Kasten bereit. Erst als Corelli ihm die Befreiung von seinem Hirntumor und damit dauernde Gesundheit verspricht, überwindet David seine großen Bedenken und nimmt an. Er bleibt in dieser Nacht in Corellis Haus und erlebt im Traum die zur Heilung führende Operation im Keller des Hauses. Er erwacht am Mittag des nächsten Tages und verlässt mit dem Geld bei bestem Befinden das einsame Haus.
2. Akt: Lux Aeterna