Volkartshain ist ein Ortsteil der Gemeinde Grebenhain im mittelhessischen Vogelsbergkreis.
Geografie mini|hochkant|Hundsbachbrücke im Auenverbund Kinzig nördlich von Volkartshain
Volkartshain ist der südlichste Ortsteil der Großgemeinde Grebenhain und liegt am Rand des Hohen Vogelsberges, rund 4 km südlich der Herchenhainer Höhe.
Ortsgeschichte Mittelalter Die urkundliche Ersterwähnung des OrtesStAD, Urkunden Oberhessen, Lißberg. stammt aus dem Jahr 1385: „zu Folkartshen“. Vom 18. Oktober 1385 stammt ein Sühnebrief des Friedrich von Lißberg wegen eines ihm zugefügten Brandes zu Wolkershain durch Landgraf Hermann II.StAD, A 3, 226/13.
Die Namensforschung erklärt den Ortsnamen als „Siedlung des Folkhard“.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 378 f.
Das Dorf gehörte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zum Amt Ortenberg, einem Kondominat, das von drei Landesherren aus dem Kreis der Mitglieder des Wetterauer Grafenvereins gebildet wurde.
Frühe Neuzeit Da alle drei Herren des Kondominats sich der Reformation zuwandten, wurde auch Volkartshain lutherisch.
Volkartshain gehört zu den Gebieten, in denen das Solmser Landrecht von 1571 gewohnheitsrechtlich, aber nur teilweise, rezipiert wurde. Das galt insbesondere für die Bereiche Vormundschaftsrecht, Erbleihe und eheliches Güterrecht. Im Übrigen galt das Gemeine Recht.Schmidt, S. 108, Anm. 36 und S. 25, Anm. 81, sowie beiliegende Karte. Erst das Bürgerliche Gesetzbuch, das einheitlich im ganzen Deutschen Reich galt, setzte zum 1. Januar 1900 das alte Partikularrecht außer Kraft.
1601 kam es zu einer Realteilung des Kondominats, wobei Volkartshain der Herrschaft Gedern der Grafen von Stolberg-Gedern zugeschlagen wurde.Schmidt, S. 25, Anm. 81.
Neuere Geschichte 1806 fiel die Grafschaft Stolberg – und damit auch Volkartshain – an das Großherzogtum Hessen. Hier gehörte Volkartshain zum standesherrlichen Amt Gedern. 1821 bildete das Großherzogtum den Landratsbezirk Nidda, dem auch Volkartshain zugeordnet wurde, und der ab 1832 Kreis Nidda hieß. Mit der Revolution von 1848 wurde kurzzeitig der Regierungsbezirk Nidda gebildet, 1852 aber der Kreis Nidda wiederbelebt. 1874 kam das Dorf zum Kreis Schotten, 1938 zum Kreis Lauterbach, 1972 zum Vogelsbergkreis. Mit der Gebietsreform in Hessen wurde Volkartshain am 31. Dezember 1971 ein Ortsteil der neugebildeten Großgemeinde Grebenhain.
Während des Zweiten Weltkrieges warfen britische Kampfflugzeuge in der Nacht vom 3. auf den 4. August 1941 mehrere Sprengbomben über Volkartshain ab, wobei ein Bauernhaus zerstört und zwei Menschen getötet wurden.
Am 7. Dezember 1966 entging der Ort nur knapp einer Katastrophe, als ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug vom Typ Grumman OV-1 brennend in den nahegelegenen Wald stürzte.Erlensee-Aktuell: Mohawk-Absturz in Volkartshain Zuvor war es dem Piloten gelungen, die Maschine über Volkartshain noch einmal hochzuziehen, bevor er sie – wie zuvor sein Copilot – durch Betätigung des Schleudersitzes verließ. Die beiden Besatzungsmitglieder William Ebert und Kenneth Bakos wurden am 21. Dezember 1966 zu Ehrenbürgern der Gemeinde Volkartshain ernannt.
In die überregionalen Schlagzeilen geriet Volkartshain durch einen bis heute ungeklärten Dreifachmord im Februar 1985.
Gebietsreform in Hessen Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierte die Gemeinde Volkartshain mit zehn benachbarten Gemeinden freiwillig zum 31. Dezember 1971 zur neugebildeten Großgemeinde Grebenhain. Seit dem 1. August 1972 gehört der Ort außerdem zum damals neugebildeten Vogelsbergkreis. Für die eingegliederten Gemeinden von Grebenhain wurden je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Volkartshain angehört(e):
vor 1601: Heiliges Römisches Reich, Amt Ortenberg (Kondominat des Wetterauer Grafenvereins) ab 1601: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Stolberg-Wernigerode, Amt Gedern ab 1677: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Stolberg-Gedern, Amt Gedern ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Fürstentum Oberhessen, Amt Gdern (zur Standesherrschaft Stolberg gehörig) ab 1815: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Provinz Oberhessen, Amt Gedern (zur Standesherrschaft Stolberg gehörig) ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk NiddaTrennung zwischen Justiz (Landgericht Ortenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Lauterbach ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde Grebenhain
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon 1961: 174 evangelische (= 90,16 %), 19 katholische (= 9,84 %) Einwohner
Religion Ursprünglich gehörte Volkartshain zu der seit 1537 lutherischen Pfarrei Gedern. Ende des 16. Jahrhunderts wurde deren Filialgemeinde Ober-Seemen zu einem eigenständigen Kirchspiel erhoben, zu dem als Filialorte neben Ober-Seemen auch Mittel-Seemen, Nieder-Seemen und Volkartshain gehörten. Seit 1724 besteht das Kirchspiel nur noch aus Ober-Seemen und Volkartshain, nachdem Mittel-Seemen als eigene Pfarrei abgetrennt wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die ehemalige stolbergische Zehntscheune zu einer Kirche umgebaut.
Politik Ortsvorsteher von Volkartshain ist Florian Zimmermann (Stand 2021).
Vereine In Volkartshain bestehen heute folgende Vereine und Vereinigungen (Gründungsjahr in Klammern):
Freiwillige Feuerwehr Volkartshain (1936) Kultur- und Sportclub Volkartshain-Völzberg (1952)
Kulturdenkmäler Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Volkartshain
Wirtschaft und Infrastruktur Das ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Dorf Volkartshain entwickelte sich seit den 1950er Jahren, bedingt durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft, nahezu vollständig zu einem Arbeitspendler-Wohnort. Vor Ort gibt es noch ein Taxiunternehmen, eine Kräuterschule, sowie ein Kleinunternehmen im Bereich IT-Dienstleistungen.
Windpark mini|Windkraftanlagen im Windenergiepark Vogelsberg bei Grebenhain, im Hintergrund drei ältere Anlagen im benachbarten Windpark Volkartshain (2013)
Im nördlichen Teil der Gemarkung befindet sich ein Windpark mit insgesamt sechs Windkraftanlagen, von denen jeweils drei nordöstlich des Ortes und im Bereich der Landesstraße errichtet wurden. Der älteste Teil des Windparks besteht aus den drei Anlagen des Typs AN Bonus 600/41 mit einer Nennleistung von je 600 kW nordöstlich von Volkartshain, die im November 1995 in Betrieb genommen wurden und damit heute auch die ältesten Windkraftanlagen im Gebiet der Großgemeinde Grebenhain (nach dem Repowering des benachbarten Windparks Hartmannshain) sind. Im Sommer 1998 errichtet wurden nahe der Landesstraße die Anlagen des Typs Vestas V44-600kW (zwei Exemplare) und Enercon E-40/5.40 mit einer Leistung von je 600 bzw. 500 kW. Betreiber des Windparks ist eine ortsansässige Firma.
Verkehr Durch das Dorf verläuft die Landesstraße 3010. Sie verbindet Volkartshain mit der rund 1 km nördlich des Ortes vorbeiführenden Bundesstraße 276 und mit Ober-Seemen.
Literatur Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893.
Weblinks Ortsteil Volkartshain. In: Webauftritt der Gemeinde Grebenhain.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Vogelsbergkreis Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis) Kategorie:Geographie (Grebenhain) Kategorie:Ersterwähnung 1385 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971