mini|Zeitgenössische Ansichtskarte vom Bismarck-Denkmal Das Bismarck-Denkmal auf dem Markt in Schwerin wurde 1901 als Landesdenkmal Mecklenburgs zu Ehren des ersten deutschen Reichskanzlers enthüllt und ist nicht erhalten.

Beschreibung Das Denkmal zeigte das bronzene Standbild Bismarcks, die Linke in die Seite gestemmt, die Rechte leicht vorgestreckt, ein gefaltetes Schriftstück, die Reichsgründungsurkunde, haltend. Der profilierte Sockel aus poliertem roten Granit trug auf der Vorderseite nur die Inschrift „BISMARCK“. Die Gesamthöhe betrug fünf Meter, von denen knapp 2,70 Meter (1½-fache Lebensgröße) auf das Bronzestandbild entfielen.

Geschichte Im August 1898 trat in Schwerin eine Gruppe von Honoratioren zusammen mit dem Plan, zum Gedenken an den kurz zuvor verstorbenen ersten Reichskanzler in der Stadt ein Bismarckdenkmal zu errichten. Als der Plan mit dem Ziel, Spenden zu sammeln, publik gemacht worden war, bewarben sich mehrere Bildhauer, unter ihnen Wilhelm WandschneiderFriedrich Jansa [Hrsg.]: Deutsche Bildende Künstler in Wort und Bild. Verlag von Friedrich Jansa, Leipzig 1912, S. 627 ff. und Hugo Berwald. Ohne einen offenen Wettbewerb auszuschreiben, entschied sich das Komitee im Januar 1900 für einen von zwei Entwürfen Wandschneiders. Es war jener, mit dem der Künstler 1898 den Wettbewerb in Dortmund gewonnen hatte, der aber dort nicht zur Ausführung kam. Bereits im April stellte der Künstler das Hilfsmodell im Maßstab von 1:3 fertig. Der Guss erfolgte in der Gießerei Lauchhammer, die auch die neben dem Denkmal stehenden Kandelaber lieferte. Den Sockel aus schwedischem roten Granit fertigte die Firma Wölfel & Herold in Bayreuth. Die Gesamtkosten einschließlich Aufstellung und Enthüllungsfeier betrugen rund 34.500 Mark.

Einweihung Das Denkmal wurde am 1. April 1901 feierlich eingeweiht. Zu den Feierlichkeiten fanden sich zahlreiche Gäste ein, darunter natürlich die führenden Mitglieder der Großherzoglichen Familie, voran als Regent Herzog Johann Albrecht. Die Festrede hielt der Geheime Finanzrat, Reichstags-Abgeordneter Otto Büsing. Die Übergabe des Denkmals an die Stadt geschah durch den Bürgermeister in Schwerin, Karl Tackert, der auch Vorsitzender des Landeskomitees war.

Verbleib Das Denkmal überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet, war aber schon 1939 vom Markt an den nun so benannten Bismarckplatz (vorher Strempelplatz) umgesetzt worden. Nach 1945 gab es in der Schweriner Stadtvertretung teils kontroverse Diskussionen über den Umgang mit den Denkmälern der Stadt. So wurde auch zu einem bislang nicht genau zu bestimmenden Zeitpunkt das Bismarckstandbild entfernt und auf dem städtischen Bauhof abgelagert. Von dort erfolgte später der Abtransport zur Verschrottung. Der Sockel stand noch 1954 auf dem am 30. April 1950 umbenannten Platz der Jugend, bevor auch er entfernt und von einem Steinmetz zu Grabsteinen verarbeitet wurde.

Stellenwert Insgesamt soll es im Deutschen Reich etwa 160 Bismarck-Standbilder (inkl. der Denkmäler mit Bismarck-Büsten) gegeben haben. Das Schweriner Bismarckdenkmal war das offizielle Landesdenkmal im damaligen Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Ein weiteres Standbild gab es im Lande nicht, wohl aber eine Anzahl von Bismarcksteinen mit und ohne Relief. Wie kompliziert der Umgang mit diesen Hinterlassenschaften der Kaiserzeit war, zeigte sich in der Diskussion 1948 in Schwerin. Die Norddeutsche Zeitung kommentierte am 2. November 1948:

Literatur Max Erhardt-Apolda: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes. Thüringische Verlags-Anstalt, Eisenach/Leipzig 1903, Nr. 97. Bernd Ruchhöft: Wettstreit um ein Denkmal. In: Norddeutsche Neueste Nachrichten. 7. April 1990.

Einzelnachweise

Kategorie:Denkmal in Schwerin Schwerin Bismarck, Otto von Schwerin Kategorie:Erbaut 1901 Kategorie:Zerstört in den 1950er Jahren Kategorie:Altstadt (Schwerin) Kategorie:Bronzeskulptur in Mecklenburg-Vorpommern Kategorie:Wilhelm Wandschneider