mini|Patriarch Kyrill von Moskau und der ganzen Rus (2023)

Kyrill I. (bürgerlich Wladimir Michailowitsch Gundjajew, ; * 20. November 1946 in Leningrad) ist ein russischer Geistlicher und ehemaliger KGB-Agent. Seit dem 1. Februar 2009 ist er Patriarch von Moskau und der ganzen Rus und damit der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK). Zuvor war er ab 1984 Erzbischof der Eparchie von Smolensk und Wjasma bzw. ab 1989 Smolensk und Kaliningrad, ab 1991 im Rang eines Metropoliten. Von 1989 bis 2009 stand er zudem der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchats vor. Sein Privatvermögen wird auf rund 4 Milliarden US-Dollar geschätzt. Im Sommer 2022 verhängten einige Staaten aufgrund der Unterstützung des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine Sanktionen gegen Kyrill.

Leben Gundjajew wuchs in einer Leningrader Priesterfamilie auf. Sein 1907 geborener Vater Michail, welcher aus einer mordwinischen PriesterfamiliePatriarch Kirill segnet einen Gedenkstein für seinen Großvater Vasilij Stefanovitch Gundjajew in Usa-Stepanowka patriarchia.ru, 4. Juni 2016, abgerufen am 6. Februar 2023. aus der Region um Nischni Nowgorod stammt, musste nach seinem Theologiestudium ab 1934 drei Jahre im Kolyma-Gulag verbringen und wurde 1947 zum Priester und Diakon ordiniert. Seine 1909 geborene Mutter Raissa, geb. Kutschina, war Deutschlehrerin.

Gundjajews 1940 geborener, älterer Bruder Nikolai trat 1965 in das Priesterseminar Leningrad ein und studierte später an der Geistlichen Akademie Leningrad weiter.

Gundjajew wurde 1972 Agent, später Offizier des KGB (Deckname Michailow).Steinreicher Patriarch, der den Westen verachtet Wiener Zeitung, 3. Juni 2022.Jürg Altwegg: Pate und Patriarch. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. November 2022, abgerufen am selben Tag (Angabe unter Bezugnahme auf Stéphane Courtois). Die Vergangenheit im sowjetischen Geheimdienst verbindet ihn mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.Tobias Käufer: Putins Gotteskrieger. In: Die Welt, 17. März 2022, abgerufen am 17. November 2022. Laut dem schweizerischen Bundesarchiv war Gundjajew in den siebziger Jahren als Agent in Genf tätig.Medien: Russischer Patriarch Kyrill war in 1970ern KGB-Agent orf.at vom 6. Februar 2023, abgerufen am 6. Februar 2023.

Frühe geistliche Aufgaben Nach Studien in Deutschland wurde er 1969 zum Priester geweiht und nach dem Studienabschluss 1970 Sekretär des Metropoliten Nikodim von Leningrad. Nikodim hatte bereits in den 1960er-Jahren die ökumenische Öffnung der russisch-orthodoxen Kirche gefördert (1978 bei einem Treffen mit Papst Johannes Paul I. verstorben). 1971 wurde Gundjajew zum Archimandriten erhoben und zum offiziellen Vertreter des Moskauer Patriarchats beim Weltkirchenrat bestellt. Er war seither aktiv beteiligt an den ökumenischen Aktivitäten der russisch-orthodoxen Kirche und ihr Hauptgestalter. Dazu gehört auch seine Mitarbeit in der Christlichen Friedenskonferenz (CFK), in deren „Ausschuss zur Fortsetzung der Arbeit“ (AFA) er bei der IV. Allchristlichen Friedensversammlung 1971 in Prag gewählt wurde.

Von Ende 1974 bis Ende 1984 war Gundjajew Rektor des Priesterseminars von Leningrad und der Theologischen Akademie.

Bischof, Erzbischof, Metropolit Im März 1976 wurde er zum Bischof von Wyborg in der Diözese Leningrad gewählt und elf Tage später geweiht. Nach späterem eigenen Bekunden war er vor dem Krieg der Sowjetunion in Afghanistan (1979–1989) eine der wenigen Personen in prominenter Position, die sich 1979 öffentlich gegen die Invasion aussprachen.USSR shouldn't have invaded Afghanistan – Patriarch Kirill

Am 26. Dezember 1984 ernannte man ihn zum Bischof der Diözese Smolensk und zum Administrator der Diözese Kaliningrad. 1988 wurde er Erzbischof, 1991 Metropolit. Seit November 1989 ist er zusätzlich Vorsitzender der Abteilung für externe Kirchenbeziehungen des Moskauer Patriarchats (dem Außenamt der russisch-orthodoxen Kirche) und damit zugleich ständiges Mitglied des Heiligen Synod der russisch-orthodoxen Kirche. Als Mitglied der Biblischen und Theologischen Kommission des Moskauer Patriarchats wirkte Gundjajew an den Vorbereitungen zum Moskauer Konzil im Jahre 2000 mit.

Am 18. Mai 2006 weihte Gundjajew als Leiter des Außenamtes der russisch-orthodoxen Kirche die erste russisch-orthodoxe Kirche in Rom ein sowie im Oktober 2008 die erste russisch-orthodoxe Kirche auf Kuba, die Kathedrale „Nuestra Señora de Kazán“ in Havanna.

Gundjajew war am 25. April 2007 (neben Metropolit Juwenali von Krutizy und Kolomna und Metropolit Kliment von Kaluga und Borowsk) einer der Zelebranten bei der Trauerfeier für den verstorbenen russischen Staatspräsidenten Boris Jelzin in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau.

Gundjajew war auch als einer der Hauptautoren an der Ausarbeitung der im August 2000 verabschiedeten Soziallehre der russisch-orthodoxen Kirche („Grundlagen der Sozialkonzeption der Russischen Orthodoxen Kirche“) beteiligt. Er unterstützte Patriarch Alexius II. als dessen Stellvertreter bei der Leitung des Weltkonzils des Russischen VolkesThe Atheist West in the Light of OrthodoxyHuman Rights and Moral Responsibility. Paper read by Metropolitan Kirill of Smolensk and Kaliningrad, Chairman of the Department of External Church Relations of the Moscow Patriarchate, at the X World Russian People’s Council und leitete ab 2006 die Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung der Grundlagenlehre der Russischen Orthodoxen Kirche über die Würde, die Freiheit und die Menschenrechte, die im Juli 2008 beschlossen wurde.Patriarch Kirill of Moscow and All Russia, englischsprachige Biographie auf der Website des Moskauer Patriarchats. (englisch)

Wahl zum Patriarchen mini|Die Sommerresidenz der Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche in Peredelkino bei Moskau

Nach dem Tod von Patriarch Alexius II. wurde Metropolit Gundjajew am 6. Dezember 2008 in der Sommerresidenz der Patriarchen in Peredelkino bei Moskau von den sieben ständigen Mitgliedern des Heiligen Synod in geheimer Abstimmung zum Statthalter („locum tenens“) des Patriarchenamtes der Russisch-Orthodoxen Kirche gewählt. Er erhielt den Namen Kyrill I. Der Pomestny Sobor, das höchste Konzil der russisch-orthodoxen Kirche, an dem Vertreter aller Eparchien teilnahmen, wählte ihn am 27. Januar 2009 bereits im ersten Wahlgang mit 508 von 702 abgegebenen Stimmen zum 16. Patriarchen in der Geschichte der russischen Orthodoxie. Am 1. Februar 2009 wurde er in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale inthronisiert.

Verlauf des Patriarchates Im November 2011 reiste der Patriarch nach Damaskus. Er traf dort Ignatius IV., den Patriarchen der Antiochenisch-Orthodoxen Kirche, und forderte die Einwohner Syriens dazu auf, „die Widersprüche friedlich zu überwinden“. Ignatius dankte dem Patriarchen und allen Bürgern Russlands für ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung.Patriarch Kyrill in Syrien: Aufruf zur friedlichen Beilegung innerer Fehden RIA Novosti am 13. November 2011.

Intensiv bemüht sich Kyrill I. um die orthodoxen Gläubigen in der Ukraine und Moldawien. Er besuchte schon ein halbes Dutzend Mal die Ukraine, während Alexius II. nur einmal dort war. Symbolisch zollte er beiden Ländern auch dadurch Respekt, dass die Internetseite des Patriarchates seit kurzem alle Meldungen ins Ukrainische und Moldawische übersetzt und seit seinem Amtsantritt in seiner Moskauer Residenz auch die ukrainische und die moldawische Fahne neben der russische stehen. Im Jahr 2011 gründete er mehr als ein Dutzend neuer Diözesen; in Moskau wurde mit dem Bau von 200 neuen Kirchen begonnen.Russisch-orthodoxer Patriarch Kyrill I. wird 65; abgerufen am 3. Januar 2025.

Im August 2012 besuchte Kyrill I. als erstes russisch-orthodoxes Kirchenoberhaupt Polen. Während seiner viertägigen ReiseMoskauer Patriarch Kirill I. besucht erstmals Polen bei n24.de, 16. August 2012, abgerufen am 17. August 2012. unterzeichnete er im Rahmen einer feierlichen Zeremonie im Königsschloss in Warschau gemeinsam mit Erzbischof Józef Michalik, Vorsitzender der polnischen katholischen Bischofskonferenz, eine „gemeinsame Botschaft an die Völker Russlands und Polens“. Das religiöse Dokument soll die orthodoxe und die katholische Kirche in den beiden Ländern versöhnen.Kirche: Zwei Kirchen gehen aufeinander zu bei dw.de, 17. August 2012, abgerufen am 18. August 2012.

Am 12. Februar 2016 traf sich Kyrill I. mit Papst Franziskus auf neutralem Boden (Flughafen von Havanna). Kyrill I. war der erste Patriarch der Russisch-Orthodoxen Kirche, der sich mit einem Papst traf.Süddeutsche.de: Papst Franziskus und Patriarch Kyrill: Zwei Hirten auf Augenhöhe, 12. Februar 2016 (abgerufen am 12. Februar 2016)Katholisch.de: Großes Risiko für Franziskus, 12. Februar 2016 (abgerufen am 12. Februar 2016), 12. Februar 2016 (abgerufen am 12. Februar 2016) Bei dem Treffen wurde eine Gemeinsame Erklärung abgegeben.Gemeinsame Erklärung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill, abgerufen am 19. Februar 2021 An jedem Jahrestag des historischen Treffens fand reihum ein Gedenken statt. Jeweils stand ein besonderer Aspekt im Mittelpunkt der Reflexion. Am fünften Jahrestag war es Die Kirche und die Pandemie.Bericht zum fünften Jahrestag, abgerufen am 19. Februar 2021.Begrüßung und Einführung durch Kardinal Koch

Eine von der Propaganda zeitweise „Cousine zweiten Grades“ benannte Person weist viele Eigenschaften einer Lebenspartnerin auf. Ihr gehören Wohnungen.https://meduza.io/feature/2025/12/22/u-patriarha-kirilla-est-taynaya-grazhdanskaya-zhena-utverzhdaet-proekt

Positionen Stellung zur römisch-katholischen Kirche und anderen Religionen In der Frage des kanonischen Territoriums (die orthodoxen Kirchen beanspruchen traditionell das gesamte Gebiet eines Staates als kanonisches Territorium) vertritt Metropolit Kyrill die Auffassung, dass aufgrund der gegenseitigen Anerkennung der christlichen Ost- und Westkirchen als Schwesterkirchen an jedem Ort nur ein Bischof Vertreter der gesamten christlichen Kirche sein soll.

Als Leiter des Außenamtes der russisch-orthodoxen Kirche pflegte Metropolit Kyrill gute Kontakte zur römisch-katholischen Kirche und traf dreimal mit Papst Benedikt XVI. zusammen. Im April 2005 gratulierte er im Vatikan Benedikt XVI. nach seiner Wahl zum Papst und im Zuge seines Rombesuches anlässlich der Einweihung der russisch-orthodoxen Kirche kam es im Mai 2006 zu einem weiteren Treffen. Im Dezember 2007 empfing ihn der Papst schließlich zu einer Privataudienz.

Ökumenegegner innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche warfen ihm eine zu große Nähe zur römisch-katholischen Kirche vor. So wurde er dafür kritisiert, im Jahr 2005 Papst Benedikt XVI. nach dessen Papstwahl die Hand geküsst zu haben. Bischof Diomid von Anadyr und Tschukotka warf ihm 2008 „Kommunion“ mit der römisch-katholischen Kirche vor. Zuletzt ging Kyrill zunehmend auf Distanz zur römisch-katholischen Kirche und zur Ökumene. Kurz vor seiner Wahl zum Patriarchen schloss er Kompromisse mit anderen christlichen Konfessionen in Glaubensfragen ebenso aus wie gemeinsame Andachten. 2016 schloss er sich Putins Überzeugung an, dass das orthodoxe Christentum dem Islam näher stehe als der römisch-katholischen Kirche, da die Orthodoxie und der Islam an traditionellen Werten festhielten, die römisch-katholische Kirche hingegen nicht.Reinhard Flogaus: Soldatentod als Nachfolge Christi. Gegen Antichrist und Satanismus: Die religiöse Kriegspropaganda in Russland beschwört die Apokalypse und die Nähe zum Islam. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Dezember 2022, S. 15.

Kyrill spricht sich für die Schaffung „spezieller Beziehungen“ zwischen der Orthodoxie und den anderen drei „traditionellen Religionen“ Russlands aus, dem Islam, dem Judentum und dem Buddhismus.

Stellung zu Freiheitsrechten und Emanzipation