Linden () ist eine Kleinstadt im mittelhessischen Landkreis Gießen.
Geografie Geografische Lage Linden liegt etwa 6 km südlich von Gießen. Im Norden grenzt Linden an die Kreisstadt Gießen, im Osten an die Stadt Pohlheim, im Süden an die Gemeinde Langgöns sowie im Westen an die Gemeinde Hüttenberg (Lahn-Dill-Kreis).
Stadtgliederung Die Stadt besteht aus den Stadtteilen Großen-Linden und Leihgestern. Zu Großen-Linden gehören die Siedlungen Forst, Oberhof, Am Bergwerkswald und der Aussiedlerhof Sonnenhof; zu Leihgestern zählen Mühlberg, das Gut Neuhof sowie die Aussiedlerhöfe Hof Konrad, Birkenhof, Berghof und Ludwigshof.
Ortsgeschichte Großen-Linden mini|Hüttenberger Heimatmuseum im alten Ortskern von Leihgestern mini|hochkant|St.-Peters-Kirche (Großen-Linden), romanisches Westportal, um 1230 Mittelalter Die ältesten schriftlichen Erwähnungen von Linden stammen aus den Jahren 790 und 792 und finden sich im Lorscher Codex. Dieser Kopiar wurde um die Zeit zwischen 1183 und 1195 im Kloster erstellt. Die vier Erwähnungen im Lorscher Codex unterscheiden noch nicht zwischen den Siedlungen, die später die Ortsnamen Großen-Linden, Lützellinden, Klein-Linden und das wüst gefallene Sichlingslinden, dessen Name sich 1302 in Langenlinden änderte,Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 306, S. 211. tragen.
790 heißt im Lorscher Codex „... in Lindere marca ...“Karl Glöckner: Codex Laureshamensis = Arbeiten der historischen Kommission für den Volksstaat Hessen. Darmstadt 1929. Band 3: Kopialbuch; Die übrigen fränkischen und die schwäbischen Gaue, Güterlisten, späte Schenkungen und Zinslisten, Gesamtregister, Fotomechan. Nachdruck der Ausgabe von 1936, Darmstadt. Hessische Historische Kommission 1963. CL III, Nr. 3159=3710c. Im gleichen Jahr wird auch „... in uilla Linden ...“ genannt.CL III, Nr. 3159=3710c. Zwei Jahre später werden die Linder marca sowie Linden erneut genannt.CL III, Nr. 3160=3717a. Einzig die spätere Wüstung Sichelingeslinden besitzt bereits 790 einen Ortsnamen mit einem Differenzierungsglied: „... in villa Sichelingeslinden ...“CL III, Nr. 3148. Dieser Ortsname erscheint in einer Urkunde des gleichen Klosters aus dem Jahre 801 als „Sichelindeslinden“.CL III, Nr. 3722 c. In einer herrschaftlichen Urkunde werden 1065 „... VIII mansos ad Lindun ... in pago Lognahi ...“ (acht Mansen) erwähnt.Manfred Stimmig: Mainzer Urkundenbuch. Band 1 (bis 1137). Darmstadt 1932. Nr. 311, S. 200 f Durch eine weitere Schenkung am 11. Juni 805 an das Kloster Lorsch wurde der Name Letkestre (Leihgestern) das erste Mal im Lorscher Codex erwähnt. Im frühen Mittelalter zählte Linden zum Niederlahngau und war im Besitz verschiedener Gaugrafen, bevor der Ort zur Zeit Ottos des Großen im 10. Jahrhundert schließlich in den Besitz der Grafen von Gleiberg kam. Im Jahre 1265 kam Linden an die Landgrafschaft Hessen, als Landgraf Heinrich I. Teile der einstigen Grafschaft Gleiberg mit Gießen von den Pfalzgrafen von Tübingen erwarb.
Die Überlieferung von Großen-Linden und Lützellinden unterscheidet sich erst seit dem 13. Jahrhundert. Ein „... mansum in Grocenlynden ...“ wird 1272 erwähnt.Ernst Wiese: Wetzlarer Urkundenbuch I. Marburg 1911. Nr. 179, S. 71., „... in maiori Linden ...“ (im größeren Linden) heißt es 1288.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 220. S. 151. In einem Kopiar von 1238 wird erstmals Lützenlinden genannt: „... Eckardum Rufum de ... Lucellinden ...“Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 1278, S. 860. Die Differenzierungsglieder sind ahd. grosz und mhd. lützel (klein an Umfang). Linden war die „Siedlung an den Linden“.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 256 ff, S. 257.
Neuzeit Von 1396 bis 1585 war der Gerichtsbezirk Hüttenberg, ebenso wie das Gemeine Land an der Lahn, ein Kondominium der Landgrafen von Hessen und der Grafen von Nassau. In dieser Zeit war Großen-Linden Hauptort eines Gerichtsbezirks und es gab zwei Schultheiße in Großen-Linden. Wegen Unstimmigkeiten wurde der Gerichtsbezirk zwischen beiden Grafenhäusern 1585 aufgeteilt. Die Reformation wurde durch die Landgrafen von Hessen in deren Territorien ab 1527 betrieben, der erste evangelische Pfarrer in Großen-Linden ist 1546 belegt.
Großen-Linden erhielt entweder am 19. Februar 1605 von Ludwig IV. von Hessen-Marburg die Stadtrechte oder bereits zwischen 1561 und 1577. Urkundlich ist nachgewiesen, dass die Bürger Großen-Lindens im Gegensatz zu den anderen Orten des Hüttenbergs im Jahr 1577 keine Abgaben mehr entrichten mussten.Schulte: Die Geschichte Großen-Lindens. 1990, S. 7–8.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde der von Wall und Graben umgebene Ort wie alle Orte der Umgebung stark in Mitleidenschaft gezogen. Am Ende des Krieges waren etwa 40 von 130 Häusern der Stadt unbewohnt und es wurden etwa 400 Einwohner gezählt.
Im 18. Jahrhundert begann sich der bäuerliche Ort allmählich über die mittelalterlichen Ortsgrenzen hinaus auszudehnen, auch siedelte sich nun mehr Handwerk und Gewerbe an. 1712 erhielt die Stadt das Marktrecht, 1716 ist die erste von mehreren Gaststätten am Ort belegt, es gab bald mehrere Färbereien, eine Kalkbrennerei und gegen Ende des 18. Jahrhunderts auch Strumpfweber, Perückenmacher und Hosenschneider.
Nachdem die Napoleonischen Kriege um 1800 mit umfangreichen Truppeneinquartierungen zunächst der weiteren Entwicklung des Ortes hinderlich waren, ereignete sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts infolge der einsetzenden Industrialisierung und des Baus der Main-Weser-Bahn eine schwunghafte Entwicklung.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Großenlinden:
Der Eisenbahnbau brachte um 1848 viele Arbeiter nach Großen-Linden, weitere Arbeitsplätze boten das 1841 errichtete Braunsteinbergwerk, ein Kalkwerk und mehrere Zigarrenfabriken. Zwischen 1817 und 1900 verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf über 1700 Einwohner, die alten strohgedeckten Häuser wurden ziegelgedeckt und der Ort wuchs in alle Richtungen. Die Bahnlinie war im späten 19. Jahrhundert schließlich der bestimmende Wirtschaftsfaktor der Region. Während die abseits der Bahn gelegenen Orte durch Ab- und Auswanderung einen Bevölkerungsverlust hinnehmen mussten, profitierten Großen-Linden und auch Leihgestern vom Zuzug aus dem Umland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich das Bevölkerungswachstum durch den Zustrom von rund 1400 Flüchtlingen und Vertriebenen fort, wodurch die Stadt im Jahr 1949 fast 4000 Einwohner zählte. Durch die überwiegend katholischen Flüchtlinge entstand auch eine knapp 1000 Personen zählende katholische Gemeinde in dem bis in den Zweiten Weltkrieg fast rein evangelischen Ort. Zur dauerhaften Unterbringung der Flüchtlinge bedurfte es der Ausweisung von Neubaugebieten.
Leihgestern Zur Geschichte des Stadtteils Leihgestern siehe Leihgestern.
Linden Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden zum 1. Januar 1977 durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen die Stadt Großen-Linden und die Gemeinde Leihgestern zur neuen Stadt Linden zusammengeschlossen. Ortsbezirke wurden nicht gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Großen-Linden angehört(e):
790: Fränkisches Reich, Lahngau 1065: Ostfränkisches Reich, Grafschaft des Grafen Werner, danach der Grafen von Gleiberg und der Pfalzgrafen von Tübingen 1264/65: Übergang in den Besitz der Landgrafschaft Hessen vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt GießenDie Zugehörigkeit des Amtes Gießen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Gießen 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Gießen (ab 1789) ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Stadtamt Gießen ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Stadtamt Gießen ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Gießen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Giesen (August bis November Kreis Grünberg) ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1838: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Linden ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Linden ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Linden
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Linden 12063 Einwohner. Darunter waren 805 (6,7 %) Ausländer, von denen 268 aus dem EU-Ausland, 321 aus anderen europäischen Ländern und 216 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 18,4 % einen Migrationshintergrund. Die Einwohner lebten in 5691 Haushalten. Davon waren 2211 Singlehaushalte, 1413 Paare ohne Kinder und 1486 Paare mit Kindern, sowie 433 Alleinerziehende und 148 Wohngemeinschaften.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen von Großen-Linden und ab 1977 der Stadt Linden
• 1502: 52 Männer • 1577: 114 Hausgesesse • 1648: 77 Männer • 1669: 434 Seelen • 1742: 4 Geistliche/Beamte, 110 Untertanen, 31 Junge Mannschaften, 12 Beisassen/Juden • 1791: 614 Einwohner • 1800: 662 Einwohner • 1806: 716 Einwohner, 136 Häuser • 1829: 900 Einwohner, 144 Häuser • 1867: 1195 Einwohner, 187 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1830: 856 evangelische, 4 römisch-katholische Einwohner, 40 Juden • 1961: 3191 evangelische, 832 römisch-katholische Einwohner • 2011: 5960 evangelische (= 49,6 %), 1980 katholische (= 16,5 %), 170 freikirchliche (= 1,5 %), 750 orthodoxe (= 6,3 %), 330 andersgläubig (= 2,7 %), 2820 sonstige (= 23,5 %) Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1961: Erwerbspersonen: 196 Land- und Forstwirtschaft, 935 Prod. Gewerbe, 434 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 345 Dienstleistungen und Sonstiges.
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Linden erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Linden 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen: