mini|Eingangstor der Urananreicherungsanlage der Firma Urenco in Gronau Die Urananreicherungsanlage Gronau ist die einzige kommerzielle Urananreicherungsanlage in Deutschland. Mittels Gaszentrifugenverfahren wird Uranhexafluorid zur Verwendung als Kernbrennstoff in Kernkraftwerken angereichert. Die Anlage gehört zur britischen Urenco-Gruppe. Die nach § 7 des Atomgesetzes genehmigungspflichtige Anlage befindet sich etwa 3,5 Kilometer östlich von Gronau (Westf.).

Betreiber und Eigentümer der Anlage

Aktuelle Situation Betreiber der Anlage ist die URENCO Deutschland GmbH, ihr Eigentümer ist die URENCO Ltd. mit Sitz in Großbritannien. „Urenco“ ist das Akronym von „Uranium Enrichment Company“. Eigentümer der URENCO Ltd. ist zu je 1/3 der britische, niederländische und deutsche Staat, die deutschen Interessen vertritt die Firma URANIT GmbH mit Sitz in Jülich. Die URANIT gehört heute je zur Hälfte der E.ON Kernkraft GmbH und der RWE Power AG, an der Gründung waren die damalige PreussenElektra AG und die RWE-Tochter Nukem GmbH mit jeweils 37,5 Prozent sowie die Hoechst AG mit 25 Prozent beteiligt.

E.ON und RWE, sowie der britische und der niederländische Staat wollten sich um das Jahr 2011 aus der Beteiligung an der URENCO zurückziehen und planten einen Verkauf ihrer Anteile über die Börse, was das Unternehmen in eine börsennotierte Aktiengesellschaft umgewandelt hätte. Insbesondere die Ziele des englisch-deutsch-niederländischen Staatsvertrages von Almelo zur nuklearen Nichtverbreitung und Sicherung der Urananreicherungstechnologie wären nach Aussage der Bundesregierung damit nicht mehr durchsetzbar und die Möglichkeit eines Börsengangs wurde ab Mitte 2016 nicht weiter verfolgt.

Am Standort Gronau werden etwa 286 Angestellte beschäftigt, mit Beteiligungsgesellschaften etwa 300, der Jahresabschluss 2022 der URENCO Deutschland GmbH Gronau nennt 159 Stellen (in den Bereichen Produktion und Technik, Überwachung: 38, Logistik: 21, Verwaltung: 34) sowie 12 Auszubildende. Der Umsatz lag 2022 bei 408 Mio. Euro, das Stammkapital beträgt 56,25 Mio. Euro.

Historische Entwicklung Die drei Urenco-Gesellschafter betrieben ihre Urananreicherungsanlagen (Almelo, Capenhurst und Gronau) zunächst in eigener Verantwortung. Basierend auf dem englisch-deutsch-niederländischen Staatsvertrag von Almelo (1970) zur Förderung von Forschung und Entwicklung der Urananreicherung durch Gaszentrifugentechnologie sowie zur Verhinderung der Nutzung zu militärischen Zwecken wurde 1971 von den Regierungen von Großbritannien, der Niederlande und Deutschland die „Urenco Ltd“ für Marketing- und Koordinationsaufgaben gegründet. Erst 1993 wurde daraus eine Holding, in die die Gesellschafter ihre drei Anreicherungsbetriebe einbrachten und die auch die Beteiligungen an der Centec GmbH übernahm. Diese erforscht, entwickelt und baut die Uranzentrifugen für die Urananreicherung und baut zudem auch die dafür nötigen Urananreicherungsanlagen. Die niederländischen und britischen Gesellschafter der Centec waren identisch mit denen der URENCO, während der deutsche Anteil von der Gesellschaft für nukleare Verfahrenstechnik mbH in Bergisch Gladbach gehalten wurde, die jeweils zur Hälfte der zu Siemens gehörenden Interatom (tätig im Kernreaktorenbau) und dem Maschinenbaukonzern MAN gehörte.

An der Centec-Nachfolgerin Enrichment Technology Company Ltd (ETC) beteiligte sich 2006 der französische Atomkonzern Areva (heute: Orano) zu 50 %, womit nachträglich Frankreich in den Almelo-Vertrag mit einbezogen wurde. Bereits 1992 wurden die USA in den Kreis der ursprünglichen Almelo-Staaten durch den Vertrag „über die Errichtung, den Bau und den Betrieb einer Urananreicherungsanlage in den Vereinigten Staaten von Amerika“ aufgenommen.

Die Betriebe der URENCO und ETC werden in Deutschland regelmäßig durch EURATOM und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) im Rahmen von im Nichtverbreitungsvertrag (NVV) und im EURATOM-Vertrag festgelegten Überwachungsmaßnahmen (Safeguards) kontrolliert. Nationale Zuständigkeiten bestehen für den Rahmen dieser Kontrollen und liegen im Wesentlichen bei dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Vorbereitung, Produktionsbeginn, Anlagenerweiterung

Vorgeschichte Seit den 1960er Jahren fand Forschung und Entwicklung im Bereich der Urananreicherung bereits durch das staatliche Kernforschungszentrum Jülich statt, bevor dieser Bereich an die private Uran-Isotopentrennungs-Gesellschaft mbH (URANIT) in Jülich übertragen wurde, deren Gründungsgesellschafter die Gelsenberg AG und Nukem GmbH waren. Es flossen zur Erforschung und Entwicklung der Gasultrazentrifugen sowie den Aufbau einer eigenen Urananreicherung in den 1970er- und 1980er-Jahren allein für die URANIT GmbH etwa 610 Mio. DM. Die URANIT GmbH erhielt zusätzlich das deutsche Drittel der 1971 gegründeten Urananreicherungsfirma URENCO Deutschland übertragen und war damit einer ihrer Gründerfirmen. Außerdem übernahm die URANIT GmbH aufgrund eines Vertrages mit der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium für Forschung und Technologie, im Jahr 1987 das Vermögen der Gesellschaft für Kernverfahrenstechnik mbH (GKT) vom Bund zum (nicht bekanntgegebenen) Buchwert per 31. Dezember 1985. Die GKT wurde durch den Bund in den 1960er-Jahren als bundeseigene Gesellschaft zur Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Urananreicherung gegründet, Know-how und Personal wurde damals für ca. 5 Mio. DM von der Firma Degussa eingekauft.

Erste Pläne für ein „Atomenergiezentrum“ nahe der niederländischen Grenze waren bereits 1976 bekannt geworden, in der Auswahl befanden sich als Standort für eine Urananreicherungsanlage zunächst über 100 Orte, unter den zuletzt 11 Orten in der engeren Wahl auch Gronau und Ahaus. Die Entscheidung fiel schließlich auf Gronau, das sich Steuereinnahmen in Millionenhöhe, Bau- und Zulieferaufträge für die regionale Wirtschaft und 250 zusätzliche qualifizierte Arbeitsplätze erhoffte, nachdem sich die Ära der Textilindustrie in Gronau dem Ende zuneigte (1980/1981 Konkurs des van-Delden-Konzerns). Die Standortvorteile aus Sicht des künftigen Anlagenbetreibers URANIT GmbH: Das Gebiet ist dünn besiedelt, liegt verkehrsgünstig und von der vornehmlich katholisch und konservativ eingestellten Bevölkerung ist Protest gegen die Anlage nicht zu erwarten.

Am 9. März 1978 wurde von der URANIT GmbH eine Genehmigung für den Uraneinreicherungsbetrieb mit einer Kapazität von 1.000 t Urantrennarbeit (UTA) pro Jahr beantragt und gleichzeitig die Eignung des Standortes für eine Kapazität von 5.000 t UTA/Jahr untersucht. Am 6. Dezember 1978 stimmte der Rat der Stadt Gronau unter Bürgermeister Bruno Jäkel (SPD) mit 42:1 Stimmen der Ansiedlung einer Urananreicherungsanlage (UAA) zu und schloss am 29. März 1979 den Ansiedelungsvertrag mit der URANIT GmbH, der zunächst den Aufbau eines Zentrifugemontagewerkes und später den einer Urananreicherungsanlage mit der zuvor beantragten maximalen Anlagenkapazität von 1.000 t UTA/Jahr vorsah. An den insgesamt von der URANIT veranschlagten Investitionen in Höhe von 1 Mrd. DM (davon alleine für den 1. Bauabschnitt für 400 t UTA/Jahr 600 Mio. DM) wollte sich die Stadt mit 10 Mio. DM beteiligen, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt selbst mit 80 Mio. verschuldet war. Darin enthalten waren etwa 15 Mio. DM für Erschließungskosten und Grundstückskäufe für die 96 ha des Geländes im Bebauungsplan 78/79, davon 16 ha für das Zentrifugenmontagewerk und 60 ha für die Urananreicherungsanlage. Das Land Nordrhein-Westfalen hat zusätzlich 32 Mio. DM investiert.

Die URANIT GmbH wollte die Anlage möglichst schnell errichten, um eine gegebene Lieferzusage für Kernbrennstoff an Brasilien einhalten zu können, nachdem die zunächst vorgesehene Belieferung mit angereichertem Uran aus der englisch-niederländisch-deutschen Gemeinschaftsanlage im niederländischen Almelo nicht zustande kam.

Nach der öffentlichen Auslegung der Antragsunterlagen fand am 12. und 13. Mai 1981 ein Erörterungstermin in Gronau statt, an dem über die ca. 7.000 Einsprüche (davon ca. 3.000 aus den Niederlanden) gegen den Bau der Anlage beraten wurde.

Genehmigungserteilungen, Bau- und Betriebsbeginn Am 31. Dezember 1981 wurde die 1. Teilgenehmigung zur Erzeugung von Kernbrennstoff vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium als atomrechtliche Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde erteilt und im Februar 1982 öffentlich ausgelegt. In der Teilgenehmigung wurde davon ausgegangen, dass der Standort für eine Kapazität von 5.000 t Urantrennarbeit (UTA) pro Jahr geplant ist. Im April 1982 begannen erste Bau- und Erschließungsmaßnahmen auf dem Gelände. Die Nutzung des Standortes Gronau begann zunächst mit der Errichtung eines Montagewerks für die benötigten Spezial-Zentrifugen, die von der CENTEC – Gesellschaft für Centrifugentechnik mbH entwickelt und von der M.A.N. Uranit Gronau GmbH installationsfertig geliefert wurden. Die offizielle Grundsteinlegung durch den damaligen Bundesforschungsminister von Bülow erfolgte am 23. September 1982, so dass im Oktober 1982 mit dem Bau der ersten von 100.000 benötigten Zentrifugen begonnen werden konnte.

Die 2. Teilgenehmigung erfolgte 1983, die 3. zum Betrieb mit 400 t UTA/Jahr im Juli 1984. Am 15. April 1985 erfolgte der Betriebsbeginn, am 15. August 1985 der Produktionsbeginn der Anlage. Am 12. Juni 1986 erfolgte durch Bundesforschungsminister Riesenhuber die offizielle Einweihung der Anlage, anlässlich derer rund 300 Menschen demonstrierten und die Polizei Tränengas einsetze und eine Person festnahm.

Bis 1983 wurde der URANIT GmbH als Beitrag zur Finanzierung von Urananreicherungsanlagen ein rückzahlbarer Zuschuss in Höhe von 338 Mio. DM gezahlt (nur rund 110 Mio. DM wurden zurückgezahlt) sowie ca. 49 Mio. DM für die Entwicklung des Standortes Gronau im Rahmen der Unterstützung von Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit. Die Entwicklung der Anreicherung mittels Gaszentrifugenverfahren sowie Aufbau und Betrieb von Anreicherungsaktivitäten im Rahmen des völkerrechtlichen Vertrages von Almelo wurden zwischen 1970 und 1992 mit ca. 1,16 Milliarden DM öffentlicher Mittel gefördert.

Produktionsbeginn und Erweiterungen der Anlage

Produktionsbeginn als „UTA-1“ Die Urananreicherungsanlage Gronau ging am 15. August 1985 als „UTA-1“ („Uran-Trennanlage 1“) in Betrieb. Bereits ab Januar 1986 hatte der weitere Ausbau der Anlage von 400 auf 1.000 t Urantrennarbeit pro Jahr begonnen, am 19. April 1989 folgte die entsprechende Ausbaugenehmigung. Die erlaubten Jahresmengen an UTA wurden durch die Genehmigungsergänzung 1991 und Neugenehmigung 1994 (5. Teilgenehmigung) auf 1.000 t UTA/Jahr erhöht. Ende 1994 haben Urenceo und URANIT den Antrag auf eine Änderungsgenehmigung zur Erhöhung der Anreicherungskapazität auf 1.800 t UTA/Jahr gestellt, was am 4. November 1997 vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium trotz über 8.000 Einwendungen genehmigt wurde.

1998 erreichte die Anlage die geplante jährliche Leistung von 1.000 Tonnen UTA, die bis zum Jahr 2005 auf 1.800 t gesteigert wurde. Nach Angaben von URENCO wurden bis zu diesem Ausbaustadium der Anlage 800 Mio. Euro aufgewendet. Für den Ausbau der Anlage auf 4.500 t UTA/Jahr wurde am 22. September 1998 der Antrag nach § 7 Atomgesetz gestellt. 1999 hat das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium den Bau einer zweiten Urantrennhalle für die UAG genehmigt, 2001 die Lagerung von zusätzlichen 2.500 t UF6 Feed entweder im Feed- oder Tails-Lager.

Erweiterung der Anlage um „UTA-2“