mini|Kirchturm der Neuen Johanneskirche Die Neue Johanneskirche in Hanau ist das Kirchengebäude der Johanneskirchengemeinde.
Lage Der Gebäudekomplex liegt auf dem Eckgrundstück Frankfurter Landstraße und Theodor-Fontane-Straße. Postalisch ist die Neue Johanneskirche der Theodor-Fontane-Straße zugeordnet, optisch und städtebaulich bezieht sie sich aber auf die Frankfurter Landstraße, an der sie eine prägende Funktion erfüllt.
Geschichte 1642 starb Johann Ernst von Hanau-Münzenberg, der letzte reformierte Hanauer Graf. Der Regierungsantritt seines nächsten männlichen Verwandten, des lutherischen Grafen Friedrich Casimir von Hanau-Lichtenberg, war problematisch. Um sich die finanzkräftige Unterstützung der Residenzstadt Hanau mit ihrer reformierten bürgerlichen Führungsschicht zu sichern, blieb dem Vormund des Grafen, Freiherr Georg II. von Fleckenstein-Dagstuhl, nichts anderes übrig, als den reformierten Status quo der Grafschaft festzuschreiben.
Trotz anderslautender Zusicherung bildete sich bald eine lutherische Gemeinde in Hanau, die ab 1658 die lutherische (Alte) Johanneskirche errichtete. Todesstoß für die daraus entstandene bikonfessionelle Struktur in Hanau war die durch die napoleonischen Kriege ausgelöste wirtschaftliche und finanzielle Krise, die 1818 zur Hanauer Union und zur Fusion der beiden evangelischen Landeskirchen führte. Damit verloren die konfessionell organisierten Personalgemeinden ihre Existenzberechtigung, und zwei Territorialgemeinden wurden gebildet: die Johanneskirchengemeinde für den westlichen Teil der Stadt, die Marienkirchengemeinde für deren östlichen Teil. Durch die Expansion der Stadt im 19. Jahrhundert lag die (Alte) Johanneskirche nur noch am Hanauer Rande. Mit der Zerstörung des Kirchengebäudes im Zweiten Weltkrieg ergab sich die Möglichkeit, mit der Neuen Johanneskirche einen weit zentraleren Ersatz zu schaffen.
Die Gemeinde ist seit dem 1. Januar 2014 ein Bezirk der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Hanau im Kirchenkreis Hanau der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.
Gebäude mini|Blick von Nordwesten: ganz links der Kirchturm, rechts das Kirchengebäude, dazwischen der Wandelgang Das Gebäude – genau genommen: die Gebäudegruppe – besteht aus dem Kirchenraum, dem Kirchturm und einem verbindenden Wandelgang. Alle Elemente sind mit Bruchstein (Trachyt) verblendet, was dem Ensemble einen monumentalen Ausdruck verleiht. Architekt der 1958–60 errichteten Anlage war der Trierer Heinrich Otto Vogel.
Kirche Das kubisch gestaltete Kirchengebäude ist weit von der Frankfurter Landstraße zurückgesetzt. Der Innenraum mit seinen geschlossenen Wänden und hoch sitzenden Fenstern erinnert im Zusammenklang mit der streng geometrischen Wandbemalung in Rot-, Blau- und Grautönen und in Schwarz an die Architektur römischer Thermen. Hinzu kommen die im typischen Stil der fünfziger Jahre ohne Sockel und Kapitel gestalteten, extrem schlanken Säulen entlang den Wänden, in deren Mitte sich die Sitzgelegenheiten (früher Bänke, heute Stühle) für die Gottesdienstbesucher befinden.
Glockenturm Der als „Campanile“ konzipierte, weit vom Kirchengebäude abgesetzte Glockenturm steht unmittelbar an der Frankfurter Landstraße. In ihm befinden sich fünf Kirchenglocken und auch zwei Räume für die kirchliche Jugendarbeit.
Wandelgang Ursprünglich waren Kirchengebäude und Kirchturm über einen Wandelgang miteinander verbunden – ein typisches Versatzstück in der Architektur Heinrich Otto Vogels. Gedacht war der Wandelgang als Ruhezone, um die Kirche von der Hektik der Umgebung abzugrenzen; faktisch diente er als Unterstellmöglichkeit für Fahrräder. 2015/16 wurde er durch ein Gemeindehaus ersetzt, das aber an seiner Schauseite das überkommene Erscheinungsbild des Wandelgangs wahrt.Frank Sommer: Endlich eine eigene Küche. In: Frankfurter Rundschau. 30. Juni 2016, S. R15.
Orgel Die zweimanualige Orgel wurde 1968 von Willi Peter erbaut, die Konzeption stammte von Ernst Karl Rößler. 2017 wurde sie von Orgelbau Lenter restauriert.
Gemeinde Bekannte Gemeindemitglieder waren: Elisabeth Schmitz
Literatur Carolin Krumm: Kulturdenkmäler in Hessen – Stadt Hanau. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Wiesbaden 2006, ISBN 3-8062-2054-9, S. 274.
Weblinks
Johanneskirche auf der Homepage der Stadtkirchengemeinde Hanau
Einzelnachweise
Hanau Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Kirchengebäude in Hanau Hanau Neue Johanneskirche Kategorie:Kulturdenkmal in Hanau Kategorie:Erbaut in den 1950er Jahren Kategorie:Bauwerk von Heinrich Otto Vogel Kategorie:Kirchengebäude der Moderne Kategorie:Bauwerk der Moderne in Hessen