mini|Distanzwettbewerb in Uzès, Frankreich 2005 mini|Shagya-Araber bei einem Distanzritt. Das Gelände und die Bedingungen ist bei Distanzritten sehr unterschiedlich, Zeiten sind daher nur bedingt vergleichbar.
Distanzreiten (engl. endurance riding) ist ein Pferdesport, in dem es darum geht, eine große Entfernung zu Pferd so schnell wie möglich zu überwinden.
Eintages-Distanzritte werden auf Strecken ab 25 bis ca. 160 Kilometer ausgetragen. Daneben gibt es noch (seltener) Mehrtageswettbewerbe wie die Ritte Wien-Budapest und der Trabweg West, der vom Elsass an die Nordsee führte.
Ausführliche Definition mini|Bergpassage, Tevis Cup, USA 1991 mini|Flussdurchquerung, England 2006 mini|Im Nahen Osten gleichen Distanzritte oft Langstreckenrennen in der Wüste, Vereinigte Arabische Emirate 2013
Distanzreiten wird vom Breitensport bis zum Hochleistungssport betrieben. Das Pferd muss auf unterschiedlichem Gelände viele Kilometer zurücklegen und trotzdem frisch und gesund ins Ziel kommen. Besonders in der arabischen Welt ist dieser Sport populär. Araber sind Pferde, deren traditionelle Zucht sie für Distanzritte empfiehlt.
Ziel eines Distanzrittes ist es, ein Pferd in einer vorgegebenen Geschwindigkeit über eine vorgegebene Strecke zu reiten. Diese ist meist markiert, es gibt aber auch unmarkierte Kartenritte, auf denen der Reiter die Strecke anhand der Karte selbst finden muss. Bei langen Ritten starten die Teilnehmer meistens gleichzeitig (Massenstart). Das vorgeschriebene Mindesttempo darf nicht unterschritten werden. Sieger ist das Pferd, das zuerst durchs Ziel geht und die nachfolgende tierärztliche Untersuchung ohne Beanstandungen übersteht.
Der Reiter muss Tempo und Reitweise darauf einstellen, wie gut sein Pferd geht und wie es mit den Bodenverhältnissen zurechtkommt. Kondition und Gesundheitszustand des Pferdes werden vor dem Start und nach dem Zieleinlauf von Tierärzten überprüft, bei längeren Ritten auch in einer oder mehreren bis zu 50 Minuten langen Pausen. Pferde, die vom Tierarzt für reituntauglich erklärt werden, müssen ausscheiden. So wird versucht sicherzustellen, dass weniger Pferde bleibende Schäden davontragen oder sterben.
Das als Hochleistungssport betriebene Distanzreiten erfordert entsprechende Vorbereitung, damit die körperliche Fitness von Pferd und Reiter den Anforderungen genügen. Dazu gehören eine auf das Pferd und die geforderte Leistung abgestimmte Fütterung, Training im offenen Gelände und viel Weidegang, um Immunsystem und Muskulatur zu stärken.
Das Ziel vieler Distanzreiter ist die Teilnahme an einem Hundertmeiler (100 Meilen = 160 km Streckenlänge). Je nach Trainingszustand eines Paares gibt es Distanzritte in unterschiedlichen Längen. Es kann viele Jahre dauern, bis man „160 km“ reiten kann.
Die Anfänge Das Distanzreiten ist vermutlich eine der ältesten Reitsportarten. Für lange Distanzen sind temperamentvolle Pferde besonders geeignet. Frühe Kulturen machten ihre Soldaten beritten und ließen sie Tausende von Kilometern zurücklegen, wobei sie Unwetter, Hunger und Erschöpfung ertragen mussten.
Die erste Trainingsanleitung der Geschichte stammt vom Mittanier Kikkuli aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. Sein Pferdetext ist ein taggenaues Programm zur Fütterung, Pflege, Haltung und Training von Kriegs(wagen)pferden, um sie in die Lage zu versetzen zum Abschluss des Programms eine Strecke von rund 1.000 km in 7 Nächten zurückzulegen.
Die Perser entwickelten das erste regelrechte Kommunikationssystem – ebenfalls mit Hilfe des Pferdes. Poststationen wurden in Abständen von einem Tagesritt eingerichtet, so dass eine Strecke von 2.400 Kilometern durch regelmäßigen Pferdewechsel in 7 bis 14 Tagen abgeritten werden konnte. 1.800 Jahre später führte Dschingis Khan, dessen Reiter etwa 240 Kilometer am Tag zurücklegten, ein ähnliches System ein. mini|Ein Reiter des Pony Express, 1861.|alt=Ein schwarz-weiss Foto zeigt einen sehr jungen Mann zu Pferd in einem Cowboy-Dress mit voll beladenem Packpferd. Der legendäre Pony-Express wurde 1860 eröffnet: Eine Reihe von Reitern beförderte Post zwischen Missouri und San Francisco, zum Teil durch Gebiete, in denen feindselige Indianer lebten – auf einer Gesamtstrecke von 3.145 Kilometern durch Missouri, Kansas, Nebraska, Colorado, Wyoming, Utah und Nevada nach Sacramento in Kalifornien. Zu seiner Blütezeit hatte der Pony-Express 100 Reiter, 190 Relaisstationen, 400 Angestellte entlang der Strecke und setzte im Laufe von nur zehn Tagen 400 Pferde ein. Der schnellste Ritt ging über eine Strecke von 193 km in 8 Stunden und 10 Minuten. Wegen der großen Verluste bestand der Pony-Express nur zwei Jahre.
Zu einem eigenständigen Sport wurde das Distanzreiten vermutlich zum Ende des 19. Jahrhunderts in Europa. Es wurden, forciert durch das Militär, einige harte Rennen geritten, zum Teil mit fatalen Folgen, denn viele Pferde starben an Erschöpfung. Das längste Rennen der Art war der Distanzritt Wien-Berlin (Berlin-Wien) 1892, ca. 572 km, an dem Soldaten der Deutschen und der Österreichisch-Ungarischen Armee teilnahmen. Das Rennen wurde mit einer Zeit von 71 Stunden und 27 Minuten gewonnen; der Sieger war bis auf kurze Rasten von insgesamt ca. 11 Stunden ununterbrochen unterwegs. Bis zum Ende der darauf folgenden Woche waren 25 Pferde aus dem Teilnehmerfeld, darunter auch das des Siegers, verendet. Distanzreiten geriet als Sportart dadurch in Verruf, auch zeigte das Militär kein Interesse mehr daran, weil mit Eisenbahn, Automobil und Fahrrad schnellere Transportmittel zur Verfügung standen.
Wesentlich zum Comeback des Distanzreitens beigetragen hat der erste in der Nachkriegszeit, seit 1955 in fast ununterbrochener Folge bis in die Gegenwart ausgerichtete moderne, mit Tierarztkontrollen ausgestattete Distanzritt Western States Trail Ride 100 Miles One Day (genannt Tevis-Cup) von Robie Park beim Lake Tahoe durch die Sierra Nevada nach Auburn in Kalifornien. In Deutschland fanden die ersten Distanzritte in der Nachkriegszeit 1969 in Ankum statt, veranstaltet durch den Equitana-Gründer Wolf Kröber. Bei diesen ersten Ritten (50 km) gab es aber wiederum tote Pferde. Der erste deutsche Hundertmeiler war der durch den Feuerkreis veranstaltete Ritt Hamburg–Hannover (seit 1974). Feuerkreis und Fachgruppe Distanzreiten BRD (Vorläufer des Verein Deutscher Distanzreiter (VDD)) gaben sich erste Regelwerke, in deren Mittelpunkt der Schutz der Pferde standen.
Distanzen In Deutschland werden Distanzwettbewerbe nach der Länge der zu reitenden Strecke in Einführungsritte (ER), Kurze Distanzritte (KDR), Mittlere Distanzritte (MDR) und Lange Distanzritte (LDR) klassifiziert. Das deutsche Reglement sieht folgende Einteilung vorVDD: (PDF; 128 kB), Seite 2. Abruf: 17. Dezember 2010: Eintageswettbewerbe Mehrtageswettbewerbe Einführungsritte 25–40 km 25–34 km Kurze Distanzritte 41–60 km 35–49 km Mittlere Distanzritte 61–80 km 50–59 km Lange Distanzritte ab 81 km ab 60 km In Amerika erfolgt die Klassifizierung in limited distance (22–30 Meilen, 35–48 km) als Einstieg – nicht in allen Staaten erfolgt eine Platzierung, damit der Trainingscharakter für Pferd und Reiter gewährleistet ist – und endurance (50 und 100 Meilen, 80 bzw. 160 km, zuweilen auch 75 Meilen).
In der Schweiz gibt es eine Einsteiger Klasse namens Endurance Light (EL) und Endurance-Ritte mit vorgeschriebener Geschwindigkeit (EVG) in vier Klassen. Die Platzierung erfolgt nach Zeit und Herzfrequenz des Pferdes bei der tierärztlichen Endkontrolle nach dem Ritt. Bei Concours d'endurance national (CEN) Wettbewerben gewinnt jeweils das schnellste Pferd in der Wertung.
Pferde und Reiter müssen mit der einfachsten Konkurrenz beginnen (EVG 1) und sich nach und nach für die schwierigeren Wettbewerbe qualifizieren. Ausgabe 2007, Stand: 1. Januar 2013 Nach jeder Etappe erfolgt eine Verfassungskontrolle. Außerdem werden die Pferde getränkt und zur Kühlung mit kaltem Wasser abgewaschen.
Länge Etappen Geschwindigkeit EL 15–25 km 1 Etappe 7–12 km/h EVG 1 25–39 km 1 Etappe 8–13 km/h EVG 2 40–59 km 2 Etappen 10–15 km/h EVG 3 60–79 km mehrere Etappen 10–15 km/h EVG 4 80–90 km mehrere Etappen 10–15 km/h CEN* 80–119 km min. 12 km/h CEN** 120–139 km od. 2 × 80 km in 2 Tagen min. 12 km/h CEN*** 140–160 km od. 2 × 100 km in 2 Tagen min. 12 km/h
In verschiedenen anderen Ländern werden Qualifikationen verlangt, um auf längeren Ritten oder Fahrten starten zu dürfen, in Deutschland ist dies nicht so.
Tempo und Zeit Der Reiter versucht eine optimale Durchschnittsgeschwindigkeit zu erzielen. Nach Erhalt der Startunterlagen informiert er sich anhand der angefügten Karte über das zu erwartende Gelände: Berge, Straßen und steinige Wege lassen beispielsweise kein schnelles Reiten zu, hingegen kann auf offenem Gelände und guten Wegen ein hohes Tempo anvisiert werden. Auf Basis der Informationen über die Strecke berechnet der Reiter die erreichbare Geschwindigkeit.
Den Reitinformationen kann man entnehmen, wie viele Kontrollpunkte der Betreuer anfahren kann, um das Pferd und den Reiter zu verpflegen und zu kühlen. Auch dieser Ablauf muss zeitlich abgestimmt sein. Reiter und Betreuer arbeiten idealerweise mit aufeinander abgestimmten Stoppuhren.
Lange Distanzwettbewerbe werden in Deutschland grundsätzlich nach Zeit gewertet, d. h. es gewinnt der Reiter, der die kürzeste Zeit benötigt, um ins Ziel zu gelangen. Auch bei Kurzen und Mittleren Distanzen ist eine Zeitwertung möglich. Alle Distanzwettbewerbe, die ausschließlich nach Zeit gewertet werden, können auch als „Distanzrennen“ bezeichnet werden.
In der Ausschreibung muss nach deutschem Reglement für jeden Wettbewerb eine Höchstzeit festgelegt werden, die nicht überschritten werden darf. Diese orientiert sich bei Mittleren und Langen Distanzwettbewerben an der zu erwartenden Bestzeit, die verdoppelt wird. Dabei wird Tempo 7 bis 9 als zu erwartender Wert betrachtet. Bei Einführungsritten und Kurzen Distanzwettbewerben wird die Höchstzeit, je nach Geländebeschaffenheit, bei Tempo 8 bis 12 angesetzt.VDD: (PDF; 128 kB), Seite 14–15. Abruf: 17. Dezember 2010 Die Tempoangaben T1 bis T12 geben Auskunft über die Minuten, die pro zurückzulegendem Kilometer benötigt werden: T1 bedeutet etwa eine Minute, T12 steht für ca. 12 Minuten pro Kilometer.
Auch in den USA ist die Zeit für Distanzritte begrenzt. Die erlaubte Höchstzeit für Limited Distance liegt bei 6 Stunden, bei Endurance-Wettbewerben dürfen 12 Stunden für 80 km und 24 Stunden für 160 km nicht überschritten werden. Die schnellsten Ritte für 160 km liegen je nach den Bedingungen meist bei 8–10 Stunden.
Gangarten Die vorherrschende Gangart ist ein schneller Trab, der zuweilen vom Galopp oder Schritt für ein paar Minuten unterbrochen wird. Die durchschnittliche Geschwindigkeit darf des Zeitlimits wegen einen langsamen Jog nicht unterschreiten, 15–20 km/h im Trab sind aber durchaus üblich, oft bergauf und bergab gleichermaßen. Der Bewegungsablauf eines Pferdes, das auf lange Distanzen eingesetzt werden soll, ist von herausragender Bedeutung und weitgehend vom Körperbau des Pferdes abhängig. Der Idealfall ist ein Pferd, das lange, bodendeckende Schritte macht und sich dabei gelöst und mühelos bewegt. Die Gliedmaßen sollen auf gerader Linie nach vorn gebracht und jedes Gelenk vollständig abgebeugt werden – von hinten muss in der Bewegung die Unterseite jedes einzelnen Hufs zu sehen sein. Den Bewegungsablauf kann man am besten beurteilen, wenn man sich das im Schritt oder Trab geführte Pferd von vorn oder auch hinten ansieht. Das ist bei der ärztlichen Untersuchung, vor dem Start, teils während des Rennens und nach Beendigung des Distanzrittes möglich.
Verfassungskontrollen miniatur|Vortraben bei einer Verfassungskontrolle miniatur|Pulsmessung durch den Tierarzt