mini|Friedhofskreuz aus dem späten 19. Jahrhundert (2008) mini|Das Eingangsgebäude an der Hartäckerstraße (2011) Der Döblinger Friedhof ist ein Friedhof im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling.

Lage Der Döblinger Friedhof liegt im Süden von Döbling an der Grenze zum Bezirk Währing in der Katastralgemeinde Oberdöbling, Hartäckerstraße 65. Der Friedhof wird im Westen von der Felix-Dahn-Straße, im Süden von der Peter-Jordan-Straße, im Osten von der Borkowskigasse und im Norden von der Hartäckergasse begrenzt. Der Friedhof umfasst eine Fläche von 49.981 Quadratmetern und beherbergt 6.853 Grabstellen.

Geschichte Ältere Döblinger Friedhöfe Während die Verstorbenen Unterdöblings auf dem „Freythof von Heiligenstadt“ bestattet wurden, beerdigte man die Toten aus Oberdöbling ursprünglich um die Döblinger Kirche. Der Döblinger Friedhof wurde 1781 erweitert und bis 1783 belegt. Im Zuge des Abbruchs und Neubaus der Kirche wurde der Friedhof um die Pfarrkirche vermutlich 1826 aufgelassen.

An Stelle des Friedhofes um die Döblinger Kirche wurde im Zuge der Erhebung zur selbständigen Pfarre ein neuer Friedhof gegründet. Der Friedhof war neben den verstorbenen Einwohnern von Oberdöbling nun auch für die Verstorbenen aus Unterdöbling bestimmt, das der Döblinger Pfarre zugeschlagen worden war. Angelegt wurde der Friedhof am Rand von Unterdöbling an der Straße nach Grinzing, der heutigen Billrothstraße. Auf Grund der steigenden Belegung musste der Friedhof 1885 geschlossen werden. Er wurde 1928 in den Strauss-Lanner-Park umgewandelt; die Namensgebung ist der Tatsache geschuldet, dass sich hier die ursprünglichen Gräber von Johann Strauss (Vater) und von Josef Lanner befanden; die sterblichen Überreste beider Musiker wurden jedoch 1904 in den Wiener Zentralfriedhof transferiert.

Der neue Döblinger Friedhof mini|Israelitische Abteilung (2008) mini|Abteilung der Döblinger Klosterschwestern (2008) Die Erlaubnis zur Gründung eines neuen Friedhofs wurde den Gemeinden Ober- und Unterdöbling am 28. April 1880 durch die k. k. Bezirkshauptmannschaft Hernals erteilt. Als Ort für die neue Friedhofsanlage war ein Grundstück auf der Türkenschanze gewählt worden. Das Grundstück hatte die Form eines Rhomboids und umfasste 7,5 Joch. Die Anlage wurde von den Architekten Avanzo und Lange geplant und sollte nach der Planung Raum für die Bestattung von 30.000 Verstorbenen bieten. Die Eröffnung des Friedhofs erfolgte am 10. Juni 1885 durch den Döblinger Pfarrer Wilhelm Hulesch.

Der Döblinger Friedhof stand allen Konfessionen offen. Nach Eröffnung der Israelitischen Abteilung 1888 wurde am 13. Februar 1894 vom Stadtrat auch eine Begräbnisstätte für moslemische Soldaten des k. k. Militär-Territorial-Commandos genehmigt. Die moslemische Abteilung hatte eine Fläche von 404,4 Quadratmetern für 40 Einzelgräber. Die Fläche wurde zunächst für 20 Jahre genehmigt und 1900 um 157 Quadratmeter erweitert. Neben konfessionellen Minderheiten und den Toten der beiden Gemeinden Ober- und Unterdöbling wurden auf dem Döblinger Friedhof auch Verstorbene der Stadt Wien bestattet, da viele Wiener nicht auf dem Zentralfriedhof bestattet werden wollten und die Vorortgemeinden dadurch große Gewinne erzielen konnten.

Friedhofserweiterungen Der Friedhof wurde zwischen 1899 und 1901 um 15.584 Quadratmeter erweitert. Die Grundstücke hierfür wurde teilweise gekauft oder enteignet. 1906 erfolgte eine erneute Erweiterung des Friedhofgeländes um 9.334 Quadratmeter auf 57.271 Quadratmeter. Zudem wurde die Israelitische Abteilung durch einen bisher ungenutzten Friedhofsteil vergrößert. Die bereits bestehende Leichenhalle wurde zwischen 1907 und 1908 renoviert und eine Einsegnungskapelle errichtet. Da der Döblinger Friedhof nicht mehr erweitert werden konnte, bestimmte man 1911 den Grinzinger Friedhof zum Ersatzfriedhof. Aus Platzmangel mussten ab April 1917 die Toten des zugehörigen Sprengels auf dem Ersatzfriedhof bestattet werden. Erst als 1920 das Staatsamt für Heereswesen auf die weitere Beerdigung moslemischer Soldaten verzichtete, konnten auf dem freigewordenen Friedhofsteil neue Grabanlagen errichtet werden. Eine neuerliche Anlage von eigenen Gräbern erfolgte erst wieder zwischen 1929 und 1931. Durch die 1961 durchgeführten Sanierungsarbeiten konnten heimgefallene und verwahrloste Grabstellen zurückgewonnen und neu vergeben werden.

Israelitische Abteilung Das prominenteste Grab in der 1888 eingerichteten israelitischen Abteilung, auf der vom Eingang aus gesehen linken Seite, ist das von Theodor Herzl, dessen sterbliche Überreste allerdings 1949 (45 Jahre nach seinem Tod) nach Israel überführt wurden.

Gebäude 1925 wurde die Leichenhalle umgestaltet und ein zweiter Aufbahrungsraum geschaffen. Eine weitere Umgestaltung erfolgte 1931. 1969 wurde in die Beisetzkammer eine Kühlanlage eingebaut. Der Umbau der Aufbahrungshalle erfolgte zwischen 1971 und 1972 nach Plänen des Architekten Erich Boltenstern, die Rückwand der Apsis wurde durch den akademischen Maler Hermann Bauch gestaltet. Der Aufbahrungsraum, in dem auch Kremationsfeiern abgehalten werden können, hat ein Fassungsvermögen von maximal 160 Personen.

Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten Ehrenhalber gewidmete Gräber mini|hochkant|Karl Fellinger mini|hochkant|John Haswell mini|hochkant|Theodor Herzl (1949 nach Jerusalem überführt) mini|hochkant|Maximilian Leidesdorf mini|hochkant|Erich und Gustav von Tschermak-Seysenegg

Der Döblinger Friedhof weist 67 ehrenhalber gewidmete Gräber auf.

Name Lebensdaten Tätigkeit Rudolf Auspitz 1837–1906 Politiker und Nationalökonom Josef Bergauer 1880–1947 Schriftsteller Helene Bettelheim-Gabillon 1857–1946 Schriftstellerin Lorenz Böhler 1885–1973 Chirurg, Begründer der modernen Unfallchirurgie Carl von Borkowski 1829–1905 Architekt Alfred Burgau 1897–1964 Schauspieler Hugo Charlemont 1850–1939 Maler Egmont Colerus 1888–1939 Schriftsteller Josef Danilowatz 1877–1945 Maler Babette Devrient-Reinhold 1863–1940 Theater- und Filmschauspielerin Richard Eybner 1896–1986 Schauspieler Karl Fellinger 1904–2000 Mediziner Theodor Gomperz 1832–1912 Philosoph und Schriftsteller Caroline von Gomperz-Bettelheim 1845–1925 Opernsängerin Ernst Haeusserman 1916–1984 Theaterdirektor und Regisseur Ludo Hartmann 1865–1924 Politiker und Volksbildner John Haswell 1812–1897 Ingenieur und Eisenbahn-Konstrukteur Kurt Heintel 1924–2002 Schauspieler Theodor Herzl (1949 nach Jerusalem übergeführt) 1860–1904 Schriftsteller und Begründer des modernen Zionismus Anton Hlavaček 1842–1926 Maler Barbara Issakides 1914–2011 Pianistin Josef Kainz 1858–1910 Schauspieler Theodor Kern 1858–1919 Mährischer Industrieller und Unternehmer Franz Kopallik 1860–1931 Maler Florian Kratschmer von Forstburg 1843–1922 Militärarzt und Hygieniker Ernst Lecher 1856–1926 Physiker Maximilian Leidesdorf 1816–1889 Psychiater Adolf von Lieben 1836–1914 Chemiker, Onkel von Robert von Lieben Konrad Loewe 1856–1912 Burg- und Hofschauspieler Julius Mannaberg 1860–1941 Mediziner Heinz Moog 1908–1989 Schauspieler Engelbert Mühlbacher 1843–1903 Historiker und Diplomatiker Mária Németh (verehel. Grünauer) 1897–1967 Opernsängerin Heinrich Obersteiner 1847–1922 Neurologe und Psychiater Georg Oeggl 1900–1954 Opernsänger Alfred Orel 1889–1967 Musikwissenschaftler Hertha Pauli 1906–1973 Schauspielerin, Autorin und Journalistin Hans Robert Pippal 1915–1998 Maler Erwin Ratz 1898–1973 Musikwissenschaftler Josef Redlich 1869–1936 Jurist und Politiker Oswald Redlich 1858–1944 Historiker Rudolf Ribarz 1848–1904 Maler Ferdinand von Saar 1833–1906 Schriftsteller Ferdinand Schmutzer 1870–1928 Grafiker, Fotograf und Porträtmaler Egon Schweidler 1873–1948 Physiker Kurt Sowinetz 1928–1991 Schauspieler Otto Tressler 1871–1965 Schauspieler Erich Tschermak 1871–1962 Genetiker und Botaniker Gustav Tschermak 1836–1927 Mineraloge Eduard Veith 1858–1925 Maler Eduard Volters 1904–1972 Schauspieler Rudolf Weyr 1847–1914 Bildhauer Emil Zuckerkandl 1849–1910 Anatom und Anthropologe

Gräber weiterer Persönlichkeiten mini|hochkant|Emil und Jella Hertzka mini|hochkant|Familie Lieben mini|hochkant|Heinrich Reinhardt mini|hochkant|Carl Skoda Weitere Persönlichkeiten, die am Döblinger Friedhof begraben sind: