mini|hochkant=1.3|Der ehemalige Bahnhof Warmensteinach wird heute als Rathaus genutzt Warmensteinach ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bayreuth. Der Luftkurort liegt etwa 15 Kilometer östlich von Bayreuth im Fichtelgebirge.

Geografie Geografische Lage Warmensteinach liegt am Zusammenfluss der Warmen Steinach und des Moosbachs (früher Kalte Steinach). Der 50. Breitengrad verläuft durch den Gemeindeteil Warmensteinach.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Kirchenpingarten, Weidenberg, Bischofsgrün, Fichtelberg und Goldkronach.

Gemeindegliederung Es gibt 18 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Das ehemalige Dorf Kaltensteinach zählt seit 1818 zum Gemeindeteil Warmensteinach.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Goldkronacher Forst (nur Gemarkungsteil 3), Mähring, Oberwarmensteinach, Sophienthaler Forst (nur Gemarkungsteil 1), Warmensteinach, Warmensteinacher Forst-Nord (nur Gemarkungsteil 1) und Warmensteinacher Forst-Süd. Die Gemarkung Warmensteinach hat eine Fläche von 3,119 km² und ist in 1361 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Brunnenhaus, Neuwelt, Neuwerk, Pfeiferhaus und Zainhammer.

Geotope Höllfelsen bei Oberwarmensteinach (Geotop-Nummer 472A010).

Geschichte Bis zur Gemeindegründung mini|Die ehemalige Grenze zwischen dem Fürstentum Bayreuth und dem Kurfürstentum Bayern im heutigen Warmensteinach Die Nennung der „Zwissel“, des Zusammenflusses von Kalter Steinach (heute Moosbach) und Warmer Steinach, im Lehenbuch des Burggrafen Johann III. aus dem Jahr 1402, gilt als erste urkundliche Erwähnung der Gegend um Warmensteinach. Im Südosten der Zwissel grenzte die Oberpfalz an den Zusammenfluss, im Westen war es das Territorium der Burggrafen von Nürnberg und deren Rechtsnachfolgern, den Markgrafen von Bayreuth.

1536 wurde diese Grenze nach jahrhundertelangen Streitigkeiten festgelegt und durch Grenzsteine markiert. Der Name des Gemeindeteils Grenzhammer erinnert an die für Jahrhunderte bedeutsame Grenze, die politisch, sprachlich, konfessionell und ethnisch trennte.Zwangsehen und glückliche Scheidungen in: Nordbayerischer Kurier vom 28./29. Juli 2018, S. 26. Unterhalb von Grenzhammer steht noch eine Säule, die auf der einen Seite die weißblauen bayerischen Rauten, auf der anderen das schwarzweiße Hohenzollernwappen trägt. Der Paschenweiher unweit von Karches hat seinen Namen von einer alten Schmugglerroute.Ernste und schaurige Geschichten in: Nordbayerischer Kurier vom 8. Oktober 2019, S. 17.

Diese Grenzziehung entsprach lange Zeit der Konfessionsgrenze zwischen katholischer und evangelischer Religionszugehörigkeit und der Dialektgrenze zwischen dem Fränkischen und dem Bairischen. Die Bewohner von Warmensteinach waren evangelisch, die von Oberwarmensteinach und Fleckl hingegen katholisch. In Warmensteinach und Oberwarmensteinach gibt es noch unterschiedliche Dialektausdrücke für dasselbe Wort. Vom Osten her machte sich der Einfluss der Stadt Eger bemerkbar. Die Zwissel ist in Warmensteinachs Ortswappen dokumentiert.

Der Ort selber wurde 1558 als „Steinach“ erstmals schriftlich erwähnt. Die Benennung erfolgte nach dem Flussnamen.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 234.

Entlang der Steinach nutzten Mühlen und Hammerwerke die Wasserkraft. Auf der Hellen Glocke und am Eisenberg wurde Bergbau betrieben. Aus einem Bericht des Johann German Barbing an den Kurfürst Ferdinand Maria vom 16. Januar 1666 heißt es: „Warmenstainach. Der Hammer zu W. ist Hans Paur gehörig, gleichfalls gangbar und ermeldetem von Altmanshausen ‚verbstandt‘ ist, worauf meistens ‚Sündter‘ geschmiedet wird. — Auch ein Drahthammer ist in W., gehört Michael Schenkl, ist gangbar.“Denk, Julius: Beiträge zur Geschichte des Berg- und Hammerwesens in der churfürstlichen Oberpfalz. 1902, S. 187.

Warmensteinach bildete mit Neuwelt eine Realgemeinde. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Warmensteinach 73 Anwesen (1 Schneidmühle, 1 Draht- und Schneidmühle, 1 Waffenhammer, 1 Hüttenhaus, 13 Güter, 10 Halbgüter, 13 Gütlein, 4 Halbgütlein, 1 Söldengut, 1 Halbsöldengut, 1 Söldengütlein, 1 geringes Gut, 1 Wirtshaus, 9 Tropfhäuser, 4 Häuser, 9 Häuslein, 2 Knopfhüttengüter). Die Hochgerichtsbarkeit stand dem bayreuthischen Stadtvogteiamt Bayreuth zu. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft über sämtliche Anwesen hatte das Amt Weidenberg.R. Winkler: Bayreuth, S. 397.

Als Teil des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth kam Warmensteinach im Frieden von Tilsit zu Frankreich und wurde 1810 an das Königreich Bayern verkauft. Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Neustadt am Kulm.

1812 wurde infolge des Gemeindeedikts der Steuerdistrikt Warmensteinach gebildet. Außer dem Hauptort gehörten hierzu Brunnenhaus, Kaltensteinach, Neuhaus, Neuwelt, Neuwerk, Sonnengrün und Zainhammer.R. Winkler: Bayreuth, S. 496. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Warmensteinach, zu der Brunnenhaus, Neuwelt, Neuwerk und Zainhammer gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Weidenberg zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Bayreuth (1919 in Finanzamt Bayreuth umbenannt). Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde Kaltensteinach eingemeindet. Etwas später wurde auf dem Gemeindegebiet das Pfeiferhaus gegründet. Ab 1862 gehörte Warmensteinach zum Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Weidenberg (1879 in Amtsgericht Weidenberg umgewandelt), seit 1931 ist das Amtsgericht Bayreuth zuständig.R. Winkler: Bayreuth, S. 486. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 3,061 km².

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Mai 1978 die Gemeinde Oberwarmensteinach eingegliedert. Eine Fläche von 9,1954 km² des gemeindefreien Gebietes Warmensteinacher Forst-Nord wurde zum 1. Januar 2013 in die Gemeinde Warmensteinach umgegliedert. Zum 1. Januar 2019 kam der 588,77 Hektar große Ostteil des gemeindefreien Gebiets Goldkronacher Forst hinzu., Nr. 9/2018

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 2531 auf 2245 um 286 bzw. um 11,3 %. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 1992 mit 2797 Einwohnern erreicht.

Gemeinde Warmensteinach Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 1995 2001 2005 2010 2015 2020Einwohner 616 913 989 974 1053 1092 1103 1056 1075 990 1123 1058 1053 1017 921 1016 1039 1048 1572 1833 2056 2023 2571 2696 2491 2371 2173 2279 2211HäuserEs werden nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2020 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 75 101 101 107 112 134 193 314 760 722 729Quelle

Ort Warmensteinach Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 616 889 994 973 964 933 1826 2004 2004 1770Häuser 75 93 104 126 186 307 466Quelle

Politik Gemeinderat Die Kommunalwahlen 2002, 2008, 2014, 2020 und 2026 führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat:

Partei / Wählergruppe 2002 2008 2014 2020 2026 CSU 3 5 4 4 4 SPD 3 3 2 4 4 Wählergemeinschaft Freie Wähler Warmensteinach/Oberwarmensteinach 3 3 4 6 6 Besseres Warmensteinach 5 3 4 - - Gesamt 14 14 14 14 14

Bürgermeister Zum Bürgermeister wurde 2014 in einer Stichwahl mit 55,2 % der Stimmen Axel Herrmann von der Wahlgemeinschaft Freie Wähler Warmensteinach/Oberwarmensteinach gewählt. Sein Vorgänger war Andreas Voit (CSU). Herrmann trat 2026 nicht mehr an. Sein Nachfolger wurde mit 90,9 % der Stimmen Sebastian Zwenzner von der Wählergemeinschaft Freie Wähler Warmensteinach/Oberwarmensteinach.

Finanzen Im Jahr 2017 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 1.866.000 Euro. Davon waren 560.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto).

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist blau-weiß-grün.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|hochkant|Schienenbus im Bahnhof Warmensteinach, 1987 Wirtschaft Die Glasherstellung war für den Ort über viele Jahrhunderte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Diese Tradition erneuerte sich durch Heimatvertriebene der Gablonzer Glasindustrie.

Nach der amtlichen Statistik gab es im Jahr 2017 im produzierenden Gewerbe 217 und im Bereich Handel und Verkehr 88 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In Dienstleistungsunternehmen waren am Arbeitsort 26 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 750. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zwei, im Bauhauptgewerbe ein Betrieb. Zudem bestanden fünf landwirtschaftliche Betriebe, die eine Fläche von 1066 Hektar landwirtschaftlich nutzten.

Die Wasseraufbereitungsanlage im LöchleinstalTrinkwasseraufbereitung Bayreuth – Wasserwerk Löchleinstal bei shp-ib.de (PDF; 501 kB), abgerufen am 20. März 2020 zwischen Warmensteinach und Grassemann liefert 20 Prozent des Trinkwasserbedarfs von Bayreuth.Wasser für die Stadt in: Nordbayerischer Kurier vom 19. März 2020, S. 15.

Verkehr Die Staatsstraße 2181 führt über Oberwarmensteinach nach Fichtelberg (5,5 km östlich) bzw. nach Weidenberg (7 km südwestlich). Die Kreisstraße BT 9 führt nach Grassemann zur Kreisstraße BT 4 (2,5 km nördlich).

Der Eisenbahnverkehr auf dem Abschnitt Weidenberg–Warmensteinach der Bahnstrecke Bayreuth–Warmensteinach ruht „aus technischen Gründen“ seit dem 1. Januar 1993, die Strecke wurde aber nicht stillgelegt.

Tourismus mini|Warmensteinach im Sommer mini|Badeweiher des Naturmoorbades Mit Beginn des 20. Jahrhunderts und den durch den Eisenbahnanschluss verbesserten Verkehrsverhältnissen etablierte sich in Warmensteinach ein florierender Tourismus. Zahlreiche Gästebetten in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Privatunterkünften entstanden. Der staatlich anerkannte Luftkurort Warmensteinach, mit seinen Gemeindeteilen Oberwarmensteinach und Fleckl, liegt in 550–750 m Höhe am Südhang des 1024 m hohen Ochsenkopfes. Rund 2000 Gästebetten in Hotels, Gasthöfen, Pensionen und Ferienwohnungen stehen dem Gast zur Verfügung. Warmensteinach liegt im Naturpark Fichtelgebirge, der durch eine abwechslungsreiche Mittelgebirgslandschaft gekennzeichnet ist. Eine moderne Seilschwebebahn bringt die Gäste auf den Hausberg Ochsenkopf. Als Freizeitspaß geht es auf der DévalKart-Bahn in rasanter Fahrt im Sommer, auf der Skipiste oder der Sommerrodelbahn am Ochsenkopf im Winter, den Berg herunter. Es gibt im Ort Tennisplätze, Kegelbahnen, Kneipptretbecken, ein Freibad und das idyllisch im Wald gelegene Naturmoorbad Fleckl. Sechs Schlepplifte, von denen zwei mit Flutlicht und modernen Beschneiungsanlagen ausgestattet sind, sowie eine doppelsitzige Seilschwebebahn erschließen dieses Skigebiet. 80 km ausgebaute Skiwanderloipen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden stehen kostenlos zur Verfügung. Für die Fußgänger werden 30 km geräumte Winterwanderwege angeboten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Musik Zum Auftakt der Bayreuther Festspiele finden im August in Zusammenarbeit mit dem Festival junger Künstler Bayreuth in Kirchen, im Kurpark und im Freilandmuseum musikalische und literarische Aufführungen statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Sport mini|Warmensteinach im Winter Warmensteinach liegt in einer Wander- und Mountainbikeregion. Es verfügt über zahlreiche, gut markierte Wanderwege, meist Rundwanderwege, zusätzlich durchqueren mehrere Weitwanderwege das Gebiet.