Microsoft Windows (englische Aussprache []) bzw. Windows ist eine Reihe proprietärer grafischer Betriebssystemfamilien von Microsoft.

Allgemeines und Begriff Der Begriff Windows (englisch, Plural für „Fenster“) ist eine Bezeichnung für Software-Oberflächenelemente und geht auf das in den frühen 1970er Jahren im Xerox PARC entwickelte WIMP-Paradigma (Window, Icon, Menu, Pointing-Device) für den Aufbau von Benutzerschnittstellen zurück. Microsoft Windows gehört zu den grafischen Betriebssystemen, die dieses Paradigma umsetzen. Oft steht Windows – wie auch der Begriff Windows-PC für Windows auf der x86-Architektur des ursprünglichen IBM PC – als Plattform und Spieleplattform für Programme und Computerspiele, die unter Windows-Versionen laufen, die zur Zeit ihrer Veröffentlichung unterstützt wurden. Als Windows CE wird das Betriebssystem auch in eingebetteten Geräten eingesetzt; es ist außerdem Betriebssystem aller Generationen der Xbox-Konsolen.

Windows-Programme bzw. Windows-Spiele können auch unter neueren (selten auch älteren) Versionen von Windows genutzt werden, obwohl weder Microsoft noch der Hersteller dafür Gewährleistungen abgeben. Teils gibt es auch Updates oder Patches, die Kompatibilität zu einer neueren (oder älteren) Windows-Version herstellen.

Das ursprüngliche Windows der 1980er Jahre war eine grafische Erweiterung für die PC-Plattform und PC-kompatibles DOS, allen voran MS-DOS (als „DOS-PC“ mit dem nahezu identischen PC DOS als Referenz-Plattform). Ähnliche konkurrierende Systeme waren beispielsweise das klassische Mac OS (von dem es inspiriert war), GEM oder PC/GEOS. Dieser ursprüngliche grafische DOS-Aufsatz wurde mit Windows 95 um einen überarbeiteten Kernel, der 32-Bit-Windows-API Win32 (für , Programmierschnittstelle) und Internetfähigkeit erweitert und bis zur von Ende 2000 weitergeführt. Für derartige Windows-Betriebssysteme, die auf ein integriertes und mitgeliefertes MS-DOS angewiesen sind, hat sich die Sammelbezeichnung Windows 9x etabliert.

Parallel zur „DOS-Linie“ wurde unter der Leitung von David N. Cutler ab 1988 das auf den Konzepten des Betriebssystems VMS basierende Windows NT entwickelt und als modernere Alternative neben Windows 3.x bzw. Windows 9x positioniert. Da die „NT-Linie“ aber in den 1990er Jahren Ansprüche an die Hardware stellte, die im Umfeld der Heimanwender nicht erfüllbar schienen, konnte Windows 9x trotz der eindeutigen technischen Schwächen durch das DOS-basierte Fundament erst mit der Veröffentlichung von Windows XP 2001 endgültig durch das modernere System ersetzt werden. Seither vertreibt Microsoft für den Desktop nur noch das auf der „NT-Linie“ basierende Windows, das fortan ohne „NT“ im Namen als Microsoft Windows fortgeführt wird.

Windows-Betriebssysteme sind vor allem auf (nicht nur, aber großteils IBM-PC-kompatiblen) Personal Computern, Workstations und Servern verbreitet; daneben existieren Varianten für Geräte wie Smartphones oder PDAs sowie für spezielle Embedded Devices wie etwa vollelektronische Messgeräte und Einzelhandels-Kassensysteme oder für die Anwendung in Kraftfahrzeugen. Kevin Turner, der Chief Operating Officer von Microsoft, nannte auf der Worldwide Partner Conference 2014 einen Gesamt-Marktanteil von 14 Prozent für alle Windows-Varianten. Der weltweite Marktanteil des aktuellen Betriebssystems Windows 10 auf allen Computern lag im Oktober 2020 bei 62,16 %.Statista, abgerufen am 6. Mai 2021 Marktanteile der führenden Betriebssysteme weltweit im Oktober 2020

Entwicklung mini|System-1-Menüs (Macintosh, englisch): zu erkennen ist ganz rechts (abgeschnitten) das Spezial-Menü. mini|hochkant=1.7|Bildschirmfoto von Windows 1.03 (deutsch) mit geöffnetem Menüpunkt „Spezial“ Ursprünglich entwickelte das US-amerikanische Unternehmen Microsoft, mit Ausnahme von Xenix, welches bereits 1980 veröffentlicht wurde, seit Mitte der 1970er-Jahre BASIC für Heimcomputer, das in vielen Modellen – unter anderem im Altair 8800 und im Commodore 64 – die Rolle des Betriebssystems einnahm. Mit MS-DOS brachte Microsoft ein Betriebssystem heraus, das auf der neuen IBM-kompatiblen PC-Architektur verwendet werden konnte. Von seinen Wurzeln in BASIC sagte sich das Unternehmen aber nie gänzlich los und entwickelte unter anderem BASICA für PC DOS und GW-BASIC für MS-DOS. Weitere Anwendungen folgten; unter anderem später QuickBASIC und Visual Basic, dessen erste Version für MS-DOS erschien.

Auch für Apple steuerte Microsoft bereits einen BASIC-Interpreter bei, sowie die Anwendungsprogramme Word und Multiplan (dem Vorgänger von Excel), die ebenfalls für den Macintosh entwickelt wurden. Inspiriert vom grafischen Betriebssystem von Apple, der Macintosh System Software, das wiederum vom Computer mit dem ersten grafischen Betriebssystem überhaupt – dem Xerox Alto – inspiriert war, entwickelte Microsoft daraufhin die eigene, auf DOS basierte grafische Oberfläche „Interface Manager“, die kurz vor der Veröffentlichung der Version 1.0 1985 in „Windows“ umbenannt wurde.

Schon im Vorfeld drängte Microsoft Apple dazu, die grafische Benutzeroberfläche der Apple Lisa an andere PC-Hersteller zu lizenzieren. Doch Apple wollte nicht auf die eigenen Hardware-Verkäufe verzichten, da rund 55 % der Einnahmen aus den Verkäufen von Apple-Computern stammten. Diese Computer folgten nicht dem IBM-Standard.

Als der damalige CEO von Apple, John Sculley, Windows 1.0 sah, wollte er Microsoft sofort verklagen. Doch Bill Gates setzte Sculley unter Druck, indem er damit drohte, die weit verbreiteten Macintosh-Anwendungen Word und Excel sofort einzustellen, wenn Apple nicht zu Zugeständnissen bereit sei. Obwohl sowohl Apple als auch Microsoft die grafische Benutzeroberfläche, (GUI), von Xerox lizenziert hatten, sah Windows 1.0 in einigen Details dem Macintosh-Betriebssystem nur allzu ähnlich – bis hin zum „Spezial“-Menü, das der Macintosh zuerst hatte. Microsoft hatte Prototypen des Macintosh sowie den Quelltext seines System Software genannten Betriebssystems erhalten, um Anwendungsprogramme für die Apple-Plattform zu entwickeln. Microsoft hingegen argumentierte, dass mit der Entwicklung des „Interface Manager“ bereits 1983 begonnen wurde – also noch bevor man den Prototyp des Macintosh zur Verfügung hatte. John Sculley, dem es wichtig war, Anwendungen von Drittherstellern auf der Macintosh-Plattform zu etablieren und der daher auf Word und Excel nicht verzichten wollte, ließ sich am 22. November 1985 schließlich auf einen Vertrag ein, der es Microsoft erlaubte, Windows 1.0 trotz aller Ähnlichkeit zur „System Software“ des Macintosh zu veröffentlichen. Als fast drei Jahre später Windows 2.03 vorgestellt wurde, entschloss sich Apple am 17. März 1988 dennoch, Microsoft wegen Copyright-Verletzung zu verklagen. Über fünf Jahre später, am 24. August 1993, wurde die Klage zugunsten von Microsoft abgewiesen.LowEndMac: The Apple vs. Microsoft GUI Lawsuit (englisch), Tom Hormby, 18. August 2006; abgerufen am 29. August 2016. Da war Microsoft mit Windows 3.0 und 3.1 der Durchbruch bereits gelungen.

Produktlinien Zeitleiste Das Schaubild stellt einzelne Hauptversionen des Betriebssystems Microsoft Windows anhand der Erscheinungsdaten und aufgegliedert in die Produktlinien auf einer Zeittafel angeordnet dar, die einen besseren Überblick ermöglicht.

DOS-Linie für 16-Bit-Rechner Architektur Microsoft Windows wurde als grafische Benutzeroberfläche für DOS-Rechner vorgestellt. DOS wurde für Systemzugriffe verwendet. Das änderte sich mit Windows 3.x allmählich. Zwischen Windows-Programmen war nur kooperatives Multitasking verfügbar. Mit Windows for Workgroups wurde eine Version mit integrierter Netzwerkfähigkeit veröffentlicht. Der Namenszusatz wurde ab Windows 95 und in allen Windows-NT-Versionen wieder fallen gelassen.

Versionen ProduktnameErscheinungsdatumWindows 1.020. November 1985Windows 2.09. Dezember 1987Windows 2.127. Mai 1988Windows 2.1113. März 1989Windows 3.022. Mai 1990Windows 3.11. März 1992Windows 3.11Februar 1994Windows for Workgroups 3.1Oktober 1992Windows for Workgroups 3.11November 1993 Am 10. November 1983 wurde von Microsoft auf der COMDEX/Fall '83 ein Prototyp mit der Bezeichnung „Interface Manager“ vorgestellt, welcher die erste grafische Benutzeroberfläche von Microsoft für DOS darstellte. Microsofts Marketing-Abteilung entschied jedoch später, nachdem die Entwickler immer von Fenstern sprachen, das System in „Windows“ umzubenennen. Microsoft Windows 1.0x wurde am 20. November 1985 veröffentlicht. Windows 1.0x wurde für 99 US-$ verkauft, war aber kein großer Erfolg, da es so gut wie keine Anwendungen dafür gab. Als Oberfläche dient ein Dateimanager. Die einzelnen Programme müssen anhand ihres Dateinamens ausgewählt werden.www.winhistory.de

mini|Startbildschirm Windows 2.11 Windows 2.0 wurde im November 1987 veröffentlicht und beinhaltete unter anderem Verbesserungen an der grafischen Benutzeroberfläche. Erstmals wurde auch eine Windows-Version von Microsoft Word und Microsoft Excel veröffentlicht. Zudem begann Microsoft die Fähigkeiten des Intel 80386-Prozessors, erstmals ein 32-Bit-x86-Prozessor, zu nutzen. Die erste Windows/386-Version war eine OEM-Version von Windows 2.01 für Compaq – der Compaq Deskpro 386 war bereits Ende 1986 verfügbar, der Compaq Portable 386 ab 1987. Windows/286 (auch für 8086/8088) und Windows/386 wurden getrennt angeboten.

493x493px|mini|Windows for Workgroups 3.11 Windows 3.0 wurde am 22. Mai 1990 veröffentlicht. Es vereint die Unterstützung für 8086/8088 (des IBM PC XT), 80286 (des PC/AT) und 80386 (seit dem Compaq Deskpro 386 und u. a. in Modellen des IBM PS/2). Windows 3.1, das am 1. März 1992 folgte, war die erste kommerziell erfolgreiche Version eines Windows-Systems. Windows 3.1x war sehr beliebt, alleine in den ersten 2 Monaten wurden etwa 3 Millionen Lizenzen verkauft. Mit Windows for Workgroups 3.1, Codename „Sparta“, erschien im Oktober 1992 das erste netzwerkfähige Windows. Durch die Nachinstallation des TCP/IP Netzwerkprotokoll-Stack unterstützte Windows for Workgroups 3.11 das Internetprotokoll. Windows 3.2 ist ein Update der Windows-3.1-Version für China, laut Microsoft Knowledge Base wurden neue bzw. verbesserte Eingabeeditoren für die Schrift eingesetzt. Die Win32s-Schnittstelle für Windows 3.1x, die nachinstalliert werden musste, stellte einen Teilsatz der Win32-API aus Windows NT bereit, wodurch einige für Windows NT entwickelte Programme funktionierten.

DOS-Linie für 32-Bit-Rechner Architektur Die Windows-9x-Linie basiert auf MS-DOS, besitzt aber einen eigenen 32-Bit-Kernel, der nach dem Systemstart die Systemzugriffe mittels sogenannter VxDs (Virtual Device Driver, virtuelle Gerätetreiber) steuert. Das Win32-API war gegenüber Windows NT 3.1 und Windows NT 3.5 nicht völlig neu, Windows 95 war aber die erste Windows-Version für Heimanwender, die diese benutzte.

Windows 9x erhielt ein angepasstes DOS, während frühere DOS-basierte Windows-Versionen ein vorinstalliertes DOS voraussetzten. Der Start von Windows war (außer in Windows Me) durch einen Eintrag in der Datei MSDOS.SYS verhinderbar, so dass Windows wie in früheren Versionen manuell durch das DOS-Programm WIN.COM startete. Microsoft wollte suggerieren, MS-DOS existiere nicht eigenständig, jedoch war das MS-DOS-Betriebssystem aus jedem Windows 9x ohne Windows lauffähig. Windows 9x unterstützt für 32-Bit-Anwendungen präemptives Multitasking und für Kompatibilität mit Windows-3.x-16-Bit-Anwendungen kooperatives Multitasking. 32-Bit-Prozesse besitzen jeweils eigene virtuelle Adressräume (Speicherschutz), konsequenter Speicherschutz ist jedoch für die Kompatibilität zu Anwendungen, die Hardware direkt ansprechen, nicht gewährleistet – eine der häufigsten Ursachen für den berüchtigten Bluescreen.

Der Begriff „Windows 9x“ leitet sich aus den spezielleren Namen ab, welche die Microsoft-Betriebssysteme ab Mitte der 1990er Jahre erhielten. Von diesem Schema weicht Windows Me ab, welches das letzte DOS-basierte Betriebssystem war.