Als Sealfell, Sealskin oder Furseal bezeichnet der Handel das Felle der Pelzrobbe (Seebär, Bärenrobbe), die daraus hergestellte Kleidung entsprechend als Sealpelz, Sealmantel etc.
Der Rauchwarenhandel unterscheidet beim Robbenfell zwischen dem Sealfell, dem Sealskin von der Pelzrobbe dem Seebären mit der feinen weichen Unterwolle, und dem (Haar-)Seehund mit nur Granne ohne besonderem Unterhaar. Nach dem Raubbau im 19. Jahrhundert, der nach der Entdeckung neuer Gebiete auch unter den Robben angerichtet wurde, konnten die dezimierten Bestände nach Einführung strenger Gesetze in verschiedenen Staaten wieder zu Millionenzahlen anwachsen.
Der Fellanfall der Pelzrobben ist weltweit durch Schutzbestimmungen und durch die Robben-Kampagnen extrem zurückgegangen. Bis 1955 wurden von der Nördlichen Pelzrobbe jährlich etwa 65.000 Männchen, danach etwa 48.000 Männchen gepelzt, 1965–1968 dann zusätzlich etwa 25.000 Weibchen. Anschließend nur noch 25.000 Männchen. Nachdem die Firma Fouke 1983 geschlossen und die Auktionen eingestellt waren, wurden außer für den lokalen Verbrauch praktisch keine Felle mehr vermarktet. Neueste Zahlen sind nicht berücksichtigt, das Fell hatte seitdem für den europäischen Markt keine Bedeutung mehr. Seit 2010 unterliegen alle Robbenfelle einem Handelsverbot innerhalb der Europäischen Union (siehe unten).
Die derzeit anfallenden Seehundfelle gehen wohl, außer der Verwendung in den Herkunftsländern, fast ausschließlich in den asiatischen Raum einschließlich Russland. Das Rupfen der Felle zum eigentlichen „Sealskin“ mit nur weichem Unterhaar findet wohl gar nicht mehr statt.
Geschichte, Handel mini|„Maschine zum Entfernen der Wasserhaare aus Seehunden, Ottern, Bibern, Kanin usw.“ (ca. 1903) Die Heimat der Pelzrobbe ist der nördliche Teil des Stillen Ozeans. Nach hemmungsloser Ausbeutung direkt nach der Entdeckung der Bestände (geschätzt 2 bis 4 Millionen) ging die Anzahl bis auf etwa 200.000 Tiere zurück. 1835 wurden dann die ersten der Schutzmaßnahmen ergriffen, die die Art vor dem völligen Aussterben bewahrten. Nachdem die Herden allein auf den Pribilof-Inseln eine Zahl von anderthalb Millionen Tieren erreicht hatte, wurde der Fang von jährlich 60.000 bis 70.000 „Junggesellen“ (bachelors) erlaubt, das sind die drei bis vier Jahre alten Tiere. Sie haben einen hellen, langhaarigeren Fleck an der Schulter, genannt „Wig“ (Perücke). Für die Felle älterer Pelzrobben hat sich deshalb im Englischen der Begriff „Wig“ eingebürgert. Bei älteren Tiere sind die Haare in den Flecken noch länger, auch steifer und dichter, so dass sich das Haarkleid nicht mehr gleichmäßig lang zurichten lässt. Rupft man bei Fellen von Alttieren die hier besonders stark ausgebildete Granne aus, erscheint der Pelz flach, da die Wollhaare nicht dicht genug sind, um aufrecht zu stehen.
Der Haltbarkeitskoeffizient für Sealfelle beträgt 60 bis 70 Prozent.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Gerbung und Veredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden.Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Dr. Paul Schöps; Dr. H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle in Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58. Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Haar-Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Robbenhaar nicht mit eingestuft. Es wird dort jedoch erwähnt, das nach dem Entfernen des harten Oberhaars das Unterhaar der Pelzrobbe (Seebär) als überaus seidig gilt.
Die Unterwolle der Felle ist kupferfarbig. Nach dem Ausrupfen des harten Oberhaars bleibt die weiche Unterwolle, der haltbare Pelz ist als Sealskin oder Furseal im Handel, das relativ schwere Fell spielte jedoch in den letzten Jahrzehnten in Deutschland keine Rolle mehr. Am Anfang wurde das Fell nur entgrannt, eine Pelzveredlungsart die in China schon sehr lange bekannt war. 1796 schaffte dies auch der Engländer Thomas Chapmann, was den Preis für Sealfelle schlagartig in die Höhe trieb.Under Eight Monarchs – 1823–1953, C. W. Martin & Sons, Ltd., London 1953, S. 5 (englisch). Chapman selbst konnte von seiner vorangegangenen sechsmonatigen Versuchsarbeit nicht profitieren, bevor er damit auf den Markt kam, wurde es bereits kopiert, auch scheiterte sein Versuch bei einer Anhörung vor einem Ausschuss des Oberhauses eine Entschädigung zu erwirken.Francis Weiss: From Adam to Madam. Aus dem Originalmanuskript Teil 2 (von 2) (ca. 1980/1990er Jahre), im Manuskript S. 232 (englisch). Am 12. April 1881 wurde das Patent für eine Enthaarungsmaschine der in den USA lebenden Brüder Gustave (* 1841 in Wien; † 5. Juni 1914) und Ferdinand (* 1856; † 11. Januar 1905) Cimiotti eingetragen. Die Firma Cimiotti Brothers wurde 1914 aufgelöst, als Cimiotti Unhairing Company (Cimiotti-Enthaarungs-Gesellschaft) bestand sie jedoch noch nach dem Tod des letzten Bruders weiter.Albert Lord Belden: The Fur Trade of America and Some of the Men who Made and Maintain it: Together with Furs and Fur Bearers of Other Continents and Countries and Islands of the Sea. Peltries Publishing Company, 1917, S. 152–153. Zuletzt abgerufen am 9. März 2018.
Eine sehr populäre Farbe um 1845 war Châtaigne d'or, kastaniengold.W. Born: Fur Seal into Fur. In: Ciba Review Nr. 94 Alaska Sealskins, Ciba, Basel Oktober 1952, S. 3387–3394 (englisch).
Anfang 1900 heißt es, dass die Felle in England Monate lang zum Enthaaren in Gruben eingelegt werden, bis sich die Haarwurzeln gelockert haben und die Grannen leicht entfernt werden können.Jos. Klein: Der sibirische Pelzhandel und seine Bedeutung für die Eroberung Sibiriens. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Rheinischen Friedrich-Humboldt-Universität Bonn, 1900. S. 25. Sekundärquelle Brehm II, S. 350. 1830 gelang in Paris erstmals die Schwarzfärbung, 1870 in Deutschland fortentwickelt, war sie immer noch sehr umständlich und mit mehr als 20 Aufstrichen der Deckfarbe sehr aufwändig. Die Entwicklung der Anilinfarben verdrängte das alte Verfahren dann völlig. Gerupfte unbehandelte Sealfelle haben sehr gelockte Haarspitzen. Im korrekten Färbungsverfahren wird das Haar so gestrafft, dass die Locken entfernt werden. Auch der seidige Glanz entsteht erst beim Färben, im natürlichen Zustand wirkt das Fell recht stumpf. Wollige oder raue Felle, bei denen das nicht völlig gelingt, haben einen geringeren Wert.Ohne Angabe des Autors: Sealfelle, die größten aller Pelzfelle. In: „Die Pelzkonfektion“ 2. Jg. Nr. 2, Februar 1926, Leipzig, S. 62.
Der erste nach außen gearbeitete Pelz der Moderne war ein Sealjacket, es wurde 1842 in London gearbeitet. Der Londoner Rauchwarenhändler Francis Weiss vermutete, dass der Zeitpunkt bereits früher anzunehmen ist. Er meinte auch zu erkennen, dass bereits auf einem Gemälde aus dem Jahr 1823 die vierjährige, spätere Königin Victoria in einem Sealmantel porträtiert wurde.Stephen Poyntz Dennig: Prinzessin Victoria im Alter von vier Jahren (Porträt). Die Mode weitete sich aus, nachdem Königin Alexandra bei ihrer Ankunft in London zur Heirat mit dem Prince of Wales (1863) eine schwarze Sealjacke trug. Sealskin war für lange Zeit der wichtigste Robbenfell-Handelsartikel. Bis etwa in die 1920er Jahre galt ein Mantel daraus „als so etwas wie ein Erbstück, dass an die nächste Generation wie Tafelsilber weitergereicht wurde“.Max Bachrach: Fur. A Practical Treatise. Verlag Prentice-Hall, Inc., New York, 1936. S. 520 (englisch).
Nach dem Abschluss der Seal-Convention (1911) begann die Fouke Fur Company, St. Louis mit Hilfe abgeworbener Angestellter der damals berühmten englischen Färberei Georg Rice Sealfelle in St. Louis, USA auf Rechnung der Regierung schwarz zu färben.Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze, 1911, Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin, S. 791–811. Bis dahin erledigten durchweg Londoner Pelzveredler das Zurichten, Rupfen und Färben der Sealfelle. Auch der Handel der veredelten Felle war bis dahin von Londoner Rauchwarenhändlern vorgenommen worden, die Firma J. M. Oppenheim & Co. hatte mit der Russian American Company einen Exklusivvertrag für den Sealskinhandel. In dem Kontrakt vereinbarte nun die Regierung der USA mit Fouke bei jeweils dreijähriger Kündigungsfrist, einen bestimmten Betrag für jedes erlegte Furseal an die Regierung zu zahlen, außerdem die Hälfte des Erlöses nach Abzug der Kosten für die Felle von den Pribilof-Inseln. Bis vor dem Zweiten Weltkrieg erhielten außerdem England und Japan 15 % vom Nettoerlös aller auf den Pribiloffs gewonnenen Felle. Dafür besaß die Firma das alleinige Fangrecht.Alexander Tuma: Pelzlexikon. XXI. Band der Pelz- und Rauchwarenkunde , Stichwort Sealkontrakt, Verlag Alexander Tuma, Wien 1951. Zumindest etwa noch vor 1952 wurde jedes fünfte Fass mit Sealfellen auf den Pribiloff mit der Aufschrift „Canada“ versehen, da nach einem Vertrag aus dem Jahr 1942 das Dominion Kanada einen Anspruch auf 20 Prozent der auf den Inseln gewonnenen Felle hatte.W. Born: Der Robbenfang auf den Inseln. In: Ciba Rundschau Alaskische Sealskins, Heft 102, Basel, April 1952, S. 3746 (mit Abbildung).
mini|Fouke-Showroom mit Käufern und Auktionshelfern (St. Louis, 1946) Fouke entwickelte sich zu d e m Sealfellspezialisten mit unerreichten Veredlungsqualitäten. Nach 1920 folgten die Farben Safari (ersetzte das bisherige Châtaigne d'or – ein helleres Braun), die erfolgreichen Brauntöne Kitovi (alt: Bois de Campêche – dunkel, blauschwarz) und Matara (warmes Dunkelbraun).Abraham Gottlieb: Fur Truth. Harper & Brothers Publishers, New York, London 1927, S. 46–47 (englisch).
Im Jahr 1853, noch bevor Alaska 1867 Teil der USA wurde, gingen die meisten der 20.000 in London aus Russland angelieferten Sealfelle nach der Veredlung dorthin zurück. Russland wurde jedoch kein relevanter Abnehmer der in ganz Westeuropa und Amerika gefragten Sealskinkleidung, hier symbolisierte das Zobelfell weiterhin die hohe gesellschaftliche Stellung. In einem von der populären Modezeitschrift Modnyi Svet herausgegebenen Büchlein hieß es, dass die teuren Pelze keineswegs als Mantel getragen werden sollten, sondern in Form kleiner Hütchen zur Geltung kämen.Robert Kindler. Vorquelle, eine Übersetzung aus dem Französischen, in: Prevo, Iskusstvo odevat'sja, S. 79.
1956 wurden erstmals wieder weibliche Tiere zum Fang freigegeben. Überrascht stellte man fest, dass die Felle beim Rupfen sich völlig anders verhielten als die männlicher Tiere, es gingen dabei große Mengen der Unterwolle verloren. Das Sealhaar hat eine Besonderheit, Granne und Wollhaar kommen aus der gleichen Hautpore, wodurch sich das Entgrannen ohnehin schwieriger gestaltet. Fouke löste das Problem, indem sie diese Felle nicht rupfte, sondern das Haar auf 2 mm Länge schor, sie kamen als völlig neues Produkt unter dem Namen Lakoda in den Handel (von aleutisch „Lakudaq“, weibliche Pelzrobbe).Ohne Autorenangabe: Die Geschichte des Alaska-Seals. In: Pelz International, Nr. 1, Januar 1969, S. 65–67. Die tiefgeschorenen Felle haben eine velourslederartige, kaum mehr pelzähnliche Optik. Das Leder wurde durch neue Gerbmethoden weich und sehr viel leichter. Auch naturelle, also ungerupfte und ungefärbte Felle wurden verarbeitet. Mit etwa 12.000 Haaren pro cm² gehört Sealskin zu den strapazierfähigsten Fellen überhaupt.
Für den Handel von Bedeutung sind Südafrikanische Pelzrobben