mini|Medaille der britischen Anti-Slavery Society (1795)
Die Geschichte der Sklaverei umfasst die Entwicklung der Behandlung von Menschen als Eigentum oder Handelsware anderer Menschen von der Frühgeschichte bis zur Gegenwart. Sklaverei begann, soweit sie in Form von Gesetzestexten, Kaufverträgen und Ähnlichem dokumentiert ist, in den frühesten Hochkulturen der Menschheit, zuerst in Mesopotamien, wo sie unter anderem im babylonischen Codex Hammurapi (18. Jahrhundert v. Chr.) verankert war. Sklaverei bestand auch im Alten Ägypten, besonders nachvollziehbar ist sie in Griechenland (Sklaverei im antiken Griechenland) und Rom (Sklaverei im Römischen Reich) dokumentiert. Der Umgang mit Sklaven wurde für das jüdische Palästina im Alten Testament geregelt (zum Beispiel Levitikus 25:44–46).
Im frühen europäischen Mittelalter handelten unter anderem Chasaren, Waräger und Wikinger mit Sklaven. Letzteres belegt der Fund einer Sklavenkette aus dem 4. oder 5. Jahrhundert in Fæsted in Dänemark.Fund einer Sklavenkette bestätigt Theorie des Sklavenhandels in Dänemark. In: SH-UgeAvisen.dk, 22. Dezember 2021. Die These, dass maßgeblich Juden am mittelalterlichen Sklavenhandel in Europa beteiligt gewesen seien, wird bestritten. Für den Zeitraum zwischen dem 10. und dem 12. Jahrhundert lässt sich für die Sachsen vom Ostfrankenreich aus Handel mit slawischen Sklaven nachweisen. Im Christentum war es verboten, Christen zu erwerben oder zu verkaufen. Nach der zunehmenden Christianisierung der slawischen Stämme verschwand die Sklaverei zwar aus Mitteleuropa, gewann aber umso größere Bedeutung südlich der Alpen, so etwa in den italienischen Seerepubliken, im Schwarzmeerraum, auf dem Balkan und im Nahen Osten. Denn im Mittelmeerraum ergaben sich mit Ausweitung der Handelsbeziehungen neue Möglichkeiten, die auch zu Raub und Piraterie anregten. So boten etwa die Konflikte zwischen christlichen und islamischen Gesellschaften und die daraus wechselseitig anfallenden Gefangenen oder Entführten eine ständige Quelle neuer Sklaven.
Noch weitere Verbreitung erlangte die Sklaverei in der Neuzeit mit der Ausdehnung des europäischen Seehandels und der Gründung europäischer Kolonien, vor allem auf dem amerikanischen Kontinent. Dieser war so dünn besiedelt und bot den Kolonisten so wenig geeignete einheimische Arbeitskräfte, dass zum Aufbau der Plantagenökonomien, auf deren Profitabilität diese Kolonien jahrhundertelang basieren sollten, Millionen afrikanischer Sklaven importiert wurden.
Während die Sklaverei in den europäischen Kulturen am besten dokumentiert ist, bestand sie traditionell auch in vielen außereuropäischen Kulturen, zum Beispiel bei den nordamerikanischen Indianern und in Westafrika. Auch für die arabisch-muslimischen Gesellschaften ist es erwiesen, dass diese trotz der im Koran enthaltenen Heilsversprechen, die an die Freilassung von Sklaven geknüpft sind, über vierzehn Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart verschiedene Formen der Versklavung pflegten.
Vom ausgehenden 18. Jahrhundert an wurden Sklavenhandel und Sklaverei weltweit allmählich per Gesetz abgeschafft. Internationale Abkommen gegen die Sklaverei wurden u. a. in den Jahren 1926 und 1956 geschlossen. Als letztes Land der Erde hob Mauretanien 1980 seine bis dahin noch bestehenden Sklavereigesetze auf, wobei Sklaverei in Mauretanien weiterhin existiert.
Frühgeschichte und Antike Anfänge Der Beginn und die Entstehung der Sklaverei liegen im Dunkeln, Michal Zeuske nimmt an, „dass erste Sklavereien mit der Neolithisierung, also der Herausbildung jungsteinzeitlicher Landwirtschaft, früher befestigter Siedlungen und Viehhaltungswirtschaften“, auftraten. Entsprechende archäologische Nachweise gibt es für Opfersklaverei und Totenfolge. Entwickelte Formen der Sklaverei gingen „mit der Entstehung der Schriftlichkeit und der Bildung von frühen Stadtstaaten und Imperien zusammen“, der Sklavenhandel „mit Razzienkriegen (Überfälle leichtbewaffneter und schneller Krieger, die auf Zerstörung, Schrecken und Menschenraub ausgerichtet waren), der Vergabe von Kriegsgefangenen an Eliten sowie dem Austausch von «Geschenken» zwischen Herrschern.“
Eisenzeitliches Europa mini|Sklavenkette aus Eisen, Hallein, Österreich
Nach Timothy Taylor (2001) sind aus dem eisenzeitlichen Europa ab ca. 800 v. Chr. fast 50 Sklavenketten bekannt, etwa aus Hay Hill, Lord’s Bridge, Cambridge. In Deutschland sind dies Bad Nauheim (Wetteraukreis), Handschelle mit Scharnier, Manching (Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm) und Römhild („Steinsburg“), in Österreich Au am Leithaberge und Hallein, in der Schweiz zum Beispiel Basel-Gasfabrik. Im Moor von Llyn Cerrig Bach, Anglesey, in Wales deponierte vermutlich ein Sklavenhändler zwei eiserne Sklavenketten mit Halsringen als Weiheopfer. Die Ketten gehörten in verschiedene Kulturen der Kelten in der Hallstattzeit und der Latènezeit.
Nach Diodor (V.26) konnte ein italischer Kaufmann in Gallien für eine Amphore Wein einen Sklavenjungen eintauschen. Der Sklavenhandel mit Galliern war nach Beendigung des Gallischen Krieges ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden.
Im inselkeltischen Bereich war Sklaverei verbunden mit der Menschen„beute“ bei Kriegszügen und mit der Schuldknechtschaft. Der Sklave (mug) und die Sklavin (cumal) zählten zum Stand der verachteten Unfreien. Ihre häufige Herkunft aus der Kriegsbeute ist etymologisch zu erkennen: altirisch , , (Maskulinum) und (Femininum) sind verwandt mit und germanisch , alles mit der Bedeutung „Gefangener“, aber auch „Sklave“. Der heilige Patrick musste in Irland nach seiner Entführung sechs Jahre Sklave sein.
Die Sklavin (cumal) zählte in der inselkeltischen Rechtsprechung als Währungseinheit – ein cumal entsprach dem Wert von zehn Kühen.Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3, S. 992 f. (für den gesamten Absatz „Kelten“)
Mesopotamien In den Stadtstaaten Mesopotamiens war der Besitz von Tempelsklaven (širkus) aus der Kriegsbeute für den Haupttempel als größten Grundbesitzer, den der Stadtherrscher kontrollierte, normal. Der Codex Hammurapi (um 1750 v. Chr.) unterscheidet Sklavenrecht von Rechtsbestimmungen für freie Vollbürger, spiegelt also eine Sklavenhaltergesellschaft. So musste jemand, der den Tod eines Sklaven (sumerisch GEME; akkadisch amata) verursachte, dessen Besitzer den seinerzeit gezahlten Kaufpreis erstatten oder einen neuen Sklaven als Ersatz anbieten.
Unter Rim-Sin von Larsa war gallabu (Kennzeichner von Sklaven) ein eigener Beruf. Aus der Regierungszeit von Rim-Anum von Uruk (um 1800 v. Chr.) sind 20 Texte über Kriegsgefangene (asîru) bekannt. Darunter wird ein Haus der Gefangenen (bit asiri) mit eigenen Aufsehern erwähnt, das auch in altbabylonischen Texten vorkommt. Diese Gefangenen wurden als Sklaven etwa von Brauern, Webern und Lastträgern eingesetzt. Sie mahlten offenbar auch Mehl für sich selbst, königliche Beamte und Arbeiter des bît šaprim. Einige wurden vermutlich freigekauft, wie es der Codex Hammurapi vorsah. Weibliche Kriegsgefangene (asîrtu) wurden oft zu Konkubinen gemacht (Feigin 1934).
In neubabylonischer Zeit Mesopotamiens ist die Existenz von Sklaven (ardu oder qallu) nicht durch Gesetzestexte, aber durch Keilschrifturkunden aus zahlreichen Privatarchiven belegt. Sklaven wurden verschenkt, bildeten den Teil einer Mitgift und wurden oft weiterverliehen, um eine Schuld zu begleichen. Sie wurden vielfach schon im Haushalt ihrer Herren geboren, stammten aber größtenteils von verkauften Kriegsgefangenen oder verurteilten Verbrechern ab. Sie wurden gern als Lehrlinge zu Handwerkern gegeben; dabei konnte der Vertrag Strafen festlegen, wenn der Handwerker sie nicht angemessen ausbildete.
Die in der griechisch-römischen Antike später übliche Schuldknechtschaft ist aus dieser Zeit nicht häufig überliefert. Die Freilassung eines Sklaven wurde auf einer Tontafel festgehalten.
Altes Ägypten Im Gegensatz zur weit verbreiteten Auffassung gab es in Ägypten nur wenige Menschen, die Sklaven im engeren Sinn waren, meistens Kriegsgefangene aus Nubien und Syrien-Palästina. Thutmosis III. zum Beispiel kehrte aus seinem Feldzug nach Kanaan (1457 v. Chr.) mit 90.000 Sklaven zurück. Sie wurden zunächst Eigentum des Königs, der sie weitergeben konnte, zum Beispiel an Tempel in unbeschränkter Zahl, Soldaten oder Privatpersonen, die höchstens 19 Sklaven bekommen konnten. Ein Sklavenkind wurde seiner Mutter jung weggenommen und dem herangewachsenen Mann wurden die Knochen gebrochen. Eine Heirat mit Freien war möglich, ebenso das Verfügen über Eigentum und die Zeugenaussage vor Gericht. Ein geflohener Sklave wurde zurückgeführt. Auf Sklavenmärkten wurde der Kauf vor Zeugen und bei einem Beamten registriert.Guy Rachet: Lexikon des alten Ägypten. Darmstadt 1999, S. 336.
Dagegen wurde der Pyramidenbau nicht von Sklaven, wie es Herodot falsch berichtet hat, sondern von gewöhnlichen Arbeitern geleistet, die für ihre Arbeit entlohnt und in der Gesellschaft so hoch geachtet wurden, dass sie bei ihrem Tod sogar eine Grabstätte in der Nähe der Pyramide bekamen. Einige waren zwangsverpflichtet und wechselten turnusmäßig, andere waren dauerhaft beschäftigt.
Alttestamentliche Zeit
Die Israeliten verstanden sich als Nachkommen ehemaliger Zwangsarbeiter, der Hebräer, deren Gott JHWH den Auszug aus Ägyptens Sklaverei ermöglicht und sie damit zum „Volk Gottes“ für alle Völker erwählt habe. Mit diesem Grunddatum der biblischen Heilsgeschichte begründet die Bibel die Gleichheit aller Menschen vor Gott, die er zu seinem Ebenbild geschaffen habe.
Die hebräische Sprache unterscheidet nicht zwischen dem negativ besetzten Wort Sklave und den neutralen Begriffen Knecht bzw. Magd, in beiden Fällen wird der Ausdruck עבד ewed verwendet. Dieser Begriff entstammt derselben Wurzel wie awoda („Arbeit“) und bezeichnet eine Person, die im Dienste eines Herrn – Sippenpatriarch bzw. König – körperliche Arbeit verrichtet.
Die Tora fordert nicht die allgemeine Abschaffung der Sklaverei in Israel, aber den Rechtsschutz der Sklaven, die nicht grundlos getötet werden durften. Diese waren unfreie Hausangestellte, die von deren Herrn aber gezüchtigt werden konnten und wie Ehefrauen, Vieh und Hausrat zum Sippenbesitz gehörten . Sie bildeten – anders als in Ägypten, wo alles bebaubare Land dem König gehörte und von großen Massen Leibeigener bewirtschaftet wurde – keine ökonomisch bedeutende Minderheit, sondern stellten höchstens 10 Prozent der ansonsten freien bäuerlichen Landbevölkerung, die meist ebenfalls lebenslange Landarbeit ausübte. Ansätze zu einer von Sklaven abhängigen Latifundienwirtschaft wurden in Israels Prophetie scharf kritisiert und erfolgreich abgewehrt .Walter Dietrich: Sklaverei. Abschnitt Altes Testament. In: Theologische Realenzyklopädie. Band 31. de Gruyter, Berlin / New York 2000, ISBN 3-11-002218-4, S. 367–373.
Die Tora gebietet die Beschneidung von Sklaven, das heißt ihre Aufnahme in das Bundesvolk . Sie verbietet allgemein den Raub von Menschen und bedroht diesen mit der Todesstrafe :
Nach sollte der Raub eines Israeliten ebenso bestraft werden. Der Sklavenhandel war auf Sklaven aus fremden Völkern und Halbbürger beschränkt .
Die Versklavung von Kriegsgefangenen, sofern sie in den Bannkriegen JHWHs nicht sofort getötet wurden, wurde, wie sonst meist in der Antike als Wohltat anstelle der Tötung dargestellt (vgl. Umgang von Moses mit den gefangenen Frauen der geschlagenen Midianitern und von König David mit den Ammonitern von Rabbath Ammon).
Anders als angeheuerte Tagelöhner hatten Sklaven als Teil des Familienhaushalts Anspruch auf Wohnung, Unterhalt, Kranken- und Altersfürsorge. Damit war Sklaverei aus Gewinnstreben weitgehend ausgeschlossen, nicht aber zur sexuellen Lustbefriedigung.