Meßkirch ([] im Meßkircher Dialekt []) ist eine Kleinstadt im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg. Die Stadt liegt im westlichen Oberschwaben südwestlich von Sigmaringen zwischen der Donau und dem Bodensee. Der ehemalige Hauptort der zimmerischen Herrschaft Meßkirch kam in Erbfolge zum Fürstentum Fürstenberg und mit der Mediatisierung zu Baden.

Geographie Geographische Lage Meßkirch liegt an der Nahtstelle von Schwäbischer Alb und voralpiner Moränenlandschaft zwischen der Oberen Donau und dem westlichen Bodensee. Die Gemarkungsfläche umfasst rund 7624 HektarGemarkungsfläche 76.241.728 m² (Stand: 31. Dezember 2010Angaben nach Auskunft Ordnungsamt der Stadt Meßkirch, vom 12. Januar 2011.).

Die Stadt wird von der Ablach durchflossen, die an der Europäischen Wasserscheide entspringt und in die Donau mündet. In der Stadt selbst mündet der Grabenbach in die Ablach. Nordwestlich der Stadt erhebt sich bis fast 900 Meter der Südliche Heuberg.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Sigmaringen und Inzigkofen im Norden, Krauchenwies im Osten, Wald und Sauldorf im Süden sowie Leibertingen im Westen.

Stadtgliederung Die Stadt besteht aus der Kernstadt Meßkirch (mit Igelswies und Schnerkingen) und den Teilorten Dietershofen (mit Buffenhofen), Heudorf, Langenhart, Menningen (mit Leitishofen), Rengetsweiler, Ringgenbach und Rohrdorf.

Wappen Teilort Einwohner (Stand: 1. Januar 2025) Fläche (Stand: 31. Dezember 2010) gesamt männl. weibl. 40px|Meßkirch30px|Igelswies30px|Schnerkingen Meßkirch mit Igelswies und Schnerkingen 5983 3021 2962 2465 ha davon 297 haund 700 ha 24.652.478 m² 30px|Dietershofen Dietershofen mit Buffenhofen 136 74 62 405 ha 4.050.684 m² 30px|Wappen Heudorf Heudorf 355 179 176 787 ha 7.873.727 m² 30px|Wappen Langenhart Langenhart 239 119 120 435 ha 4.354.061 m² alt=|32x32px|Wappen Menningen Menningen mit Leitishofen 417 209 208 916 ha 9.164.044 m² 30px|Rengetsweiler Rengetsweiler 409 232 177 505 ha 5.045.149 m² 30px|Ringgenbach Ringgenbach 208 100 108 499 ha 4.989.438 m² 30px|Wappen Rohrdorf Rohrdorf 919 471 447 1611 ha 16.112.147 m²

Schutzgebiete

Nördlich von Rohrdorf liegt das Naturschutzgebiet Kreuzbühl.

Südlich von Meßkirch hat die Stadt Anteile am FFH-Gebiet Ablach, Baggerseen und Waltere Moor, das Felsentäle sowie ein Fledermausquartier in Menningen gehören zum FFH-Gebiet Riede und Gewässer bei Mengen und Pfullendorf.

Meßkirch gehört außerdem zum Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Vor- und Frühgeschichte mini|Souvenirblatt Messkirch um 1850 Die Besiedlungsgeschichte des Meßkircher Raums reicht 3000 Jahre zurück. Die ältesten menschlichen Spuren auf Meßkircher Gemarkung stammen aus der Bronzezeit. Grabhügel im Bichtlinger Wald oder auf dem Dreibühl im Schnerkinger Wald zeigen, dass das Gebiet schon in der Hallstattzeit (um 9. bis 5. Jahrhundert vor Christus) relativ dicht besiedelt war.Armin Heim: „Stadt ist älter als 750 Jahre“. In: Südkurier, 19. März 2011Sandra Häusler (sah): Südkurier-Sommertour: Per Fahrrad Neues entdecken. In: Südkurier, 7. August 2015 Des Weiteren findet sich bei Ringgenbach eine Gruppe von sieben hallstattzeitlichen Grabhügeln, im Wald Hackenberg zwischen Engelswies und Rohrdorf ein weiterer Grabhügel mit einem Durchmesser von 18 und einer Höhe von 3,6 Metern,Siegfried Kurz: Bestattungsbrauch in der westlichen Hallstattkultur (= Tübinger Schriften zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie, Band 2). Waxmann Verlag, 1997, ISBN 3-89325-386-6. S. 231 (). am Buhlen und dem Ehnried. Die Siedlungskontinuität setzt sich mit der Latènezeit fort: Im Wald Birkstock in der Nähe von Heudorf fand sich unweit einer Doline eine gut erhaltene keltische Viereckschanze mit Seitenlängen von 73, 91, 62 und 93 Metern.Hermann Bierl: Archäologieführer Deutschland. Bodendenkmäler und Museen. wek-Verlag. Treuchtlingen, Berlin 2007, ISBN 3-934145-39-6

Nach den Kelten kamen die Römer. Diese hatten im Jahr 15 v. Chr. die Gegend in Besitz genommen. Unter Kaiser Vespasian ist 70/71 n. Chr. eine Militär- und Fernstraße von Argentoratum (Straßburg) nach Augusta Vindelicorum (Augsburg) erbaut worden, die über das Kinzigtal und Brigobannis (Hüfingen) entlang des Danuvius (Donau) verlief. Nicht weit von der als Donausüdstraße bezeichneten Straße liegt die so genannte Altstadt bei Heudorf, das größte bekannte römische Landgut in Südwestdeutschland. Das Land ist an Militärveteranen ausgegeben worden, wobei der Besitzer des Hofes aufgrund einer Weihe-Inschrift auf einem Altarstein bekannt und somit der älteste namentlich bekannte Meßkircher ist: Marcus Aurelius Honoratius Pankratius. Bemerkenswert an diesem römischen Gutshof ist vor allem ein 1978 entdecktes Fresko, das sich heute im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart befindet: die Venus von Meßkirch. Zur Datierung: Die älteste Münze zeigt Kaiser Vespasian und entstand um das Jahr 70, die letzte zeigt Caracalla und stammt aus dem Jahr 210. In jenem Jahr hatten die Alamannen erstmals den Limes überschritten. 270 dann hatten sich die Römer endgültig südwärts hinter den Rhein zurückgezogen. Der Gutshof ist vermutlich einem der ersten Vorstöße bei der Alamannischen Landnahme ab 233 zum Opfer gefallen.Hartmann Reim: Meßkirch. Gutshof. In: Dieter Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart, 2005, ISBN 3-8062-1555-3, S. 210f.

Die frühen Alamannen sind eher Viehzüchter und Ackerbauern gewesen und hatten sich, anders als die Römer, entlang der Flussläufe angesiedelt. Darauf, dass diese Siedlungen alamannischen Ursprungs sind, weisen die Suffixe der Ortsnamen entlang der Ablach mit -ingen hin, die stets nach dem Hofgründer benannt sind. Nach der Eingliederung des alamannischen Herrschaftsgebiets in das Frankenreich nach 496 sind Orte mit der Endung -heim an siedlungsgeographisch günstigen Stellen gegründet worden (beispielsweise Thalheim), später folgten an weniger günstigen Stellen Orte mit der Endung -dorf (zum Beispiel Sauldorf). Phasenweise hatten sich von den Altsiedelorten aus der weitere Landesausbau und die Rodung der weiten Wälder vollzogen. Besonders nachvollziehbar ist dies am Beispiel Menningen, wo entlang des Ringgenbachs die Orte Leitishofen, Kogenhofen (Ringgenbach), Buffenhofen und Dietershofen entstanden sind. Die im 8. Jahrhundert gegründeten Orte mit der Endung -weiler sind die letzten gewesen. Die alten Dörfer lagen fast alle westlich der Ablach, östlich findet man vor allem junge Gründungen. Zwei Lanzenspitzen aus der Merowingerzeit weisen auf eine Besiedlung im 7. Jahrhundert hin.Ort viel älter als 750 Jahre. In: Südkurier, 16. März 2011

Erstmalige Erwähnung und Mittelalter mini|Vogelschau des Ortes Meßkirch, 1575: Oben zu erkennen, die 1550 begonnene Vorstadt mit Neuem Spital und Weisenburg. Ebenfalls gut zu erkennen, das vierflügelige Schloss Meßkirch, sowie die zu der Zeit noch spätgotische St. Martinskirche. Siehe auch: Die Zimmerische Chronik, Band 4, S. 40 f. (Wikisource) Meßkirch wurde erstmals in der Vita des um 965Nach anderen Angaben um 970 n. Chr. geborenen Heiligen Heimerad genannt.Falko Hahn (fah): 1000 Jahre Stadtgeschichte im Blick. In: Südkurier, 5. September 2011 Um 1080 wurde die Lebensgeschichte des Pilgermönchs aufgeschrieben.Historisches auf der Seite der Stadt Meßkirch; abgerufen am 16. März 2011 In ihr wird sein Geburtsort als Ort in Oberschwaben erwähnt, der Messankilche heißt. Ein Ort mit einer Kirche in der die heilige Messe gefeiert wurde. Die Martinskirche stammt aus der Zeit der Christianisierung im 8. Jahrhundert. Sie und die drei Peter-und-Paul-Kirchen in der Umgebung deuten auf eine Sonderstellung von Meßkirch als Zentralort der Missionierung im 8. Jahrhundert hin. Das älteste erhaltene Siegel ist eines der Meßkircher Schneiderzunft aus dem Jahr 1050. 1201 war vom Meßkircher Fruchtmaß die Rede. Der Kirchort Meßkirch war damals Teil der Herrschaft der Grafen von Rohrdorf. Nach dem Erlöschen des Grafengeschlechts 1210 wurde ein Großteil der Herrschaft einschließlich Meßkirch an eine Nebenlinie der Truchsessen von Waldburg verkauft, die sich daraufhin Truchsessen von Waldburg zu Rohrdorf nannten.

Im 12. oder 13. Jahrhundert wandelte sich Meßkirch zur Marktsiedlung der Herrschaft. Das Marktrecht ist urkundlich seit 1241 bezeugt, das Stadtrecht in einer Salemer Urkunde seit 1261.Stadtjubiläum. Reihe mit historischen Vorträgen beginnt. In: Südkurier, 15. März 2011 Das Stadtrecht ist im Kontext der Stadtgründungen im Bodenseeraum zu sehen. Für die Entwicklung der Stadt spielten zum einen die Lage an einer Furt und an zwei Überlandstraßen eine Rolle, zum anderen um das Jahr 1300 die Verlagerung des Herrschaftssitzes der Truchsesse von der Benzenburg bei Rohrdorf nach Meßkirch, das damit zur Residenz wurde. Seitdem nannte sich die Familie Truchsessen von Waldburg zu Meßkirch. Es folgte der Abbruch der Benzenburg und der Neubau der Burg (Altes Schloss), sowie der Bau der inneren und äußeren Stadtmauer mit zwei Stadttoren. Im Mittelalter umfasste die Stadtmauer schon das Grabenviertel. Keramikfunde aus dem Bereich westlich der Stadtkirche bezeugen, dass dies der ältere Teil der Stadt ist.Vera Romeu (vr): Aufgerollt: Spaziergang durch die Stadtgeschichte. Armin Heim hat die erste Ausstellung im Turmzimmer mit Stücken aus dem Heimatmuseum konzipiert. In: Schwäbische Zeitung, 16. März 2011

Die zimbrische Herrschaft Meßkirch begann 1319 mit der Heirat des Freiherrn Werner von Zimmern des Älteren (1289–1384) mit Anna Truchsessin von Rohrdorf († 1350). Nach ihrem Tod wurde Meßkirch 1351 durch Erbfolge Residenz der Herren von Zimmern (seit 1538 Grafen von Zimmern), was final im Jahre 1354 durch Kauf der Herrschaft bestätigt wurde.Falko Hahn (fah): Rechtsstreit regelt die Grenzen neu. SÜDKURIER-Serie zum Etter-Gericht in Meßkirch: Wackershofen. In: Südkurier, 19. August 2008 Die Herrschaft umfasste die Stadt Meßkirch und ihre sechs Stammdörfer Rohrdorf, Heudorf, Schnerkingen, Wackershofen sowie Ober- und Unterbichtlingen.Die Zimmerische Chronik, Band 1, S. 193 f. (Wikisource) Die Zimmern verschafften dem kleinen Ort durch künstlerisches, literarisches und wissenschaftliches Interesse über Generationen hinweg großes Ansehen.

Unter Meßkirchs erstem Landesherrn Werner von Zimmern und dessen zweiter Ehefrau Brigitte von Gundelfingen († 1404) kam es zu einer Abwanderung von Bürgern in die benachbarten Reichsstädte, unter anderem Konstanz, Überlingen und Ravensburg. Grund waren die erhobenen Steuern, Fronen und andere Dienste zum Nutzen des Landesherren. Eine Rückkehr der Bürger konnte erst erreicht werden, indem Werner die Untertanen für frei erklärte.Falko Hahn (fah): Als die halbe Stadt Reißaus nahm. In: Südkurier, 22. Januar 2009 Gottfried Werner von Zimmern (1484–1554) errichtete die spätgotische St. Martinskirche (später barock umgestaltet). Unter Graf Froben Christoph von Zimmern (1519–1566), Verfasser der „Zimmerischen Chronik“, erfuhr Meßkirch eine Blüte, die Stadt wuchs und wurde um die so genannte Vorstadt erweitert. Zudem ließ er das Schloss im Stile der italienischen Renaissance als Vierflügelanlage umgestalten und das Spital und viele andere Gebäude bauen.

Neuzeit Bis zum Bauernkrieg 1525 lagen die Machtverhältnisse noch zugunsten der Bürger. 1594 erlosch das Geschlecht der Grafen von Zimmern mit dem Tod von Graf Wilhelm von Zimmern (1549–1594) im Mannesstamm und kam über eine Schwester des letzten Grafen an die Grafen von Helfenstein, Freiherren zu Gundelfingen. 1627 kam die Stadt unter die Herrschaft der Meßkircher Linie der Fürsten zu Fürstenberg.