Die DocMorris AG (bis Mai 2023 Zur Rose Group AG) ist ein Schweizer börsennotiertes Arzneimittelvertriebsunternehmen. Die bekanntesten Marken des Konzerns sind die niederländische Versandapotheke DocMorris und der Videosprechstundenanbieter TeleClinic (Telemedizin) in München.

Neben dem Versandhandel von verschreibungspflichtigen und rezeptfreien Medikamenten nach Deutschland wird ein Marktplatz für Gesundheits- und Kosmetikprodukte in Spanien und Frankreich betrieben. Das Unternehmen wurde 1993 als Ärztegrossist gegründet und betätigt sich seit 2001 auch als Versandapotheke für Privatkunden. Die Aktivität als Ärztegrossist und Versandapotheke in der Schweiz wurde im Mai 2023 verkauft.

Aktivitäten und Konzernstruktur DocMorris ist seit 2012 Europas grösste Online-Apotheke.

DocMorris gehört zu den 500 grössten Unternehmen in der Schweiz. Die Aktien sind an der SIX Swiss Exchange kotiert. Der Hauptsitz befindet sich in Frauenfeld (Kanton Thurgau). Das Unternehmen beschäftigt an verschiedenen Standorten rund 1600 Mitarbeitende und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024 einen Aussenumsatz von 1085 Millionen Franken.

DocMorris ist international unter anderem mit der niederländischen Apothekenmarke DocMorris überwiegend im deutschen Markt präsent. Diese ist seit 2004 in Heerlen unweit der deutschen Grenze beheimatet. Gründe für die Wahl des Standortes waren die Umgehung des bis 2003 in Deutschland geltenden Verbots des Arzneimittel­versandhandels und der Wegfall der in Deutschland herrschenden Preisbindung auf rezeptfreie Medikamente.

Geschichte mini|Zur-Rose-AG-Logo bis Mai 2023 Zur Rose wurde im März 1993 durch 21 Ärzte gegründet. Zwei Monate später eröffneten diese eine Apotheke in Steckborn und begannen in der Region Ärzte zu beliefern. Ende 1995 dehnten sie die Ärztebelieferung schrittweise auf die ganze Deutschschweiz aus. Mitte 1999 gründete das Unternehmen zusammen mit der Polymed Medical Center AG die auf Lieferservice spezialisierte PolyRose AG als gemeinsames Tochterunternehmen. Im Oktober 1999 bezog das Unternehmen das neue Logistikzentrum in Frauenfeld mit einer Gesamtfläche von 4500 m². 2001 begann Zur Rose mit dem Medikamentenversand an Patienten.

Mit der Gründung der Tochtergesellschaft Zur Rose Pharma GmbH in Halle (Saale) expandierte das Unternehmen 2004 nach Deutschland und stieg dort in das Pharmadienstleistungsgeschäft ein. Das Deutschland-Geschäft wurde Ende 2006 mit der Übernahme der VfG Versandapotheke mit Sitz in Tschechien und operativer Tätigkeit in Deutschland ausgebaut.

Mitte 2009 veräusserte die Zur Rose AG ihre auf Generika spezialisierte Tochtergesellschaft Helvepharm AG an den französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis. Von Januar 2011 bis 2015 kooperierte Zur Rose mit dem dm-drogerie markt in Österreich im Bereich Pick-up-Rezeptsammelstellen. Abgerufen am 26. Oktober 2012. Im Oktober 2012 übernahm die Zur Rose AG die niederländische Versandapotheke DocMorris vom Pharmagrosshändler Celesio für 25 Millionen Euro. Sie wurde damit Marktführer im deutschen Pharma-Versandhandel,Der Krampf mit DocMorris ist zu Ende Abgerufen am 25. Oktober 2012. denn mit DocMorris und den beiden bereits bestehenden Tochtergesellschaften Zur Rose Pharma und VfG Versandapotheke hatte die Zur Rose AG über zwei Millionen Kunden im deutschen Markt. Celesio hatte am 26. April 2007 rund 90 Prozent der Anteile an DocMorris übernommen. Die niederländische Versandapotheke lieferte nach einer telefonischen, postalischen oder Internet-Bestellung Arzneimittel vorwiegend an Kunden in Deutschland. Sie war im Jahr 2000 vom niederländischen Apotheker Jacques Waterval und dem Deutschen Ralf Däinghaus gegründet worden.

Die beiden Gründer verliessen bereits 2004 (Waterval) und 2009 (Däinghaus) das Unternehmen. Nach der Übernahme durch Celesio war DocMorris in Europa neben der Versandapotheke auch mit Vor-Ort-Apotheken in Deutschland, Irland, Schweden und Italien präsent. Die Apotheken ausserhalb Deutschlands gehörten allerdings Celesio und erhielten nach der Übernahme den Markennamen DocMorris. Nach dem Verkauf an die Zur Rose AG durften die Apotheken in Irland, Schweden und Italien den Markennamen für eine Übergangszeit weiter nutzen.

Im Februar 2013 übernahm das damalige Zur-Rose-AG-Tochterunternehmen DocMorris den Anteil von K–Mail Order (vormals Klingel) an der Wellsana-Apotheke, die 2010 als Gemeinschaftsunternehmen von DocMorris und K–Mail Order gegründet worden war. Im Juni 2013 gab DocMorris bekannt, dass es neuer Haupt- und Trikotsponsor von Alemannia Aachen wird. Im Juni 2014 reduzierte die Zur Rose AG die Anzahl der Logistikstandorte von vier auf drei und stellte das Logistikzentrum im tschechischen Česká Lípa ein. Das Versandgeschäft und die Pharma-Dienstleistungen der Marken DocMorris und Zur Rose für die Märkte Deutschland und Österreich werden fortan von den Standorten Heerlen (NL) und Halle an der Saale (DE) aus betrieben.

Im Jahr 2014 kam die Geschäftseinheit DocMorris auf über 2,5 Millionen Kunden.

2015 übernahm die Zur Rose AG eine Mehrheitsbeteiligung an BlueCare in Winterthur, einem Anbieter von vernetzenden Systemen im Schweizer Gesundheitswesen. Im Jahr 2015 eröffnete DocMorris auch auf etwa 16 000 m² eine neue Logistik- und Verwaltungszentrale im European Business Park Avantis in den Gemeinden Heerlen in den Niederlanden und Aachen in Deutschland.DocMorris baut auf das grenzüberschreitende Gewerbegebiet Avantis. In: Aachener Zeitung, 8. Oktober 2014. Wie die Zur Rose AG im November 2017 bekannt gab, übernimmt sie von der Ströer Media die Versandapotheke Vitalsana in Heerlen sowie den dazugehörigen Dienstleister ApDG in Ulm.Zur Rose kauft Vitalsana In: pharmazeutische-zeitung.de, 29. November 2017, abgerufen am 5. April 2023. Zudem wurde im selben Jahr die Eurapon Pharmahandel in Bremen übernommen.So kauft Zur Rose trotz Fremdbesitzverbot deutsche Versender In: deutsche-apotheker-zeitung.de, 8. November 2018, abgerufen am 5. April 2023.

Im Mai 2018 wurde die Übernahme der in Hamburg ansässigen Versandhandelsapotheke apo-rot durch DocMorris bekannt.Versandapotheken: Apo-Rot: Versandgeschäft geht an DocMorris Bericht auf dem Internetportal Apotheke Adhoc vom 24. Mai 2018, abgerufen am 6. Oktober 2018 Im September 2018 übernahm die Zur Rose AG den spanischen Marktplatz Promofarma. Im Januar 2019 gab die Zur Rose AG den Erwerb der medpex-Versandaktivitäten bekannt. Mit der Übernahme erhöhte die Zur Rose AG ihren Anteil am Arzneimittelversand in Deutschland von 18 auf 31 Prozent.

In der Schweiz werden in Zusammenarbeit mit der Migros-Tochter Medbase je eine in Migros-Läden integrierte Shop-in-Shop-Apotheke in den Städten Basel, Bern, Zürich und Spreitenbach betrieben.

Die Kooperation wurde beginnend ab 2020 mit weiteren Filialen ausgebaut und um einen gemeinsam betriebenen Webshop ergänzt. Im Juni 2020 wurde die Übernahme der Versandhandelsaktivitäten der von der Bad Apotheke, Bad Rothenfelde, betriebenen Apotal Versandhandelsapotheke, die 2019 Umsatzerlöse von 157 Mio. Euro erzielte, durch die Zur Rose AG bekannt.Zur Rose übernimmt auch noch Apotal Meldung der Deutschen Apotheker Zeitung vom 26. Juni 2020, abgerufen am 6. August 2020 Im Juli 2020 hat die Zur Rose AG den Münchener Telemedizin-Anbieter TeleClinic GmbH (für Videosprechstunden) übernommen. und Im Juli 2021 übernahm das Unternehmen die Geschäfte von apo-rot vollständig. Durch die Fusion verschwand die Marke apo-rot.Meldung von apo-rot: „apo-rot & DocMorris: zwei Partner mit einem Ziel: Ihre Zufriedenheit!“ Abgerufen am 3. Mai 2021. Im Dezember 2021 kam es zu einer Kapitalerhöhung durch die Ausgabe von 650'000 neuen Aktien. Diese Massnahme generierte einen Bruttoerlös von 188,5 Millionen Franken.

2022 wurden am Standort Heerlen die Marke medpex integriert und die Kapazität mehr als verdoppelt. Der Logistikstandort in Bremen wurde gleichzeitig geschlossen und die Marke Eurapon eingestellt. Im Februar 2023 wurde bekannt, dass die Zur Rose Suisse AG, die die ursprünglichen Aktivitäten der Gruppe als Grossist für Ärzte hielt, unter Vorbehalt der Zustimmung der Wettbewerbskommission, von der Migros-Tochter Medbase übernommen werden sollte. Die Genehmigung zur Übernahme erfolgte im April 2023. Im Mai 2023 firmierte die Zur Rose AG auf DocMorris AG um. Im April 2024 hat DocMorris als erster Anbieter für den deutschen Markt von der Nationalen Agentur für Digitale Medizin (gematik) die Zulassung für den Produkttyp eHealth-CardLink (eH-CL) für einen volldigitalen Einlöseweg des E-Rezepts über die DocMorris App erhalten.

Im Jahr 2024 kam DocMorris auf über 10,3 Millionen Kunden.

TeleClinic hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Telemedizinakteure im deutschen Gesundheitswesen entwickelt. 2025 wurde TeleClinic vom TIME Magazine als eine der World ’s Top HealthTech Companies ausgezeichnet. Über 6.500 Ärztinnen und Ärzte sind auf der Plattform mittlerweile registriert und betreuen über 100.000 Fälle im Quartal. TeleClinic verfügt über Rahmenverträge mit zahlreichen AOKen und BKKen sowie weiteren Krankenkassen wie der Techniker Krankenkasse. Im Rahmen der Kooperation mit Kassenärztlichen Vereinigungen, wie den KVen Niedersachsen und Westfalen-Lippe, fungiert TeleClinic als technischer Dienstleister zur Umsetzung der Videosprechstunden im ärztlichen Bereitschaftsdienst und ist somit fester Bestandteil der ambulanten ärztlichen Regelversorgung. 2025 erwirtschaftete TeleClinic einen Umsatz von 24,9 Millionen CHF.

Kooperationen 2013 wurde die inhabergeführte Versandapotheke Zur Rose in Halle exklusiver Apothekenpartner der deutschen Drogeriemarktkette dm und war als solcher in rund 1600 Filialen in Deutschland präsent. dm hatte damit die mehrere Jahre bestehende Kooperation mit der Europa Apotheek Venlo beendet.dm-Drogeriemarkt kooperiert mit Zur Rose Abgerufen am 18. Oktober 2012. 2015 wurden die Bestell-Terminals in den dm Filialen abgebaut, der Abholservice für Zur Rose Kunden blieb bestehen. Ende 2024 wurde der Logistik- und Service-Standort Zur Rose Pharma GmbH in Halle (Saale) von DocMorris geschlossen, die Marke Zur Rose in Deutschland vom Markt genommen.

Rechtliche Situation auf dem Deutschen Markt

Kunden Aus den Niederlanden bedient das Unternehmen überwiegend den deutschen Markt. Dazu besitzt das Unternehmen in Aachen eine deutsche Postfach-Adresse. Bei rezeptpflichtigen Medikamenten gab es lange Zeit zur schriftlichen Bestellung keine Alternative, da das Rezept dem Versender vorgelegt werden musste. Seit April 2024 ist die kontaktlose Einlösung des E-Rezepts per Smartphone-App möglich. Bis 2019 lockte DocMorris zeitweise weitere Kunden, indem die in Deutschland erhobene Zuzahlung bei Rezepten halbiert worden war.

Ausgangssituation Da das deutsche Heilmittelwerbegesetz das Anbieten verschreibungspflichtiger Arzneimittel im Internet und den Arzneimittel-Versand nach dem deutschen Arzneimittelgesetz verbot, berief sich DocMorris auf die garantierte wirtschaftliche Freizügigkeit auf dem Europäischen Binnenmarkt, um in Deutschland Medikamente anzubieten. Der Versandhändler trat dabei bewusst in Konflikte mit Aufsichtsbehörden und deutschen Apothekern. Mit der geplanten Eröffnung von DocMorris-Apotheken, die von der gleichnamigen Kapitalgesellschaft betrieben werden sollten, und mit der Eröffnung einer ersten Apotheke im Saarland forderte DocMorris erneut deutsche Apotheker heraus, die das Fremdbesitzverbot für Apotheken gefährdet sahen. Das Geschäftsmodell und die Geschäftspraxis waren mehrfach Gegenstand von Gerichtsverhandlungen und führten zu Änderungen des deutschen Apotheken- und Arzneimittelrechts. Weitreichende Wirkung kommt dabei dem EuGH-Urteil vom 19. Oktober 2016 (Rechtssache C 148/15) zu, wonach die deutsche Arzneimittelpreisbindung Unionsrecht verletzt.

Gerichtsverfahren zum Versand von Arzneimitteln nach Deutschland (2003)