Free Banking (auch Bankfreiheit) beschreibt die Idee eines Bankwesens, in dem Banken den gleichen (staatlichen) Regulierungen unterliegen wie andere Unternehmen und keine besonderen staatlichen Vorschriften, Restriktionen oder Privilegien für Unternehmen des Bankensektors existieren.Vera Smith: The Rationale of Central Banking and the Free Banking Alternative. Minneapolis 1990, LibertyFund, S. 169. Selbst unter den Laissez-faire-Befürwortern ist nur eine Minderheit für die Umsetzung dieser Idee.Melvin W. Reder: Economics: The Culture of a Controversial Science. The University of Chicago Press, 1999, ISBN 0-226-70609-5, S. 253.

Überblick Heute gehört das Bankwesen zu den am stärksten regulierten Bereichen der Volkswirtschaft. In der Vergangenheit gab es Phasen, in denen in einzelnen Staaten einzelne Restriktionen oder Privilegien nicht vorhanden waren oder aufgehoben wurden, in denen Einschränkungen der Bankfreiheit somit geringer waren als heute. Vollkommene Bankfreiheit gab es auch in diesen Phasen nicht.

Vertreter eines Free Banking fordern vielfach, dass keine Zentralbanken bestehen sollen und jedermann das Recht haben soll, unbeschränkt und ohne jede Währungsdeckung Banknoten zu emittieren. Im Gegenzug soll kein gesetzliches Zahlungsmittel bestehen, Marktteilnehmer also nicht gesetzlich dazu verpflichtet sein, von bestimmten Institutionen in Umlauf gebrachtes Geld als Bezahlung für Waren und Dienstleistungen zu akzeptieren.

Dies würde bei konsequenter Umsetzung den Wechsel von dem heute in der Regel zweistufigen Bankensystem mit öffentlichen bzw. quasiöffentlichen Zentralbanken zur Geldversorgung und privaten Geschäftsbanken zur Kreditversorgung zu einem einstufigen Bankensystem, bestehend nur aus Geschäftsbanken mit Notenausgabe, bedeuten. Theoretisch ebenso denkbar wäre grundsätzlich auch der Übergang zu einem einstufigen Bankensystem, bestehend nur aus einer Zentralbank mit Kreditvergabe ohne Geschäftsbanken, dies allerdings im genauen Gegensatz zum Ansatz des Free Banking.

Diese Position ist in der Wirtschaftswissenschaft in der Minderheit. Anhänger finden sich besonders im Umfeld der Mont-Pèlerin-Gesellschaft, der Österreichischen Schule und bei Anhängern der Ökonomen Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises und Murray Rothbard. Überwiegend wird die Gegenposition vertreten, dass die Besonderheiten des Kreditwesens eine Bankenregulierung notwendig machen. Zurzeit und auch historisch befürworten nur wenige Wirtschaftswissenschaftler Free-Banking-Theorien. Die Rezeption entsprechender Publikationen in der Fachwissenschaft ist gering.

Merkmale Im FolgendenKevin Dowd: Laissez-faire Banking. ISBN 0-415-13732-2, S. 27 ff. werden die Merkmale des Bankwesens erläutert, wie es sich unter Free Banking entwickelt hat. Da historische Beispiele rar sind und von historischen Besonderheiten abstrahiert wird, stützt sich diese Beschreibung in erster Linie auf theoretische Überlegungen, die jedoch im Einklang mit historischen Erkenntnissen stehen.

Konkurrierende Währungsanbieter mini|220x220px|Eine von einem Laden herausgegebene Banknote. Ihr Wert wird durch ein Zahlungsversprechen aufrechterhalten (hier zahlbar als Ware). Das Bankwesen hat sich in einer Situation entwickelt, in der das gängige Zahlungsmittel Gold- bzw. Silbermünzen waren. Da das Zahlen mit Münzen unpraktisch ist, begannen die Menschen, ihr Gold bei Personen zu lagern, die ohnehin größere Mengen davon aufbewahren mussten, etwa Goldschmiede und Händler. Als Quittung gaben die Goldschmiede Zertifikate heraus, die den Inhaber berechtigten, bei einem Goldschmied eine bestimmte Menge Gold abzuheben. Statt Goldmünzen wurden diese Zertifikate gängiges Zahlungsmittel. Da jeweils nur ein kleiner Teil des bei einem Goldschmied hinterlegten Goldes abgehoben wurde, war es dem Goldschmied möglich, mehr Goldzertifikate auszugeben, als er mit Gold decken konnte. Dieses Verfahren wird heute als Teilreserveverfahren bezeichnet. Ab diesem Punkt betrieben die Goldschmiede das Geschäft einer Bank. Für sie wurde es attraktiv, die Einlagen zu verzinsen, da sie untereinander um diese konkurrierten. Darüber hinaus konkurrierten Banken darin, dass die von ihnen ausgegebenen Zertifikate (Banknoten) wertbeständig bleiben. Die überzeugendste Garantie dafür war, dass die Zertifikate in Gold konvertiert werden konnten. Durch diese Garantie war der Wert der Noten an den des Goldes gebunden. Einige Vertreter des Free Banking, wie J. G. Hülsmann, kritisieren, dass das Teilreserveverfahren eigentlich Betrug darstelle und der Vertragsbruch, der sich einstellt, wenn eine Bank ihrer Verpflichtung, Noten in Gold zu tauschen, nicht nachkommt, nicht ausreichend bestraft werde.Jörg Guido Hülsmann: Die Ethik der Geldproduktion. ISBN 978-3-937801-19-3, S. 110 und S. 130. Mit dem Teilreserveverfahren geht unvermeidlich das Risiko von Bank Runs einher.

Clearing-Systeme Das Geschäft einer Bank wird durch die Akzeptanz der von ihr ausgegebenen Noten begrenzt. Zwei Banken können einen Wettbewerbsvorteil erhalten, indem sie sich gegenseitig verpflichten, die Noten der jeweils anderen Bank zu akzeptieren, was auch die allgemeine Akzeptanz erhöht. Es zeigt sich, dass die praktikabelste Art, den Notenaustausch zu organisieren, ist, regelmäßig zentrale Clearing-Treffen abzuhalten, in denen die Banken ihre Noten zurückerhalten und die Differenzen ausgezahlt werden. Ein historisches Beispiel ist die New York Clearing House Association im späten 19. Jahrhundert. Clearing-Systeme erfüllen eine wichtige Funktion, da durch sie überemittiertes Geld, also Geld, das nicht als Zahlungsmittel gebraucht wird und Inflation oder Instabilität hervorrufen könnte, schneller aus dem Umlauf entfernt wird.

Geldmärkte Die Liquidität von Banken ist zufälligen Schwankungen unterworfen. Diese lassen sich zwar weitgehend ausgleichen, indem die Bank Anlagen verkauft, jedoch bleibt ein Risiko unvorhergesehen großer Schwankungen, welche die Bank in die Illiquidität treiben können. Diesem Risiko kann begegnet werden, indem sich Banken, die knapp an Liquidität sind, bei solchen, die über überschüssige Mittel verfügen, kurzfristig Geld leihen. In einem Währungswesen mit Zentralbank können die Banken darauf vertrauen, dass diese ihnen die nötigen Gelder leiht. Da diese Gelder in unbegrenzter Höhe zur Verfügung stellen kann, ist es den Banken möglich, ihre Reserven auf ein Maß abzusenken, mit denen sie unter Free Banking nicht überlebensfähig wären (siehe auch Geldmarkt).

Optionsklauseln Da das Banksystem als Ganzes nicht in der Lage ist, allen Zahlungsverpflichtungen gleichzeitig nachzukommen, kann die Situation auftreten, in der die Geldmärkte ausgetrocknet sind, d. h. auch zu ungewöhnlich hohen Zinssätzen niemand willens ist, den Banken Geld zu leihen. Dann ist ein Zusammenbruch des Finanzsystems denkbar. Banken können diese Gefahr vermeiden, indem sie die Zahlungsverpflichtungen der Noten verändern. Anstelle der Verpflichtung, die Noten jederzeit in Hartgeld umzutauschen, können sie sich das Recht vorbehalten, die Auszahlung für eine im Voraus festgelegte Zeitspanne auszusetzen und zur Kompensation einen Zins zu zahlen. Die genauen Konditionen werden so gewählt sein, dass die Banken diese Optionsklauseln nur in Notfällen anwenden werden, da die Noten ansonsten nicht angenommen würden. Der Zinssatz würde etwas über dem Durchschnitt des Geldmarktzinses der letzten Monate liegend festgesetzt, so dass sichergestellt ist, dass es für die Bank normalerweise günstiger ist, sich auf den Geldmärkten Liquidität zu beschaffen, als die Optionsklauseln auszulösen.

In Krisenzeiten kann der Zins auf den Geldmärkten jedoch so weit steigen, dass es für die Banken günstiger wird, die Zahlung auszusetzen, als die Geldmärkte zu belasten. Sie können sogar die Zahlung aussetzen und das Geld weiterverleihen und so dazu beitragen, den Engpass an Liquidität zu überwinden. Am wichtigsten ist jedoch, dass die Optionsklauseln das Risiko von Bank Runs eliminieren, die sich aus der sich selbst erfüllenden Erwartung ergeben, ein solcher stehe bevor. Wenn eine Bank ohne Optionsklauseln einen Kassensturm erleidet, gehen die Anleger leer aus, die als letzte die Einlösung ihrer Noten verlangen. Bei einer Bank mit Optionsklausel wird das verfügbare Geld dagegen auf jeden aufgeteilt, der das Einlösen verlangt hat. Daher entfällt der Vorteil, als erster die Noten einzulösen. Noten mit Optionsklauseln waren in Schottland von 1730 bis 1765 anzutreffen.

Spekulative Free-Banking-Konzepte In der Free-Banking-Theorie gab es verschiedene Spekulationen, wie sich das Finanzsystem ohne staatlichen Einfluss entwickeln würde. J. G. Hülsmann bezweifelt, dass das Teilreserveverfahren mit Eigentumsrechten vereinbar sei. Das Teilreserveverfahren habe negative Auswirkungen, es führe zu Inflation und beschwöre das Risiko von Bank Runs herauf. Hülsmann zufolge wäre jedes Geld in einer Wirtschaft ohne staatliche Einflüsse Warengeld, da Geld, das keinen Wert hat, der über die monetäre Verwendung hinausgeht, mit dem Risiko eines totalen Wertverlustes behaftet ist.Jörg Guido Hülsmann: Die Ethik der Geldproduktion. ISBN 978-3-937801-19-3, S. 47 f.

Weitere Entwicklung nach Kevin Dowd Kevin Dowd beschreibt eine Entwicklung, die das Finanzsystem, ausgehend vom Teilreservesystem, nehmen könnte.

In einem ersten Schritt würden Noten zunehmend nicht gegen Gold, sondern gegen andere Anlageformen eingelöst, etwa Forderungen gegenüber anderen Banken oder Firmen. Die Öffentlichkeit würde das akzeptieren, solange die angebotenen Anlageformen wertstabil und als Zahlungsmittel akzeptiert seien. Sie würde diese sogar dem Gold vorziehen, da sie einfacher zu handhaben sind. Die Banken haben zunächst den Vorteil, dass es billiger ist, solche Rückzahlungsmedien (redemption medium) aufzubewahren als Gold. Bedeutender ist, dass die Banken die Rückzahlungsmedien auf breiteren Märkten einkaufen können und es ihnen möglich ist, mit ihren Noten höhere Preise als die Parität zum Goldpreis zu zahlen. Mit ihren Noten weniger Gold zu kaufen, als es dem Nennwert entspricht, ist den Banken vertraglich untersagt, da sie den Wert der Noten zum Gold stabil halten müssen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf den Märkten neue Tilgungsmedien einkaufen können, steigt, was den Banken ermöglicht, die Reservequote zurückzufahren. Für die Volkswirtschaft als Ganzes ist ein solcher Schritt positiv, da das Finanzsystem auf großflächige Rückzahlungsforderungen nicht mehr mit dem Anheben der Zinsen reagieren muss, was negative ökonomische Auswirkungen hätte.Kevin Dowd: Laissez-faire Banking. ISBN 0-415-13732-2, S. 62 ff.

In einem zweiten Schritt kann die Verpflichtung, Noten gegen Gold einzutauschen, gegen die Verpflichtung ersetzt werden, Noten gegen Finanzinstrumente mit dem gleichen Wert von Gold einzutauschen. Einer solchen Verpflichtung können die Banken nachkommen, indem sie am Goldmarkt oder billiger am Futuremarkt für Gold intervenieren. Wenn eine Bank mehr Noten ausgibt, als von anderen gehalten werden, würde Geld überemittiert und wird das den Wert der Noten senken; davon wird schließlich auch das Austauschverhältnis von Noten und Gold betroffen sein. Durch geeignete Geschäfte auf den Goldmärkten müsste die Bank das Austauschverhältnis wieder stabilisieren. Durch solche Geschäfte wird die Anzahl ausstehender Noten (also Verbindlichkeiten der Bank) reduziert, zugleich müsste sie Aktiva verkaufen, um die Geschäfte zu finanzieren. Die überemittierten Gelder werden also wieder vom Markt genommen. Die Banken sind nicht mehr darauf angewiesen, Goldreserven zu halten, sondern benötigen lediglich hinreichend liquide Aktiva.Kevin Dowd: Laissez-faire Banking. ISBN 0-415-13732-2, S. 65 f.