Öhringen ist eine Stadt im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs, etwa 25 km östlich von Heilbronn gelegen. Erste Besiedlungen in geschichtlicher Zeit lassen sich durch die Römer nachweisen, die am Limes zwei Kastelle errichteten. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Stadt und ihr Chorherrenstift im auf das Jahr 1037 datierten Öhringer Stiftungsbrief als Oringowe. 1677 wurde Öhringen zur Residenzstadt der Fürsten zu Hohenlohe und erlebte einen baulichen und wirtschaftlichen Aufschwung. Nach dem Übergang an Württemberg 1806 wurde die Stadt zur Oberamtsstadt, 1938 zum Sitz des Landkreises Öhringen und blieb bis zur Gründung des Hohenlohekreises 1973 Kreisstadt.

Mit ihren Einwohnern (Stand ) ist Öhringen die größte Stadt des Hohenlohekreises und seit 1994 dessen einzige Große Kreisstadt. Für die umliegenden Gemeinden ist sie Mittelzentrum in der Region Heilbronn-Franken.Hohenlohekreis: Öhringen: Große Kreisstadt im Norden von Baden-Württemberg. Mittelzentrum. Online auf www.hohenlohekreis.de, abgerufen am 26. Oktober 2014

mini|Öhringen von Westen; im Hintergrund die Hohenloher Ebene, rechts die Stiftskirche und das Schloss mini|Luftbild von Öhringen

Geographie mini|hochkant|Stiftskirche und Schloss (Blick von der Allmand)

Geographische Lage Öhringen liegt im westlichen, tiefer gelegenen Teil der Hohenloher Ebene, zwischen der Keuperstufe der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge und dem Kochertal. Die Stadt breitet sich über das flache Tal der Ohrn aus, eines kleinen Flusses, der etwa 10 km talwärts im Stadtteil Ohrnberg in den Kocher mündet. Das Stadtgebiet liegt zwischen im Kochertal an der Kreisgrenze bei Möglingen und im Mainhardter Wald auf der Karlsfurter Ebene, die noch zum Stadtteil Michelbach gehört. Die Höhe in der Kernstadt selbst schwankt zwischen und .

Das Öhringer Gebiet entwässert zum Kocher, der zwischen Ohrnberg und Sindringen in die Markung eintritt, etwa 3 km flussaufwärts von Ohrnberg. Er verlässt die Gemarkung und das Kreisgebiet nach 6 km westlich des Stadtteils Möglingen. Die Ohrn hat eine breite, ebene Talsohle im Nordwesten der Stadt und bei Möhrig geschaffen. Ab Unterohrn verläuft die Ohrn bis zur Einmündung in den Kocher in den harten Schichten des Muschelkalks und hat dort ein tiefes Tal eingeschnitten. Dieser Abschnitt des Flusslaufs wurde als Ohrntal 1963 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Der Maßholderbach und der Westernbach, die nordwestlich der Kernstadt in die Ohrn münden, bilden im nordöstlichen Teil der Gemarkung ebenfalls flache Talmulden.

Das Naturschutzgebiet Viehweide auf Markung Michelbach befindet sich in Öhringen.Martin Doll: Die Landschaft um Öhringen. In: Öhringen. Stadt und Stift (siehe Literatur)Kurzbeschreibung auf einer Lokalisierung möglich auf dem

Öhringen liegt am südwestlichen Rand des Ostfränkischen Sprachraums, wobei in der speziellen Öhringer Mundart auch Einflüsse von Rheinfränkisch und Schwäbisch auszumachen sind.Öhringer Heimatbuch (1929), S. 345 ff.

Geologie Naturräumlich betrachtet ist die Hohenloher Ebene ein Teil des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes und gehört zur Triaslandschaft. Sie ist eine der sich in einem Band mit wechselnder Breite vom südöstlichen Rand des Schwarzwalds über die Fränkische Gäubucht bis ins Fränkische im Norden erstreckenden Gäuflächen und geht in Norden und Osten ins Bauland, den Taubergrund und die Haller Ebene über. Die Hohenloher Ebene selbst umfasst das Gebiet um Kocher und Jagst bis zum Fuß der Keuperwaldberge und ist ein waldarmes und fruchtbares altes Bauernland.

Den Untergrund bilden die Schichten des Muschelkalks, die auf weiten Flächen von Schichten des Lettenkeupers und teilweise von Lösslehm bedeckt sind. Ins meist harte Gestein des Muschelkalks haben sich Tauber, Kocher und Jagst mit ihren vielen Zuflüssen eingeschnitten und dabei enge, abwechslungsreiche und landschaftlich reizvolle Talabschnitte geschaffen. Die Gäufläche wird im Süden halbkreisförmig von den Wäldern der Löwensteiner, Waldenburger und Limpurger Berge eingerahmt und überragt.Ekkehard Hein: Ein geographischer Überblick. In: Otto Bauschert: Hohenlohe. Kohlhammer, Stuttgart 1993. S. 86ff.

mini|Aufschluss des Keupers am Golberg Dieser Keuperstufenrand überragt die Hohenloher Ebene um etwa 130 Meter, bei Waldenburg sogar bis 180 Meter. Die Stufenbildner sind hier vor allem Schilf-, Kiesel- und Stubensandstein, die wegen ihrer Staunässe wenig beackert, sondern vor allem bewaldet sind. Durch fluviale Erosion wurde der Rand der Keuperwaldberge im Lauf der Zeit in mehrere Abschnitte mit spornartigen Vorsprüngen gegliedert. An einigen Stellen wurden Einzelberge als Zeugenberge abgetrennt, bei Öhringen der Golberg (), der Verrenberg () und der Lindelberg (). Die Landschaft um Öhringen hat so an zwei wichtigen Elementen des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes Anteil, an den Gäuplatten und an den Keuperwaldbergen.Otto F. Geyer, Manfred P. Gwinner: Geologie von Baden-Württemberg. Schweizerbart, Stuttgart 1991.

Der Muschelkalk im Untergrund der Hohenloher und Haller Ebene ist weithin verkarstet, was sich an mehr als 2000 Erdfällen, zahlreichen Trockentälern und einigen Höhlensystemen zeigt. In mehreren Steinbrüchen wird das Muschelkalkgestein abgebaut und meist zu Schotter gebrochen, auch im Stadtgebiet von Öhringen (bei Unterohrn). Dem Muschelkalk lagert jedoch in wenig wasserdurchlässiger Schicht noch Lettenkeuper auf, der ein schnelles Versickern der Niederschläge im Muschelkalk verhindert. Da überdies auf dem Lettenkeuper oft noch Löss- und Lösslehmschichten liegen, entstanden mineralreiche, ackerbaulich leicht zu bearbeitende Böden mit ausreichender Durchfeuchtung.Hans Hagdorn, Theo Simon: Geologie und Landschaft des Hohenloher Landes. Sigmaringen 1985.

Das Umland von Öhringen ist stark von der Landwirtschaft geprägt. Neben dem Anbau von Getreide, Zuckerrüben, Kraut, Gurken, Zwiebeln, Mais und Raps geben Streuobstwiesen und Weinberge der Landschaft weithin ihr typisches Gepräge.

Klima Hohenlohe ist Teil der warmgemäßigten mitteleuropäischen Klimazone mit noch überwiegend maritimer Prägung. Die auf kleiner Skala wechselnde Topographie, insbesondere zwischen Tal- und Höhenlagen, bewirkt auch von Ort zu Ort stark variierendes Klima. Das Lokalklima Öhringens vermittelt zwischen dem milderen des Neckarbeckens, dem etwas raueren der Hohenloher Ebene und dem Mittelgebirgsklima, das in den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen vorherrscht. Öhringen hat eine mittlere Jahrestemperatur von 8,7 °C. Die Monatsmittel der Monate Januar und Juli liegen auf den Keuperhöhen um etwa ein bis zwei Grad niedriger. Diese Temperaturunterschiede werden besonders im Winter deutlich, wenn auf den Höhen noch Schnee liegt, er jedoch in der Ebene schon längst weggetaut ist. Die mittlere Jahresniederschlagssumme liegt in Öhringen bei 734 mm, in den höher gelegenen Gebieten der Keuperwaldberge fallen bis zu 1000 mm und teilweise darüber. Der Frühlingseinzug mit dem Beginn der Apfelblüte liegt in Öhringen um den 4. Mai, weiter östlich später, weiter westlich früher.Christoph Borcherdt: Bundesrepublik Deutschland. (Wissenschaftliche Länderkunden, Band 8. V. Baden-Württemberg). Darmstadt 1991. Der Deutsche Wetterdienst betreibt in Öhringen eine Wetterwarte. (PDF; 189 kB).

Die Auswirkungen der globalen Erwärmung sind auch in Öhringen messbar. Im Vergleich zur Messperiode 1961–1990 sind die Temperaturen angestiegen. In den Sommermonaten gibt es weniger Niederschläge. Im Frühling und Sommer werden deutlich mehr Sonnenstunden verzeichnet.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen – im Uhrzeigersinn (beginnend im Norden) genannt – an die Stadt Öhringen: Forchtenberg, Zweiflingen, Neuenstein, Waldenburg, Pfedelbach und Bretzfeld (alle Hohenlohekreis) sowie Langenbrettach und Hardthausen am Kocher (beide Landkreis Heilbronn). Zusammen mit Pfedelbach und Zweiflingen bildet Öhringen eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft. Die erfüllende Gemeinde Öhringen berät und unterstützt dabei die beiden anderen Gemeinden bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben und erledigt für diese Gemeinden technische sowie Angelegenheiten des Hoch- und Tiefbaus und die Unterhaltung und den Ausbau der Gewässer zweiter Ordnung. Website der Stadt Öhringen; abgerufen am 24. März 2008.

Öhringen ist ein Mittelzentrum der Region Heilbronn-Franken, in der die Stadt Heilbronn als Oberzentrum ausgewiesen ist. Zum Mittelbereich Öhringen gehören neben der Stadt Öhringen noch die Städte und Gemeinden Bretzfeld, Neuenstein, Pfedelbach, Waldenburg und Zweiflingen (alle Hohenlohekreis).Regionalplan Heilbronn-Franken 2020. Regionalverband Heilbronn-Franken, Heilbronn 2006. S. 29–40.

Stadtgliederung mini|300px|Karte der Stadtteile Öhringens Das Stadtgebiet Öhringens besteht aus der Kernstadt und den Stadtteilen Baumerlenbach, Büttelbronn, Cappel, Eckartsweiler, Michelbach am Wald, Möglingen, Ohrnberg, Schwöllbronn und Verrenberg, die erst im Zuge der Gebietsreform der 1970er Jahre eingegliedert wurden. Alle eingemeindeten Gemeinden gehörten zum Landkreis Öhringen oder ab 1973 zu dessen Rechtsnachfolger, dem Hohenlohekreis.

Die Stadtteile sind zugleich Ortschaften im Sinne der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg mit einem Ortschaftsrat und einem Ortsvorsteher als Vorsitzendem. Die Ortschaftsräte werden bei jeder Kommunalwahl von der wahlberechtigten Bevölkerung der Ortschaft gewählt und sind zu wichtigen, die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören. Jede Ortschaft hat eine örtliche Verwaltungsstelle der Stadtverwaltung.

Stadtteil Eingemeindung EinwohnerStand der Bevölkerungszahlen: 30. Juni 2005 Fläche hazugehörige Wohnplätze Baumerlenbach 407 622 – Büttelbronn 515 694 Ober- und Untermaßholderbach Cappel Website der Stadt Öhringen; abgerufen am 19. März 2008 1.163 230 – Eckartsweiler 353 754 Platzhof, Untersöllbach, Weinsbach Michelbach am Wald Website der Stadt Öhringen; abgerufen am 19. März 2008. 1.231 1321 – Möglingen Website der Stadt Öhringen; abgerufen am 19. März 2008. 272 356 – Ohrnberg Website der Stadt Öhringen; abgerufen am 19. März 2008. 624 785 Buchhof, Heuholzhöfe, Neuenberg, Ruckhardtshausen Schwöllbronn Website der Stadt Öhringen; abgerufen am 19. März 2008. 478 681 Unterohrn Verrenberg Website der Stadt Öhringen; abgerufen am 19. März 2008. 680 414 –

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Öhringen. Statistisches Landesamt.

Geschichte

Von den Bandkeramikern bis zum Römischen Limes mini|Zeugenberge Lindelberg (links, zu Pfedelbach) und Golberg (zu Öhringen) An mehreren Stellen im Weichbild der Stadt Öhringen konnten Spuren der Bandkeramiker, einer der ältesten jungsteinzeitlichen Gruppen, entdeckt werden. Weitere Funde belegen eine vergleichsweise dichte Besiedlung des Gebiets während der frühen Jungsteinzeit. Siedlungen wurden vermutlich auf den Zeugenbergen in und um Öhringen errichtet. Der Golberg gilt als der östlichste Fundort der Michelsberger Kultur.Christoph Unz: Vorgeschichte der Region Öhringen. In: Öhringen. Stadt und Stift. (siehe Literatur) Für Besiedlungen in der Bronze- und Eisenzeit finden sich in und um Öhringen nur sehr wenige Belege.