mini|hochkant=1.2|Geöffneter Altar mini|hochkant=1.2|Geschlossener Altar Der Hochaltar des Münsters in Freiburg ist ein sogenannter Wandelaltar, der von Hans Baldung Grien zwischen 1512 und 1516 für das Freiburger Münster gemalt worden ist.
Allgemeines Gemäß dem Patrozinium des Münsters Unserer Lieben Frau ist das Thema des Altars das Marienleben beziehungsweise die Heilsgeschichte. Bei diesem Wandelaltar hängen an den doppelseitig bemalten Haupttafeln links und rechts je zwei Seitenflügel, von denen die vorderen beweglich sind und die hinteren feststehen. In geschlossenem Zustand zeigt der Altar auf gleich großen Tafeln vier Szenen aus dem Marienleben. Bei geöffneten Flügeln sieht man auf der Mitteltafel die Marienkrönung und auf den beiden Seitenflügeln die Entsendung des Heiligen Geistes auf die zwölf Apostel. Auf der ebenfalls bemalten Rückseite des Altars ist auf der Mitteltafel die Kreuzigung Jesu dargestellt und auf den beiden feststehenden Flügeln je zwei Heilige, die für die Stadt Freiburg und die Universität von besonderer Bedeutung waren.
Die vorderen Seitenflügel des Altars bleiben während des ganzen Kirchenjahres – mit Ausnahme der Advents-, Weihnachts- und der Fastenzeit – geöffnet. Während der Weihnachtszeit wird der Altar geschlossen und man sieht jetzt die Verkündigung, die Heimsuchung, die Geburt Jesu und die Flucht nach Ägypten.
Die Predella auf der Vorderseite des Altars enthält ein Relief mit der Huldigung der Heiligen Dreikönige, das wahrscheinlich von dem oberrheinischen Bildschnitzer Hans Wydyz stammt; es ist flankiert von Wappenengeln in den Zwickeln der Predella. Die gemalte Predella auf der Rückseite zeigt eine Darstellung der Münsterpfleger im Gebet vor der Madonna mit Kind als der Münsterpatronin.Holger Jacob-Friesen (Hg.): Hans Baldung Grien – heilig | unheilig. Ausstellungskatalog Karlsruhe 2019, Deutscher Kunstverlag Berlin 2019, S. 173–177
Der insgesamt aus 11 Bildtafeln bestehende Wandelaltar war von den dafür zuständigen Münsterpflegern im Jahr 1512 an den damals in Straßburg ansässigen „meister hans baldung“ in Auftrag gegeben worden. Wegen dieses Großauftrags verlegte Hans Baldung seine Werkstatt nach Freiburg in das damalige Barfüßerkloster St. Martin und blieb mit seiner Frau bis ca. 1517 in Freiburg wohnen.Sebastian Bock: HOC OPVS FACTVM – Hans Baldung Grien und der Hochaltar des Freiburger Münsters. In: Münsterblatt 2016 (Nr. 23) S. 19–27 Der Hochaltar steht seit 1516 bis heute im spätgotischen Münsterchor, mit dessen Neubau 1354 begonnen worden war, der aber nach 100-jähriger Pause erst 1511 fertiggestellt und 1513 mit der neuen Altarmensa eingeweiht werden konnte. Allerdings wurde der Altar anlässlich der Inthronisation des ersten Freiburger Erzbischofs im Jahr 1827 um 2,5 m nach Osten verrückt, um mehr Raum für die erweiterten liturgischen Feierlichkeiten in der zur Kathedrale erhobenen Freiburger Stadtpfarrkirche zu erhalten. Sebastian Bock: Repräsentation und Raumnot – Ausstattung und Inventar des Freiburger Münsterchores im frühen 16. Jahrhundert. In: Münsterblatt 2013(Nr. 20) S. 26ff. Bei dieser Gelegenheit verbreiterte und erhöhte man den Altarblock, verkleidete ihn mit neugotischen Schnitzereien und schmückte die Aposteltafeln und Weihnachtstafeln mit geschnitztem Rankenwerk. Außerdem versah man den Altar mit einem mehrere Meter hohen neugotischen Gesprenge, das nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr aufgesetzt wurde. Wie der originale Aufsatz des Altares aussah, ist nicht bekannt.
Die Maße: Vorderseite Offener Zustand: Marienkrönung. Mitteltafel 253 × 232,4 cm, zwei Seitentafeln je 288,5 × 101,5 cm Geschlossener Zustand: Weihnachtsseite. 4 gleich große Tafeln je 288,5 × 106 cm Rückseite: Kreuzigung Mitteltafel 288,5 × 237, 2 Seitentafeln je 288,5 × 106 cm
Marienkrönung und Pfingsttafeln Marienkrönung mini|Krönung Mariens auf der Fronttafel Das zentrale Bild des Freiburger Altars zeigt eine Marienkrönung. In einem von musizierenden Engeln bevölkerten Himmel sitzen Christus und Gott Vater auf dem Regenbogen und krönen Maria, die zwischen ihnen steht, mit einer goldenen Bügelkrone. Über Maria schwebt in einer goldenen Aureole die Taube des Heiligen Geistes. Zu ihrer Rechten sitzt Christus. Sein weiter roter Mantel wird am Hals von einer mit Edelsteinen geschmückten Borte eingefasst und mit einer goldenen Schließe gehalten. Braunlockiges Haar fällt auf die Schulter, die Wundmale an Brust, Hand und Füßen sind zu erkennen. Der Stirnreif seiner Krone ist als goldene Dornenkrone ausgebildet, rote Edelsteine erinnern an das bei der Krönung vergossene Blut. In seiner Rechten hält er eine gläserne Kugel, in der sich das Bild Marias spiegelt. Zur Linken Marias thront ein weißbärtiger Gottvater, gehüllt in einen roten, mit gelber Seite gefütterten Mantel, den er über einem weitärmeligen schwarzen, mit Hermelinfell gefütterten Untergewand trägt. Auf dem Kopf hat er über einem mit Goldborte eingefassten Camauro eine mit Edelsteinen geschmückte Krone.
Maria hat ihre Augen demütig niedergeschlagen, die Hände sind zum Gebet gefaltet. Über ihrem zarten, gefältelten weißen Untergewand trägt sie ein langes goldfarbenes Kleid, das sich in schweren Falten auf den Wolken bauscht. Ein dunkelblauer mit Pelz gefütterter Mantel liegt schwer auf ihren Schultern, er wird von einer lose geschlungenen Schnur gehalten. Ihre welligen blonden Haare reichen bis über die Hüften.
Die Szene spielt sich vor einem bewegten Hintergrund ab: Rundliche, puttoartige Kinderengel wimmeln durch ebenso rundliche Wolken und sind in der Tiefe des Himmels kaum noch voneinander zu unterscheiden. Sie singen, musizieren, zupfen an den göttlichen Gewändern und treiben gelegentlich Schabernack, wie der Putto, der unter dem Mantel Marias Versteck spielt.
Die Pfingsttafeln mini|hochkant=0.7|Der Apostel Paulus auf der ersten Pfingsttafel
Auf den beiden Seitenflügeln drängen sich vor einem schwarzen Himmel jeweils sechs weißgekleidete Apostel. Nicht alle sind durch ihre Attribute kenntlich gemacht. Die erste Tafel wird von der eindrucksvollen Gestalt des Apostels Paulus, ein Kahlkopf mit gekräuseltem Vollbart, dominiert. Über einem weißen Untergewand trägt er eine stoffreiche Toga, die auf der Schulter lässig zusammengeknotet, mit einer Holzperlenschnur gegürtet und von einer kreisrunden roten Gewandfibel zusammengehalten wird. Die Hände hat er zum Gebet gefaltet, unter seinem linken Arm schaut der Knauf eines Schwertes, Zeichen seines Martyriums, heraus. Begleitet wird er von einem der vier Evangelisten unter den Aposteln, gekennzeichnet durch ein Buch sowie den Jakobus Minor, als einziger in Rot gekleidet, allerdings mit einem weißen Überwurf und mit einer wahrhaft herkulischen Keule als Attribut. Hinter Jakobus und Paulus sieht man Thomas mit einer gewaltigen Lanze. Die beiden letzten Apostel bleiben von den übrigen mehr oder weniger verdeckt. Über ihren Köpfen, die von kräftigen Heiligenscheinen gerahmt sind, brennen die Flammen des Heiligen Geistes. Das Feuergelb der Nimben wiederholt sich in winzigen Lichtstreifen am Himmel.
Auf der gegenüberliegenden Tafel dominiert die mächtige Gestalt des Simon Petrus, ein Mann von großer Körperkraft, dem die Adern am Hals und auf den muskulösen Armen schwellen. Sonnengebräunt, kahlköpfig bis auf einen krausen weißen Haarkranz, scharfe Augen unter den buschigen Brauen und mit seinem vorgereckten Bart wirkt er wie ein grimmiger Fels in der Brandung. Breitbeinig steht er auf einem felsigen Grund, eine Anspielung des Malers auf das Wort Jesu Du bist Petrus, auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen. [Mt 16,18f] Er trägt ein bräunliches Untergewand mit einem locker geschlungenen weißen Mantel, den er mit festem Griff vor dem Herunterrutschen bewahrt. Ein riesiger Schüssel symbolisiert die Schlüsselgewalt des Apostels. Hinter Petrus steht ein weiterer Evangelist, der mit seinem dicklichen Gesicht, dem modisch geschnittenen weißblonden Pagenkopf und einem roten Seidenschal einen fast weichlichen Eindruck vermittelt. Es folgen Philippus mit dem Kreuzstab, der Evangelist Matthäus, an dessen Hellebarde als kleines Fähnchen die Taube des Heiligen Geistes flattert, Symbol für die göttliche Inspiration des Evangelisten. Ein schwarzhaariger Apostel bleibt fast vollständig verdeckt, während die Reihe von einem weiteren, bartlosen Evangelisten abgeschlossen wird. Auch auf diesen Aposteln züngeln goldene Flämmchen und eine zarte Lichtaura umstrahlt ihre Köpfe.
Die Weihnachtstafeln mini|hochkant=1.1|links|Vier Szenen aus dem Marienleben
Vom 1. Advent bis zum 2. Februar, dem Tag Mariä Lichtmess, mit dem heute noch in manchen katholischen Gegenden die Weihnachtszeit endet, bleibt der Altar geschlossen. Es zeigen sich jetzt von links nach rechts vier Szenen aus dem Marienleben, und zwar die Verkündigung, die Heimsuchung, Christi Geburt und die Flucht nach Ägypten.
Verkündigung Die hochformatige Tafel gibt einen Einblick in Marias Kammer, deren Gewölbe von zwei mächtigen Säulen gestützt wird, und die mit nur wenigen Möbeln ausgestattet ist. Maria kniet von einem Pult, auf dem ein aufgeschlagenes Buch liegt und wendet sich, von der stürmischen Ankunft des Engels Gabriel überrascht, zur Seite. Gabriel, in grün-changierende Gewänder gekleidet, das rötliche Lockenhaar vom Flug aufgewühlt, der Flügel zum Abbremsen seines stürmischen Landeflugs weit ausgebreitet, stemmt den Fuß auf den Fliesenboden. Er trägt sein Szepter in der Linken und hat die Rechte zum Gruß erhoben, um Maria sein Ave mit der folgenreichen Botschaft zu verkünden.
Drei Lichtquellen erleuchten die Szene. Während Gesicht und Hände Marias von einem außerhalb der Bildfläche liegenden Fenster beleuchtet werden und eine Kerze auf dem Tisch im Hintergrund brennt, bricht durch die Säulen ein mächtiger Lichtstrahl, in dessen überirdischem Goldglanz die Taube des Heiligen Geistes und die Lichtgestalt eines Neugeborenen schweben, Verbildlichung der Empfängnis durch den Heiligen Geist.
Auf dem mit einer weißen Leinendecke mit Fransenborte gedeckten Tisch, der vor den schweren roten Vorhängen ihres Bettes aufgestellt ist, stehen ein durchscheinendes Deckelglas, zwei Flaschen, ein goldener Leuchter mit brennender Kerze und ein Keramiktopf mit Maiglöcken. Alle diese Gegenstände sind mit mariologisch-christologischer Bedeutung aufgeladen: Die Maiglöckchen symbolisieren Marias Reinheit, Demut und Bescheidenheit, die Gefäße für Wein und Wasser und die gläserne Pyxis erinnern an das Altarsakrament und die Kerze an Christus, der sich gleich einer brennenden Kerze in seinem Leben und mit seinem Tod für das Heil der Menschen verzehrt.
Die Heimsuchung