Albaner ( []) sind eine Ethnie, deren Angehörige insbesondere im westlichen Teil der Balkanhalbinsel leben und das zu den indogermanischen Sprachen gehörige Albanisch sprechen. Das geschlossene Siedlungsgebiet der Albaner umfasst Albanien, den Kosovo sowie weite Teile des westlichen und nordwestlichen Nordmazedoniens. Darüber hinaus existieren kleinere autochthone albanische Siedlungsräume in den angrenzenden Ländern Montenegro, Serbien und Griechenland.
Auf dem Balkan leben knapp sechs Millionen Albaner. In Albanien und im Kosovo sind sie mit einem Bevölkerungsanteil von jeweils deutlich über 90 Prozent die dominierende Nation. Die Albaner in Nordmazedonien bilden mit etwa 25 Prozent der Bevölkerung die größte Minderheit in diesem Land. Mit 0,82 ProzentDie Republik Kosovo ist hier nicht berücksichtigt. sind die Albaner in Serbien und in Montenegro hingegen eine kleine Minderheit. Viele Auswanderer oder ihre Nachkommen leben in der Diaspora. Große albanische Gemeinden gibt es vor allem in den west- und mitteleuropäischen Staaten, in den Vereinigten Staaten und in der Türkei.
Albaner gehören traditionell verschiedenen Glaubensrichtungen an. Die Mehrheit bekennt sich zum sunnitischen Islam, gefolgt mit weitem Abstand von der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche sowie dem Bektaschi-Orden.
1912 erlangte die Republik Albanien die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Fast die Hälfte der Albaner lebt seitdem jenseits der Grenzen dieses Nationalstaats, da die damaligen Großmächte nicht auf die Forderungen der albanischen Delegation eingingen. Durch die geringe Übereinstimmung des albanischen Siedlungsgebietes mit dem Territorium Albaniens gab und gibt es besonders mit den Serben und Mazedoniern ethnische Spannungen oder offene Konflikte. Dies führte in der jüngsten Vergangenheit zum Kosovokrieg im Jahr 1999 und zur Ausrufung eines unabhängigen Staates Kosovo im Jahr 2008, der de facto ein zweiter albanischer Nationalstaat ist. In Mazedonien wurde im Jahr 2001 nach den bürgerkriegsähnlichen Zuständen das Rahmenabkommen von Ohrid unterzeichnet, welches mehr Rechte für die Albaner in Mazedonien sicherstellen soll.
Im rechtlichen Sinn gelten auch sämtliche Staatsangehörige Albaniens als Albaner, unabhängig von einer abweichenden ethnischen Zugehörigkeit.
Volksbezeichnungen mini|Laut der Volksetymologie bezieht sich „Albaner“ auf „shqipe“ (Adler), daher auch die Bezeichnung „Adlerssöhne“ (auf dem Foto ein Steinadler) Für die Albaner existieren eine Reihe unterschiedlicher Selbst- und Fremdbezeichnungen. Manche dieser Namen stehen für die gesamte Ethnie, andere nur für Teile von ihr. Die Bedeutung mancher Namen hat sich im Laufe der Zeit verändert.
Der Name „Albaner“ (, oder ) war schon in der Antike gebräuchlich. Er bezeichnete einen illyrischen Stamm, dessen Wohnsitze nordöstlich der Stadt Dyrrachium (heute Durrës) lagen, also im heutigen Albanien. Diese Bezeichnung, „Albaner“, geht vom italienischen „Albanesi“ aus, die sich bald in fast alle anderen europäischen Sprachen verbreitete. Dem im Deutschen heute veralteten Terminus „Albanesen“ merkt man die italienische Herkunft noch an.
Die Selbstbezeichnung der Albaner ist seit der Nationalbewegung im 18. und 19. Jahrhundert „“. Diese ist etymologisch von , „aussprechen“, herzuleiten. Nur eine Volksetymologie ist dagegen die Ableitung von albanisch , „Adler“, die durch die Metapher „Adlersöhne“ bekannt ist und Assoziationen mit Skanderbegs Adler auf der albanischen Fahne weckt. Wie im Deutschen wird die Bezeichnung Skipetaren auch in anderen Sprachen als Synonym für die Albaner übernommen.
„“ (toskisch) oder „“/„“ (gegisch) waren im Mittelalter die Selbstbezeichnungen der Albaner, die während der Zeit der Osmanen ungebräuchlich wurden. Heute werden nur mehr die Albaner in Süditalien, deren Vorfahren ab dem 14. Jahrhundert eingewandert sind, genannt. ist bei den heutigen Albanern ein gebräuchlicher Vorname, und als Ortsname lebt das alte Ethnonym als Arbanasi fort.
„Arvaniten“ () war die griechische Bezeichnung für „Albaner“. Die griechische Form des Ethnonyms ist die genaue Entsprechung des albanischen Arbër. Als Arvanite () tauchten die Albaner erstmals in byzantinischen schriftlichen Quellen auf. Heute werden nur noch die Nachfahren der im Mittelalter in das Gebiet des heutigen Griechenlands eingewanderten Albaner als Arvaniten bezeichnet.
Das türkische „“ ist von bzw. abgeleitet. Im 18. Jahrhundert wurde das türkische Ethnonym auch von europäischen Autoren übernommen. So entstand die deutsche Bildung Arnauten als ein weiteres Synonym für Albaner. Im Westen wurde der Begriff häufig exklusiv für die muslimischen Albaner verwendet.
Seit dem 15. Jahrhundert kam im Westen für die Albaner der lateinische Name „“ (deutsch „Epiroten“) auf. Wie in der Renaissance üblich, suchte man nach einer antiken Parallele, und in den Albanern sah man die Nachfahren jener Völker, die in der antiken Landschaft Epirus gelebt hatten. Die Albaner wurden im westlichen Europa überhaupt erst im Mittelalter bekannt. Dies hing einerseits mit Skanderbeg, dem , zusammen, der durch seinen Abwehrkampf gegen die Osmanen gesamteuropäische Popularität erlangte, andererseits aber mit der Auswanderung zahlreicher Albaner nach Italien, die auf diese Weise ins Blickfeld der westlichen Völker gerieten.
Als „Gegen“ oder „Tosken“ werden jeweils die Sprecher eines der beiden albanischen Hauptdialekte bezeichnet.
„Çamen“ (albanisch , griechisch ) heißen jene Albaner, die in Epirus südlich der Stadt Konispol leben oder gelebt haben. Die meisten Çamen sind während der Osmanenherrschaft zum Islam konvertiert. Aus ihren Siedlungsgebieten in Griechenland wurden sie zwischen 1914 und 1945 fast alle zur Auswanderung genötigt oder vertrieben. Einige Hundert wurden von griechischen Militaristen auch getötet, darunter Kinder, Ältere und Frauen.
Die Begriffe „Kosovo-Albaner“ (albanisch ) oder „Kosovaren“ (albanisch ) entstanden im Laufe des 20. Jahrhunderts aus politischen Gründen. Sie dienen zur Abgrenzung von jenen Albanern, die zur Staatsnation der Republik Albanien gehören. Für die in Mazedonien und Montenegro lebenden Albaner gibt es keine eigenen Bezeichnungen, sie nennen sich selber „“ („Albaner“; Mehrzahl unbestimmt).
Siedlungsgebiet mini|Albanisches Sprachgebiet in Südosteuropa und Süditalien Das geschlossene albanische Siedlungsgebiet (alb. Shqiptaria) umfasst neben Albanien auch fast den gesamten Kosovo. Im Nordkosovo stellen die Serben jedoch die Bevölkerungsmehrheit. Am nordwestlichen Rand reicht das albanische Sprachgebiet bis nach Montenegro hinein. Die Gemeinde Gusinje, Ulcinj, das Städtchen Tuzi und der angrenzende, montenegrinische Teil der Landschaft Malësia e Madhe sind mehrheitlich albanisch besiedelt, desgleichen einige zu den Gemeinden Plav und Rožaje gehörige Orte. Im Osten reichen die ethnisch-albanischen Orte bei Preševo und Bujanovac bis nach Serbien hinein. In Nordmazedonien wird das Gebiet südlich von Preševo, sowie im Westen des Landes über Tetovo, Gostivar und Kičevo bis nach Struga mehrheitlich von einer albanischen Bevölkerung bewohnt. In Griechenland war die Küstenregion des Epirus südlich bis zum Fluss Acheron noch Anfang des 20. Jahrhunderts ursprüngliches Siedlungsgebiet der Çamen. Heute sind die Albaner dort wegen der Vertreibung durch die Griechen nun eine sehr kleine Minderheit geworden. Genaue Daten zu ihrer Anzahl sind nicht vorhanden.
Trotz der Grenzen konnte das albanische Volk größtenteils seine kulturelle Einheit bewahren. So kommt die nationale Identität vor allem in der Volkskultur mit ihren Trachten und ihrem Tanz zum Ausdruck. Aber auch in Literatur, Musik, Küche und anderen Bereichen gibt es unzählige Parallelen.
Sprache
Das Albanische ist eine eigenständige Sprache der indoeuropäischen Sprachfamilie. Wesentliche Bestandteile im Hinblick auf Wortschatz und grammatische Struktur sind zum einen das altbalkanische Substrat, zum anderen das altgriechische, vor allem jedoch das darauf folgende lateinische Superstrat.
Zu Anfang des 11. Jahrhunderts n. Chr. entstanden die Urformen der beiden Hauptdialekte Gegisch und Toskisch, die beide in zahlreiche Unterdialekte zerfallen (siehe hierzu den Abschnitt Dialekte im Artikel Albanische Sprache). Der Fluss Shkumbin in Mittelalbanien bildet die ungefähre Grenze der beiden Dialektzonen. Südlich davon wird Toskisch, im Norden Gegisch gesprochen.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde Albanisch kaum geschrieben und unterrichtet. Noch im 20. Jahrhundert waren über 80 Prozent der Bevölkerung Albaniens Analphabeten. Die Einführung als Schrift- und Schulsprache ist ein Ergebnis der Nationalbewegung Rilindja im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Die Vereinheitlichung der geschriebenen Hochsprache war ein langwieriger Prozess, der mit einem gesamtalbanischen Rechtschreibkongress in Tirana 1972 und dem auf dieser Basis 1980 erschienenen WörterbuchAkademia e Shkencave e RPS të Shqipërisë, Instituti i Gjuhësisë dhe i Letërsisë: Fjalor i gjuhës së sotme shqipe. Tirana 1980. zu einem vorläufigen Abschluss gekommen war. Die Albaner im Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien haben diese vor allem an den toskischen Formen orientierte Einheitsschriftsprache übernommen, sprechen im Alltag aber vorwiegend ihre gegischen Dialekte. In Albanien hat das Schulwesen entscheidend zur heute weiten Verbreitung der Hochsprache beigetragen.
Seit den politischen Veränderungen zu Beginn der 1990er Jahre haben die Diskussionen um sprachliche Normen wieder zugenommen. Mittlerweile finden gegische Formen stärkere Berücksichtigung in der Hochsprache (vor allem im Kosovo). Die intensiven Migrationsbewegungen innerhalb Albaniens durch die Landflucht, vor allem in den zentralen Ballungsraum Tirana-Durrës, und auch die vermehrte Nutzung moderner Medien, bewirken gegenwärtig einen raschen Rückgang der dialekten Unterschiede und der Zahl der Dialektsprecher überhaupt.
Geschichte Ethnogenese Die Vorfahren des im Mittelalter entstandenen albanischen Volkes sind Angehörige der antiken nur zum Teil romanisierten Bevölkerung Südosteuropas (finden sich doch zum Beispiel in der albanischen Sprache viele lateinische Wörter, weniger jedoch altgriechische). In Frage kommen dabei vor allem die Illyrer oder die Daker.
Die Hypothese der illyrischen Abstammung geht von einer im albanischen Hochland verbliebenen illyrischen Restbevölkerung aus, die dort die Umwälzungen der Völkerwanderung (4. bis 6. Jahrhundert) überdauert hat. Sie stützt sich vor allem auf Ähnlichkeiten zwischen illyrischer und albanischer Sprache sowie die hohe Dichte altbalkanischer Toponyme in der fraglichen Region. Hinzu kommt die entsprechende Deutung einiger spärlicher Hinweise aus der antiken Literatur: Zum Beispiel werden bei Ptolemäus die illyrischen Albanoi und die Stadt Albanopolis genannt.Ptolemäus, Geographia III, 20.
Die Hypothese der dakischen Abstammung geht davon aus, dass die Vorfahren der Albaner aus dem Nordosten zugewandert sind und es sich bei ihnen um kaum romanisierte Daker handelt. Die Vertreter dieser Theorie begründen dies mit einigen lexikalischen und grammatischen Gemeinsamkeiten der rumänischen und albanischen Sprache, die auf ein altbalkanisches Substrat zurückgehen.
Gottfried Schramm formulierte die These, dass die Albaner von dem thrakischen Stamm der Bessen abstammen, der durch eine sehr frühe Übernahme des Christentums seine thrakische Sprache bewahrt habe.Kurt Gostentschnigg: Albanische Hefte 3/2007, S. 17
Daneben gibt es die These, die sowohl eine illyrische als auch eine thrakische Herkunft zurückweist. Danach ist das Albanische die Fortsetzung eines altbalkanischen Idioms, das nicht mit dem Illyrischen oder Thrakischen gleichzusetzen ist, sondern mit einer dritten, nicht überlieferten Sprache.Eva Anne Frantz: Die Albaner auf dem westlichen Balkan – Stand und Perspektiven der Forschung. Tagung zu Ehren von Peter Bartl. IN: H-Soz-u-Kult. Februar 2007.