Der Bahnhof St. Gallen ist der wichtigste und grösste Bahnhof der Schweizer Stadt St. Gallen. Er ist für die Ostschweiz von zentraler Bedeutung, denn auf ihn ist die S-Bahn St. Gallen ausgerichtet. Den Bahnhof erreichen Züge aus dem Inland sowie aus Deutschland und Österreich. Der Bahnhof, und vor allem das Bahnhofsgebäude, wird auch als Hauptbahnhof St. Gallen bezeichnet.Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850–1921, Band 8, St. Gallen, Sarnen, Schwyz, Schaffhausen, Orell Füssli 1996, ISBN 3-280-02410-2, S. 107. Bis in die 1960er-Jahre hiess der Bahnhof offiziell "St. Gallen HB". Noch heute hängt in der Bahnhofshalle ein Schild mit diesem Namen (siehe Bild unten).

Geschichte mini|450px|Kartenausschnitt Bahnhof St. GallenGSS: SBB nach Gossau SG                       SGF: SBB nach St. Gallen St. FidenHE: SOB nach Herisau                               TRO: AB nach TrogenAPPZ: AB nach Appenzell Die erste Bahnhofanlage in St. Gallen geht auf die Jahre 1853–1856 zurück. Damals führten die Vereinigten Schweizerbahnen eine Situationsplanung durch. Die erste Anlage, welche 1856 vollendet wurde, genügte den Anforderungen allerdings bereits in den 1880er-Jahren nicht mehr. Nach 25 Jahren Planungsauseinandersetzungen verwirklichten die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) mit der Stadt St. Gallen ab 1902 eine totale Neugestaltung des Bahnhofsbereichs. Mit der Neugestaltung wurden folgende Bauten erstellt: Ein neues Aufnahmegebäude mit Perronhalle und Schmalspurbahnhof westlich des bestehenden Bahnhofs (letzterer wurde erst später verwirklicht) Eine neue Kreissegmentremise mit Wohn- und Badehaus und Wasserturm Drei neue Stellwerke Die Tieferlegung der nordöstlichen Zufahrt und den Ausbau der Güter-, Abstell- und Rangieranlagen mit einem neuen Zoll- und Güterbahnhof.

Unter der Leitung des Ingenieurs Robert Maillart wurde 1906 der Wasserturm aus Eisenbeton gebaut.

mini|links|Luftbild aus 150 m von Walter Mittelholzer (1929) Zusammen mit den St. Galler Stadtbehörden erfolgte der Umbau des Bahnhofareals. Infolge der Hochkonjunktur der St. Galler Textilindustrie wurden grossstädtische Planungen in Angriff genommen. Zwischen dem Multertor und dem neuen Bahnhof entstand so ein neues Geschäftsviertel. Die Stadt stellte an die SBB die Forderung, dass beim Bau des neuen Aufnahmegebäudes ein Bahnhofplatz erstellt werden musste. Zusammen mit dem Eidgenössischen Departement des Innern wurde 1906 ein Wettbewerb ausgeschrieben, der auch die Gestaltung der neuen Hauptpost umfasste. Die Architekten Kuder und von Senger wurden bei diesem Wettbewerb zusammen mit zwei weiteren Büros erstrangiert,Wettbewerb zur Gestaltung der Hochbauten am neuen Bahnhofsplatz in St. Gallen. In: Schweizerische Bauzeitung Bd. 51, Heft 23/1908. S. 291 von Senger realisierte darauf bis 1913 das neubarocke Aufnahmegebäude. Seit der Renovierung im Jahr 1999 befindet sich in den oberen Etagen des Gebäudes die Migros-Klubschule, während im Erdgeschoss neben der Schalterhalle der SBB neue Geschäfte eröffnet wurden.

1915 wurde die einschiffige Bahnsteighalle mit 42 × 190 Metern Grundfläche fertiggestellt. Um die in Angriff genommene Gestaltung der Remise zu vollenden, wurde Professor Karl Moser beigezogen. Die Remise ist heute das grösste noch erhaltene Eisenbahn-Runddepot der Schweiz. Seit Herbst 2006 dient sie als Kulturzentrum und für Ausstellungen. Am 30. November 2008 wurde im Kanton St. Gallen in einer Volksabstimmung beschlossen, dass der Kanton die Remise mit dem zugehörigen Badhaus und dem Wasserturm für 22,64 Millionen Franken erwerben und mittels sanfter Renovation definitiv in ein Kulturzentrum mit Theaterräumen und einem Kinosaal umbauen soll.Abstimmungsunterlagen zur Kantonalen Volksabstimmung vom 30. November 2008

So entstand nach der Jahrhundertwende zwischen der Lagerstrasse und der St. Leonhardstrasse ein neues, grossstädtisches Quartier mit öffentlichen Bauten. Dieses Quartier ist umgeben von Miets- und Geschäftshäusern aus der gleichen Zeit.

Auch die sogenannte Hauptpost gehörte von Anfang an zum Umfeld des Bahnhofs, auch wenn sie mehrmals umgezogen ist. Seit 1861 stand das Postzentrum auf dem Gelände des heutigen Hotels Walhalla, ab 1887 auf dem heutigen Bushof – erstmals mit Telefonzentrale. Seit 1915 befindet sich die Hauptpost im 1911 bis 1915 von Pfleghard und Haefeli erbauten Gebäude gegenüber der Empfangshalle. Markant ist der Uhrturm an der Nordseite.

mini|hochkant|Bahnhofsgelände von Osten 1976 wurde am Ostende des Bahnhofs, an der Stelle, wo bis 1972 noch das alte Bahnhofsgebäude von 1856 gestanden hatte, das neue Rathaus der Stadt St. Gallen fertiggestellt. Das Hochhaus mit seinen beschichteten Scheiben reflektierte das Licht goldfarben, nach der Renovation 2006/2007 wurden die Fassade mit deutlich dunkleren Scheiben erneuert.

Ab dem 21. November 2009 bis 2012 galt der Bahnhof St. Gallen als «RailCity». Er ist der neunte Bahnhof, in welchem dieses Konzept der SBB umgesetzt wurde. Dies beinhaltet längere Öffnungszeiten der meisten Läden sowie einen höheren Qualitätsstandard an Sicherheit und Sauberkeit. Das bisherige Bahnhofskonzept musste aber in St. Gallen kaum geändert werden. Der Hauptmieter des Empfangsgebäudes wird auch weiterhin die Migros-Klubschule sein.railcity.ch: Schweiter Eisenbahn-Amateur 1/2010 S. 23. mini|Blick in die Bahnhofshalle St. Gallen 2018 Seit 2012 besteht, als Teil des Projektes «Bahnhof Nord» (2008 vom St. Galler Stimmvolk gutgeheissen) ein Neubau der Fachhochschule St. Gallen (FHSG), eine unterirdische Bahnhofzufahrt mit Parkgarage der Cityparking AG und eine bewachte Velostation. Ab 1. Oktober 2012 wurde der Bahnhofsplatz für den privaten Verkehr gesperrt, die Parkplätze direkt beim Bahnhof aufgehoben und die neu-gewonnene Fläche als Busstationen für die Postautos und Linienbusse verwendet. Die Zufahrt für den Privatverkehr erfolgt seitdem über die neue unterirdische Bahnhofzufahrt an der Rosenbergstrasse.

Für den Ausbau der S-Bahn in der Ostschweiz wurde gleichzeitig mit dem Bau der Fachhochschule auch ein neues Perron errichtet. Die zwei neuen Geleise auf der Nordseite des Bahnhofs wurden mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 in Betrieb genommen.

Von 2016 bis 2018 wurden Bahnhofsgebäude, Unterführungen und der Bahnhofplatz einer umfassenden Neugestaltung unterzogen. Das Projekt umfasste:

Neugestaltung des Bahnhofplatzes mit neuen, vereinheitlichten Haltekanten für den st.gallerbus (VBSG), Regiobusse und Postautos Neubau der Ankunftshalle mit neuen Treppen und Rolltreppen Ausbau der 100-jährigen Rathausunterführung mit neuem Aufgang zum Bahnhofplatz und Shopping-Möglichkeiten in der Unterführung Ausbau der Unterführung West mit Rolltreppen und Liften zu den Perrons Umbau des Bahnhofsgebäudes und des Bahnreisezentrums Neugestaltung des südlich des Bahnhofsplatzes liegenden Kornhausplatzes mit neuen Sitzgelegenheiten Neuplatzierung der Taxistandplätze Neugestaltung des «Bahnhofspärklis» östlich des Bahnhofplatzesalternativtext=|mini|Neugestalteter Bahnhofplatz und Bahnhof St. Gallen (August 2018)

Das Ziel war es, aus dem in die Jahre gekommenen Bahnhof eine «Visitenkarte» für die Besucher der Stadt zu machen und sicherzustellen, dass die Kapazitäten des Bahnhofs und des Bushofes den zu erwartenden Zuwachs des Regionalverkehrs auch in Zukunft bewältigen können. Zusätzlich wurde der Bahnhof an die neuen Vorschriften zur Barrierefreiheit angepasst. Die offizielle Einweihung des neuen Bahnhofplatzes fand im Rahmen eines Festes am 31. August und 1. September 2018 statt.

mini|Binäre Uhr über dem südöstlichen Eingang des Bahnhofs St. Gallen. Die obere Reihe stellt die Stunden dar, die mittlere die Minuten und die untere die Sekunden. Für Aufsehen sorgte nach dem Umbau insbesondere die neu angebrachte binäre Uhr über dem Eingang vor dem Bahnhofplatz. Sie ist zu einem neuen Erkennungsmerkmal des Bahnhofs geworden. Angezeigt wird die Uhrzeit in Stunden, Minuten und Sekunden in einer binären Tabelle aus drei Reihen und sechs Spalten, statt auf einem herkömmlichen Zifferblatt. Entworfen wurde die Uhr durch den Künstler Norbert Möslang, sie kostete 324'000 Franken. Für Kritik sorgte sie, da sie nicht intuitiv lesbar ist und ausserdem anfänglich sehr störungsanfällig war und mehrmals wegen unterschiedlicher Defekte repariert werden musste. Die Störungen konnten jedoch mittlerweile alle behoben werden.

Gebäude Alter Bahnhof von 1865 (abgebrochen) mini|Alter Bahnhof, Stahlstich anlässlich der Eröffnung 1856 Schon beim ersten Bahnhof gab es Streitigkeiten wegen der Ausführung. Damals gerieten der Oberbaumeister F. Bitzer und das Verwaltungsratsmitglied B. Simmon aneinander. Diese Streitigkeiten gingen so weit, dass F. Bitzer das Hauptgebäude unter der Anleitung von B. Simmon zeichnete, aber ausdrücklich jede Verantwortung dafür ablehnte. Der Verwaltungsrat beschloss am 25. Oktober 1855, dass die beiden Architekten in der Eisenbahnkommission Felix Wilhelm Kubly und Johann Christoph Kunkler einzuladen seien, um die Pläne zu begutachten. Ihre Expertise fiel grundsätzlich positiv aus, es wurden auf ihr Anraten nur einige Details der Vorhalle verändert. Zu Beginn des Jahres 1856 konnte mit dem Innenausbau des Aufnahmegebäudes begonnen werden. Doch auch bei der Einstiegshalle gab es den Streit zwischen Bitzer und Simmon. Hier aber kamen die Experten Kubly und Kunkler zu dem Schluss, dass der Entwurf von Simmon zu verwerfen sei und dass der Entwurf von Bitzer mit Zwischenpfosten der Wasserableitung wegen zu bevorzugen sei. Mit dem Bau der Einstiegshalle konnte am 23. Februar 1856 begonnen werden. Zur Eröffnung der Bahnlinie am 24. März 1856 waren das Aufnahmegebäude und die Einstiegshalle noch nicht vollendet. Das Aufnahmegebäude konnte nach zwei Monaten, die Einstiegshalle im November fertiggestellt werden. In Hinblick auf den Neubau des Hauptgebäudes wurde das alte Aufnahmegebäude 1912/13 umgebaut und diente noch dem Bahndienst, bis es 1973Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. S. 131. abgebrochen wurde. An seiner Stelle wurde das neue Rathaus der Stadt St. Gallen erbaut.

Hauptgebäude mini|Reisezentrum im Bahnhof St. Gallen (2017) mini|Der Bahnhof von Westen. Links die Abfahrtshalle mit dem Bogendach, in der Mitte vorne das Speditionsgebäude von SBB Cargo, dahinter (verdeckt) die Schalterhalle, dahinter das Rathaus. Rechts vorne der Nebenbahnhof, dahinter mit dem markanten Uhrturm die Hauptpost mini|Bahnhofshalle mit S-Bahnen