mini|Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt in Berlin
Die Weihnachtsmärkte in Berlin umfassen Märkte mit Handwerkervorführungen, Verkaufsangeboten und Fahrgeschäften zur Weihnachtszeit, die in allen Bezirken Berlins stattfinden. Die Vorläufer der Märkte lassen sich bis ins Jahr 1530 in Alt-Berlin nachverfolgen.
Geschichte
Im Köllnischen StadtbuchPaul Clauswitz: Das Stadtbuch des alten Köln an der Spree aus dem Jahre 1442. Mit geschichtlicher Einleitung und Erläuterungen. hrsgg. vom Verein für die Geschichte Berlins, Berlin 1921 (Digitalisat). finden sich erste Hinweise auf weihnachtsmarktähnliche Verkaufsveranstaltungen um 1530, abgehalten zuerst in den Straßenzügen Petriplatz – Gertraudenstraße – Köllnischer Fischmarkt – Mühlendamm – Molkenmarkt – Poststraße und Heiligegeiststraße. So sei „reellen Krämern der Handel mit Honigkuchen und anderen Syrupteiggebäcken gegen ein Stättegeld von zwei Mariengroschen pro Tag zur Weihnachtszeit auf dem Petriplatz und dem Köllnischen Fischmarkt ausdrücklich gestattet.“
mini|links|Berlinscher Christmarkt in der Breiten Straße, im Hintergrund das Berliner Schloss (1796)
Ab 1750 verlegte die Stadtverwaltung den Handel in die Breite Straße, der anfangs vom 11. Dezember bis zum 6. Januar des Folgejahres dauerte (Hohes Neujahr). In der Innenstadt blieb der Weihnachtsmarkt – später noch erweitert in Richtung Schlossplatz – bis 1873, nachdem ab 1872 das Ende der Verkaufszeit auf den 27. Dezember vorgezogen worden war. Immer wieder gab es allerdings auch Versuche, die Durchführung des Marktes zu untersagen, weil er den Verkehr in der Innenstadt erheblich beeinträchtigte und die Geschäftsleute in der Breiten Straße ihre Umsätze durch den Weihnachtsmarkt gefährdet sahen; es sei eine „in der That gänzlich veraltete, den Verhältnissen und der Würde der Reichs-Hauptstadt in keiner Weise mehr entsprechende Krämereieinrichtung.“Zitiert nach
Im Jahr 1873 wurde der Lustgarten Standort, wegen des Dom-Baus und polizeilicher Bedenken wurde der Markt ab 1891 an der Arkonastraße veranstaltet, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg. 1937 kam der Markt bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in den Lustgarten zurück und hatte in seiner Hochzeit bis zu 2000 Händler.
Im ersten Friedenswinter fand bereits 1945 wieder ein Weihnachtsmarkt am Lustgarten statt, aber inmitten von Ruinen und mit durch Lebensmittelmarken eingeschränktem Kauf von Genussmitteln.Deutsches Historisches Museum mit einer Passage Weihnachtsmärkte gab es weiterhin ….
Infolge der Teilung Berlins in zwei Währungsgebiete etablierten sich nach 1948 Weihnachtsmärkte in den West-Sektoren mit Standorten an der Gedächtniskirche, in Spandau und am Rathaus Wedding.
mini|Franz Skarbina: Weihnachtsmarkt in Berlin, 1892, im Lustgarten, mit Stadtschloss, Adlersäule und Häusern an der Schloßfreiheit
Im Ostteil Berlins hielten die Organisatoren bis 1974 im Wesentlichen am alten Standort fest. In den Jahren 1952 und 1953 gab es auf dem Weihnachtsmarkt auf den zum Marx-Engels-Platz zusammengefassten Flächen des Lustgartens, des abgerissenen Berliner Stadtschlosses und des Schloßplatzes eine Liliputbahn (Spurweite 381 mm), die von der Arbeitsgemeinschaft Junge Eisenbahner, einem Vorläufer der Pioniereisenbahn Wuhlheide, betrieben wurde. Um 1960 herum wurden die kleinen Gassen des Weihnachtsmarktes auf dem Marx-Engels-Platz mittels Infrarot-Langfeldstrahlern erwärmt. Ab 1974 diente der gesamte Marx-Engels-Platz als Veranstaltungsort, auch nach Fertigstellung des Palastes der Republik. Zusätzlich wählte der Magistrat einen großen Parkplatz am Alexanderplatz, zwischen 1962 und 1968 eine Fläche neben der Sporthalle in der Karl-Marx-Allee. Außer im Stadtbezirk Mitte gab es bald in jedem der ehemaligen Stadtbezirke, meist um das jeweilige Rathaus herum, kurzzeitige Weihnachtsmärkte.
Im Westteil Berlins wurde bis 1983 ein Weihnachtsmarkt auf dem Messegelände veranstaltet, der die Hälfte der Messehallen belegte. Dieser Weihnachtsmarkt unterm Funkturm fand ausschließlich in den Hallen statt und hatte eher den Charakter einer Weihnachts- und Spielzeugausstellung. Wetterunabhäng waren ein Kindertheater und je eine Halle mit Krippen aus aller Welt und mit Modelleisenbahnen zu sehen. Der Markt fand später nicht mehr hier statt – zugunsten dem Standort an der Gedächtniskirche aufgegeben.Franziska Wüst: Ein Blick hinter die Kulissen der Berliner Weihnachtsmärkte. In: Berliner Morgenpost, 26. November 2013.
Weihnachtsmärkte im 21. Jahrhundert mini|hochkant|Am Breitscheidplatz
Von den rund 80 Weihnachtsmärkten im Jahr 2019 in den Berliner Bezirken findet sich im Folgenden eine Übersicht ausgewählter Weihnachtsmärkte.Uwe Aulich: Eisbahn, Riesenrad und Budenzauber. In: Berliner Zeitung, 20. November 2014, S. 18. Im Jahr 2020 fielen sämtliche Weihnachtsmärkte wegen der Corona-Pandemie aus.
Charlottenburg-Wilmersdorf Seit 1983 Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche: Kunsthandwerker, Händler, Schausteller. Für das Jahr 2004 wurden 2,3 Millionen Gäste ermittelt.Markt mit 2,3 Millionen Gästen. In: Berliner Zeitung, 27. Dezember 2004. Standort: Breitscheidplatz.Berlin-Programm – November 2008; Rimbach, Berlin. Am Abend des 19. Dezember 2016 wurde auf den Weihnachtsmarkt ein Terroranschlag verübt, bei dem zwölf Menschen starben und viele verletzt wurden.
Veganer Weihnachtsmarkt auf dem Fehrbelliner Platz an allen Advents-Wochenenden. Mit rein pflanzlichen Spezialitäten, ökologischen Geschenken, Bühne und Infos über Klimaschutz und Tierrechte. mini|Am Schloss Charlottenburg
Am Schloss Charlottenburg: Internationale Angebote wie Südtiroler und russische Spezialitäten, zusätzlich im Angebot: Puppenspiel. Standort: Luisenplatz Wintertraum Weihnachtsmarkt Wilmersdorfer Straße: Seit 2004 werden in 30 geschmückten Holzhütten Kunsthandwerkserzeugnisse, Getränke, Mandeln und andere Süßigkeiten angeboten.. Grunewalder Weihnachtsmarkt: Seit 1976 am ersten Adventssonntag um die Grunewaldkirche mit über 60 Ständen. Weihnachtsmarkt am St.-Michaels-Heim: Alljährlich am ersten Adventswochenende von Freitag bis Sonntag, im und um das Palais Mendelssohn in der Villenkolonie Grunewald, dem heutigen St.-Michaels-Heim, mit Ständen, Flohmarkt, Filmvorführungen im Salon und einem Adventsgottesdienst am Sonntag. Schwedischer Weihnachtsbasar: Weihnachtsmarkt der Schwedischen Victoriagemeinde in Wilmersdorf, alljährlich an einem Adventswochenende, jeweils Samstag und Sonntag. Dänischer Weihnachtsmarkt: Weihnachtsmarkt der Dänischen Gemeinde in der Wilmersdorfer Christianskirche, ebenfalls stattfindend jeweils Samstag und Sonntag an einem ausgewählten Adventswochenende. Anglikanischer Weihnachtsmarkt: Weihnachtsmarkt der St. Georges Episcopal Church in Westend.
Friedrichshain-Kreuzberg Weihnachtsmarkt am Platz der Vereinten Nationen: Seit etwa 1995 werden in Holzhütten Glühwein, weihnachtliches Gebäck und geröstete Mandeln sowie Erzeugnisse von Kunsthandwerkern angeboten, Kinderfahrgeschäfte sind aufgebaut. Ein Stück des östlichen Straßenbereichs wird dafür komplett für den Durchgangsverkehr gesperrt. Am 27. November 1995 kam es zu einem Unfall mit dem mobilen Fahrgeschäft Top of the World: Dessen Ringgondel, die mit 100 Besuchern besetzt war, rutschte die letzten Meter ungebremst herunter. Dabei gab es 60 Verletzte.Katrin Zimmermann, Fred Hasselmann: Nach dem Unfall tobte noch die „Grüne Hölle“. In: Berliner Zeitung, 27. November 1995. Matthias Frankenstein: Das Publikum wünscht sich Weltneuheiten. In: Berliner Zeitung, 28. November 1995. KiezWeihnacht an der Samariterkirche in Friedrichshain, seit 2006 Chanukka-Markt: Jüdisch geprägte Angebote mit Begleitprogramm wie Puppenspiel, Konzerte. Standort: Jüdisches Museum, Glashof, Lindenstraße 9
Lichtenberg Lichtenberger Winterzeit an der Landsberger Allee 300 im Ortsteil Lichtenberg, Monate November und Dezember, seit 2022 als Nachfolger des Wintertraums am Alexa zwischen Alexanderplatz und Jannowitzbrücke, der 2017 eingestellt wurde Lichtermarkt am Rathaus vor dem Rathaus Lichtenberg, am ersten Adventwochenende, seit 1992, musikalisch umrahmt Weihnachtsmarkt auf der Trabrennbahn Karlshorst im Ortsteil Karlshorst, am ersten Adventwochenende Weihnachtsmarkt auf dem Naturhof Malchow in der Naturschutzstation Malchow, am zweiten Adventwochenende Weihnachtsmarkt im Tierheim Berlin im Ortsteil Falkenberg, am zweiten Adventwochenende
Marzahn-Hellersdorf Alt-Kaulsdorfer Weihnachtsmarkt um den historischen Dorfanger an der Dorfstraße, seit 1996, am zweiten Adventwochenende21. Kaulsdorfer Weihnachtsmarkt so groß wie nie zuvor. In: Berliner Woche. Kaulsdorf, 30. November 2017 Adventsmarkt Alt-Marzahn um den historischen Dorfkern Alt-Marzahn, am ersten AdventwochenendeAdventsmarkt Alt-Marzahn auf weihnachteninberlin.de
Mitte mini|Vor dem Roten Rathaus 2011 mini|Geräuschkulisse auf dem Weihnachtsmarkt am Neptunbrunnen
Am Brandenburger Tor gibt es zwar keinen Weihnachtsmarkt, allerdings standen dort seit dem Bau der Berliner Mauer auf West-Berliner Seite jährlich Weihnachtsbäume. Vom Mauerfall im Jahr 1989 bis 2013 kamen diese als Spende von der norwegischen Kommune Frogn. Seit 2014 spenden Privatpersonen aus Berlin und Umgebung den Traditionsbaum. Alexanderplatz: Kunsthandwerker, Händler, Schausteller, vor dem Alexa-Center Berliner Weihnachtszeit am Roten Rathaus: Rathausstraße, Marienplatz, Neptunbrunnen, seit 2008, unter der Regie von Hans-Dieter Laubinger realisiert. Alt-Berliner Marktgassen werden durch sechs Meter hohe bedruckte Planen und ein Grundgerüst nachgestaltet. Unten befinden sich die Marktstände, die Fenster der ersten Etage sind beleuchtet. Außer den Verkaufshäuschen gibt es kleine historische Kinderkarussells sowie ein Riesenrad an der Spandauer Straße und eine Eisbahn rund um den Neptunbrunnen.Uwe Aulich: Weihnachtsmarkt ist vergeben. In: Berliner Zeitung, 4. Juni 2006Info des Veranstalters zum Markt am Roten Rathaus Dieser Markt wurde 2014 wegen der Baugrube für die U-Bahn-Linie U5 vor dem Rathaus und der Rekonstruktion des Kirchhofs um die Marienkirche etwas verkleinert, auf ein Kettenkarussell wird deshalb ganz verzichtet. WeihnachtsZauber auf dem Gendarmenmarkt: Kunsthandwerker, Händler, Schausteller in Form einer kleinen Zeltstadt, zusätzlich Kulturprogramm mit wechselnden Angeboten. Standort: Gendarmenmarkt rund um das Schauspielhaus. Für den Besuch des Marktes ist ab 14 Uhr ein Eintrittsgeld zu zahlen, das teilweise für wohltätige Zwecke gespendet wird.Weihnachtszauber auf dem Gendarmenmarkt. visitberlin.de Nostalgischer Weihnachtsmarkt: Kunsthandwerker wie Besenbinder, Kerzenzieher, Holzschnitzer u. a. führen vor Interessenten ihre Arbeiten in kleinen Holzhäuschen vor und verkaufen die Produkte. Ein Überraschungsbasar sowie Kleinkunstdarbietungen umrahmen den Markt. Standort war bis etwa 2009 zwischen Staatsoper, ehemaligem Prinzessinnenpalais und dem Boulevard Unter den Linden. Wegen umfangreicher Bauarbeiten musste der Betreiber danach umziehen auf die Freifläche vor der Friedrichswerderschen Kirche, danach auf den Schinkelplatz. Weil auch dort gebaut wird, findet der Nostalgische Weihnachtsmarkt im Dezember 2014 auf einer Fläche des Schloßplatzes vor dem ehemaligen Staatsratsgebäude statt. Die Anzahl der Handwerker- und Händlerstände wurde auf 87 reduziert, dafür werden ein paar historische Karussells aufgestellt. Wintermarkt Schloßplatz am Berliner Schloss / Humboldt Forum: Kunsthandwerker und Händler, auch im SchlüterhofWeihnachtsmarkt am Humboldt Forum 2024: Wichtige Infos Umwelt-Weihnachtsmarkt: Kunsthandwerk- und ökologische Produkte werden angeboten. Standort: Sophienstraße, nahe der Hackeschen Höfe Winterwelt am Potsdamer Platz und traditioneller Weihnachtsmarkt: Ein künstlicher schneebedeckter Berg und eine Eisbahn laden seit einigen Jahren Besucher zum Rodeln, Tubing, Schlittschuhlaufen; österreichische Gerichte werden geboten; Händlerangebote. Standort: um den Potsdamer Platz