Die Pflanzengattung Ochsenzungen (Anchusa), benannt nach den rinderzungenähnlichenHelmut Carl: Die deutschen Pflanzen- und Tiernamen: Deutung und sprachliche Ordnung. Heidelberg 1957 (Neudruck Heidelberg und Wiesbaden 1995), S. 64 f. Blättern, gehört zur Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Die 30 bis 50 Arten sind hauptsächlich im Mittelmeerraum verbreitet; auch im übrigen Europa, in Westasien, in Nord- und Südafrika kommen Arten vor.
Beschreibung Vegetative Merkmale Anchusa-Arten wachsen als ein-, zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanzen. Die oberirdischen Pflanzenteile sind meist spärlich rau bis borstig oder selten weich anliegend behaart (Indument). Die Stängel sind aufrecht oder ausgebreitet. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind einfach.
Generative Merkmale Die endständigen, zymösen Blütenstände enthalten lanzettliche Tragblätter.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch bis leicht zygomorph und fünfzählig. Die fünf Kelchblätter sind im unteren Drittel oder am Grund verwachsen; sie sind manchmal in der Fruchtreife etwas vergrößert. Die gleichen oder ungleichen Kelchlappen sind linealisch bis dreieckig. Die Kronröhre ist meist länger als der Blütenkelch. Die blauen bis purpurfarbenen oder gelben Kronblätter sind am Grund zu einer geraden bis gebogenen Röhre verwachsen; die Schlundanhängsel sind schuppig oder papillös und kurz behaart. Die fünf radförmig bis glockenförmig abstehenden Kronzipfel sind gleich oder ungleich. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden; sie sind mit der Kronröhre an ihrer Hälfte oder darunter verwachsen und sie überragen die Krone nicht. Die Staubfäden sind kurz und fadenförmig. Die Staubbeutel sind eiförmig-länglich. Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen; er ist durch falsche Scheidewände in vier Fächer geteilt. Der Griffel überragt die Krone nicht und endet in einer kopfigen, zweiteiligen Narbe.
Die Klausenfrüchte zerfallen in vier einsamige, nussartige Klausen. Die Klausen sind gerade, nierenförmig oder schief-eiförmig und haben eine netzrunzelige Oberfläche; die Ansatznarbe befindet sich am Grund oder in dessen Nähe und hat einen ringförmigen, verdickten und verhärteten Rand.
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 8, bei Anchusa thessala jedoch nur x = 6.
Inhaltsstoffe Die Wurzeln und unterirdischen Sprossteile enthalten Alkannin (auch Anchusin genannt), einen auch bei anderen Gattungen der Boraginaceae (Alkanna, Echium, Lithospermum, Onosma) enthaltenen roten bis violetten Farbstoff.
mini|Untergattung Anchusa: Anchusa calcarea mini|Untergattung Anchusa: Blütenstand der Afrikanischen Ochsenzunge (Anchusa capensis) mini|Untergattung Anchusa: Anchusa sardoa mini|Untergattung Anchusa: Anchusa undulata subsp. undulata mini|Untergattung Buglossum: Italienische Ochsenzunge (Anchusa azurea) mini|Untergattung Buglossum: Anchusa strigosa mini|Untergattung Buglossoides: Ägyptische Ochsenzunge (Anchusa aegyptiaca) Systematik Die Gattung Anchusa wurde durch Carl von Linné 1753 in Species Plantarum, Tomus I, Seite 133 und 1754 in Genera Plantarum, 5. Auflage, Seite 64 aufgestellt.
Die Gattung Anchusa s. l. ist nach molekulargenetischen Untersuchungen monophyletisch; dazu war es erforderlich einige kleinere Gattungen (Gastrocotyle, Phyllocara) abzuspalten oder einige Arten in bestehende andere Gattungen auszugliedern. Die in der Gattung Anchusa s. str. verbleibenden Arten werden in fünf Untergattungen eingeteilt, deren Aufteilung aber auch deshalb befürwortet wird, weil sie paraphyletisch sind. Grundlage dieser Einteilung sind vor allem Fruchtmerkmale. Die bei einigen Arten aufgeführten Unterarten wurden in älterer Literatur oft als Arten geführt. Insgesamt gibt es etwa 30 bis 50 Anchusa-Arten:
Untergattungen mit in der Gattung Anchusa verbleibenden Arten Anchusa subgenus Anchusa: Diese Untergattung umfasst zweijährige oder ausdauernde Pflanzen. Die Schlundanhängsel sind einwärts gebogen. Die Klausenfrüchte sind quer-eiförmig und haben einen seitenständigen, stumpfen Schnabel. Anchusa affinis : Sie kommt auf Arabische Halbinsel und im tropische Afrika vor. Anchusa calcarea : Sie kommt nur in Portugal und Spanien vor. Anchusa capellii : Sie ist ein Endemit auf Sardinien. Afrikanische Ochsenzunge (Anchusa capensis ): Die Heimat ist Südafrika und Namibia. Anchusa cespitosa : Sie ist ein Endemit der Präfektur Chania auf Kreta. Anchusa crispa : Sie kommt nur auf Korsika und Sardinien vor. Anchusa davidovii : Sie kommt nur in Bulgarien vor. Anchusa formosa : Dieser Endemit kommt nur auf Sardinien vor. Anchusa gmelinii Anchusa leptophylla : Sie kommt in Südosteuropa, auf Inseln der Ägäis und in Vorderasien vor. Anchusa leucantha : Sie kommt nur in Griechenland vor. Anchusa littorea : Dieser Endemit kommt nur auf Sardinien vor. Anchusa montelinasana : Dieser Endemit kommt nur auf Sardinien vor. Blassgelbe Ochsenzunge (Anchusa ochroleuca ) Gemeine Ochsenzunge (Anchusa officinalis ) Anchusa popovii Anchusa procera Anchusa riparia : Sie kommt in Südafrika vor. Anchusa samothracica : Dieser Endemit kommt nur auf der griechischen Insel Samothraki vor. Anchusa sardoa : Dieser Endemit kommt nur auf Sardinien vor. Anchusa undulata ; mit den Unterarten: Anchusa undulata subsp. atlantica (Syn.: Anchusa atlantica , Anchusa mairei , Anchusa pseudogranatensis ): Sie kommt nur in Marokko vor. Anchusa undulata subsp. granatensis (Syn.: Anchusa subglabra ): Die Heimat ist die südwestliche bis südliche Iberische Halbinsel. Anchusa undulata subsp. hybrida (Syn.: Anchusa hybrida ): Die Heimat ist der zentrale bis östliche Mittelmeerraum. Anchusa undulata subsp. lamprocarpa : Sie kommt nur in Marokko vor. Anchusa undulata subsp. sartorii (Syn.: Anchusa sartorii , Anchusa macrosyrinx ): Sie kommt nur in Griechenland vor. Anchusa undulata subsp. undulata: Die Heimat ist die Iberische Halbinsel; es sind Einzelfunde in Griechenland bekannt. Anchusa velenovskyi : Sie kommt in Bulgarien und Rumänien vor.
Anchusa subgenus Buglossum : Diese Untergattung umfasst ausdauernde Pflanzen. Die Schlundanhängsel sind aufrecht und sind mit keulenförmigen Trichomen bedeckt. Die Klausenfrüchte sind aufrecht, länglich, sehr groß und an der Spitze gerundet. Italienische Ochsenzunge (Anchusa azurea , Syn.: Anchusa italica ): wird als Zierpflanze verwendet. Anchusa strigosa
Anchusa subgenus Buglossoides : Diese Untergattung umfasst einjährige Pflanzen. Die Schlundanhängsel sind auswärts gebogen. Die Klausenfrüchte sind fast aufrecht mit einem spitzen, fast senkrechten Schnabel und einem stark verdickten Ring. Ägyptische Ochsenzunge (Anchusa aegyptiaca ) Anchusa iranica Anchusa milleri Anchusa puechii : Die Heimat ist Spanien.
Anchusa subgenus Buglossellum : Diese Untergattung umfasst einjährige Pflanzen. Die Schlundanhängsel sind einwärts gebogen. Die Klausenfrüchte sind fast aufrecht oder quer eiförmig und haben einen seitenständigen, stumpfen Schnabel. Anchusa pusilla Anchusa stylosa : Die zwei Unterarten kommen in Südosteuropa und der Türkei vor: Anchusa stylosa subsp. spruneri (Syn.: Anchusa spruneri ) Anchusa stylosa subsp. stylosa Anchusa thessala : Sie kommt in Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Russland, der Ukraine und der Türkei vor.
Anchusa subgenus Limbata : Diese Untergattung umfasst zweijährige Pflanzen. Der Kronsaum ist stark verkürzt, die Schlundanhängsel sind aufrecht. Die Klausenfrüchte sind quer-eiförmig und haben einen seitenständigen, stumpfen Schnabel. Mit der einzigen Art: Anchusa limbata : Ein Lokalendemit des südwestlichen Anatoliens, der nur von einem einzigen Fundort bekannt ist.
Ohne Zuordnung zu einer Untergattung: Anchusa tiberiadis : Sie kommt in Israel, Jordanien, Libanon und Syrien vor.
Arten, die in neueren Arbeiten in andere Gattungen gestellt wurden Die folgenden Arten werden bei Hilger et al. 2005 anderen Gattungen zugeordnet: Anchusella : Anchusella cretica (Syn.: Anchusa cretica ) Anchusella variegata (Syn.: Anchusa variegata ) Cynoglottis : Mit den Unterarten: Cynoglottis barrelieri subsp. barrelieri (Syn.: Anchusa barrelieri ) Cynoglottis barrelieri subsp. serpentinicola (Syn.: Anchusa serpentinicola ) Cynoglottis chetikiana Gastrocotyle : Mit nur zwei Arten: Gastrocotyle hispida (Syn.: Anchusa hispida ) Gastrocotyle macedonica (Syn.: Anchusa macedonica ) Hormuzakia : Hormuzakia aggregata (Syn.: Anchusa aggregata ) Hormuzakia negevensis (Syn.: Anchusa negevensis ) Lycopsis : Ackerkrummhals (Lycopsis arvensis, Syn.: Anchusa arvensis ) Lycopsis orientalis L. (Syn.: Anchusa ovata Lehmann, Anchusa orientalis (L.) Rchb. non L.) Pentaglottis : Es ist eine monotypische Gattung mit der einzigen Art: Pentaglottis sempervirens (Syn.: Anchusa sempervirens ) Phyllocara : Es ist eine monotypische Gattung mit der einzigen Art: Phyllocara aucheri (Syn.: Anchusa aucheri ): Es ist eine einjährige Art in Anatolien.
Quellen Gelin Zhu, Harald Riedl, Rudolf V. Kamelin: Boraginaceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 16: Gentianaceae through Boraginaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 1995, ISBN 0-915279-33-9. Anchusa. S. 329 - textgleich online wie gedrucktes Werk. Yasin J. Nasir: Anchusa., S. 78. In: S. I. Ali (Hrsg.), Yasin J. Nasir: Flora of Pakistan 191: Boraginaceae. National Herbarium, Islamabad u. a. 1989. online.
Einzelnachweise G. Bacchetta, A. Coppi, C. Pontecorvo, Federico Selvi: Systematics, phylogenetic relationships and conservation of the taxa of Anchusa (Boraginaceae) endemic to Sardinia (italienisch). In: Systematics and Biodiversity. Band 6, Nr. 2, 2008, S. 161–174. doi:10.1017/S1477200008002673 Massimo Bigazzi, Hayri Duman, Federico Selvi: Anchusa limbata Boiss. & Heldr. (Boraginaceae): contribution to the knowledge of an enigmatic species from SW Turkey. In: Candollea. Band 58, Nr. 2, 2003, S. 339–349. Massimo Bigazzi, Hartmut H. Hilger, Federico Selvi: Evidence from nuclear and chloroplast DNA for the placement of Anchusa macedonica in the genus Gastrocotyle (Boraginaceae). In: Webbia. Band 57, Nr. 2, 2002, S. 173–180. A. O. Chater: Anchusa. In: Conservatoire et Jardin botaniques de la Ville de Genève, South African National Biodiversity Institute, Pretoria (Hrsg.): African Plants Database (version 3.3). Suchmaske. Abgerufen am 3. September 2010. Peter Hadland Davis, Arthur Huber-Morath, D. F. Chamberlain et al.: Materials for a Flora of Turkey XXXIV: Boraginaceae, Gentianaceae, Solanaceae. In: Notes from the Royal Botanical Garden Edinburgh. Band 35, Nr. 3, 1977, S. 297–314 . , Eintrag für Anchusa.
Hartmut H. Hilger, Marc Gottschling, Federico Selvi, Massimo Bigazzi, Elisabeth Långström, Elke Zippel, Nadja Diane, Maximilian Weigend: The Euro+Med treatment of Boraginaceae in Willdenowia 34 – a response. In: Willdenowia. Band 35, Nr. 1, 2005, S. 43–48, doi:10.3372/wi.35.35101. Hartmut H. Hilger, Federico Selvi, A. Papini, Massimo Bigazzi: Molecular Systematics of Boraginaceae Tribe Boragineae Based on ITS1 and trnL Sequences, with Special Reference to Anchusa s.l. In: Annals of Botany. Band 94, Nr. 2, 2004, S. 201–212, doi:10.1093/aob/mch132. Harald Riedl: Anchusa. In: Karl Heinz Rechinger (Hrsg.): Flora Iranica 48: Boraginaceae. Akadem. Verlagsanstalt, Graz 1967, S. 232–239. Federico Selvi, Massimo Bigazzi: Anchusa L. and allied genera (Boraginaceae) in Italy. In: Plant Biosystems. Band 132, Nr. 2, 1998, S. 113–142, doi:10.1080/11263504.1998.10654198. Federico Selvi, Massimo Bigazzi: Revision of the genus Anchusa (Boraginaceae-Boragineae) in Greece. In: Botanical Journal of the Linnean Society. Band 142, Nr. 2, 2003, S. 431–454, doi:10.1046/j.1095-8339.2003.00206.x.