mini|Herkunftsgebiete der Walddeutschen: Gegend um Chemnitz, Rudolstadt und Merseburg (Dreieck), Mittelschlesien und Oberschlesien um Nysa mini| mini|Tracht der Oberländer (1898)Gemälde von Zygmunt Ajdukiewicz in: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band Galizien, Wien 1898, S. 281 (Online, Digitalisierung der Library der University of Michigan). mini|Oberländer Tracht

Walddeutsche ( – wörtlich übersetzt, aber ungebräuchlich),Wojciech Blajer: Bemerkungen zum Stand der Forschungen über die Enklaven der mittelalterlichen deutschen Besiedlung zwischen Wisłoka und San. In: Późne średniowiecze w Karpatach polskich. red. Jan Gancarski. Krosno 2007, ISBN 978-83-60545-57-7, S. 66. auch Taubdeutsche (polnisch Głuchoniemcy) waren eine Deutsche Minderheit in Polen, die ab Mitte des 14. Jahrhunderts im Karpatenvorland siedelten. Die Kolonisten gingen bis zum 18. Jahrhundert in den polnischsprachigen Volksgruppen der Oberländer () im Mittelbeskiden-Oberland sowie der Rzeszowiacy um Łańcut auf.

Etymologie Die Siedler trugen die deutsche Bezeichnung „Walddeutsche“ oder „Taubdeutsche“, die polnische war ursprünglich (1658) Głuszy Niemcy.Ut testat Metryka Koronna, 1658, „quod Saxones alias Głuszy Niemcy około Krosna i Łańcuta osadzeni są iure feudali alias libertate saxonica“. In: Henryk Borcz: Parafia Markowa w okresie staropolskim. Markowa sześć wieków. 2005, S. 72–189. Das plurale Adjektiv głuszy ist in der modernen Sprache nicht üblich (heutiges plurales Adjektiv głusi), sondern man verwendet den modernen Begriff Głuchoniemcy. Es handelt sich um ein Wortspiel, bei dem der Begriff ähnlich wie „Taubstumme“ klingt (niemy polnisch für „stumm“, im Sinne von „nicht kommunikationsfähig“, „unfähig, verständlich [in slawischen Sprachen] zu sprechen“ (siehe auch Deutsch in den slawischen Sprachen)).“Tatra Mountains, between Moravia and the main range of the Carpathians. This population approaches the Slovaks in physical type, as they do geographically. They are said to be in part of German blood, like their neighbors, the Gluchoniemcy, or ‘Deaf Germans’, who also speak Polish.” In: William Paul Dillingham: Reports of the Immigration Commission. United States. Immigration Commission (1907–1910). Washington 1911, S. 260.

Im Jahr 1896 schlug der Historiker Wojciech Szujski vor, dass man den ursprünglichen Begriff als [Niemcy w] głuszu verstehen sollJózef Szujski: Die Polen und Ruthenen in Galizien. Krakau 1896, S. 17. (głusz, modern głusza, polnisch für Einöde/Abgeschiedenheit/Wildnis, Niemcy polnisch für „Deutsche“), also Deutsche in der Wildnis, ähnlich wie der spätere deutsche Begriff Walddeutsche.

Die ersten Erwähnungen des Terminus bezogen sich deutlich auf eine ländliche und nicht städtische deutschsprachige Bevölkerung.Wojciech Blajer: Uwagi …, S. 59–60.

Geschichte Anfang und Herkunft Im Jahr 1344 oder 1345 nahm der König Kasimir III. der Große († 1370) den westlichen Rand Rotrutheniens (Sanoker und Przemyśler Land) ein. Dies eröffnete die Möglichkeit des Landesausbaus im Grenzbereich, der bisher absichtlich bewaldet gelassen wurde. Zu dieser Zeit war die deutschrechtliche Kolonisation in Polen schon etabliert durch zahlreiche Phasen der deutschen Ostsiedlung, die im 9. Jahrhundert im Grenzgebiet von Thüringen-Frankenland begonnen hatte und im 13. Jahrhundert in Schlesien verbreitet wurde. Die ersten Indizien der Benutzung des in Kleinpolen neuen „deutschen Rechts“ bzw. einer Stadt–Gemeinde stammen aus Krakau in den frühen 1220er Jahren,(…) Isolated, yet unambiguous sources bear witness to the emergence between 1220 and 1241 of Kraków’s first, short-lived civic community, whose demise is associated with the political catastrophe that befell the Silesian Piast dynasty with the Mongol invasion of Poland in 1241Jerzy Rajman: Gmina miasta lokacyjnego w XIII i początkach XIV wieku wo es schon zuvor ein Viertel deutscher Kaufleute gab. In Kleinpolen verstärkte sich die Ankunft deutscher Stadtbürger, Ritter und Klerus mittleren Rangs unter den Krakauer Herrschern, die engere Verbindungen mit dem Westen hatten, wie z. B. in der Zeit der sogenannten „Monarchie der schlesischen Heinriche“ (1232 bis 1241) oder unter dem böhmisch-polnischen König Wenzel II. (1291 bis 1305). Nach dem Jahr 1234 kam es auch zu den ersten erfolglosen Versuchen des Krakauer Woiwoden Theodors des Wappens Gryf zur Ansiedlung deutsch-schlesischer (teutonici SlesensesKodeks Dyplomatyczny Małopolski, Band I, S. 21) Bauern im Podhale. Es waren jedoch die neuen Städte, die deutsche Ankömmlinge am meisten empfingen. Nach der Wiedervereinigung Polens folgte der Höhepunkt des deutschrechtlichen Landesausbaus, meistens aus Initiative des Königs und durch slawischsprachige Siedler betrieben, obwohl die Teilnahme von deutschen Bauern, späteren Walddeutschen, noch merklich war, besonders um Łańcut, die entlang der zunehmend wichtigen Via Regia lag. Zumindest im Jahr 1369 kam dort dazu eine private Kolonisation unter dem deutschstämmigen Ritter Otto von Pilcza († 1384/1385). Die Ansiedlung dauerte unter dem König Ludwig von Polen und Ungarn († 1382) an, der damals die Gründung eines separaten, aber vom Haus Anjou abhängigen Staats in Rotruthenien anstrebte. Wladislaus II. von Oppeln, von 1372 bis 1378 Statthalter des Fürstentums Halytsch-Wolodymyr, wurde als der deutschen Besiedlung gegenüber wohlwollend beschrieben, wie auch der Organisator des Bistums Przemyśl, Erik von Winsen.

Dank bekannter Osterlieder und deutschsprachiger Schöffenbücher verortete der Sprachwissenschaftler Franz A. Doubek die Herkunftsregion der Ansiedler in Westsachsen und im thüringisch-sächsischen Grenzgebiet beiderseits der Saale, über Niederschlesien um Wrocław,Wojciech Blajer: Uwagi …, S. 63–65. während Ernst Schwarz vermutete, es sei Südoberschlesien, besonders in der Umgebung der Stadt Neisse.Wojciech Blajer: Uwagi …, S. 67. Der polnische Historiker Adam Fastnacht wies nach, dass einige deutsche Bewohner um Sanok aus Oberungarn (Zipser Sachsen) stammten.Wojciech Blajer: Uwagi …, S. 93. Der polnische Germanist Grzegorz Chromik ist der Meinung, dass die Schriftsprache der Schöffenbucher ein typisches schlesisches Bild präsentiert, obwohl in einer veralteten Form.

Sprachinseln um Łańcut und Krosno Nach einer Überlieferung aus dem 17. Jahrhundert begann die deutsche Kolonisation um Łańcut mit der Gründung von Krzemienica 1349.Wojciech Blajer: Uwagi o stanie badań nad enklawami średniowiecznego osadnictwa niemieckiego między Wisłoką i Sanem [Bemerkungen zum Stand der Forschungen über die Enklaven der mittelalterlichen deutschen Besiedlung zwischen Wisłoka und San]. In: Późne średniowiecze w Karpatach polskich. Rzeszów 2007, S. 87. Von 1384 stammt ein Dokument, das alle Dörfer der Sprachinsel erwähnte: Krzemienica, Nawedorph (Kraczkowa, im Jahr 1369 als Newdorf gegründet), Markenhow (Markowa), Helwygeshow (Albigowa), Wysoka, Schonerwalt (Sonina), Kosina (1369 schon als Kossyna bestehend), Henselshow (Handzlówka) und Langenhow (Husów, im Jahr 1381 als Langyn Aw gegründet).Wojciech Blajer: Uwagi …, S. 78. Nach Franciszek Trojnar waren die Dörfer chronologisch nach dem Alter sortiert.Franciszek Trojnar: Mity i fakty. Przyczynek do historii średniowiecznego osadnictwa w okręgu Łańcuta. In: Rocznik Przemyski Jh. XXVI. 1988, S. 125–126. Daneben ist der Name der Stadt Łańcut (dt. Landshut) deutscher Herkunft. Die oben beschriebene Verortung der Herkunftsregion lässt vermuten, dass die Siedler den Namen von Landeshut (Kamienna Góra) in Niederschlesien übertragen haben. Im Jahr 1424 wurde das benachbarte Dorf Malawa als Lichten(h)aw [alias Malowa] erwähnt. Die Region um Łańcut war die größte und am besten erforschte und belegte walddeutsche Sprachinsel. Das Gebiet um Łańcut war im Mittelalter auch die deutlichste Häufung von deutschstämmigen Ortsnamen im ganzen Przemyśler Landes.

Die Erwähnungen der Ortschaften der zweiten Sprachinsel um Krosno und Iwonicz stammen aus den Jahren 1388 (Haczów) bis 1437.Wojciech Blajer: Uwagi …, S. 89.Krościenko Wyżne wurde 1386 erwähnt, Korczyna 1392 als Kotkenhaw, Iwonicz im Jahr 1413 als Ywanczepole, 1426 Kombornia als Kaltborna, Klimkówka im Jahr 1436. Die Burg Odrzykoń wurde auch Errenberg (1410) genannt. Die Städte wurden am schnellsten assimiliert, aber in beiden Gebieten hielt sich deutschsprachige Bevölkerung in einzelnen Dörfern bis ins 17. Jahrhundert (Haczów bei Krosno und Markowa, Albigowa und Kraczkowa bei Łańcut). Ursprünglich bezeichnete der polnische Begriff Głuszy Niemcy nur die deutschsprachigen Bewohner dieser beiden Sprachinseln.

Spätestens bis zum 18. Jahrhundert erfolgte die Polonisierung der Nachkommen der deutschen Ansiedler und verstärkte so die polnisch-katholische Bevölkerung im polnisch-ruthenischen Grenzbereich. Wahrscheinlich im Jahr 1794 besuchte der Priester Franciszek Siarczyński das Dorf Markowa bei Łańcut und berichtete, dass die Einwohner noch einige deutschsprachige Osterlieder kannten und diese erläutern konnten.Wojciech Blajer: Uwagi …, S. 60.

Spuren der Walddeutschen finden sich noch heute in vielen Familiennamen der Region.„Namen, deren eindeutig deutsche Form durch richtige polnische Aussprache (sz=sch, z=s, c=z usw.), durch die Verschiebung von der heutigen Endung -ar in die deutsche Endung -er oder durch die Streichung einer polnischen Endsilbe, z. B. -ski, sofort erkenntlich ist: Bytnar, Flayszar, Frynd, Gebaur, Kielar, Kluz (Klaus), Krauz, Lenar, Michnar, Olbrycht, Pelc, Preys, Raywer, Rewer, Szaier, Szpilma, Szpylman, Szponar, Szubert, Szylar, Taychman, Uchman, Ulman usw.; 2. Namen, die sich bei gründlicher Nachforschung mit Hilfe des alten Schöffenbuches als verbalhomisierte, ehemals deutsche Formen erweisen: Inglot = Engelhardt, Homa = Hofinann, Bar = Bauer, Cwynar = Zwimer, Zyma = Simon (im Polnischen heißt Simon „Szymon“) usw.; 3. Namen, die zweifellos nicht polnisch, sondern deutsch sind: Bala-wejder, Balawendern, Walawender, Lonc, Haynosz, Heynosz u. a.; 4. Namen zweifelhafter Herkunft: Bachta, Hawro, Jarosz u. a.; 5. Polnische Namen: Gorzkowicz, Światoniowski, Wasiewicz, Ziobrowski u. a. Durch eingehendere Untersuchungen der heutigen Namen sowie der Kirchenbücher und des Schöffenbuches ließe sich ohne allzu große Schwierigkeiten ein großer Teil der zu den Gruppen 3 und 4 gehörigen Namen sicher als deutsche noch beweisen, wie z. B. beim Namen Engelhardt; damit würde der schon jetzt hohe Prozentsatz heute deutscher Namen noch zunehmen“.Przyrostek –ar w przyswojonych do języka polskiego nazwach niemieckich zakończonych na –er jest już bardzo dobrze poświadczony w staropolskiej antroponimii. In: Barbara Czopek-Kopciuch: Słownik Etymologiczno-Motywacyjny Staropolskich Nazw Osobowych. Nazwy osobowe pochodzenia niemieckiego. Band 5. Krakau 1997.Eckhard Eggers: Die Phonologie der deutschen Lehnwörter im Altpolnischen bis 1500. 1988D. Wrona: Wsie na łańcuckim wilkierzu [Dörfer nach Landshuter Willkür]. In: Przegląd prawa i administracii. Band XL.VII, Lwów 1922, S. 155.Fr. Persowski: Księga sądowa wsi Markowej w powiecie przeworskim [(Das Schöffenbuch des Dorfes Markowa im Kreise Przeworsk]). In: Roczniki dziejów społ. i gosp. Lwów 1931, S. 43–52.

Weitere deutsche Besiedlung im Oberland und im Süden des Königreichs Polen