Bockenheim () ist seit dem 1. April 1895 ein Stadtteil von Frankfurt am Main. Mit Einwohnern war er am der bevölkerungsreichste Stadtteil Frankfurts nach Sachsenhausen und Nordend. Bockenheim entwickelte sich um die Wende zum 20. Jahrhundert zu einem Gründerzeitviertel.

Geografie mini|295px|Blick vom 2014 gesprengten AfE-Turm (2007) Das Zentrum Bockenheims liegt rund 3 km vom Zentrum der Innenstadt entfernt. Sowohl der geographische Mittelpunkt als auch der Flächenschwerpunkt Frankfurts befinden sich in Bockenheim. Bockenheim grenzt im Osten an das Westend, im Nordosten an Dornbusch, im Norden an Ginnheim und Hausen, im Westen an Rödelheim, im Südwesten an Griesheim und im Süden an das Gallus.

Bockenheim ist geprägt durch den angrenzenden, aber überwiegend im Westend gelegenen Campus Bockenheim der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Messe Frankfurt im Süden des Stadtteils, die Gewerbegebiete Industriehof und City West im Nordwesten und eine weit gefächerte Infrastruktur von gastronomischen Angeboten und Einkaufsmöglichkeiten. Auch die jenseits der City West gelegene Kuhwaldsiedlung und das Neubaugebiet Rebstock gehören zu Bockenheim.

Der Stadtteil profitiert von seiner direkten Nähe zum Messegelände und dem Bankenviertel. Er entwickelte sich in den letzten zwanzig Jahren durch die City West zu einem weiteren großen Wirtschaftsstandort innerhalb von Frankfurt. Rund um den Campus Bockenheim der Johann Wolfgang Goethe-Universität etablierte sich außerdem ein studentisch-alternatives Umfeld mit vielen Kneipen, Bars und Geschäften, welches auch nach dem Umzug vieler Institute an den Campus Westend erhalten blieb. Im Stadtteilkern befindet sich die Leipziger Straße als bekannte Einkaufsstraße.

Geschichte

mini|hochkant=4|zentriert|Mosaik im U-Bahnhof Kirchplatz mit Ansicht Alt-Bockenheims Die Geschichte des heutigen Frankfurter Stadtteils reicht bis in die Jungsteinzeit zurück, wie archäologische Funde beweisen. Die älteste erhaltene Erwähnung von Bockenheim findet sich in einer Schenkungsurkunde zugunsten des Klosters Lorsch, die im Lorscher CodexCodex Laureshamensis Band 3 Nr. 3391 = Heinrich Reimer: Hessisches Urkundenbuch. Abt. 2, Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Band 1. 767–1300. Publikationen aus den königlich-preußischen Staatsarchiven, Hirzel, Leipzig 1891 Nr. 1. wie folgt überliefert ist: Im Namen Gottes übergebe ich, Aliulf, dem heiligen Märtyrer N (Nazarius) Güter. Der Leib des Heiligen ruht im Lorscher Kloster, dessen Vorsteher der ehrwürdige Abt Gundeland (765-778) ist. Es ist mein Wunsch, dass diese Stiftung von ewiger Dauer sei, und ich erwähne ausdrücklich, dass sie vollkommen freiwillig erfolgt. Gemäß nachfolgender Fertigung schenke ich alles, was ich in pago Nitachgowe (im Niddagau), in Suleburc (Seulberg nö. Homburg v.d.H.) und in Bochinheim (Frankfurt-Bockenheim) besitze. Geschehen im Lorscher Kloster am 12. Juni im 16. Jahr (768) des Königs Karl. (Richtig wohl: Pippin der Jüngere, +24. Sept. 768, der Vater Karls des Großen. Karl der Große wurde erst am 9. Oktober 768 wie auch sein Bruder Karlmann I. je zum König der Franken gesalbt. Und der oben erwähnte Abt Gundeland starb im Jahr 779).https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/minst1971bd5/0176Heinrich Ludwig: Geschichte des Dorfes und der Stadt Bockenheim, Frankfurt 1940, S. 10 und S. 331

Zunächst im königlichen Wildbann Dreieich gelegen, wurde das Dorf 1320 von König Ludwig IV. mit dem gesamten Bornheimerberg an Ulrich II. von Hanau verpfändet. Bis 1713 blieb es bei der Herrschaft und späteren Grafschaft Hanau (von 1456 bis 1642: Grafschaft Hanau-Münzenberg). Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., fiel Bockenheim 1736 zusammen mit der Grafschaft an die Landgrafschaft Hessen-Kassel – ab 1803 zum Kurfürstentum Hessen erhoben – das nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 zusammen mit der Freien Stadt Frankfurt von Preußen annektiert wurde (→ Preußische Annexionen 1866). 1819 erhob Kurfürst Wilhelm I. von Hessen-Kassel Bockenheim zur Stadt, um Industrien in der Nachbarschaft des industriefeindlichen Frankfurt anzusiedeln. Tatsächlich ließen sich im Laufe des 19. Jahrhunderts einige Fabriken dort nieder, beginnend mit einer »Chaisen«-Fabrik (1820, Johann Konrad Reifert aus Niederseelbach/Taunus), als auch chemische Werke und Maschinenfabriken.Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Hessen, 3. überarbeitete Aufl., S. 56. Zum 1. April 1895 schlossen die Städte Frankfurt und Bockenheim dann einen Eingemeindungsvertrag, durch den Bockenheim zu einem Frankfurter Stadtteil wurde.

Wappen Das Stadtwappen zeigt einen goldenen Bienenkorb mit fliegenden Bienen auf blauem Grund als Sinnbild des Gewerbefleißes (Stadtprivileg von 1822). Dies ist das älteste Bockenheimer Siegel von 1820. Das Wappen ging in das Logo der Frankfurter Sparkasse von 1822 (ehemals Sparkasse der Stadt Bockenheim) ein und prägte als solches lange Zeit das Bienenkorbhaus an der Konstablerwache.Siehe erstes Datei:

Politik Bockenheim zählt bei Landtagswahlen zum Wahlkreis Frankfurt am Main II, bei Bundestagswahlen zum Bundestagswahlkreis Frankfurt am Main I.

Ortsbeiräte Die zuständigen Ortsbeiräte sind der Ortsbeirat Frankfurt-Innenstadt II und Ortsbeirat Frankfurt-Mitte-West.

Bürgermeister bis zur Eingemeindung Die elf Bürgermeister Bockenheims von der Erhebung zur Stadt im Jahr 1819 bis zur Eingemeindung nach Frankfurt 1895 sind:

Kultur alternativtext=|mini|Bockenheimer Depot mini|hochkant|Titania-Saal in der Basaltstr. 23

Theater Das Bockenheimer Depot an der Bockenheimer Warte ist eine Spielstätte der Städtischen Bühnen. Die Dramatische Bühne ist ein Ensemble von zwölf Schauspielern und etwa 150 Vorstellungen pro Jahr. Spielort ist zurzeit in der ExZess-Halle, Leipziger Straße 91. Titania-Theater in der Basaltstraße 23, eine ehemalige Gastwirtschaft mit Tanzsaal. Hier sprach unter anderem Rosa Luxemburg auf einer Veranstaltung gegen den Ersten Weltkrieg. Diese Rede wurde der Haftgrund. Seit 2005 war das Titania-Theater unter der Leitung von Dionysios Koliopoulos und Romana Schmied (Spensberger) und seit 2010 Spielstätte des „Freien Schauspiel Ensembles im Titania“ unter Leitung von Reinhard Hinzpeter und Bettina Kaminski. Bockenheimer Theaterensemble: Mitglied im Landesverband Hessischer Amateurbühnen e. V. mit eigenem Spielplan, aber keiner eigenen Spielstätte. ZwischenZeitTheater (ehemals FUN Theater Company): gegründet 1992 von Gerhard Zuleger, Rudolf Mundhenk und Georgios J. Slimistinos in der zu Bockenheim gehörenden Kuhwaldsiedlung. Es erfolgen Kooperationen mit dem Kindertheater Höchst und das Ensemble erhielt 1994 den SPD Jugendpreis Frankfurt, 1996 den Jugendkulturpreis Stadt Frankfurt am Main und im Jahr 2000 den Kindermedienpreis der Stadt Frankfurt für seine Filmproduktionen in Kooperation mit der Medienwerkstatt Frankfurt und mit Frankfurter Kindern im öffentlichen Bereich. Das Galli Theater in der Hamburger Allee bietet neben Vorstellungen auch Kurse für Kinder an.Galli Theater Frankfurt Die Oper Frankfurt nutzte über mehrere Jahrzehnte hinweg bis Ende 2021 eine Probebühne in der Rödelheimer Landstraße mit 1.200 m² Raumfläche (die im April 2022 abgebrochene frühere Reithalle der Husarenkaserne).

Museen mini|Geldmuseum der Deutschen Bundesbank Das Frankfurter Feldbahnmuseum ist ein Verein zur Erhaltung betriebsfähiger Feldbahnfahrzeuge der Spurweite 600 mm mit Sitz in Frankfurt am Main-Bockenheim. Es ist Teil der Route der Industriekultur Rhein-Main und das größte Technikmuseum in Frankfurt.

Das Geldmuseum der Deutschen Bundesbank bietet Informationen über Geschichte und Funktionsweise des Geldes und verfügt über eine umfangreiche Sammlung von Münzen und Geldscheinen aus aller Welt. Es wird deutlich, welche „Wertgegenstände“ in der Geschichte schon Geldfunktion übernommen haben – von Kaurischnecken über Kakaobohnen bis zu riesigen Steinplatten. Es gibt auch umfangreiche Darstellungen der modernen Geldgeschichte, etwa über die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre.

Die Experiminta (zusammengesetzt aus Experiment und MINT) ist ein 2011 neu eröffnetes Wissenschaftszentrum in Frankfurt am Main, Hamburger Allee. Das Museum umfasst ca. 120 interaktive Versuchsstationen. Anders als in den meisten Museen ist hier ausdrücklich das Ausprobieren und Anfassen erwünscht. Es wird vom gleichnamigen Förderverein betrieben. Seit Oktober 2025 gastiert die Schirn im Gebäude der ehemaligen Dondorf Druckerei. Die erste Ausstellung zeigt Werke von Stephanie Comilang gefolgt von einer Retrospektive der Dadaistin Suzanne Duchamp.

Galerien In der Tradition der Sammlerin und Kunstliebhaberin Henriette Amalie Prinzessin von Anhalt-Dessau, die u. a. in Bockenheim lebte und die mit ihren über 4000 Büchern und 700 Gemälden 1792 vor General Adam-Philippe de Custine aus Frankfurt ins heimatliche Dessau flüchtete, finden sich auch heute wieder in Bockenheim private Galeriebetreiber, die Künstlern die Möglichkeit der Darstellung ihres Schaffens in der Öffentlichkeit bieten. KunstRaum Bernusstraße 18. Der KunstRaum Bernusstraße schafft Freiraum für die Kunst und bietet ein Forum für Künstler und Treffpunkt von Kunstliebhabern und allen Interessierten. Galerie Söffing, Hamburger Allee 35. In diesen Galerieräumen finden jährlich fünf bis sechs Ausstellungen vorwiegend konzeptuell ausgerichteter Kunst statt, die Installationen und Skulpturen sowie Fotografie und Malerei umfasst. Gallery Dream-Faktory, Grempstraße 11. Diese Galerie sieht sich als kleines „Start-Up“ zur Förderung junger Künstler mit Visionen von Kultur und Action wie z. B. einem Artwalk auf der Leipziger Straße. Die sich ebenfalls Galerie nennende Einzelhändlerin, Leipziger Straße 35 Hinterhaus, legt ihren Schwerpunkt mehr in den Verkauf von Kunstdrucken, Postern und Wohnaccessoires.

Sportstätten Zentrum für Hochschulsport der Uni Ffm an der Ginnheimer Landstraße 39. Das frühere IfL (Institut für Leibeserziehung) bietet eine große Auswahl an Hallensport und Leichtathletik. Sportfabrik der FTG an der Ginnheimer Landstraße 47 – große Auswahl an Gymnastik-, Fitness- und Gesundheitskursen. FTG Frankfurter Turn- und Sport-Gemeinschaft von 1847 J.P. in der Marburger Straße 28 – der größte Sportverein Bockenheims. Sportgemeinschaft Frankfurt-Bockenheim von 1898 in der Ginnheimer Landstraße 37 VfR Bockenheim von 1955 e. V. in der Ginnheimer Landstraße 37 – Spielstätte Bezirkssportanlage West der Stadt Frankfurt Boule-Spielplatz in der Zeppelinallee 90. Schräg gegenüber der Frauenfriedenskirche und auf anderen öffentlichen Plätzen Frankfurts wird Boule oder Pétanque gespielt. Die Schirmherrschaft hat der Frankfurter Pétanque Club.

Regelmäßige Veranstaltungen Wochenmarkt donnerstags von 8 bis 18 Uhr an der Bockenheimer Warte jährlich im Mai: Anlassen der Wickelmesser (Motorradvereinigung) in der Leipziger Straße mit anschließender Stadtrundfahrt

jährlich zweiter Donnerstag vor den Sommerferien der Schulen in Hessen: Sommerfest City West (Straßenfest), von 15 bis 22:30 Uhr, auf dem Celsiusplatz (zwischen Voltastraße 76 und 78, ehemals Gelände der Music Hall)

Kulturdenkmäler

Bauwerke

Kirchen und Religionen

Schulen Grundschulen mini|hochkant|Francke-Schule (Grundschule) mini|Sophienschule (Hauptschule), seit 2019 JTS Johanna Tesch Schule (ehedem IGS im Frankfurter Norden) Bockenheim ist in vier Schulbezirke mit je einer Grundschulen aufgeteilt:

Die Franckeschule in der Falkstraße wurde 1876 erbaut als Bockenheimer Realschule mit für Knaben und Mädchen getrenntem Unterricht, ab 1913 umbenannt in Falk-Mittelschule und ab 1950 benannt nach dem Theologen August Hermann Francke. Wegen einer zweijährigen Sanierung der Franckeschule findet der Unterricht seit 2018 in Containergebäuden hinter der FTG Sportfabrik (Ginnheimer Straße 47) statt.