Die Deutsche Wildtier Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung des privaten Rechts mit Sitz in Hamburg. Sie setzt sich für den Schutz von Wildtieren ein und ist sowohl im Natur- und Artenschutz als auch in der Naturbildung aktiv. Initiiert wurde die Stiftung 1992 vom Hamburger Unternehmer Haymo Rethwisch.

Geschichte miniatur|Gründer Haymo Rethwisch (1938–2014) miniatur|Gut Klepelshagen (2019)|alternativtext=

Im Laufe der Jahre erwarb der Hamburger Unternehmer Haymo Rethwisch zunächst rund 130 Hektar Land im niedersächsischen Fintel, die er „in Lebensräume für Wildtiere umgestaltete“. Dabei setzte er auf ökologische Land- und wildtierfreundliche Forstwirtschaft. Mitte der 1990er-Jahre kamen rund 2000 Hektar Land in Klepelshagen in der Uckermark hinzu. 1997 verkaufte Rethwisch sein Unternehmen an den Haniel-Konzern und konzentrierte sich fortan gänzlich auf den Schutz von Wildtieren. Die dazu bereits 1992 gegründete unternehmensnahe „boco-Stiftung“ wurde 1999 in Deutsche Wildtier Stiftung umbenannt, „um sein Lebenswerk zu schützen“.

Mit einem Eigenkapital von 45 Millionen Mark gehörte die Deutsche Wildtier Stiftung von Beginn an zu den europaweit größten Stiftungen in ihrem Bereich. Auf den Flächen in Fintel und Klepelshagen wurden zunächst „Forschungsstationen“ betrieben, um die Grundlagen für eine nachhaltig „wildtierfreundliche“ Land- und Forstwirtschaft zu schaffen. Dort kümmerten sich Wissenschaftler beispielsweise um die Erfassung und Kartierung des Bestandes an Wildtieren und Pflanzen. Zudem rief die Deutsche Wildtier Stiftung einen mit bis zu 50.000 Euro dotierten Forschungspreis ins Leben, um „anwendungsorientierte wildtierökologische Forschung“ zu unterstützen. Es folgten weitere Projekte. 2006 gewann man den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog als Schirmherr.

Das 2013 von Haymo Rethwisch gegründete „Forum Bildung Natur“ ging 2015 in der Abteilung Naturbildung der Deutschen Wildtier Stiftung auf. Von 2016 bis 2018 war die Deutsche Wildtier Stiftung mit dem Förderverein des Nationalparks Boddenlandschaft zu gleichen Teilen an einer gemeinnützigen Gesellschaft beteiligt, die Tier- und Naturfilme in Deutschland unterstützt. Sie engagiert sich weiterhin in diesem Bereich, beispielsweise durch die Finanzierung des 2019 erschienenen Kinofilms „Die Wiese – Ein Paradies nebenan“. Seit 2025 richtet die Stiftung zudem die European Wildlife Film Awards (EWFA) aus, den nach eigenen Angaben europaweit höchstdotierten Naturfilmpreis. Dessen erste Verleihung fand am 15. Februar 2025 in der Botschaft der Wildtiere in Hamburg statt.

2010 wurde Fritz Vahrenholt auf Bitten Rethwischs in das Kuratorium der Deutschen Wildtier Stiftung berufen. Zu diesem Zeitpunkt war Vahrenholt Vorsitzender des Vorstands von RWE Innogy. Nach seinem Wechsel in den Aufsichtsrat von RWE Innogy übernahm Vahrenholt 2012 als alleiniger Vorstand die Leitung der Deutschen Wildtier Stiftung. Rethwisch zog sich in das Kuratorium zurück und verstarb im Jahr 2014. Die Nachfolge trat seine Witwe Alice Rethwisch an, die 2022 für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz erhielt. Im Dezember 2019 trennte sich die Stiftung von Fritz Vahrenholt als Vorstand, nachdem es zu „Meinungsverschiedenheiten über die Positionierung der Stiftung in der aktuellen klimapolitischen Diskussion“ gekommen war. Vahrenholt hatte öffentlich wiederholt Zweifel daran geäußert, dass der Mensch für den Klimawandel hauptverantwortlich sei und in der „Klimaskeptiker“-Szene nahe stehenden Veröffentlichungen und Auftritten klimawissenschaftliche Erkenntnisse geleugnet; die Klimadebatte nannte er „hysterisch“. Zum neuen Vorstand der Stiftung wurde im Dezember 2019 Jörg Soehring, bisher Mitglied des Präsidiums, ernannt. Seit dem 1. Januar 2021 ist der Wildtierbiologe Klaus Hackländer Vorstand der Deutschen Wildtier Stiftung. Bis September 2022 war er gemeinsam mit Jörg Soehring im Vorstand tätig; seitdem ist Hackländer alleiniger Vorstand.

Organisation Standorte Seit Juli 2024 ist der Sitz der Stiftung im Holz-Hochhaus „Roots“ in der Hamburger HafenCity angesiedelt. Im August 2024 eröffnete sie dort die Botschaft der Wildtiere mit einer Ausstellung auf 2200 Quadratmetern,Matthias Iken: Die HafenCity – die letzte Meile. In: Hamburger Abendblatt, 12. Juli 2024. einer Lernwerkstatt und einem Kino für Naturfilme.Alexander Berthold: Holzhochhaus Roots fast fertig. In: Hamburger Abendblatt, 3. Februar 2024.

Zusätzlich unterhält sie eine Niederlassung am Pariser Platz in Berlin-Mitte. Dritter Standort der Deutschen Wildtier Stiftung ist das Gut Klepelshagen in der Uckermark, das als Modellbetrieb für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Jagdbetrieb ökonomische Ziele mit den Ansprüchen von Wildtieren verbinden soll.

Gremien Die Geschäfte der Deutschen Wildtier Stiftung führt ein hauptamtlicher Vorstand. Seit September 2022 ist dies allein Klaus Hackländer, der bereits Anfang 2021 in den Stiftungsvorstand eintrat. Die Arbeit des Vorstands wird von einem ehrenamtlichen Kuratorium kontrolliert, das aus mindestens drei und maximal 20 Personen besteht. Das Kuratorium wählt aus seiner Mitte drei bis fünf Mitglieder in das Präsidium. Diesem Gremium gehören derzeit Johann-Matthias Graf von der Schulenburg als Vorsitzender, Jörg Soehring als sein Stellvertreter, Barbara Makowka und Christian Scharff an. Alice Rethwisch ist Ehrenpräsidentin (Stand: 2025).

Finanzen Das Stiftungskapital belief sich Ende 2024 auf 114,5 Millionen Euro. Darüber hinaus verfügte die Deutsche Wildtier Stiftung über Rücklagen von 35,7 Millionen Euro. Davon entfielen 8,8 Millionen Euro auf die jährlich wachsende Kapitalerhaltungsrücklage, die den durch Inflation bedingten Wertverlust des Stiftungskapitals ausgleicht. Die Stiftung wählt nach eigener Aussage eine „konservative“ Strategie bei der Anlage des Stiftungskapitals.

Im Jahr 2025 empfing die Stiftung Spenden, Erbschaften und Bußgelder in einer Gesamthöhe von rund 3,04 Mio. Euro. Die Summe der Zuschüsse und Förderungen belief sich auf 3,17 Mio. Euro.

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat sich der Initiative Transparente Zivilgesellschaft angeschlossen und die erforderlichen Angaben veröffentlicht.

Beteiligungen Die Deutsche Wildtier Stiftung ist Gesellschafterin der Klepelshagener Handels- und Beteiligungsgesellschaft sowie der Billbrook Grundstücks- und Beteiligungsgesellschaft, deren Zweck im Wesentlichen die Verwaltung von Vermögen ist. Eine weitere Beteiligung besteht am Schullandheim in Gehren („Haus Wildtierland“). Alice Rethwisch ließ das ehemalige Landschulheim mit privaten Investitionen in Millionenhöhe sanieren.

Kooperationen Die Deutsche Wildtier Stiftung arbeitet mit diversen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen zusammen, dazu zählen beispielsweise die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, die Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung, der Hamburger Verkehrsverbund (HVV), die Initiative „Wildnis in Deutschland“, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die Naturstiftung David, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, die Leuphana Universität Lüneburg, die AG Feldhamsterschutz, der Deutsche Jagdverband, der Tierpark Hagenbeck, die Loki Schmidt Stiftung und das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung sowie der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB).Deutsche Wildtier Stiftung spendet für Artenschutzprojekt 20. September 2016.

Sie ist, wie andere Umwelt- und Naturschutzorganisationen auch, in der Lobbyliste des Deutschen Bundestags eingetragen.

Schwerpunkte und Positionen Wildtiere Die Stiftung versucht, Wildtiere vor dem Aussterben zu bewahren. Hierfür betreibt sie eine Vielzahl von Schutz- und Forschungsprojekten, die sich bestimmten Arten oder Lebensräumen widmen, wie zum Beispiel dem Feldhamster, dem Luchs, dem Schreiadler, dem Waldrapp und der Wildkatze. Ihr Einsatz für Wildbienen erreichte eine breite Öffentlichkeit. In Berlin etwa hat sie zusammen mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und den Berliner Bezirken das Projekt „Mehr Bienen für Berlin – Berlin blüht auf!“ initiiert, bei dem in allen zwölf Bezirken Wildbienen-Blühstreifen auf öffentlichen Grün- und Freiflächen angelegt werden. Gemeinsam mit Wall, einem Vermarkter analoger und digitaler Werbeflächen, hat die Stiftung seit 2022 in Hamburg Dächer von Fahrgastunterständen bepflanzt und in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Verkehrsverbund an S- und U-Bahnhaltestellen Wildblumenflächen angelegt, damit Wildbienen und andere Insekten diese Klein-Biotope nutzen können. Zu den bereits abgeschlossenen Projekten zählen zum Beispiel ein Forschungsprojekt zum Schwarzspecht und das Projekt „Rotmilan – Land zum Leben“, das im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz gefördert wurde. Seit 2024 wertet die Stiftung gemeinsam mit der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe und der Stiftung Umwelt- und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg Brut- und Nahrungsgebiete des Schreiadlers auf, um die Bruterfolge dieser bedrohten Adlerart zu erhöhen. Brutbäume und -wälder sollen langfristig gesichert werden. Das Projekt, an dem unter der Federführung der Deutschen Wildtier Stiftung auch weitere Organisationen beteiligt sind, wird vom Bundesamt für Naturschutz und dem Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit mit über neun Millionen Euro bis Ende 2028 gefördert.

Die Stiftung ergreift auch Partei in der Jagdpolitik. So protestierte sie beispielsweise 2019/2020 mit einer Kampagne für die Abschaffung der gesetzlich vorgegebenen Rotwildbezirke in Baden-Württemberg, wo Rothirsche nur auf vier Prozent der Landesfläche leben dürfen. Die Stiftung ruft jährlich zur Wahl „Tier des Jahres“ auf, um mehr Aufmerksamkeit auf einzelne Arten und deren Lebensräume zu lenken oder um auf Mensch-Tier-Konflikte aufmerksam zu machen. Bis einschließlich 2025 wählten ausschließlich Spender der Stiftung den Titelträger, seit 2025 steht die Online-Abstimmung allen Interessierten offen.

Lebensräume Die Stiftung setzt sich dafür ein, Lebensräume für Wildtiere zu schaffen und zu erhalten. Im Nordosten Deutschlands wurden der Stiftung von der Bundesregierung elf Flächen aus dem Nationalen Naturerbe übertragen, auf denen die bereits vorhandenen naturnahen Wälder sich selbst überlassen bleiben. Insgesamt schützt die Deutsche Wildtier Stiftung rund 8200 Hektar Wälder, Felder, Wiesen und Moore. Sie ist Teil der Initiative „Wildnis in Deutschland“, einem Zusammenschluss zahlreicher Naturschutzverbände, die sich für mehr Wildnisgebiete engagieren. Anfang 2022 erwarb die Stiftung mit Mitteln des Wildnisfonds, einem Förderprogramm des Bundesumweltministeriums, eine 500 Hektar große Fläche im Aschhorner Moor bei Stade. Dort entsteht ein neues Wildnisgebiet.Mehr Wildnis im Aschhorner Moor. In: Ruhr Nachrichten (Castrop-Rauxeler Zeitung), 30. Mai 2022. Darüber hinaus erwirbt die Stiftung auch Flächen, auf denen sie eine nicht nur ökologische, sondern auch wildtierfreundliche Landnutzung umsetzt. Das Gut Klepelshagen ist dafür Modell.

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