Meerane ist eine sächsische kreisangehörige Stadt im Nordwesten des Landkreises Zwickau. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Meerane-Schönberg. In Meerane entwickelte sich im 19. Jahrhundert eine ausgeprägte Textilindustrie, die das Stadtbild nachhaltig prägte.

Geographie Geographische Lage Meerane liegt in einem dicht besiedelten Gebiet am Nordwestrand des Erzgebirgischen Beckens an der Grenze zu Thüringen 17 km südlich von Altenburg und ca. 15 km nördlich von Zwickau zwischen der vierspurig ausgebauten B 93 und der Bundesautobahn 4.

Das Meerchen ist das bedeutendste Fließgewässer der Stadt. Dem Bach fließen im Stadtgebiet der Seiferitzer Bach von Süden und der Dittrichbach von Osten zu. Im Südosten der Stadt verläuft nahe der Autobahn die regionale Wasserscheide zwischen der Pleiße und der Zwickauer Mulde.

Nachbargemeinden

Stadtgliederung Zu Meerane gehörten die Gemeindeteile Crotenlaide, Dittrich, Götzenthal, Seiferitz und Waldsachsen. Am 1. März 2011 wurden sie gestrichen. Meerane führt nun – wie weitere 45 sächsische Gemeinden – keine regionale Gliederung mehr.

Geschichte Namensherkunft Meerane erscheint vermutlich erstmals in der Chronica Boemorum des Mönches Gerlach (1174, Abschrift um 1200) als Mer. Es folgen die Erwähnungen in Mari (1270), der Personenname Heinrich von dem Mer (um 1300), zcum Mer (1344), schließlich oppidum dictum [d. h. die Stadt genannt] Mare (1361). Eichlers und Walthers Ortsnamenbuch sieht als Grundlage mhdt. mer 'Meer, [älter:] Binnengewässer, Sumpf' (vgl. Steinhuder Meer), was sich auf den hiesigen Meerchenbach beziehe. Der Gewässername sei also auf die Ortschaft übertragen worden. Spätere Schreibungen wie Meher (1405) und Mehr (1418) deuten die zunehmende Dehnung des Vokals an (wie in nhdt. Meer). Mit Schreibungen wie Mera (1497) und Meraw (1514) habe die meißnische Kanzlei den Ortsnamen an die häufigen derartigen Endungen angepasst (vgl. Borna aus ursprünglichem "(zu dem) Borne"). Die Formen mit -n- schließlich, mit ihrer Betonungsverschiebung auf die Endung, (erstmals 1511: de Merania, 1534 Meran) seien demnach ebenfalls Zeichen des humanistischen Bemühens, den Namen an gelehrte lateinische Formen anzupassen (vgl. Germania, Hispania sowie Meran in Tirol).Meerane. In: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band II: M - Z (= Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte, Bd. 21). Hg. v. Ernst Eichler u. Hans Walther. Berlin 2001. S. 21.

Frühmittelalter Meerane wurde vermutlich im 10. Jahrhundert als Grenzort zwischen den sorbischen Distrikten und gegenüber dem erweiterten Reichsgebiet des Ostfrankenreiches unter Heinrich I. gegründet. Der Ort Mer lag zu dieser Zeit knapp östlich der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Reichsstraße „via imperii“, die in diesem Abschnitt von Altenburg über Ponitz nach Zwickau führte. Für die Meeraner Kirche ist als frühestes Datum das Jahr 1005 überliefert, d. h., die Christianisierung des Gebiets hat sich bis spätestens Ende des 10. Jahrhunderts durchgesetzt. Dass der Ort bereits zuvor von religiöser Bedeutung war, belegt ein im Jahre 1790 in Meerane gefundener Opfertisch, der ins 10. oder 11. Jahrhundert datiert wird und den Kult der sorbischen Gottheit Crodo (Krodo) belegt. Der Stein befindet sich seit 1998 im Hof des Alten Rathauses.

Burg und Herrschaft Meerane seit 1174 Die urkundliche Ersterwähnung von Meerane steht im Zusammenhang mit dem Tod des böhmischen Königs Wladislaw II., der im Januar 1174 nach nur viermonatigem Aufenthalt auf der Burg Mare (Mer) starb. Der Premyslide Wladislaw II. war im Jahr 1172 abgesetzt und zum Exil gezwungen worden, nachdem er ohne Zustimmung des Kaisers Friedrich Barbarossa und des böhmischen Adels zugunsten seines Sohnes Friedrich (Bedřich) auf seinen Thron verzichtet hatte. Er ging nach Thüringen auf die Güter seiner zweiten Frau Judith von Thüringen, die eine Tochter des Landgrafen von Thüringen Ludwigs I. war. Zwei Jahre später starb er auf Judiths Hochzeitsgabe, der Burg Meerane, ohne dass er die Thronbesteigung seines Sohnes Ottokar Přemysl erlebt hätte. Judith von Thüringen verließ Prag und erhielt nach dem Tod ihres Mannes und der Thronbesteigung des Premysliden Sobieslaw II., des Vetters ihres Mannes, die Herrschaft Meerane als Witwensitz.„Meer in Meerane?“ – Wie die Stadt Meerane zu ihrem Namen kam

Die Meeraner Burg ist eine abgegangene Burg (Burgstall), da von ihr weder Mauerreste noch archäologische Funde gemacht wurden. Ihr genauer Standort ist unklar.

„Mer“ (Meerane) war im Mittelalter ein bedeutender Ort. Dies wird von einem Historiker des 12. Jahrhunderts und vom Pirnaer Dominikanermönch Johannes Lindner im 16. Jahrhundert überliefert. Für 1174 ist die Existenz der Burg Meerane belegt.Robby Joachim Götze, Wolf-Dieter Röber, Steffen Winkler: Schloss Hinterglauchau, Museum und Kunstsammlung. Schnell & Steiner, Regensburg 1998, Kunstführer Nr. 2296, ISBN 3-7954-6035-2, S. 2: Hinweise zur Burg Meerane.

Die sechs sogenannten „Burghäuser“ waren von Abgaben befreit, also Freihöfe. Hier saßen wohl Burgmannen/Ministeriale. Die Lage der ehemaligen Burghäuser soll bei der heutigen August-Bebel-Straße 13–25 (Stand 1981, 2020 offenbar noch aktuell) gewesen sein. Die genaue Lage der Burg ist bislang (Stand 2019) unklar. Bestätigende archäologische Funde oder Mauerwerk fehlen bislang. Es wird aber davon ausgegangen, dass sie sich etwa an der Stelle der heutigen Stadtkirche befunden hat, also auf dem Bergsporn zwischen Dittrichbach und Seiferitzer Bach oberhalb der Vereinigung mit dem Bach „Meerchen“, über dem dreiecksförmigen Altmarkt in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Burghäuser.Helmut Bräuer, Robby Joachim Götze, Steffen Winkler, Wolf-Dieter Röber u. a.: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–1991 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, Kap. „Kirche und Kunst“, Standort der Meeraner Burg bei der St. Martinskirche, S. 100.

Die damalige Stadt war mit einer Stadtmauer umfasst, die den heutigen Markt, den heutigen Neumarkt/Kirchplatz und die Burg (später die Stadtkirche) umfasste. Die Burg war demnach in die Stadtmauer eingebunden und stellte eine Stadtburg dar. Der Altmarkt lag außerhalb der Stadtbefestigung.

Der genaue Zeitpunkt, an dem die Herrschaft Meerane in schönburgische Verwaltung kam, ist unbekannt. Aus der Lehensurkunde von 1361 geht hervor, dass die Herren von Schönburg die Herrschaft Meerane als böhmisches Lehen schon seit vielen Jahren besaßen, vermutlich seit 1182 bzw. 1233. Dazu existieren Hinweise aus der Zeit des böhmischen Königs Wenzel II., der in der Zeit von 1278 bis 1305 regierte.

Schon um 1300 hatten die Herren von Schönburg ihre benachbarten Herrschaften Glauchau und Lichtenstein an den böhmischen König übertragen und von ihm als böhmische Reichsafterlehen zurückerhalten. So waren sie hier vor dem Zugriff der Wettiner sicher. Die Herrschaft Meerane war bereits böhmisches Lehen, als sie diese wohl um 1300 erwarben.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Hrsg. von Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker. Chemnitz 2005, , S. 8: Einträge „um 1300“ (Broschüre). Im Jahre 1361 wird die Herrschaft Meerane als böhmisches Lehen der Schönburger urkundlich genannt.Steffen Winkler: Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane. In: Schriftenreihe Sonderheft. (Sagen und sagenhafte Erzählungen aus Glauchau und Umgebung), Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1981, S. 7–8. Vor 1493 wurde die vormalige Herrschaft Meerane in die Herrschaft Glauchau der Herren von Schönburg – mit Verwaltung auf der Glauchauer Burg – eingegliedert.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Hrsg. von Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker. Chemnitz 2005, , S. 11 (Broschüre). Die Meeraner Burg existierte zu dieser Zeit wohl schon nicht mehr. Eine Zerstörung in den Hussitenkriegen ist denkbar, da hussitische Heere die benachbarten Städte und Burgen Waldenburg und Glauchau mehrfach belagerten/zerstörten.

Den Herren von Schönburg-Crimmitschau gehörte die Herrschaft Meerane als königlich-böhmisches Lehen. Dies ist für 1361 belegt. Mit dem Aussterben dieser Linie gelangte diese Herrschaft an die anderen schönburgischen Linien und wurde letztlich vor 1493 mit der Herrschaft Glauchau vereinigt. 1459 wurde Meerane letztmals als eigenständige Herrschaft erwähnt.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz, Thelem Verlag, Dresden 2010, Anmerkungen zur Herrschaft Meerane, S. 86.

Mit der abgegangenen Meeraner Burg ist auch die Sage „Die weiße Frau von Meerane“ verknüpft. Diese Sage soll eine Abwandlung der Sage von der weißen Frau von Orlamünde sein. In der Sagensammlung von Johann Georg Theodor Grässe (1874) wird in der Sage „Gräfin von Orlamünde“ die „weiße Frau“ als „geborne Gräfin von Meran“ vorgestellt.Steffen Winkler: Sage Die weiße Frau von Meerane. In: Schriftenreihe Sonderheft. (Sagen und sagenhafte Erzählungen aus Glauchau und Umgebung), Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1981, S. 22–24 und S. 32 Pkt. 30.

Unter dem sogenannten Burgberg befinden sich mittelalterliche Gangsysteme, die wohl vorrangig zur Lebensmittellagerung genutzt wurden und wie in Gera als „Höhler“ bezeichnet werden.

Frühe Neuzeit und erste Hälfte des 19. Jahrhunderts mini|Stadtansicht von 1839, Lithografie mini|Hotel Schwanefeld mit ehemaliger Posthalterei (links) an der sächsisch-thüringischen Landesgrenze Meerane-Guteborn

Die weitere Entwicklung Meeranes wird bis ins 19. Jahrhundert durch die Zugehörigkeit zu den Schönburgischen Herrschaften getragen, welche Meerane als böhmisches Reichsafterlehen besaßen. Im Jahr 1493 wurde die Herrschaft Meerane mit der schönburgischen Herrschaft Glauchau vereinigt, die ebenfalls böhmisches Lehen war.Buch „Das schönburgische Amt Hartenstein 1702–1878“, S. 148.

Schon im Jahre 1516 existierte in Meerane kein eigenes Gericht mehr. Das Amt Glauchau lässt hier offenbar Gericht bei Bedarf oder Gerichtstage abhalten.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 97.

Georg I. von Schönburg gab der Stadt Meerane am 7. Mai 1565 ordnungspolitisch bedeutsame Statuten, die die Ausprägung einer Ratsverfassung mit Bürgermeister und Ratskollegium beinhalteten. Die Kompetenzen des Rates erstreckten sich jedoch lediglich auf die niedere Finanz- und Polizeiverwaltung sowie die Ahndung von Bagatellsachen. Zu dieser Zeit war die Burg Meerane bereits unbewohnt, ihre Reste wurden im Jahr 1572 abgetragen und teilweise zum Bau des Rathauses genutzt.Meerane im „Handbuch der Geographie“, S. 480ff. Der Burgberg direkt in der Meeraner Innenstadt weist noch heute auf den Standort einer Burg hin, auch wenn man diese dort vergeblich sucht.