Hundefelle wurden bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa genutzt. Seit 2009 gilt für sie in der Europäischen Union ein Vermarktungs-, Ein- und Ausfuhrverbot.Art. 3
Auf den Weltmarkt kamen seit jeher fast ausschließlich asiatische Felle, meist aus China, der Mongolei und Korea. Die Produkte aus den, im Rauchwarenhandel als chinesische Hunde bezeichneten, Fellen wurden als Gae-Wolf-Pelze angeboten, früher auch als Sobaki, beides östliche Namen für den Hund. Auch Asiatischer Schakal war einer der früheren, das Wort Hund vermeidenden, Bezeichnungen für das Haustierfell.
Die Felle des Dingo, einer verwilderten australischen Haushundrasse, kamen im internationalen Rauchwarenhandel nicht vor.
Geschichte, Handel Im Mittelalter war die Verarbeitung von Hundefellen verfemt, der Hundshautgerber war ein unehrlicher Beruf. Gerbte oder verarbeitete ein Kürschner ein Hundefell, ja tötete er auch nur absichtlich einen Hund, wurde er ebenfalls für unehrlich erklärt und aus der Zunft ausgeschlossen, er durfte seinen Beruf nicht mehr ausüben, wobei die Zünfte kaum die Möglichkeit hatten, über diese Verfehlung hinwegzusehen. Duldeten sie einen solchen Kollegen in ihrer Stadt, drohte ihnen der Boykott aller umliegenden Innungen, was bedeutete, dass sie ihre Waren nicht mehr auf anderen Jahrmärkten anbieten durften, der Zugang von Gesellen zu ihnen ferngehalten würde und keine Kürschnerssöhne der Stadt mehr zur Weiterbildung aufgenommen würden. Zusammengefasst war es so, dass die Existenz des Kürschnerhandwerks der Stadt auf dem Spiel gestanden hätte. Noch Anfang des 18. Jahrhunderts schloss die Breslauer Innung einen ihrer Meister wegen der Verarbeitung von Hundefell aus. Ein bei den Leipziger Kürschnern eingeholtes Gutachten rügte dies jedoch als völlig unangemessen und nicht mehr zeitgemäß: „So mache man Müffe aus Hundefellen, die sogar von vornehmen Personen getragen zu werden pflegten“. Doch selbst 1731 sah sich der deutsche Reichstag noch veranlasst, in seinem Reichsabschied von 1731, 13. Abschnitt, zu erklären: Verarbeitung von Hundhäuten durch die Gerber dürfe nicht zum Gegenstand der Abstrafung gemacht werden. Ebenso wenig sei kein Handwerker für unehrlich zu halten, der einen Hund oder eine Katze totwirft oder schlägt oder ertränkt, „ja nur ein Aas anrühret oder dergleichen“.Werner Danckert: Unehrliche Leute – Die verfehmten Berufe, Kapitel Schinder (Hundshäuter). S. 167–173 und Hundshautgerber. S. 181–188, Francke Verlag, Bern/München 1963.
Im Jahr 1925 schrieb Emil Brass: . Brass schreibt dort auch: . Trotzdem ist es noch immer ein Thema, siehe Hundefleisch.
Nach dem byzantinischen Lexikon Suda war unter Kynee eine einfache Kopfbedeckung der Landbevölkerung zu verstehen, die früher auch aus Hundefell gefertigt worden sei.; verweist auf In der Siedlung Feldmeilen-Vorderfeld (Kanton Zürich) wurden Hunde eventuell sogar hauptsächlich zur Fell- oder Ledergewinnung gehalten, folgt man den Ausführungen von Julika Renger. Als Beleg werden durch das Abhäuten der Hunde entstandene „feine Schnittmarken“ angegeben, die in dieser Siedlung bereits an Jungtierknochen entdeckt wurden.Julika Renger: Gesellschaftliche Debatten um die wirtschaftliche und psychosoziale Nutzung des Hundes von 1870 bis 1945 in Deutschland. Inaugural-Dissertation. Freie Universität Berlin, Berlin 2008, S. 108–109. Immer wieder galt Kleidung aus Hundefell jedoch als eher unfein, der griechische Kriegsschriftsteller Myron von Priene (3. Jh. v. Chr.) erwähnt: „Die Heloten bey den Lacedẩmoniern insonderheit mußten zum Schimpf Hüte von Hundsfellen und Wildschuren tragen“.D. Christ. Wilh. Jakob Gatterer: Abhandlung vom Pelzhandel, insonderheit der Britten. Schwan und Götz, Mannheim 1794, S. 75. Primärquelle: Myron von Priene: beym Athenæus. XIV. 29.
mini|Brustschmuck mit Hundefell-Einfassung (Pazifik, zwischen 1768 und 1780 ) Den Hawaiianern und den neuseeländischen galten Hunde als kostbarer Besitz. Die Polynesier schätzten die Hunde nicht nur wegen ihres Fleisches, sondern auch wegen der Haare, Zähne, Knochen und Felle. Mäntel aus Hundefell waren bei den -Häuptlingen die kostbarsten Erbstücke.Marvin Harris: Wohlgeschmack und Widerwillen: Die Rätsel der Nahrungstabus. Klett-Cotta, 2005, S. 195–196.
Brockhaus vermerkte 1841, dass ungeachtet der großen Verbreitung der Haushunde die Felle kaum brauchbar gewesen seien: Eine spätere Erwähnung einer wesentlichen Verarbeitung von Fellen europäischer Haushunderassen scheint nicht bekannt. 1852 bestätigt der Autor eines Pelzfachbuchs, dass Hundefelle in der Regel nicht zu Rauchwarenartikeln verarbeitet werden und deshalb im Rauchwarenhandel nicht vorkommen. Nur gelegentlich geschehe es, dass sich der Besitzer eines Hundes aus dem Fell des getöteten Tieres eine Fußdecke oder ein Paar warme Winterstiefel anfertigen lasse.
1911 wird die Verwendung bestimmter Rassen als Vorleger mit naturalisiertem Kopf erwähnt (Bernhardiner, Neufundländer). In geringem Umfang wurden feinhaarige Felle auch schon mal gefärbt oder in geschorenem Zustand verarbeitet, doch nie in größerem Umfang. Ungleich häufiger wurde das besonders feste Hundeleder für Beutlerarbeiten verwendet. Es konnten Hosen, Hosenträger, geringwertigere Sorten von Handschuhen und Portemonnaies daraus gefertigt werden.Alexander Lachmann: Die Pelzthiere. Ein Handbuch für Kürschner und Rauchwarenhändler. Baumgärtner's Buchhandlung, Leipzig 1852, S. 160–161.
Die in großer Zahl nach Amerika exportierten Felle wurden anfangs generell zu warmen Arbeitsjacken der Wald- und Farmarbeiter gearbeitet, die geringeren Qualitäten noch bis in die 1930er Jahre. Die besseren dienten jetzt als Verbrämungen preiswerter Damenkleidung. Sie wurden schwarz, gelegentlich auch braun gefärbt, mit Fortschreiten der Färbetechnik folgten weitere Farben. Nur ein kleiner Prozentsatz wolfsfarbiger Felle wurde naturbelassen.
Als 1896 Imitationen des Skunksfells den Pelzmarkt beherrschten, fanden davon im Leipziger Rauchwarenhandel asiatische Hundefelle wegen ihrer Farbe und Schönheit den größten Absatz.P. R.:Vom Leipziger Rauchwarenmarkt. In: Österreichisch ungarische Kürschner-Zeitung, 5. Jänner 1895, S. 4. Abgerufen am 7. Januar 2026. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen dann vom chinesischen Pelzhandel einfellige „dogmats“ (90 × 40 Zentimeter), zweifellige „dogrugs“ (etwa 170 × 50 Zentimeter) und vierfellige „dogrobes“, letztere waren vorwiegend aus Jungtierfellen, den sogenannten Puppies hergestellt,Richard König: Ein interessanter Vortrag (Referat über den Handel mit chinesischen, mongolischen, mandschurischen und japanischen Rauchwaren). In: Die Pelzwirtschaft. Nr. 47, 1952, S. 49. sie gingen ausschließlich nach Amerika. Die Felle wurden in der Mandschurei gegerbt und zu Decken verarbeitet. Diese Felltafeln waren ganz aus scheckigen und hellfarbigen Fellen gearbeitet. Sortiert wurden sie meist in etwa 50 Prozent schwarze, 25 Prozent gelbe und in 25 Prozent graue. Für Decken wurden die gelben und grauen bevorzugt, für Garnituren eignete sich die Prima-Qualität, die sogenannten „Furriers“ (Kürschnerfelle) der schwarzen Sorte recht gut. Die schwarzen, die sehr schön glänzend und gedrungen waren, wurden viel nach England gehandelt, in Deutschland waren sie weniger bekannt. Vor dem Ersten Weltkrieg waren Tulupen aus Hundefell, eigentlich Pelze aus Schaffellen, in Russland stark in Mode. Viele Tafeln wurden auch nach den USA geliefert. Außer den mandschurischen Hundefellen, den „Newchwang dogskins“, kamen Anfang des 20. Jahrhunderts viele Felle gewöhnlicher Straßenhunde in den Handel, die bedeutend kurzhaariger waren.
Die Hauptsammelplätze für Felle aus der Mandschurei waren die Städte Harbin und Mukden. Der Berliner Rauchwarenhändler Brass nannte 1925 die „Hsinchee“-Felle als die besten. Sie sind nur wenig kleiner als die Newchwang-Hunde und auch nur etwas kürzer im Haar und waren deshalb gut für Decken zu gebrauchen. „Wonks“, auch „Chow Wonks“, war der Name der gewöhnlichen chinesischen Haushunde, die sich recht gut für Pelze eigneten. Sie wurden ebenfalls, als etwas kleiner und das Haar nicht so dicht und kürzer, beschrieben; oftmals waren sie wegen der Räude jedoch nicht zu gebrauchen; die arme Bevölkerung aß das Fleisch und machte aus den Fellen Decken. Als nächste Qualitäten kamen die flachen „Tientsin“ und die „Hankows“ von noch geringerer Qualität. 1931 berichtete auch ein Leipziger Rauchwarenhändler, dass Hundefelle sowie hauptsächlich in den chinesischen Provinzen Newchang und Kalgan gefertigte Hundefelldecken meist nach Amerika exportiert wurden, im europäischen Handel war dafür wenig Interesse. Die besten Felle kamen aus Korea und der Mandschurei, die beste mandschurische Sorte war Ho-Lung-Kiang von der Amur-Grenze kommend. Nächste Sorten waren die Kirin, Fengtien, Tientsin und Honan, „die schön flach und spießig sind“. Beidseits der Halbinsel Liaotung in der Hauptregion des Anfalls Fengtien, in der Stadt Newchang wurden die Felle gesammelt und in den Gerbereien der Stadt Chinchow für den Export nach Europa und Amerika fertiggestellt, die Zurichtung von Chinchow galt als die beste chinesische Hundefellzubereitung. Koreanische Felle gingen meist nach Japan, wo sie auch zugerichtet wurden. Ein Teil wurde für den inländischen Bedarf als Handschuhbesatz gearbeitet, der Rest wurde ebenfalls hauptsächlich nach Amerika weiter exportiert.Aladar Kölner (Rauchwarenhändler): Chinesische, mandschurische und japanische Pelzfelle. In: Rauchwarenkunde – Elf Vorträge aus der Warenkunde des Pelzhandels. Verlag Der Rauchwarenmarkt, Leipzig 1931, S. 104. In Japan selbst, auf Hokkaido, wurde um 1930 noch regelmäßig mehrfach im Jahr durch die Abdecker eine große Razzia durchgeführt, bei der zu Hunderten frei und herrenlos herumlaufende Hunde aller Rassen eingefangen und ihre Felle der Verwertung zugeführt wurden.G. Grasser: Japan alz Pelzlieferant und Pelzverbraucher. In: Der Rauchwarenmarkt, Beilage Die Fellproduktion, 1932 (genaueres Datum fehlt).
Eine kurze Steigerung des Anfalls von Hundefellen erfolgte, als Mustafa Kemal die „Pariahunde von Konstantinopel“ auf einer Insel der Umgebung töten ließ. Ein französischer Konzern verwertete diese Felle, indem er sie zum Spitzen von Fellen zur Silberfuchs-Imitation benutzte.„Le.“: C. L. Motz über das Spitzen von Pelzfellen. In: Der Rauchwarenmarkt. Nr. 7, Leipzig, 14. Februar 1936, S. 5.
Die hochnordischen Hunderassen mit ihren ansprechenden Farben und Zeichnungen haben ebenfalls einen schönen und recht brauchbaren Pelz. Die Felle wurden jedoch von den Eingeborenen, die diese Tiere hielten, also von den Eskimo, Samen, Tungusen und Kamtschadalen, zum weitaus größten Teil für sich selbst verbraucht. Während ein Teil aus Rentierfell häufig nur einen bis zwei Winter hielt, bis es soweit abgetragen war, dass es untauglich wurde, wurde für einen Hundepelz eine Haltbarkeit von wenigstens vier Jahren angenommen. Ein weiter Vorteil ist, dass Hundefell die Feuchtigkeit nur schlecht annimmt. Eskimohunde, etwas größer als ein Schäferhund, kommen in verschiedenen Farben vor, wie weiß, schwarz oder wolfsgrau, besonders die tiefschwarzen, feinen, dichten und langhaarigen Felle fanden für Besätze und Verbrämungen auch Verwendung in der Pelzindustrie. Als beste Sorte galten die Kamtschadalen. Während das Hundefell in den meisten Gegenden gering geschätzt war, fertigten die alten Bewohner der Halbinsel Kamtschatka, die Itelmenen, jedoch daraus ihre Festkleider, es galt ihnen wertvoller als Zobel. Als besondere Demütigung galt die Nachfrage: „Wo warst denn du, als ich und meine Vorfahren bereits Hundepelze trugen? Was hattest du denn damals an?“ Die übrigen sibirischen Völker verwendeten Hundefelle jedoch nur als Besätze oder Verbrämungen.Hans Damm: Die Pelze der Eskimos und sibirischen Völker. In: Das Pelzgewerbe. XX. Jahrgang, Heft 9–10, Hermelin Verlag Paul Schöps, Leipzig/Berlin 1950, S. 19.