Die 71. Infanterie-Division (71. ID) war ein Großverband des Heeres der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Sie wurde am 26. August 1939 als Division der 2. Aufstellungswelle durch den Infanterie-Kommandeur 19 in Hildesheim aufgestellt. Sie kämpfte unter anderem in Verdun, Stalingrad und Monte Cassino. Ihr Zeichen war das vierblättrige Kleeblatt und sie wurde nach Gratulation über den Sieg in Verdun im Juni 1940 durch Generalfeldmarschall Busch an Generalleutnant Weisenberger fortan die „Die Glückhafte“ genannt.S. 5.

Divisionsgeschichte Grundsätzlich unterscheidet man in der Divisionsgeschichte der 71. ID die Aufstellung und personelle Zusammensetzung bis zur Schlacht von Stalingrad als Zäsur einerseits, und die komplette Neuaufstellung nach der Vernichtung im Jahr 1943 andererseits.

Aufstellung Im August 1939 wurde die 71. ID im Wehrkreis XI aufgestellt und rekrutierte sich vornehmlich aus Soldaten aus dem heutigen Niedersachsen: Hannover, Hildesheim, Braunschweig und dem Westharz. Eingezogen wurden hauptsächlich die Jahrgänge 1910 bis 1920. Die Mobilmachung erfolgte am 25./26. August 1939 durch den Infanterie-Kommandeur 19 in Hildesheim unter dem Codewort „Sigurd 9757“.S. 13. IR 211 war bereits im Frühjahr 1939 unter Oberst Wolf als Übungs-Infanterie-Regiment 1 auf dem Truppenübungsplatz Bergen auf den Gefechtseinsatz vorbereitet worden und erhielt einen Abschnitt am Westwall zugewiesen.S. 14.

Die Ausbildung im rückwärtigen Armeegebiet bestand schwerpunktmäßig aus Waffenbedienung, Gefechtsausbildung, lautloser Annäherung, Bewegung bei Dunkelheit und Schießausbildung.S. 25–27. Erster Divisionskommandeur wurde Generalmajor Ziegler in Hildesheim, ehemaliger Befehlshaber der 19. Infanterie-Division. Die Stellen der Regimentskommandeure wurden mit erfahrenen Offizieren aus dem Ersten Weltkrieg besetzt.

Westwall Kurz nach Generalmobilmachung wurde der Rest der 71. ID in Nachtmärschen zur Grenzsicherung nach Pirmasens verlegt. Gleichzeitig war dies ihr Verfügungsraum für den späteren Westfeldzug in Frankreich.

Einsätze Westwall – September 1939 bis Mai 1940 Frankreich – Mai 1940 bis Juni 1941 Ostfront – Juni bis Oktober 1941 Frankreich – Oktober 1941 bis April 1942 Ostfront – April bis August 1942 Schlacht um Stalingrad – August 1942 bis Januar 1943 Dänemark – März bis August 1943 Slowenien – August bis September 1943 Italien – September 1943 bis Dezember 1944 Ungarn und Österreich – Dezember 1944 bis Mai 1945

Westfeldzug Nachdem die 71. ID in Richtung Südwesten durch Luxemburg und Südbelgien marschiert war, überquerte sie den Fluss Chiers und brach in die Maginotlinie ein. Die Kämpfe kumulierten im Angriff auf die taktisch bedeutsame Höhe 311. Damit gehörte die 71. ID zu einer der ersten Einheiten, welche den Westwall überwanden. Am 18. Mai 1940 setzte die Division ihren Vormarsch in Zusammenarbeit mit Pionieren und Panzerjägern durch die Einnahme der Ortschaft Villy, des Panzerwerks 505 und weiterer Befestigungen im Raum La Ferté (Maginot-Linie) fort.S. 32–60.

Zusammen mit dem der 71. ID unterstellten IR 188 gelang die Einnahme von Olizy und der Höhe 342.S. 60–61. Die Zeit zwischen dem 21. Mai bis zum 10. Juni 1940 war geprägt durch Abwehrkämpfe an der Maginotlinie, die zum Schutz vor Gegenangriffen weiter ausgebaut wurde. Bis zum 22. Mai 1940 wurden sieben Offiziere und 170 Unteroffiziere und Mannschaftsdienstgrade als gefallen gemeldet.S. 62–65. Anfang Juni 1940 mussten im, auch als „Grüne Hölle“ bezeichneten, Wald Bois d'Inor zahlreiche Gegenangriffe von marokkanischen Scharfschützen und Fremdenlegionären abgewehrt werden, bevor sich die Division östlich der Maas in den Raum von Verdun bewegen konnte.S. 65–75. Am 15. Juni 1940 erhält die 71. ID den Befehl, Fort Vaux und Fort Douaumont einzunehmen, wobei IR 211 die Hauptlast des Angriffs trug. Der Angriff gelang unter der Führung des Bataillonskommandeurs Hauptmann Corduan, welcher bereits im Ersten Weltkrieg bei Verdun kämpfte. Durch den Fall der beiden Festungen war der Weg zur Zitadelle Verdun frei, die nach Einnahme des Fort Froide Terre fiel.S. 75–87.

Im Verlauf des Juni 1940 verfolgte die 71. ID den zurückweichenden Gegner über die Mosel bis nach Nancy.S. 88–99. Der Einsatz an der Westfront endete mit der Verleihung zahlreicher Auszeichnungen: das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz wurde an Generalleutnant Weisenberger, Oberst Hans-Karl von Scheele (Kommandeur des Infanterie-Regiments 191), Oberleutnant Germer und Unteroffizier Pape verliehen.S. 100.

Verlegung auf den TrÜbPltz Königsbrück Zwischen 1940 und 1941 diente die 71. ID als Lehr-Division auf dem Truppenübungsplatz Königsbrück.

Unternehmen Barbarossa Ab Juni 1941 nahm die 71. ID am Angriff auf die Sowjetunion teil und brach am 22. Juni 1941 bei Niemstow überraschend in die sowjetischen Grenzbefestigungen ein.S. 106–111. Am 24. Juni 1941 entwickelte sich bei Niemirow eine Abwehrschlacht gegen 50 sowjetische Panzer, die aus verdeckten Stellungen gegen die deutschen Infanteristen feuerten.S. 113–124. Weitere Stellungen der Roten Armee auf dem Truppenübungsplatz Wiszenka wurden aufgeklärt und vernichtend geschlagen.S. 124–127. Ende Juni 1941 gelang der Durchbruch auf die nördlichen Stellungen von Lemberg.S. 127–131. Fast während des gesamten Monats Juli 1941 bewältigte die Division im Rahmen der Armeereserve eine langwierige Marschperiode durch die Ukraine, die durch schlechte Witterung und ungünstige Geländebedingungen erschwert wurde.S. 131–137.

Schlacht um Kiew 1941 Im Rahmen der 6. Armee sollte die 71. ID den Schwerpunkt der Offensive auf Kiew bilden, was sich zu der Schlacht um Kiew ausweitete. Lange Regenperioden machten die Straßen unpassierbar und verzögerten so den Vormarsch. Die Schlacht um Kiew wurde durch die Einnahme der Ortschaften Ksawerowka (IR 211), Marjarowka (IR 194) und Gelenowka (IR 191) eingeleitet. Zwischen den Grenzen der 99. Leichten Division und der 95. Infanterie-Division stürmte die 71. ID den Südabschnitt vor Kiew. Verzögert wurde der Angriff durch eine Bunkerlinie entlang des Flusses Weta, die in hartnäckigen Kämpfen Anfang August 1941 durchstoßen wurden und dem XXIX. Armeekorps den Zugang auf Kiew eröffnete. Zwischen dem 10. und 24. August 1941 führte die Rote Armee größere Gegenangriffe gegen die verlorene Wetastellung durch, die jedoch scheiterten.S. 137–162. Hier wurde die 71. ID von der 296. Infanterie-Division abgelöst und erhielt einen neuen 60 Kilometer breiten Gefechtsabschnitt im Westsektor der stark befestigten Stadt Kiew am Ufer des Flusses Irpen. Am 16. September 1941 eröffnete das XXIX. Armeekorps den Großangriff auf Kiew, welcher drei Tage später mit der Einschließung der Roten Armee und der Einnahme der Stadt endete. Die 71. ID war selbst nicht an der Einnahme beteiligt und wurde in den neuen Einsatzraum abtransportiert.S. 162–169.

Schlacht um Charkow 1942 Am 5. April 1942 eröffnete der Befehl OKW/WFSt. Nr. 55616/42 die Sommeroffensive an der Ostfront. Hierzu erhielt die 71. ID, welche im April 1942 aus Frankreich zurück an die Ostfront verlegt wurde, den Auftrag, im Verbund mit der 6. Armee den sowjetischen Frontvorsprung südlich von Charkow einzudrücken und die Hauptkampflinie in das Donezgebiet zu verlegen, um eine neue Ausgangsposition für die Heeresgruppe Süd zu verschaffen. Während IR 211 die 294. Infanterie-Division bei Verteidigungsaufgaben in Ternowaja unterstützte, bezogen die anderen beiden Regimenter ihre Verfügungsräume. Währenddessen brach die Rote Armee mit einem massierten Infanterie- und Panzereinsatz sowie zahlenmäßig überlegenem Personal- und Materialeinsatz bei Peremoga östlich und südöstlich von Charkow durch und band große Teile der deutschen Verbände. Einheiten der 71. ID verteidigten dabei den Raum nördlich von Isjum am Donez. Es gelang den deutschen Verbänden u. a. die 6. und 57. sowjetische Armee einzukesseln. Die sich daraus entwickelnde Frühjahrsschlacht von Charkow vom 17. bis 24. Mai 1942 endete mit einer Niederlage der Roten Armee.S. 171–188. Es folgte das Einnehmen der Abwehrstellung an der Babka. Dann stieß die Division über Nikolajewka in den Oskol-Abschnitt vor. Die Einheit nahm an Verfolgungskämpfen über Belowodsk, Morosowskaja, den Tschir zum Don bei Generalow teil. Westlich Kalatsch entwickelten sich weitere Abwehrkämpfe. Ab August 1942 setzten die Infanteristen der 71. Infanterie-Division über den Don, nahmen Karpowka und Rossoschka, bis sie schließlich Stalingrad erreichten.

Stalingrad 1942

Vormarsch auf Stalingrad Am 3. September 1942 hatte General Friedrich Paulus folgende Angriffsstreitkraft für die Eroberung von Stalingrad zur Verfügung: 30.000 Soldaten des LI. Armeekorps (389., 295. und 71. Infanterie-Division) und 50.000 Soldaten der 4. Panzerarmee, XXXXVIII. Panzerkorps und IV. Armeekorps (24. PD, 14. PD, 29. ID (mot.), 94. ID und die rumänische 20. ID), also insgesamt 80.000 Soldaten.S. 28. Das LI. Armeekorps mit der 71. ID unter Generalmajor Alexander von Hartmann sollte sich über die westlichen und nordwestlichen Vororte bis nach Stalingrad vorkämpfen.S. 31 f. Diese Marschroute war die kürzeste und einfachste vom äußeren auf den inneren Verteidigungsring von Stalingrad.S. 64.

Am Abend des 3. September 1942 bewegten sich die 71. und 295. ID in östlicher Richtung, eroberten den Bahnhof Gumrak im Kampf gegen das sowjetische 2. Panzerkorps (Krawtschenko) und die sowjetische 112. Schützen-Division (Oberst Iwan Efimowitsch Ermolkin). Dabei trieben sie das 23. Panzerkorps unter Generalmajor A. F. Popow und die 399. Schützen-Division unter Oberst Nikolai Grigorjewitsch Trawnikow nach Osten gegen den Bahnhof Konnaia. Ziel war es, die Hauptkräfte für die Stoßrichtung Gorodischtsche und Mamajew-Hügel zu bündeln. IR 211 und 194 durchbrachen die Verteidigungslinien der sowjetischen 112. SD, während auf dem rechten Flügel IR 191 die Gräben der 196. SD unter Oberst Polikarpowitsch überrannte und Talowoi sowie die Bahnhöfe Opytnaia und Eschowka einnahm. Dies führte zu großen Verluste auf Seiten der Roten Armee, die den deutschen Vorstoß mit einem Gegenangriff beim Krankenhaus Stalingrad erwiderte. Der Stoßkeil der 71. ID kämpfte sich tief in die Linien der 62. Armee südlich von Gunmrak vor und „tilgte die 87. und 196. SD buchstäblich aus der Schlachtreihe der Sowjettruppen“.S. 67. In der Region um Gumrak gab es anschließend noch eine Reihe weiterer Abwehrgefechte gegen die Überreste der 112. SD, 196. SD und 87. SD.

Am 4. September 1942 befahl Generalmajor A. I. Lopatin einen Gegenangriff, um zu verhindern, dass die 71. ID an östlichen Ufer der Tsaritza Fuß fasste.S. 70. Dabei stieß die sowjetische 244. SD auf IR 191, welche die umliegenden Höhen besetzt und sich entlang der Tsaritza auf 4 km der Innenstadt genähert hatte. Fälschlicherweise wurde Lopatin berichtet, dass Afanasiews Truppen ein Großteil des IR 191 vernichtet hätten.S. 73–75. Am 8. September 1942 setzten die 295. ID und 71. ID ihren Vorstoß von Gorodischtsche und Razgulaewka auf der Hauptstraße von Gumrak nach Stalingrad fort und drängten hunderte von Rotarmisten der 87. SD, 42. SB und ein Regiment der 244. SD zurück auf die Umgebung des Krankenhauses und der Motortraktorstation nördlich der Tsaritza, dabei entwickelten sich um Razgulaewka schwere Gefechte. Dies hatte zur Folge, dass sich die Personalstärke der 87. SD bald nur noch 140 Soldaten betrug. Hartmanns 71. ID verzeichnete nur noch geringe Geländegewinne zwischen dem Krankenhaus und der Tsaritza.S. 79 f. Mittlerweile mussten die drei IR der Division alle Kräfte aufbieten, um die Schützengräben der 42. SB und 244. SD sturmreif zu schießen.S. 87.