Charlotte Elise Dietrich (* 12. November 1887 in Leipzig; † 4. August 1976 in Berlin) war eine Pionierin der Sozialen Arbeit in Deutschland.

Leben und Wirken Sie studierte Deutsch, Französisch und Geschichte an der Universität ihrer Heimatstadt. Ihr Studium schloss sie am 30. November 1918 mit der Promotion zum Dr. phil ab. Das Thema ihrer Dissertation lautete: Die politischen Anschauungen Metternichs.

Nach einer kurzen Zusammenarbeit mit Hugo Gaudig übernahm sie am 1. Februar 1920 die Leitung der neu gegründeten Sozialen Frauenschule der Stadt Breslau. Dort unterrichtete sie unter anderem Psychologie und Pädagogik. Vier Jahre später wurde ihr noch die Leitung des Kindergärtnerinnen- und Hortnerinnenseminars der Stadt Breslau, einschließlich des Jugendleiterinnenlehrgangs und der Kinderpflegerinnenausbildung, übertragen. Im Jahre 1925 übernahm sie, bis 1927 in Personalunion mit Alice Salomon, die Leitung der Sozialen Frauenschule in Berlin. Zusätzlich zu ihren Verwaltungsaufgaben unterrichtete sie Psychologie, Pädagogik, Frauenfragen und Soziale Literatur.

Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, führte sie die soziale Ausbildungsstätte im Sinne der NS-Ideologie:

Um, wie Charlotte Dietrich später rückblickend sagte, „die Schule zu retten“,Mangold 2002, S. 35 beantragte sie am 25. November 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.916.653).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/6271203Berger Manfred: Wer war … Charlotte Dietrich? In: Sozialmagazin. 2003, Heft 1, S. 8. Sie setzte sich, das damalige Vokabular benutzend, für die neue Berufsbezeichnung „Volkspflegerin“ ein:

Nach dem Zusammenbruch der NS-Diktatur schied sie als politisch belastet aus der Sozialen Frauenschule aus und wurde am 2. Oktober 1946 entnazifiziert. Folgend arbeitete sie in der Flüchtlings- und Heimkehrerfürsorge in Berlin. Im Jahre 1947 erhielt sie eine Anstellung beim Evangelischen Diakonieverein und dem Zehlendorfer Verband für evangelische Diakonie. Sie unterrichtete die Diakonissen in Pädagogik und Psychologie. Zudem beteiligte sie sich an der Weiterentwicklung der Diakonieschulen in Kassel und Berlin, der späteren Schwesternhochschule der Diakonie, seit 1994 Studiengang Pflege/Pflegemanagement an der heutigen Evangelischen Fachhochschule Berlin.

Charlotte Dietrich gehörte mehreren Gremien und Verbänden an. So war sie unter anderem zweite Vorsitzende der Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit, war von 1925 bis 1933 Mitglied des Schulausschusses des Seminars für Jugendwohlfahrt, ab 1933 2. Vorsitzende der Konferenz Sozialer Frauenschulen Deutschlands und wurde 1924 in den Vorstand des Deutschen Fröbelverbandes gewählt.

Werke (Auswahl) Psychologie und Pädagogik in der Wohlfahrtsschule. In: Ministerium für Volkswohlfahrt (Hrsg.): Grundsätzliche Fragen zur Ausbildung der staatlich anerkannten Wohlfahrtsschulen. Berlin 1926. Die Volkspflegerin als Volkserzieherin. Schulungsbrief für die Volkspflegerinnen im öffentlichen Dienst. Berlin 1943. (PDF)

Literatur Manfred Berger: Wer war... Charlotte Dietrich?. In: Sozialmagazin. 2003, Heft 1, S. 6–9. Peter Reinicke (Hrsg.): Von der Ausbildung der Töchter besitzender Stände zum Studium an der Hochschule. 100 Jahre Evangelische Fachhochschule Berlin. Freiburg/Br. 2004.

Adriane Feustel und Gerd Koch (Hrsg.): 100 Jahre Soziales Lehren und Lernen. Von der Sozialen Frauenschule zur Alice Salomon Hochschule Berlin. Berlin 2008. Peter Reinicke: Dietrich, Charlotte, in: Hugo Maier (Hrsg.): Who is who der Sozialen Arbeit. Freiburg : Lambertus, 1998, ISBN 3-7841-1036-3, S. 140f. Renate von Ulmen: Charlotte Dietrich (1887–1976). Eine in Vergessenheit geratene Pionierin der Sozialen Arbeit. München 2015 (Privatdruck)

Einzelnachweise

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