mini|hochkant=1.5|Gelsenkirchen von SO, 2004

Gelsenkirchen [] ist eine Großstadt im zentralen Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen und gehört zur Metropolregion Rhein-Ruhr. Die kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Münster ist in der Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen. Sie ist Mitglied im Landschaftsverband Westfalen-Lippe und im Regionalverband Ruhr. In Deutschland und darüber hinaus ist Gelsenkirchen vor allem als Heimat des Fußballclubs FC Schalke 04 und für den bis zur Jahrtausendwende betriebenen Bergbau bekannt. Gelsenkirchen wird aufgrund von Kennzahlen wie der Arbeitslosenquote und dem verfügbaren Einkommen oft als die ärmste Stadt Deutschlands bezeichnet.

Die Stadt in ihren heutigen Grenzen ist das Ergebnis mehrerer Gebietsreformen, durch die einige umliegende Gemeinden und auch größere Städte, darunter die ehemalige Großstadt (seit 1926) Buer (seit 1912 Stadt Buer) sowie der Stadtteil Horst – früher die Freiheit Horst, seit 1891 Amt Horst – nach Gelsenkirchen eingegliedert bzw. mit dieser Stadt zusammengelegt wurden. Schon mit der ersten größeren Eingemeindung 1903 lag die Einwohnerzahl Gelsenkirchens über der 100.000-Grenze, was es zur Großstadt machte. Im Jahr 2022 lag Gelsenkirchen mit rund 260.000 Einwohnern auf Platz zwölf der 30 Großstädte Nordrhein-Westfalens. Früher hatte Gelsenkirchen aufgrund der vielen Fackeln, mit denen die Kokereien das überschüssige Koksofengas entsorgten, den Beinamen Stadt der 1000 Feuer. Seit den 1960er Jahren vollzieht sich ein Strukturwandel von der Montanindustrie zur Wissens- und Dienstleistungswirtschaft.

Geographie und Klima Lage und Fläche Gelsenkirchen liegt an den flachen Hängen des breiten Emschertales mit dem hier parallel verlaufenden Rhein-Herne-Kanal im Südwesten Westfalens. Die Kernstadt liegt südlich des Flusses bzw. Kanals, während die Stadtteile Horst und sieben aus Buer hervorgegangene Stadtteile nördlich der Gewässer am Vestischen Höhenrücken liegen. Ein Großteil des Stadtgebietes liegt infolge von Bergsenkungen unterhalb des Hauptvorfluters Emscher und muss deshalb ständig von der Emschergenossenschaft mit Entwässerungspumpen vor Überflutung geschützt werden.

Die größte Ausdehnung des Stadtgebietes beträgt in Nord-Süd-Richtung 17 Kilometer und in West-Ost-Richtung elf Kilometer. Die Stadtgrenze hat eine Länge von insgesamt 68 Kilometern.

In Gelsenkirchen sind etwa zehn Prozent des Stadtgebiets Park- und Freizeitflächen und 25 Prozent Wälder und landwirtschaftliche Flächen. Gelsenkirchen gehört damit zu den Städten mit einem überdurchschnittlichen Grünflächenanteil.

Gelsenkirchen liegt in der Metropolregion Rhein-Ruhr.

Nachbargemeinden mini|hochkant=1.5|Karte des Deutschen Reiches 1: 100.000 des heutigen Gelsenkirchener Gebietes Ende des 19. Jahrhunderts – damals noch deutlich getrennt in Buer (nebst Horst und anderen heutigen Stadtteilen) im Norden und die Kernstadt im Süden mini|hochkant=1.5|Karte von Gelsenkirchen (mit Stadtteilen)

Folgende Städte grenzen im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten, an die Stadt Gelsenkirchen: Die kreisfreien Städte Herne, Bochum und Essen sowie die zum Kreis Recklinghausen gehörenden Städte Gladbeck, Dorsten, Marl und Herten.

Exklave Gelsenkirchen besitzt eine etwa zwei Hektar große Exklave innerhalb der Stadt Bochum an der Stelle, wo der Hüller Bach die Stadtgrenze zwischen Bochum und Herne bildet. Diese gehört zum Stadtteil Ückendorf.Exklave auf Gelsenkirchener-Geschichten.de, 1. Februar 2007 – Abgerufen am 25. September 2020.

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet Gelsenkirchens besteht aus fünf Stadtbezirken mit je einer Bezirksvertretung, die sich in Stadtteile unterteilen. Die Stadtbezirke mit zugehörigen Stadtteilen (jeweils in alphabetischer Reihenfolge): Gelsenkirchen-Mitte: Altstadt, Bismarck, Bulmke-Hüllen, Feldmark, Heßler, Schalke, Schalke-Nord Gelsenkirchen-Nord: Buer, Hassel, Scholven Gelsenkirchen-Ost: Erle, Resse, Resser Mark Gelsenkirchen-Süd: Neustadt, Rotthausen, Ückendorf Gelsenkirchen-West: Beckhausen, Horst

Die Grenzen zwischen den Stadtbezirken bilden, mit Ausnahme der Grenze des Bezirkes Nord, verschiedene Elemente der Verkehrsinfrastruktur der Stadt. So trennt die Eisenbahnstrecke Herne-Oberhausen die Bezirke Mitte und Süd, der Rhein-Herne-Kanal Mitte und West bzw. Ost und die Kurt-Schumacher-Straße Ost und West.

Den geringsten Anteil an der industriell und gewerblich genutzten Fläche der Stadt Gelsenkirchen haben heute die Bezirke Süd mit etwa 7,8 % (oder 9,11 % in Bezug zur Bezirksfläche) und Ost mit 8,9 %. Dagegen erkennt man noch im Bezirk Mitte mit einem Anteil von 37 %, gemessen an der industriell genutzten Stadtfläche (oder 16 % zum Bezirk), die industrielle Vergangenheit wieder. In den Stadtbezirken Nord und West spiegelt sich in den Zahlen von 31 % und 15 % (in Bezug zur industriell genutzten Stadtfläche) der große Flächenverbrauch der dortigen Gelsenkirchner Raffinerieanlagen wider.

Die drei Bezirke Nord, Ost und West werden mit etwa 20 % der jeweiligen Bezirksfläche gleichermaßen stark landwirtschaftlich genutzt, wobei alleine im Bezirk Nord 42 % aller landwirtschaftlich genutzten Flächen der Stadt liegen. Schlusslichter sind die Stadtbezirke Mitte mit nur 5 % und Süd mit 11,9 % Anteil an der Bezirksfläche. Die forstwirtschaftliche Flächennutzung ist mit 14 % im Bezirk Ost (dort liegt das Waldgebiet Resser Mark) am größten. Bezogen auf das gesamte Stadtgebiet liegen im Bezirk Ost sogar 40 % aller forstwirtschaftlichen Flächen.

Während sich also besonders im Norden und Osten der Stadt sowie noch im Stadtteil Beckhausen auch eine gewisse land- bzw. forstwirtschaftliche Prägung bemerkbar macht, ist vor allem südlich des Rhein-Herne-Kanals die montanindustrielle Vergangenheit der Stadt mit dazugehöriger Wohnbebauung zu erkennen, auch wenn an die ehemals dort betriebenen Zechen Holland, Rhein-Elbe und Hibernia sowie an das Gussstahlwerk (heute Wissenschaftspark) nur noch wenige Gebäude erinnern.

Stadtteile vs. Gemarkungen Die drei nördlich der Emscher gelegenen Stadtbezirke Nord, West und Ost entsprechen weitgehend dem alten Amt Buer im Vest bzw. Kreis Recklinghausen abzüglich der Ämter Gladbeck (1885 abgespalten, heutige Stadt Gladbeck) und Westerholt (1911 selbstständig; seit 1975 Stadtteil von Herten). Horst schied zwar 1891 ebenfalls aus dem Amt Buer aus, wurde jedoch zusammen mit der Stadt Buer im Jahre 1928 mit Gelsenkirchen vereinigt, nachdem Horst bereits zuvor aus wirtschaftlichen Gründen den Anschluss an Buer gesucht hatte., Institut für Stadtgeschichte (PDF; 440 kB). Innerhalb der drei nördlichen Stadtbezirke gibt es lediglich die Gemarkungen Horst (5128) und Buer; innerhalb der Letztgenannten liegen alle anderen Stadtteile nördlich der Emscher (sowie auch jener Teil des Raffineriegeländes, der zum heutigen Stadtteil Horst gehört).

Südlich der Emscher existieren die folgenden Gemarkungen:

Der neue Ortsteil Schalke-Nord liegt nicht, wie es der Name vermuten ließe, in der Hauptsache auf Schalker Gemarkung, sondern nimmt vor allem den Nordosten der Heßleraner und den Westen der Bismarcker Gemarkung ein. Seinen Namen rechtfertigt er vor allem durch den Schalker Bahnhof und die Glückauf-Kampfbahn in seinem Süden, die jedoch seit jeher auf Heßleraner Gebiet stehen.

Der neue Ortsteil Feldmark nimmt den Nordwesten der Rotthausener, den Südwesten der Schalker Gemarkung und, zu kleineren Teilen, den Süden der Heßleraner Gemarkung ein. Die Einwohner des Stadtteils leben größtenteils auf altem Schalker Gebiet, da der wesentliche Teil des von Rotthausen übernommenen Teils von der Trabrennbahn und Halde Zollverein eingenommen werden.

Der Stadtkern, inzwischen geteilt in Alt- und Neustadt, wuchs nach Westen etwas in die Rotthausener Gemarkung hinein, jedoch wurde im Norden ein deutlich größerer Teil an Schalke abgetreten. Ückendorf übernahm im Norden einige Gebiete von den heute vereinigten Bulmke und Hüllen, das wiederum im Norden Gebiete von Bismarck übernahm.

Klimadiagramm

Geschichte

Frühgeschichte Auf dem Hügel nördlich der Emscher, auf dem heute Buer liegt, wurden mehr als 3000 Jahre alte Siedlungsspuren aus der Bronzezeit gefunden. Es gab zwar keine geschlossene Siedlung, aber dicht beieinander gelegene Einzelhöfe, in denen kurz vor der Zeitenwende germanische Brukterer gelebt haben. Ihr Name ist durch römische Geschichtsschreiber überliefert. Die römische Kontrolle über das Tiefland östlich des Rheins endete mit der Varusschlacht, aber es gab weiterhin viele Kontakte zwischen römischen Grenzprovinzen und unabhängigen Germanen. Um 700 n. Chr. wurde das Gebiet von den Sachsen besiedelt.

Mittelalter Namen Der Ortsname Buer wurde erstmals 1003 n. Chr. urkundlich erwähnt, als Puira (vermutlich ein verunglücktes Buira) von Heribert I. erwähnt wurde. Auch einige weitere Orte, die heute im nördlichen Gelsenkirchen liegen, wurden bereits im frühen Mittelalter erwähnt; einige Beispiele sind Raedese (heute Stadtteil Resse), Middelvic (Middelich; heute zum Stadtteil Erle gehörend) oder Sutheim (Sutum) und Sculven (heute Stadtteil Scholven). Viele Bauerschaften wurden später mit der Bezeichnung iuxta Bure (bei Buer) näher lokalisiert.

Um 1150 taucht in Urbaren des Klosters Werden zum ersten Mal der Name Geilistirinkirkin auf. Er wurde von Franz Darpe 1908 mit Kirche (am Bach) der üppigen Stiere und von Paul Derks 1984 zustimmend mit Kirche am Platz, wo sich geile Stiere tummelten übersetzt. 1265 lautet der Name im Werdener Urbar Gelstenkerken, was Robert Jahn 1960, ohne Bezug auf die vorausliegende Form, mit Kirche bei den Siedlern (-seten) im Bruchland (gel) übersetzte.Stadtname auf gelsenkirchen.de, abgerufen am 26. April 2024.

Die benannte Kirche bezeichnete vermutlich die Gelsenkirchener Dorfkirche, einen der Vorgängerbauten der Kirche St. Georg. Der Schutzpatron St. Georg hat jedoch nichts mit dem ersten Teil des Stadtnamens zu tun. Etwa gleichzeitig wurde im Norden des heutigen Stadtgebiets im Stadtteil Buer die erste Kirche gebaut; diese ecclesia Buron (Kirche zu Buer) wurde 1160 in einem Verzeichnis von Pfarrkirchen des Deutzer Küsters Theodericus aufgelistet.

Sicher nichts zu tun hat der Name mit den Gelsen, da dieser Begriff für Stechmücken nur in Österreich verwendet wird. Allerdings lebten in der Frühzeit und im Mittelalter nur wenige Dutzend Menschen in den jeweiligen Siedlungen um die Emschermulde.

Hoheitsgebiete Vom Hochmittelalter bis 1928 gehörte das heutige Stadtgebiet Gelsenkirchens zu zwei verschiedenen Territorien: Nördlich der Emscher, wo auch Buer liegt, erstreckte sich die Vest Recklinghausen des Erzstiftes Köln. Das Gebiet südlich der Emscher mit dem Dorf Gelsenkirchen gehörte seit dem 12. Jahrhundert zur Grafschaft Mark, die vorläufig ab 1609 und definitiv seit 1666 eine Besitzung Brandenburg-Preußens war. Daraus ergab sich nach 1815 die Zugehörigkeit zu zwei verschiedenen preußischen Regierungsbezirken.

Frühe Neuzeit Von 1609 bis 1706 waren im Gebiet der heutigen Stadt Gelsenkirchen 15 Personen von Hexenverfolgungen betroffen. Anna Spiekermann, geboren in Gelsenkirchen-Buer (Bauerschaft Sutum), wurde am 31. Juli 1706 in Westerholt hingerichtet. Sie war das letzte Opfer der Hexenverfolgungen im Vest Recklinghausen.Ralf-Peter Fuchs: Hexenverfolgung an Ruhr und Lippe. Die Nutzung der Justiz durch Herren und Untertanen. Westfälisches Institut für Regionalgeschichte. Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Münster. Forum Regionalgeschichte 8. Hrsg. Von Bernd Walter. Ardey Verlag Münster 2004, S. 40ff. Marlies Mrotzek: Anna Spiekermann (um 1670–1706) – das letzte Opfer der Hexenverfolgung im Vest Recklinghausen, in: Stadt Gelsenkirchen (Hrsg.): Von Hexen, Engeln und anderen Kämpferinnen, Gelsenkirchen 2001, S. 75–79.