Peter Jürgensen (* 16. Dezember 1873 in Dellstedt, Dithmarschen; † 5. Februar 1954 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Architekt, der zahlreiche Kirchen- und Profanbauten in Berlin und anderen Städten Deutschlands verwirklichte.
Leben Jürgensens Vater war der Zimmermeister und Mühlenbauer Jürgen Jürgensen (1824–1905).Ernst Dehning: Architekt BDA Peter Jürgensen, ein Sohn unserer Heimat. In: Die Heimat. Monatsschrift des Vereins zur Pflege der Natur- und Landeskunde in Schleswig-Holstein, September 1952, Band 59, Nr. 9, S. 258–262, hier: S. 258 (Digitalisat). Nach der Volksschule machte Peter Jürgensen eine Zimmerlehre, anschließend studierte er Architektur an der Baugewerkschule EckernfördeSabrina Kimmel: Grenzgänger zwischen Tradition und Moderne. Das Berliner Architekturbüro Jürgensen & Bachmann. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 2007, 103. Jahrgang, Heft 2, S. 466 ff.; diegeschichteberlins.de und von 1893 bis etwa 1900 an der Technischen Hochschule (Berlin-)Charlottenburg, dort unter anderem bei Johannes Vollmer.
Nach ersten Erfahrungen im Büro des Architekten Jürgen Kröger gründete Jürgensen zusammen mit Jürgen Bachmann 1903 die Sozietät Jürgensen und Bachmann mit Bürositz in Berlin-Charlottenburg. Die Architekten beteiligten sich erfolgreich an Wettbewerben und belegten meist vordere Plätze; sie konnten ihre Entwürfe anschließend auch selbst umsetzen. In der Zeit großer Aufträge arbeiteten in ihrem Büro auch andere, später mit eigenen Bauten bekannt gewordene Architekten wie Gustav Wilhelm Berringer. Kulturportal Mecklenburg.
Jürgensen errichtete als Wohnsitz für seine Familie und als Geschäftsgebäude für sein Architekturbüro 1911–1914 in Berlin-Charlottenburg, Kastanienallee 22, ein eigenes, fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus. Jugendstilelemente und Einflüsse der frühen Moderne bestimmen das Haus unter anderen mit Kastendoppelfenstern, Balkons mit Balustraden und einem Portalvorbau aus Sandstein sowie einem Sandsteinrelief Mutter und Kind. Ein kleines Giebelrelief mit Schleswig-Holstein-Wappen diente als Referenz auf den Geburtsort des Architekten. Im Inneren gab es Wohnungen nach dem damaligen Geist der Kaiserzeit mit relativ geräumigen Zimmern, einem Fahrstuhl und sogar einem Weinkeller, zur Hofseite hin wurden Terrassen angebaut.Dietmar Treiber: Baumeister für Berlin. Peter Jürgensen. In: Berliner Morgenpost, 5. Februar 2003. altbauten.de, Immobilienmakler
Die Zusammenarbeit mit Bachmann wurde 1918 beendet, danach arbeitete Jürgensen mit einem eigenen Büro in Berlin weiter, bei größeren Aufträgen gelegentlich auch mit anderen Architekten.
Werk
Entwürfe 1903: Wettbewerbsentwurf für die Handelshochschule Köln (2. Preis)private Homepage zu einem Gebäude in Flensburg mit weiteren Informationen zu Jürgensen. villaholm.de 1904: Entwurf für einen Museumsbau in BergedorfBergedorfer Bürgerverein mit Details zum Museum (offline) 1908: Wettbewerbsentwurf für die Pauluskirche in Breslau (2. Preis) 1909: Wettbewerbsentwurf für die Anscharkirche in Neumünster (1. Preis, jedoch nicht ausgeführt) 1912: Entwürfe für ein Operngebäude in Berlin 1913: Wettbewerbsentwurf für ein Rathaus mit Saalbau in Bochum (3. Preis) 1915: Wettbewerbsentwurf für ein Verwaltungsgebäude der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin-Wilmersdorf (1. Preis) 1920: Wettbewerbsentwurf für einen Museumsbau mit Platzgestaltung in Dresden (zusammen mit den Architekten R. Röhlk und C. Pönitz; 3. Preis) 1930/1931: Wettbewerbsentwurf für die Johanneskirche in Berlin-Frohnau
Bauten mini|hochkant|Kirche in Berlin-Karlshorst mini|Rathaus Schöneberg mini|Lutherkirche in Erfurt
1905: Umbau eines Wohn- und Geschäftshauses in Berlin-Friedrichshagen 1905: Gymnasium in Berlin-Friedrichshagen (heutige Wilhelm-Bölsche-Schule)Infos. Deutsche Fotothek. 1906–1907: Synagoge Friedberger Anlage der Israelitischen Austrittsgemeinde in Frankfurt am Main (mit 1600 Sitzplätzen, 1938 in der Reichspogromnacht zerstört)Hebraica und Judaica-Sammlung. (PDF) Homepage der Universität Frankfurt; kah-bonn.de um 1908: Herrenhaus auf Gut Groß Rambin, PommernDeutsche Bauzeitung, 42. Jahrgang 1908, Nr. 69 (vom 26. August 1908), S. 473. (Abbildungen nach Entwurfszeichnungen) 1908: Villa Holm auf der Westlichen Höhe, privates dreigeschossiges Wohnhaus für Johann Holm in Flensburg 1908: Evangelische Kirche in Hamburg-Stellingen (im Krieg zerstört und 1951–53 durch Neubau ersetzt) 1908–1909: St.-Petri-Kirche in Flensburg um 1908: jüdisches Altersheim in BuckowDehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Berlin. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2006, ISBN 3-422-03111-1. () 1909–1910: Waldkapelle Zum anklopfenden Christus in Hessenwinkel bei BerlinInfos zur Waldkapelle. Stiftung Denkmalschutz 1909–1910: St.-Gertrud-Kirche in Lübeck 1910: Kirche Zur frohen Botschaft in Berlin-Karlshorst 1910–1911: Restaurationsgebäude im Zoologischen Garten Berlin mit repräsentativen Fest- und Speisesälen (Ausgestaltung der Wand-, Säulen- und Treppenverkleidungen in Majolika erfolgte durch John Martens; zerstört)Robert Dupuis: 1910–1911: Kapelle auf dem Friedhof am Friedenshügel in Flensburg (im barocken Heimatschutzstil mit mächtigem Mansarddach und bekrönender Laterne)Darstellung. (PDF; 461 kB) historischegaerten.de, Stadtarchiv Flensburg. 1911: Taborkirche in Berlin-WilhelmshagenKünstlerdatenbank 1911–1914: Rathaus Schöneberg (Bauschmuck innen von John Martens, außen von Ludwig Isenbeck und Johannes Hinrichsen) 1912: Markuskirche in Berlin-SteglitzHomepage der Markusgemeinde mit der Baugeschichte. (PDF; 345 kB) um 1921: Ausstellungshalle in Frankfurt am Main 1925–1927: Lutherkirche in Erfurt 1926: Filmatelier der Europäischen Film-Allianz in Berlin-Halensee (monumentale Fassade; im Zweiten Weltkrieg zerstört)
Außerdem entstanden zwischen 1908 und 1939 zahlreiche heute unter Denkmalschutz stehende Wohnbauten in verschiedenen Berliner Stadtteilen: Grabenstraße 11 in Lichterfelde (1908/1909), Kufsteiner Straße 17–19 (1926/1927), Reichsstraße 78–80 (1924/1927), Rubensstraße / Kauschstraße / Peter-Vischer-Straße (1928/1929) Homepage von brenne-architekten. Nassauische Straße 41–44 (1929–1931), Eichenallee 38 (1936), Nimrodstraße 91 (1937–1939). Ebenso umfasst das Werk Schulbauten in Emden, in Sonderburg und in Rendsburg.
Literatur Ernst Dehning: Architekt BDA Peter Jürgensen, ein Sohn unserer Heimat. In: Die Heimat. Monatsschrift des Vereins zur Pflege der Natur- und Landeskunde in Schleswig-Holstein, September 1952, Band 59, Nr. 9, S. 258–262; Digitalisat Rudolf Jaeger: Jürgensen, Peter. In: Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon. Band 3. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1974, S. 171 f. Sabrina Kimmel: Protestantischer Kirchenbau in Berlin am Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Architekturbüro Jürgensen & Bachmann. unveröffentlichte Magisterarbeit, Berlin 2006 (Exemplar im Archiv des Instituts für Kunstgeschichte der Freien Universität Berlin). Peter Genz: Bauen über die Region hinaus. Architekten aus der Baugewerkschule Eckernförde 1868–1968. Neumünster 2006, ISBN 3-529-05335-X, S. 148 f. (Kurzbiografie) Sabrina Kimmel: Grenzgänger zwischen Tradition und Moderne. Das Berliner Architekturbüro Jürgensen & Bachmann. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 2007, 103. Jahrgang, Heft 2, S. 466 ff.; diegeschichteberlins.de
Weblinks
Insgesamt 18 Bauten von Jürgensen in Berlin, die unter Denkmalschutz stehen, darunter: in der Reichsforschungssiedlung Haselhorst, 1930–1935, der Nathanael-Kirche in Berlin-Schöneberg am Grazer Platz, 10 Bilder zur Waldkapelle in Hessenwinkel. Bezirksamt Köpenick.
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (Berlin) Kategorie:Jürgen Bachmann (Architekt)
Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1873 Kategorie:Gestorben 1954 Kategorie:Mann