mini|hochkant|Uhrmacher um 1568 mini|Uhrmacherstube im Schwarzwald (zirka 1900) Ein Uhrmacher ist ein Erfinder, Konstrukteur oder Erbauer von Uhren, speziell von mechanischen Uhrwerken und deren Zubehörteilen. Der Beruf beinhaltet auch die Wartung und Pflege von Uhren aller Art (vergleiche hingegen die Unterscheidung von watchmaker und clockmaker im Englischen).
Die Objekte eines Uhrmachers beziehen zum Teil auch die Anzeige anderer von der Zeit abgeleiteten Werte (siehe Komplikationen) oder völlig anderer Werte (mittels anderer Messinstrumente, zum Beispiel Barometer) mit ein. Das Uhrmacherhandwerk wurde 2020 für die Schweiz und Frankreich in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.Craftsmanship of mechanical watchmaking and art mechanics. UNESCO Intangible Cultural Heritage, 2020. 2021 folgte der Eintrag in das deutsche Verzeichnis.20 Neueinträge ins Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes, auf unesco.de, abgerufen am 13. September 2021
Geschichte Die ersten Uhrmacher waren Schlosser und Schmiede, die (mit den Schleifern) einer gemeinsamen Zunft angehörten, zu der auch Windenmacher und ab dem 16. Jahrhundert Büchsenmacher gehörten.Hans-Peter Trenschel: Die Würzburger Zunft der Schlosser, Büchsen-, Uhr- und Windenmacher. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1477-8, S. 448–453, hier: S. 448–450. Auch nachdem Mitte des 16. Jahrhunderts Uhrmacherzünfte in Deutschland entstanden waren, hatten Schlosser das Recht, Uhren zu bauen. Die ersten Uhrmachervereinigungen finden sich 1540 in Dresden, noch vereinigt mit der Innung der Kleinschmiede und ohne Zwang zum Meisterstück, 1544 in Paris und 1631 in London mit der Worshipful Company of Clockmakers.Klaus Maurice: Von Uhren und Automaten. Prestel, München 1968. Die Uhrmacherei zählte zunächst zu den Künsten, später zum Kunsthandwerk. Die Uhrmacher, welche im 18. Jahrhundert in Großuhrmacher (mit drei Jahren Lehrzeit und drei Jahren Wanderschaft als Geselle) und Kleinuhrmacher (mit vier Jahren Lehrzeit und mindestens vier Jahren – „Muthjahren“ – Wanderschaft) unterschiedenHans-Peter Trenschel: Die Würzburger Zunft der Schlosser, Büchsen-, Uhr- und Windenmacher. 2004, S. 450 f. wurden, waren die Pioniere der Feinmechanik.
In manchen Regionen, wie etwa dem Schwarzwald oder bestimmten Gegenden der Schweiz, begann bereits Ende des 18. Jahrhunderts die Herstellung von Uhren in Heimarbeit oder Manufakturen, die entsprechend große Stückzahlen ermöglichten. Aber auch andere Regionen entwickelten eine eigenständige Uhrmachertradition, die noch heute an den verschiedenen Typen historischer Uhren erkennbar ist. Mit Beginn der industriellen Produktion von Uhren im 19. Jahrhundert änderte sich das Berufsbild dahingehend, dass die Anfertigung neuer Uhren völlig hinter Handel, Wartung und Reparatur zurücktrat. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, mit dem Aufkommen billiger, industriell hergestellter Quarzuhren, erlebte der Beruf einen erheblichen Rückgang. Er beschränkt sich heute weitgehend auf die Reparatur und Wartung hochwertiger Luxusuhren und die Restaurierung antiker Stücke, entsprechende Fachleute sind allerdings durchaus gefragt.
Der heutige Beruf Uhrmacher
mini|Uhrmacherin bei der Dreharbeit
Berufsbild Der Uhrmacher beschäftigt sich mit Herstellung, Montieren, Demontieren, Reparieren und Restaurieren von Uhrwerken und Zubehörteilen, insbesondere dem Uhrgehäuse, also mit Konstruktionszeichnungen, mechanischen, elektrischen und elektronischen Bauteilen von Groß- und Kleinuhrwerken in Serien- und Einzelfertigung sowie mit Fehlersuche, Wartung, Pflege, Prüfung und Justage von modernen und historischen Uhren sowie mit den Grundlagen und mit angewandter Zeitmesstechnik. Daneben bilden Herstellung und Wartung der hochspezialisierten Betriebsmittel einen Anteil seiner Tätigkeit.
Das Berufsfeld umfasst Gewerbetreibende und Fachverkäufer bzw. Fachberater in der Schmuckbranche und im technischen Kundendienst. In der Uhrenindustrie ist der Uhrmacher als Professionist der Fachmann, der andere Arbeitskräfte anleitet und überwacht. Er führt komplizierte Arbeiten aus und ist für die Qualitätssicherung zuständig. Im Dienstleistungssektor sind Uhrmacher für die Pflege, Wartung und Erhaltung von Uhren zuständig – diesen Typus des Berufsbilds nennt man auch Rhabilleur. Das Spektrum reicht hier vom Batteriewechsel über Revisionen bis hin zu komplexen Restaurierungen von historischen Groß- und Kleinuhren (Uhrenrestaurator). Der Furniturist ist Uhrmacher im Ersatzteilhandel (Uhrenfurniturenhandel). Galvaniker, Polisseure, Cadranographen, Mikrozeichner und Mikromechaniker sind weitere Ausbildungen im Uhrmacherbereich.Berufe und Ausbildungen im Uhrmacherbereich. In: CPIH. Abgerufen am 17. Januar 2012. Das Berufsbild des Uhrmachers unterscheidet noch grundsätzlich zwischen Industrie und Handwerk, wobei die Übergänge bei den kleinen, unabhängigen Uhrenherstellern fließend sind (z. B. in der Académie Horlogère des Créateurs Indépendants). Industrie: Herstellung von Uhren und anderen feinmechanischen Messgeräten. Handwerk: Wartung und Reparatur aller Arten von Uhren und anderer Zeitmessgeräte. Warenwirtschaft: das Verwalten von Betriebsmitteln und Ersatzteilen.
Uhrmacher arbeiten selbständig auf der Grundlage von technischen Unterlagen und Arbeitsaufträgen. Sie beschaffen Informationen, planen und koordinieren ihre Arbeit und stimmen sie mit anderen, insbesondere mit Kunden, Betriebsinhabern und Kollegen ab. Weiterhin ergreifen sie qualitätssichernde Maßnahmen, dokumentieren ihre Leistungen und ergreifen Maßnahmen zur Arbeitssicherheit, zum Gesundheits- und Umweltschutz bei der Arbeit. Uhrmacher sind wegen ihrer umfangreichen Ausbildung in der Mikromechanik unter anderem auch im Flugzeugbau, Musterbau und in der Mess- und Regeltechnik beschäftigte Fachkräfte.
Berufsausbildung Die Ausbildung zum UhrmacherBundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) – Uhrmacher/inVerordnung: „Uhrmacher/in“ (PDF; 78 kB) dauert in Deutschland drei Jahre und schließt mit dem Gesellenbrief ab. In Österreich werden Lehrlinge im Rahmen einer Lehre als Zeitmesstechniker dreieinhalb Jahre ausgebildet und legen am Ende die Lehrabschlussprüfung ab.147. Verordnung: Uhrmacher/in - Zeitmesstechniker/in-Ausbildungsordnung, in Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich, Jahrgang 2013, ausgegeben am 27. Mai 2013, abgerufen am 13. September 2021
In der Schweiz wird man je nach Fachgebiet drei bis vier Jahre ausgebildet und erhält dann – nach erfolgreich abgeschlossener Lehrabschlussprüfung – ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis.Ausbildungsinfos des Schweizerischen Dienstleistungszentrums Berufsbildung, Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung SDBB. In allen drei Ländern kann die Ausbildung heute auf zwei Arten erfolgen:
als Duale Ausbildung in einem Handwerks- oder Industriebetrieb mit begleitender Berufsschule als schulische Vollzeitausbildung in einer Berufsfachschule, UhrmacherschuleAusbildung zum/r Uhrmacher/in, auf rgs-furtwangen.de, abgerufen am 13. September 2021
Die Vergütung während der Ausbildung Die Auszubildenden erhalten von den Unternehmen eine monatliche Ausbildungsvergütung, deren Höhe tarifvertraglich festgelegt wird und die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist. Für den Ausbildungsberuf „Uhrmacher/in“ betrug sie im Jahr 2011 durchschnittlich:
Industrie und Handel, Alte BundesländerUhrmacher / Uhrmacherin Gehalt & Verdienst 1. Ausbildungsjahr: € 750 bis 900 brutto 2. Ausbildungsjahr: € 800 bis 1.000 brutto 3. Ausbildungsjahr: € 950 bis 1.150 brutto
Neue Bundesländer (Stand Juli 2017)Uhrmacher, auf bildungsmarkt-sachsen.de 1. Ausbildungsjahr: € 994 2. Ausbildungsjahr: € 1.057 3. Ausbildungsjahr: € 1.150
Fortbildung Uhrmachermeister mini|Meister im Uhrmacherhandwerk (Urkunde) – Handwerkskammer Dresden – am 16.7.1958 Nach dem Ausbildungsabschluss ist eine Fortbildung zum Meister möglich.Hessische Uhrmacherschule – Uhrmachermeister / Uhrmachermeisterin Der UhrmachermeisterVerordnung: „Uhrmachermeister / Uhrmachermeisterin“ () ist durch seine Dreifachqualifikation ein Spezialist für sein Fachgebiet, ein Ausbilder und ein Unternehmer.
Restaurierung alter Uhren In Deutschland wurde ab dem Jahr 2007 eine weitere Fortbildungsmöglichkeit für den Uhrmacherberuf geschaffen. Ausgebildete Uhrmachermeister können sich zum anerkannten Restaurator im Uhrmacherhandwerk mit AbschlussprüfungHessische Uhrmacherschule – Restaurator/in im Uhrmacherhandwerk qualifizieren. Somit wurde eine neue QualifikationRestaurator/in im Uhrmacherhandwerk geschaffen, damit die Kunden – seien es private Auftraggeber, Sammler oder öffentliche Institutionen wie Museen – die Sicherheit haben, dass ihre kunsthistorisch wertvollen Instrumente in fachkundige Hände kommen.
Der moderne Handwerker wird mit historischen Objekten konfrontiert, die ein andersartiges Vorgehen erfordern als es in einer konventionellen Handwerksausbildung gelehrt wird. Hierbei wird ein breites Wissen über längst kaum mehr ausgeübte, historische Handwerkstechniken gefordert, ebenso die Kenntnis der in früherer Zeiten verwendeten Materialien. Zudem kann umfangreiche Recherche in der Fachliteratur oder Archiven und Museen erforderlich sein um etwa das mutmaßliche Aussehen fehlender Teile zu ermitteln. Auch die genaue schriftliche und bildliche Dokumentation der ausgeführten Arbeiten ist bei einer fachgerechten Restaurierung häufig gefordert.
Passend zur langjährigen Tradition der Uhrenherstellung ist in der Schweiz die Spezialisierung auf die Restaurierung schon in der Grundausbildung möglich. Die Ausbildung zum Uhrmacher kann im sogenannten Fachgebiet Rhabillage absolviert werden.Infos Fachgebiet Rhabillage des Schweizerischen Dienstleistungszentrums Berufsbildung, Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung SDBB. Zur Weiterbildung werden Spezialkurse angeboten.
In Österreich werden Weiterbildungen zur Restaurierung als Kursausbildungen der Uhrmacherinnungen und -schulen angeboten.Weiterbildungsinfo Österreich des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft
Uhrmacherschulen In Deutschland wurde die erste Uhrmacherschule 1850 in Furtwangen im Schwarzwald gegründet, in der Schweiz 1868 die Uhrmacherschule in Le Locle, in Österreich 1873 in Karlstein an der Thaya.
Historische Schulen Deutsche Uhrmacherschule Glashütte (DUS), Deutschland (1878–1956) Uhrmacherschule Le Locle: seit 1868, heute Teil der Ecole technique neuchatelois, das Gebäude Château des Monts beherbergt seit 1959 das Uhrenmuseum Musée d’Horlogerie du Locle
Berufsbildende und berufsweiterbildende Schulen Deutschland Bayerische Meisterschule für das UhrmacherhandwerkBayerische Meisterschule für das Uhrmacherhandwerk Landesberufsschule für Bayern, Hessen und Thüringen an der Franz-Oberthür-Schule WürzburgFranz-Oberthür-Schule Würzburg Berufsfachschule HamburgBerufsfachschule für Uhrmacher Hamburg Berufliches Schulzentrum „Otto Lilienthal“ Freital–Dippoldiswalde, Außenstelle GlashütteBSZ Freital-Dippoldiswalde, Außenstelle Glashütte Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule Pforzheim The Nicolas G. Hayek Watchmaking School PforzheimNicolas G. Hayek Watchmaking School Hessische Uhrmacherschule (HUS), Meister- und Weiterbildungsschule für das UhrmacherhandwerkHessische Uhrmacherschule (HUS) Uhrmacherschule Furtwangen an der Robert-Gerwig-Schule Furtwangen (seit 1850) Uhrmacherschule mit Meisterschule an der Staatlichen Feintechnikschule Villingen-SchwenningenStaatliche Feintechnikschule Villingen-Schwenningen Max-Born-BerufskollegMax-Born-Berufskolleg Österreich Bundes-Berufsschule für Uhrmacher Karlstein/Thaya (seit 1873),Bundesfachschule für Uhrmacher in Karlstein an der Thaya betreut auch das österreichische Uhrenmuseum KarlsteinUhrenmuseum Karlstein an der Thaya Schweiz CFP-BBZ Biel-Bienne